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Künstlicher Lockvogel

Menschen verwenden einen Lockvogel, um andere Tiere und dabei meistens andere Wildvögel zu verleiten, ihre Scheu zu überwinden und sich zu ihm zu gesellen oder ihn als Beute zu greifen, damit sie dort leichter fotografiert, gefangen oder erlegt werden können. Eingesetzt werden lebende Vögel, die an dem Ort gefangen sind, zu dem sie locken sollen; dazu werden sie dort im Käfig oder mit Schlingen oder Leim oder durch Blendung oder sonstige Verstümmelung gehalten. Zur Lockjagd werden auch Nachbildungen von Lockvögeln genutzt, also künstliche Lockvögel.

DeutschlandBearbeiten

Der Einsatz von geblendeten und sonst, also insbesondere zur Flugunfähigkeit verstümmelten Lockvögeln ist bei der Jagd verboten[1]. Außer in Baden Württemberg[2] oder aus tierseuchenrechtlichen Gründen[3] ist die Verwendung von lebenden Tieren zulässig und insbesondere zur Schädlingsbekämpfung noch verbreitet. Künstliche Lockvögel sind nur bei manchen Jagdarten gebräuchlich, darunter Krähen-, Tauben- und Entenjagd.

Übriges EuropaBearbeiten

In Frankreich[4], Italien und Spanien wird bis heute die Jagd auf Singvögel praktiziert. Dort werden zum Teil lebende Lockvögel im Rahmen der Fallenstellerei zur Erbeutung von Singvögeln eingesetzt. Bei der traditionellen Vogeljagd oder dem Vogelfang werden in größeren Fanganlagen ganze Batterien von Käfigen mit Lockvögeln eingesetzt. Gegner der Vogeljagd versuchen diese insbesondere durch Befreiung der Lockvögel zu behindern. Auf dem Hintergrund der Vogelgrippe wurden weitergehende Beschränkungen zum Einsatz von Lockvögeln in Jagdgebieten der Europäischen Union erlassen.[5]


Ähnliche Effekte nutzt man bei der Judasziege oder dem Einsatz einer Fuchsnachbildung zum Anlocken von Krähen.[6]

Übertragene BedeutungBearbeiten

Wegen seiner aktiven Rolle und unwiderstehlichen Wirkung ist das Bild vom Lockvogel in die Alltagssprache eingegangen. `Lockvögel´ nennt man etwa Personen, die als Eintänzer oder beim Hütchenspiel potentielle Kunden bzw. Opfer in eine Situation hineinziehen, in der sie übervorteilt werden können. Auch Sonderangebote, insbesondere vereinzelte Angebote unter sonst überteuerten Waren, werden als Lockvögel bzw. Lockvogelangebote bezeichnet.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. § 19 Abs. 1 Ziff. 5 b) Bundesjagdgesetz, geblendete Lockvögel wurden bereits mit § 2 des Gesetzes betreffend den Schutz von Vögeln vom 22.3.1888 verboten
  2. § 31 Abs. 1 Ziff. 10c) Jagd- und Wildtiermanagementgesetz (JWMG)
  3. lebende Gänsevögel und Regenpfeiferartige nach § 54 der Verordnung zum Schutz gegen die Geflügelpest (Geflügelpest-Verordnung)
  4. zum Fang auch mit Lockvogel Komitee gegen den Vogelmord e.V. abgerufen im August 2019
  5. Aviäre Influenza und Vogeljagd (avianinfluenza-hunting.org eingesehen am 29. November 2009) (Memento des Originals vom 5. Januar 2009 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.avianinfluenza-hunting.org
  6. Fabian Müller, Krähenjagd mit Fuchsattrappen Deutsche Jagdzeitung, Ausgabe Juli 1999 (djz.de eingesehen am 29. November 2009)

WeblinksBearbeiten

  Commons: Lockvögel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Lockvogel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen