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ehemaliger Londoner Hof 2014 – Blick westwärts
Londoner Hof 2014 – Blick ostwärts

Der ehemalige Londoner Hof war eine von Laurenz Mefferdatis erbaute repräsentative dreiflügelige Stadtvilla aus dem 18. Jahrhundert in der Kleinkölnstraße 18 in der Aachener Innenstadt, deren eigentliche Ursprünge im 15. Jahrhundert liegen. Von dem heutigen dort stehenden Geschäftshaus sind nur noch das Erdgeschoss original aus der Zeit von Mefferdatis sowie der circa 1700 m² große Grundriss erhalten geblieben, woraufhin das Gebäude 1977 unter Denkmalschutz gestellt worden ist.

GeschichteBearbeiten

Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Anwesen im Jahr 1485. Zwischen 1713 und 1740 wurde dann im Auftrag des regierenden Aachener Bürgermeisters Leonhard Joseph von Lamberts zu Cortenbach das alte Gebäude in zwei Bauabschnitten von dem Barockbaumeister Laurenz Mefferdatis kernsaniert. Der Neubau diente daraufhin zum Vorbild für weitere innerstädtische Stadtvillen wohlhabender Kaufleute und Adelsfamilien.

Vier Jahre nach dem Tod des Freiherrn von Lamberts zu Cortenbach wurde das Gebäude ab 1768 zu einem Gasthof umfunktioniert und nannte sich fortan „Cour de Londres“. Nach dem Ausbruch der französischen Revolution diente der Londoner Hof zunächst als Versammlungsraum der adeligen Kräfte Europas, die eine Gegenrevolution anstrebten. Nach der endgültigen Besetzung Aachens durch die Franzosen im Jahr 1794 wurde hier von 1800 bis 1814 der Sitz der Präfektur des Département de la Roer eingerichtet. Kaiser Napoléon Bonaparte war, ebenso wie in den Jahren zuvor schon der Abenteurer Casanova, regelmäßiger Gast im „Cour de Londres“.

Nach dem Abzug der Franzosen im Jahr 1814 übernahm die neue preußische Regierung das Gebäude vorübergehend als Amtssitz. Wenig später diente der Londoner Hof bis zur Sanierung des Aachener Rathauses als Ausweichquartier für die erste Aachener Stadtregierung.

Drei Jahre nach dem Ersten Weltkrieg übernahm der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund das Anwesen, der 1933 von den Nationalsozialisten verboten und zerschlagen wurde. Noch während der Kriegsjahre war der Londoner Hof 1940 von einer Aachener Familie gekauft worden, die darin ein Möbelgeschäft etablieren wollten. Doch erst im Dezember 1944, nachdem Aachen schon befreit worden war, konnte der Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstörten Gebäudes beginnen und das Möbelgeschäft eingerichtet werden. Nachdem im Jahr 2004 das Möbelhaus außerhalb Aachens verlegt wurde, beinhaltet der Gebäudekomplex seitdem ein Geschäft für orientalische Wohnkultur.

BaubeschreibungBearbeiten

 
Haupteingang des ehemaligen Londoner Hofes – am heutigen Platz der Ausstellungshallen

Der Londoner Hof gilt als Prototyp für die Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts errichteten innerstädtischen Herrensitze. Charakteristisch ist die Bauweise mit Cour d’Honneur und zentralem Grundriss. Der Londoner Hof war ein zweigeschossiger siebenachsiger Bau mit dreiachsigem Risalit, der von einem klassischen Giebel abgeschlossen wurde.[1] Dieses Gebäude war „eine der seltenen Hofanlagen in Aachen. […] Für die Aachener Baugeschichte ist der Grundriss wichtiger als die Architektur (Abb. 29). Der Mitteltrakt enthält im Obergeschoss Vorzimmer und Saal, unten Vestibül und Gartensaal, in den Flügeln ein Vorzimmer und Treppenhaus. Saal, Schlafzimmer und die in den Seitentrakten anschließenden Fremdenzimmer sind als ein symmetrisches Muster der Mittelachse zugeordnet und durch Türen in der gleichen Flucht verbunden; es ist das erste Beispiel einer Enfilade (Grundmotiv barocker Raumkomposition) in Aachen. Dieser Grundriss hat in Aachen im Laufe des 18. Jahrhunderts eine wesentliche Verbesserung kaum erreicht.“[2]

Der diesem Bautyp entsprechende Wylre'sche Hof ist in seiner Anlage noch erhalten.[3]

1977 wurde der ehemalige Londoner Hof vom Landeskonservator Rheinland in dem Denkmäler-Verzeichnis eingetragen:

„Kleinkölnstraße 18 ‚Londoner Hof‘

1713 und 1730 (Mefferdatis) Wiederaufbau;

von dem 3flügeligen Stadthof nur erhalten ist die erdgeschossige Partie der beiden Straßenachsen der Flügelbauten; Wiederaufbau über alten Fundamenten unter Verzicht auf den 3achsigen Mittelrisalit.“[4]

 
Gedenktafel Wege gegen das Vergessen

Seit 14. Juli 2016 erinnert eine zweisprachige Gedenktafel, welche von den beiden Partnerschaftskomitees Aachen-Reims und Stolberg-Valognes finanziert wurde, an die Bedeutung des Gebäudes während der Franzosenzeit mit folgender Inschrift:

„In diesem Gebäude befand sich von 1800 bis 1814 die Präfektur des französischen Roer-Départements, das nach dem Fluss Rur benannt war. Das Département umfasste die vier Bezirke Aachen, Köln, Krefeld und Kleve. Verwaltungssitz war Aachen.“ — „En cet endroit était installée la Préfecture du département français de la Roer (d’après la rivière du même nom) de 1800 à 1814. Le département comprenait les arrondissements d’Aix-la-Chapelle, de Cologne, de Crevelt et de Clèves. Aix-la-Chapelle en était le chef-lieu.“

Im Rahmen des Projektes Wege gegen das Vergessen erinnert eine weitere Gedenktafel an die Zerschlagung des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes im Jahr 1933:

„Hier befand sich seit 1921 das Gewerkschaftshaus. Am 2. Mai 1933 hat die Naziregierung die Gewerkschaften verboten und zerschlagen. Die SA besetzte dieses Haus und verschleppte zwei Gewerkschafter“

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Karl Faymonville u. a.: Die Kunstdenkmäler der Stadt Aachen. III: Die profanen Denkmäler und die Sammlungen der Stadt Aachen. L. Schwann, Düsseldorf 1924, S. 782, Fig. 64 Mittelbau, Kleinkölnstr. 18.
  2. Paul Schoenen: Johann Joseph Couven. L. Schwann, Düsseldorf 1964, S. 86, S. 154.
  3. Reinhard Dauber: Aachener Villenarchitektur. Die Villa als Bauaufgabe des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Bongers, Recklinghausen 1985, S. 12f.
  4. Günther Borchers (Hrsg.): Landeskonservator Rheinland. Denkmälerverzeichnis. 1.1 Aachen Innenstadt mit Frankenberger Viertel. Unter Mitwirkung von Hans Königs bearbeitet von Volker Osteneck. Rheinland Verlag, Köln 1977, S. 99.

Koordinaten: 50° 46′ 36,7″ N, 6° 5′ 10″ O