Echter Lorbeer

Art der Gattung Lorbeeren (Laurus)
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Der Echte Lorbeer (Laurus nobilis), auch Edler Lorbeer oder Gewürzlorbeer, kurz auch Lorbeer, genannt, ist eine Pflanzenart der Gattung Lorbeeren (Laurus) innerhalb der Familie der Lorbeergewächse (Lauraceae). Sie wird als Heil- und Gewürzpflanze verwendet. Der Name leitet sich über mittelhochdeutsch lōrber (für Lorbeere, die Frucht des Lorbeerbaumes) und althochdeutsch lōr(beri) von gleichbedeutend lateinisch laurus ab.[1] Auch die als Gewürz verwendeten (getrockneten) Blätter vom Echten Lorbeer werden Lorbeer genannt.

Echter Lorbeer

Echter Lorbeer (Laurus nobilis), Illustration

Systematik
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Magnoliids
Ordnung: Lorbeerartige (Laurales)
Familie: Lorbeergewächse (Lauraceae)
Gattung: Lorbeeren (Laurus)
Art: Echter Lorbeer
Wissenschaftlicher Name
Laurus nobilis
L.

Mit „Lorbeeren“ wird auch die mit dem Lorbeerkranz verliehene Würdigung einer Leistung bezeichnet.[2]

BeschreibungBearbeiten

 
Laubblatt
 
Laubblätter, Blütenstand
 
Laubblätter, Blütenstand und reife Früchte
 
Ein Echter Lorbeer in einem Park in Angra do Heroísmo auf der Azoreninsel Terceira.

Vegetative MerkmaleBearbeiten

Der Echte Lorbeer ist ein immergrüner Strauch oder Baum und kann Wuchshöhen bis über 10 Meter erreichen. Die Borke ist glatt und gräulich.

Die wechselständigen, ledrigen, kahlen bis schwach behaarten, oberseits glänzenden und kurz gestielten Laubblätter duften aromatisch. Ihr ganzer Rand ist oft leicht gewellt. Sie sind elliptisch, lanzettlich bis verkehrt-eiförmig, -eilanzettlich, seltener eiförmig, 5–12 cm lang und an beiden Enden spitz, seltener stumpf. Die Blätter sind mit Drüsen besetzt.

Generative MerkmaleBearbeiten

Die kleinen, grün-gelben oder auch weißlichen Blüten stehen in achselständigen, kurzen, wenigblütigen, doldigen Blütenständen, mit einer vierblättrigen Hülle, zusammen, die einzeln oder zu wenigen zusammen erscheinen. Die kurz gestielten, weich behaarten und zweizähligen Blüten mit einfacher Blütenhülle sind meist getrenntgeschlechtlich zweihäusig diözisch, allerdings kommen auch zwittrige Blüten vor. Die vier Tepalen stehen in zwei Kreisen. Die männlichen Blüten besitzen meist 10–12 Staubblätter und ein Pistillode kann vorkommen. Die Staubblätter in den inneren Kreisen besitzen zwei Drüsen an der Basis. Die weiblichen Blüten tragen einen oberständigen, einfächerigen Fruchtknoten mit kurzem Griffel und dreikantiger Narbe, meist gibt es daneben 4 verkümmerte Staubblätter (Staminodien) mit zwei Drüsen.

Die eiförmigen bis ellipsoiden, einsamigen, glatte Beeren an einem kleinen Fruchtbecher sind glänzend und blau-schwarz bis schwärzlich und 1–1,8 cm lang.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 36, 42, 48, 54, 60, 66 oder 72.[3]

Verbreitung und KulturbedingungenBearbeiten

Der Echte Lorbeer hat sich, aus Vorderasien kommend, über den Mittelmeerraum verbreitet. Er kommt ursprünglich in Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen, Portugal, Frankreich, Italien, Sizilien, Sardinien, auf der Balkanhalbinsel, in der Türkei, in Kreta, der Ägäis, Zypern, Israel und Jordanien vor.[4] In Spanien, auf der Krim, im Kaukasusraum, in Vietnam und Korea ist er ein Neophyt.[5]

Da er nur bedingt winterhart ist, überlebt er in Deutschland nur im Rheinland, am Bodensee und klimatisch ähnlich milden Gebieten mit Winterschutz ganzjährig ausgepflanzt im Freien. Auf Helgoland findet man einige große ausgepflanzte Exemplare, die seit den 1980er-Jahren erfolgreich ohne Winterschutz gedeihen. In raueren Gebieten kann er nur als Kübelpflanze gehalten werden. Als ausgepflanzte Freilandpflanze gedeiht er auch in Südirland und übersteht aufgrund der klimatischen Verhältnisse die dortigen Winter problemlos.

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt & al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2 (mäßig trocken), Lichtzahl L = 2 (schattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 5 (sehr warm-kollin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch).[6]

InhaltsstoffeBearbeiten

In der Frucht (Fructus Lauri), genannt Lorbeere, kommen ätherische und fette Öle vor. Werden die Lorbeeren gepresst und ausgekocht, so ergibt sich ein Gemenge, das Oleum Lauri (Lorbeeröl, auch Loröl) genannt wird. (Im Mittelalter und später wurde unter Lorbeeröl, oleum laurinum bzw. lôröl, jedoch ein Öl, oleum, verstanden, das aus zerkleinerten, in Olivenöl gekochten Lorbeeren, baccae lauri, als öliger Auszug gewonnen wurde[7][8]). Es ist durch Chlorophyll grün gefärbt und ist eine salbenartige, bei 36 °C schmelzende Masse. Im Einzelnen enthält die Frucht bis zu 30 % fettes Öl und etwa 1 % ätherisches Öl (Terpene, Sesquiterpene, Alkohole und Ketone).

Das Blatt enthält 1,3 % ätherisches Öl (Ol. Lauri folii), darin 45 % Cineol, 12 % Terpene, 3–4 % Sesquiterpene, 3 % Methyleugenol und weiter α- und β-Pinen, Phellandren, Linalool, Geraniol und Terpineol. Stoffe (G/O).

VerwendungBearbeiten

Der Echte Lorbeer wird als Gewürzpflanze verwendet: Das Aroma der Blätter des Lorbeerbaums passt zu Suppen, Eintöpfen, Fleischgerichten, aber auch zu Fisch. Die Blätter dienen auch zum Würzen eingelegter Gurken und Heringe, für Sülzen und zur Essigaromatisierung. Lorbeerblätter sind Bestandteil des Bouquet garni in der französischen Küche.

In der gesamten Pflanzenwelt existieren Pflanzenarten mit aromatischen Blättern. Viele davon werden als Lorbeer bezeichnet, obwohl sie geschmacklich mit dem Echten Lorbeer kaum Ähnlichkeit zeigen. Hierzu gehören der Indische Lorbeer (Cinnamomum tamala), der Westindische Lorbeer (Pimenta racemosa), der Indonesische Lorbeer (Syzygium polyanthum), der Kalifornische Lorbeer (Umbellularia californica) und der Mexikanische Lorbeer (Litsea glaucescens). Die meisten dieser Pflanzen werden nur in ihrem Herkunftsgebiet genutzt.

Lorbeerfrüchte (Fructus Lauri, Lorbeeren) wurden früher in hautreizenden Salben verwendet.[9]

Außerdem wurden sie als Insektenrepellent[10] und als Antiparasitikum in Salbe verwendet, zum Beispiel gegen Läuse und Krätzemilben.[11] Wegen der Möglichkeit einer allergischen Kontaktdermatitis ist die Anwendung der Salbe aus medizinischer Sicht allerdings nicht unbedenklich. Ferner wird Fruct. Lauri beim Milchvieh gegen Euter-Erkrankungen und als Brunstmittel für Kühe und Schweine verordnet.[12]

Lorbeeröl ist eine butterartige, grünliche Masse, die bei circa 30 °C schmilzt und durch Auspressen der erwärmten und zerkleinerten Lorbeerfrüchte gewonnen wird.[13] Auch durch Destillation von Lorbeerblättern kann Lorbeeröl gewonnen werden. Es besteht zu circa 95 Prozent aus fettem Öl und zu 5 Prozent aus ätherischem Öl. Lorbeeröl dient medizinisch zum Einreiben, wird eingesetzt bei Prellungen, Verstauchungen und rheumatischen Beschwerden[10] und bei Hämatomen.[14] Bei Pferden fördern hyperämisierende Einreibungen am Huf das Hornwachstum.[15] Außerdem findet das Öl heute Anwendung als Duftkomponente in der Parfümerie und für Liköre.[16] Lorbeeröl enthält auch die zur Körperreinigung, Hautpflege und Heilung eingesetzte Aleppo-Seife, je nach Rezeptur einen Ölanteil von zwei bis 60 Prozent bei der Herstellung.

Es wurde behauptet, dass der Echte Lorbeer zu Trance und Bewusstseinsstörungen führt, wenn er in größeren Mengen genossen wird. Wissenschaftlich ist dies jedoch nicht belegt.[17] So wird vermutet, dass die Visionen der Priesterinnen des Orakel von Delphi durch den Genuss von Lorbeer beeinflusst waren.[18] Im Mittelalter galt Lorbeer als Heilmittel gegen die Pest.[19] Außerdem stand Lorbeer im Ruf, vor Zauber und Feuer zu schützen.

GeschichteBearbeiten

Die Herkunft des botanischen Gattungsnamens für den früher auch Lorbaum genannten Lorbeerbaum (Laurus) ist unbekannt, dagegen erinnert die altgriechische Bezeichnung daphne (δάφνη) daran, dass die Nymphe Daphne von ihrem zu Hilfe gerufenen Vater, dem Flussgott Peneios, in einen Lorbeerstrauch verwandelt wurde, um den Nachstellungen Apolls zu entgehen. Dieser trug als Zeichen seines Kummers über die nicht erwiderte Liebe einen aus Zweigen gewundenen Lorbeerkranz.

In einigen Sprachen Südosteuropas und des Nahen Ostens wurde der griechische Name des Lorbeers übernommen: Hebräisch aley daphna (עלי דפנה), türkisch defne, albanisch dafinë, bulgarisch dafinov list (дафинов лист), rumänisch dafin. Im Neugriechischen hat sich der Name ohnehin erhalten (δάφνη, Aussprache: dafni).

Beim Einzug als erfolgreicher Triumphator in die Stadt Rom war der Feldherr mit Lorbeer bekränzt (Corona triumphalis). Mit dem Übergang zum Kaiserreich trugen auch die römischen Kaiser einen Lorbeerkranz, und später erhielten ihn auch Sieger bei Spielen. Der Lorbeerkranz steht bis heute sprichwörtlich für eine besondere Auszeichnung. Er gilt als Symbol des Ruhmes, Sieges und Friedens. Im angelsächsischen Raum gibt es den offiziellen Titel des poet laureate („lorbeergekrönter Dichter“).

Das Silberne Lorbeerblatt ist die höchste sportliche Auszeichnung in Deutschland. Sie wird vom Bundespräsidenten vergeben und wurde ursprünglich von Theodor Heuss (1950) gestiftet.

Laurus nobilis ist auch Namensgeber für den Laureus World Sports Awards, der auch als Sport-Oscar angesehen wird.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Wolfgang Franke: Nutzpflanzenkunde. Nutzbare Gewächse der gemäßigten Breiten, Subtropen und Tropen. 6. Auflage, Thieme, Stuttgart 1997, ISBN 3-13-530406-X.
  • Gerhard Orzechowski (Hrsg.), Otto Gessner: Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa. 3. Auflage. Winter, Heidelberg 1974, ISBN 3-533-02372-9.
  • Hermann Adolph Köhler: Köhler’s Medizinal-Pflanzen in naturgetreuen Abbildungen mit kurz erläuterndem Texte. Köhler, Gera-Untermhaus 1887 (Abbildung im Text); Reprint bei Bechtermünz Augsburg 1997, ISBN 3-86047-418-9.
  • Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis. Ausgabe 5, Springer 1998, ISBN 3-540-60330-1, S. 52.
  • Christian Rätsch: Lexikon der Zauberpflanzen: aus ethnologischer Sicht. Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz 1988, ISBN 3-201-01437-0.
  • Avril Rodway: Kräuter und Gewürze. Die nützlichsten Pflanzen der Natur – Kultur und Verwendung. Tessloff, Hamburg 1980, ISBN 3-7886-9910-8.
  • Dieter Braun: Lorbeer. In: Reallexikon für Antike und Christentum. Band 23, Hiersemann, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-7772-1013-1, Sp. 453–471.
  • Rita Lüder: Bäume bestimmen – Knospen, Blüten, Blätter, Früchte: Der Naturführer für alle Jahreszeiten. 2., erweiterte Auflage. Haupt Verlag, 2019, ISBN 978-3-258-08049-9, S. 225.
  • Ettore Pacini, Nicola Sciannandrone, Massimo Nepi: Floral biology of the dioecious species Laurus nobilis L. (Lauraceae). In: Flora - Morphology Distribution Functional Ecology of Plants. 209(3–4), 2014, doi:10.1016/j.flora.2014.02.001, (PDF; 2,8 MB).
  • Marilena Idzojtic: Dendrology. Academic Press, 2019, ISBN 978-0-128-19644-1, S. 379.

WeblinksBearbeiten

Wiktionary: Lorbeer – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Echter Lorbeer (Laurus nobilis) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Aufl., hrsg. von Walther Mitzka, De Gruyter, Berlin/ New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 446.
  2. www.redensarten.
  3. Laurus nobilis bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. Louis.
  4. E. von Raab-Straube (2018): Lauraceae. – In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Datenblatt Laurus nobilis
  5. Datenblatt Laurus nobilis bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science.
  6. Laurus nobilis L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am 23. März 2021.
  7. Gundolf Keil: Randnotizen zum „Stockholmer Arzneibuch“. In: Studia neophilologica. Band 44, Nr. 2, 1972, S. 238–262, hier: S. 256, mit Zitat aus dem Circa instans.
  8. Vgl. auch Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 149 (Oleum laurinum: „Das ausgepreßte Oel der Beeren des Lorbeerbaumes“).
  9. Otto Geßner: Die Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa: mit besonderer Berücksichtigung ihrer Wirkungen. K. Winters Universitätsbuchhandlung, 1931, S. 224, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche.
  10. a b Siegfried Bäumler: Heilpflanzenpraxis heute, Rezepturen und Anwendung, Band 2, Elsevier Health Sciences, 2013, S. 438, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche.
  11. Otto Ziegler, Artur Petzold: Drogenkunde. S. 48 eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche.
  12. Hermann Friedrich Maria Thoms: Real-Enzyklopädie der gesamten Pharmazie: Handwörterbuch für Apotheker, Aerzte und Medizinalbeamte, Band 3, Teil 1, Urban & Schwarzenberg, 1927, S. 211, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche.
  13. Tierheilkunde und Tierzucht: eine Enzyklopädie der praktischen Nutztierkunde, Band 6, Urban & Schwarzenberg, 1926, S. 428, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche.
  14. Siegfried Bäumler: Heilpflanzenpraxis heute, Rezepturen und Anwendung, Band 2, Elsevier Health Sciences, 2013, S. 357, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche.
  15. Lutz-Ferdinand Litzke, Burkhard Rau: Der Huf: Lehrbuch des Hufbeschlages, Georg-Thieme-Verlag, 2012, S. 224, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche.
  16. Gerald Rimbach, Jennifer Möhring, Helmut F. Erbersdobler: Lebensmittel-Warenkunde für Einsteiger, Springer-Verlag, 2010, S. 270, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche.
  17. Martin Ebner: Die Stadt als Lebensraum der ersten Christen: Das Urchristentum in seiner Umwelt I, Vandenhoeck & Ruprecht, 2012
  18. Veit Rosenberger: Orakelsprüche und Weihegeschenke, Delphi als Kristallisationspunkt griechischer Identitäten, S. 117 in: Ralf von den Hoff, Stefan Schmidt: Konstruktionen von Wirklichkeit: Bilder im Griechenland des 5. und 4. Jahrhunderts v. Chr., Franz Steiner Verlag, 2001, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche.
  19. Katharina Kagerer: Jacob Balde und die bayerische Historiographie unter Kurfürst Maximilian I.: Ein Kommentar zur Traum-Ode (»Silvae« 7,15) und zur »Interpretatio Somnii«, Herbert Utz Verlag, 2014, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche.