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Liste von Unternehmenszusammenbrüchen und -skandalen

Wikimedia-Liste

Die folgende Liste umfasst Unternehmenszusammenbrüche, die zum Zeitpunkt ihres Eintretens große wirtschaftliche oder politische Folgen hatten und teilweise aus wirtschaftlichen oder politischen Skandalen hervor- oder mit diesen einhergingen. Diese Liste soll keine vollständige Aufzählung von Insolvenzfällen enthalten, sondern Pleiten anführen, die aufgrund ihrer Begleitumstände und Auswirkungen zu ihrer Zeit in den Medien behandelt wurden und eine große öffentliche und überregionale Aufmerksamkeit erfuhren.

UnternehmenszusammenbrücheBearbeiten

Name Land Datum Geschäftsbereich Kurzbeschreibung
Banco Medici Florenz   1494 Banken Durch das Zusammenspiel mehrerer politischer Probleme und einer instabilen wirtschaftlichen Gesamtlage kam das Bankhaus der Medici-Familie, das einst als wirtschaftliche Stütze der Stadt Florenz diente und die päpstlichen Finanzen betreute, in eine finanzielle Schieflage und die Bank musste abgewickelt werden.
Niederländische Ostindien-Kompanie Niederlande  Niederlande 31. Dez. 1799 Handel Die stark durch Korruption geprägte VOC erwirtschaftete gegen Ende des 18. Jahrhunderts Verluste aufgrund einer gesunkenen Nachfrage nach exotischen Gewürzen und des vierten Englisch-Niederländischen Krieges. Die bankrotte Gesellschaft musste ab 1798 aufgelöst werden, die verbliebene Vermögensmasse und die Schulden der VOC wurden durch die Batavische Republik verstaatlicht.
Overend, Gurney and Co. Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich  Juni 1866 Banken Durch langfristige Investitionen in den Schienenverkehrssektor sank die Liquidität des Geldhauses unter ein kritisches Maß. Nach einem Börsengang 1865 fiel der Aktienwert infolge einer allgemeinen Baisse stark ab. Durch Kursrückgänge waren auch Anteilsscheine von Bahngesellschaften betroffen, in die Overend, Gurney and Co. investiert war. Da sich die Bank of England weigerte, das Unternehmen zu stützen, wurde Overend, Gurney and Co. 1866 zahlungsunfähig und löste somit den Schwarzen Freitag von 1866 aus.
Danatbank Deutsches Reich  Deutsches Reich 13. Juli 1931 Banken Die ehemals zweitgrößte deutsche Bank geriet in eine Schieflage, als 1931 eine Vielzahl ausländischer Kunden ihre Einlagen abzogen und der Delmenhorster Nordwolle-Konzern in einen Bilanzfälschungsskandal verwickelt wurde. Aufgrund von Zahlungsausfällen des Kreditnehmers Nordwolle mussten 45 Millionen Reichsmark abgeschrieben werden. Die spätere Zahlungsunfähigkeit löste einen Bank Run aus.
Kahn-Konzern Deutsches Reich  Deutsches Reich   1932 Industrieholding Die Beteiligungsgesellschaft Richard Kahn GmbH umfasste ehemals mehrere Unternehmen des deutschen Maschinenbaus. Eine hohe Verschuldung aufgrund einer aggressiven Expansionspolitik setzte das Konglomerat schon früh unter Druck. Die Unrentabilität mehrerer Konzerngesellschaften, die vorerst durch Gewinn- und Verlustbeteiligungen innerhalb des Konzerns ausgeglichen wurde, sorgte 1932 für den Bankrott des Konzerns und die Herauslösung eines Großteils der Tochtergesellschaften.
Borgward Deutschland  Deutschland   1961 Automobilindustrie Der Automobilhersteller Borgward war ehemals ein wichtiger Arbeitgeber in der Stadt Bremen. Aufgrund einer zu großen Modellvielfalt und einer vernachlässigten betriebswirtschaftlichen Führung geriet das Unternehmen in finanzielle Nöte und war auf wiederholte Kreditaufnahmen angewiesen. Als die finanzielle Situation Borgwards öffentlich bekannt wurde, sah sich der Bremer Senat 1961 dazu gezwungen, eine Bürgschaft über einen Kredit in Höhe von 10 Millionen D-Mark zurückzuziehen. Die beteiligten Banken gaben daraufhin keine Gelder mehr frei. Im Februar 1961 stellte der Senat den Unternehmensgründer Carl Friedrich Wilhelm Borgward vor die Entscheidung, sein Unternehmen dem Land Bremen zu übereignen oder in den Konkurs zu gehen. Carl F. W. Borgward willigte ein und übertrug sein Unternehmen an das Land, die Fahrzeugwerke mussten später dennoch vollständig abgewickelt werden. Zwar konnten nach dem Zusammenbruch alle Gläubigeransprüche gedeckt werden, jedoch ging ein beträchtlicher Teil der Arbeitsplätze verloren.
Penn Central Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 21. Juni 1970 Schienenverkehr Mit der Fusion der Pennsylvania Railroad und der New York Central Railroad zur Penn Central Transportation 1968 entstand die größte Bahngesellschaft und das sechstgrößte Industrieunternehmen der Vereinigten Staaten. Die misslungene Fusion sowie das schwierige Umfeld führte innerhalb kürzester Zeit zu solch hohen Verlusten, dass die Banken nach rund 2 Jahren keine weiteren Liquiditätskredite vergaben und Konkurs angemeldet werden musste. Dies war der bis dahin größte Konkurs in der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte. Es bestand die Gefahr, dass der Schienenverkehr im Nordosten der Vereinigten Staaten kollabierte, so dass 1976 die staatliche Auffanggesellschaft Conrail gegründet wurde.
Herstatt-Bank Deutschland  Deutschland 26. Juni 1974 Banken Devisenspekulationen der Bank brachten diese in Schwierigkeiten. Die falsche Annahme eines steigenden US-Dollars nach der Ölkrise 1973 bescherten Herstatt hohe Verluste, die das Eigenkapital bald deutlich überstiegen. Eine Überschuldung führte zum Einzug der Banklizenz und der Abwicklung des Bankinstituts. Der Zusammenbruch der Herstatt-Bank war zu ihrer Zeit die größte Bankenpleite in der Geschichte der Bundesrepublik.
Chicago, Rock Island and Pacific Railroad Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten   1975 Schienenverkehr Anfang der 1960er Jahre wollten die Chicago, Rock Island und Pacific Railroad und die Union Pacific Railroad fusionieren. Die Regulierungsbehörde Interstate Commerce Commission benötigte bis 1975 um die Fusion zu genehmigen. In der Zwischenzeit hatte die Rock Island kaum in den Erhalt der Bahninfrastruktur investiert, so dass sich die Union Pacific entschloss von der Fusion zurückzutreten. So musste unmittelbar nach der Entscheidung der ICC, die Bahngesellschaft Konkurs anmelden. 1980 entschied der Konkursrichter, dass die Gesellschaft nicht mehr zu retten sei und somit zerschlagen wurden.
Chicago, Milwaukee, St. Paul and Pacific Railroad Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 19. Dez. 1977 Schienenverkehr Die Bahngesellschaft fuhr in den 1970er Jahren aufgrund des gewachsenen Konkurrenzdrucks durch andere Bahngesellschaften und Verkehrsträger sowie von Fehlentscheidungen des Managements Verluste ein, so dass 1977 Konkurs beantragt werden musste. In der Folge wurde das Netz der Bahngesellschaft um mehr als die Hälfte (u. a. die transkontinentale Bahnstrecke) reduziert und schließlich 1985 an die Soo Line verkauft.
Chemische Fabrik Stoltzenberg Deutschland  Deutschland 06. Sep. 1979 Chemie Das Hamburger Chemieunternehmen, das 1923 von Hugo Stoltzenberg gegründet wurde, produzierte eine Vielzahl chemischer Kampfstoffe ohne die, gemäß Kriegswaffenkontrollgesetz geforderten, Genehmigungen dafür besessen zu haben. Unter anderem wurden zu Testzwecken mehrere Kilogramm N-Lost an die Bundeswehr geliefert. Nachdem am 6. September 1979 ein Kind durch eine Explosion im Keller eines Wohnhauses, die durch das Spielen mit Chemikalien hervorgerufen wurde, zu Tode kam, wurde eine Untersuchung eingeleitet. Diese stellte fest, dass über Jahrzehnte Kinder in das unzureichend gesicherte Betriebsgelände eindringen konnten und wiederholt Material entwendeten. Teilweise lagerte die Chemische Fabrik Stoltzenberg Giftstoffe sogar unter freiem Himmel. Zu den sichergestellten Stoffen zählten unter anderem 35 Liter Tabun, vier Liter N-Lost, zwei Liter Thiophosgen, zwei Kilogramm Chlorpikrin, 12 Stahlflaschen mit Phosgen und Chlor, 50 Kilogramm Bromaceton und zehn Kilogramm weißer Phosphor. Das Unternehmen wurde 1979 aufgelöst, das Erdreich auf dem Fabrikgelände bis zu einer Tiefe von rund 2,5 Meter abgetragen.
IBH-Holding Deutschland  Deutschland 04. Nov. 1983 Baumaschinen Durch eine Reihe von Firmenzukäufen stieg die IBH-Holding in den 1970er Jahren zu einem der größten Baumaschinenhersteller der Welt auf. Zu den größten Übernahmen zählten die der Hanomag und die der GM-Baumaschinenmarke Terex 1980 und 1981. Durch ein verschlechtertes Marktumfeld und eine mangelhafte Integration der übernommenen Unternehmen geriet der verschuldete Konzern zusehends in eine Krise. Der Zusammenbruch folgte 1983 und löste seinerseits eine Krise bei der SMH-Bank aus.
Texaco Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 13. Apr. 1987 Erdöl Der Ölgigant Texaco ging 1987 Bankrott, nachdem zwei Jahre zuvor ein Rechtsstreit mit Pennzoil bezüglich der Übernahme von Getty Oil verlorengegangen war. Texaco wurde hierbei zu einer Zahlung von 10,53 Milliarden US-Dollar verurteilt. Das Unternehmen konnte später aus dem Insolvenzverfahren entlassen werden und bestand bis zur Übernahme durch Chevron weiter.
co op AG Deutschland  Deutschland   1988 Einzelhandel Durch Bilanzmanipulationen und Vermögensverschiebungen wurde eine Verschuldung von fünf Milliarden Mark (kaufkraftbereinigt in heutiger Währung: umgerechnet 4,5 Milliarden Euro) bekannt. In der Summe hatte der co op-Vorstand unter Bernd Otto mehrere Banken um zwei Milliarden Mark geprellt. Das Unternehmen wurde infolge des co op-Skandals, eines der seinerzeit größten Wirtschaftsskandale der deutschen Nachkriegsgeschichte, zerschlagen.
Lincoln Savings and Loan Association Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten   1989 Banken Die US-Sparkasse brach als Teil der Savings-and-Loan-Krise zusammen und sorgte für einen Korruptionsskandal, als bekannt wurde, dass mutmaßlich mehrere Politiker das Unternehmen vor einer Untersuchung der Aufsichtsbehörde bewahrt hätten. Zu den beschuldigten Politikern zählten auch John McCain und John Glenn, diese wurden jedoch durch eine Ethik-Kommission des US-Senats freigesprochen.
Neue Heimat Deutschland  Deutschland   1990 Immobilien Die Neue Heimat war eine gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft im Besitz des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Am 8. Februar 1982 wurde durch einen Spiegel-Artikel bekannt, dass sich die Unternehmensleitung um Albert Vietor persönlich bereichert hatte, indem sie durch Strohmänner eigene Unternehmen gründeten und diesen Aufträge der Neuen Heimat zu überhöhten Preisen zuwiesen. Dieser Skandal wurde als Neue-Heimat-Affäre bekannt. Durch Missmanagement und persönliche Bereicherung wuchs die Schuldenlast der Neuen Heimat auf mehrere hundert Millionen Mark. Ein Gutachten kam später zu der Ansicht, dass Albert Vietor alleine durch seine Privatgeschäfte für einen Verlust von 105 Millionen DM verantwortlich war. Die vorübergehende Übernahme der hoch verschuldeten Gesellschaft durch den Bäckerei-Unternehmer Horst Schiesser für eine symbolische Mark im September 1986 wurde bereits im November desselben Jahres rückabgewickelt, da die beteiligten Banken den Sanierungsplan Schiessers nicht akzeptierten. Bis 1990 wurden die Bestandsimmobilien verkauft und die Neue Heimat aufgelöst.
Bank of Credit and Commerce International Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich 05. Juli 1991 Banken Dem Geldhaus mit Einlagen in Höhe von ca. 25 Milliarden US-Dollar konnten Beteiligungen an Geldwäsche, Bestechung, Waffenhandel und Terrorismusunterstützung nachgewiesen werden. Der Guardian bezeichnete die Vorgänge seinerzeit als den „größten Betrug der Weltgeschichte“.[1]
Balsam AG Deutschland  Deutschland   1994 Sportbedarf Der einstige Weltmarktführer für Sportbodenbeläge betrieb eine unwirtschaftliche Politik mit Dumpingpreisen und unüberlegten Zukäufen. Diese Umstände sollten mit gefälschten Rechnungen vertuscht werden. Zum Zeitpunkt des Konkurses standen einem Firmenvermögen von ca. 10 Millionen Euro Forderungen im Wert von 1,98 Milliarden Euro gegenüber.
Barings Bank Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich 26. Feb. 1995 Banken Die älteste Investmentbank des Vereinigten Königreichs fiel Verlusten von 1,4 Milliarden US-Dollar zum Opfer, die durch Spekulationen des Derivatehändlers Nick Leeson verursacht wurden. Barings wurde für einen symbolischen Preis von einem Pfund durch die ING Groep übernommen.
Bremer Vulkan Deutschland  Deutschland   1996 Schiffsbau Der Bremer Vulkan war eine der wichtigsten Großwerften Deutschlands, die 1996 Insolvenz anmeldete und 1997 den Betrieb einstellte. Nach der Übernahme großer Teile der ostdeutschen Marineindustrie zu Beginn der 1990er Jahre kam der Vulkan bald in Liquiditätsschwierigkeiten. Durch die folgende Abwicklung des Unternehmens verloren rund 9000 der ehemals 23.000 Beschäftigten ihre Arbeitsplätze.[2] Nach dem Zusammenbruch befassten sich rechtliche Untersuchungen mit der Veruntreuung von rund 850 Millionen D-Mark europäischer Fördergelder, die ursprünglich für die Sanierung der ostdeutschen Werften vorgesehen waren.
Bre-X Kanada  Kanada 08. Mai 1997 Bergbau Das kanadische Bergbauunternehmen behauptete, es habe in Indonesien eine der größten Goldlagerstätten der Welt entdeckt. Erst nach einer beträchtlichen Zeitspanne stellte sich heraus, dass so gut wie alle Probebohrungen im Explorationsgebiet noch vor Ort gefälscht worden waren. Statt ganzer Bohrkerne wurden nur gemahlene und verfälschte Gesteinsproben an unabhängige Labore geschickt. Zu seinen Hochzeiten zählte das Unternehmen zu den größten, an der TSX gelisteten Titeln.
Long-Term Capital Management Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 23. Sep. 1998 Investmentfonds Spekulationen in Rentenpapiere innerhalb eines instabilen Marktes (z. B. durch die Russlandkrise) sorgten für Verluste im Wert mehrerer Milliarden Dollar. Da starke negative Auswirkungen auf das internationale Finanzsystem befürchtet wurden, musste der Hedgefonds-Verwalter staatlich gestützt werden. Eine Abwicklung folgte im Jahr 2000.
FlowTex Deutschland  Deutschland   1999 Baumaschinen Das Unternehmen FlowTex handelte mit Horizontalbohrmaschinen und beging Kreditbetrug, indem es nicht existente Maschinen über Sale-Lease-Back-Verträge verkaufte und sofort wieder zurückleaste. Dieses Ponzi-Schema erforderte eine immer weiter steigende Anzahl von Maschinenverkäufen, um die anfallenden Leasingraten zu decken. Es entstand ein finanzieller Schaden von ca. 5 Milliarden D-Mark.
Iridium Inc. Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten   2000 Telekommunikation Iridium Inc. war ein US-amerikanischer Kommunikationsnetzbetreiber, der 73 Satelliten für die Satellitenkommunikation unterhielt. Aufgrund schwerwiegender Fehlkalkulationen – die Nutzungskosten lagen bei rund 8 Dollar pro Minute, womit nur rund 55.000 Nutzer akquiriert werden konnten, statt der geplanten 2 Millionen – ging das Unternehmen im Jahr 2000 in die Insolvenz. Für die alten Investoren, darunter der Motorola-Konzern, gingen etwa 5 Milliarden US-Dollar verloren.[3] Mehrheitseigentümer Motorola plante zwischenzeitlich gar mit der gezielten Zerstörung aller 73 Satelliten des Unternehmens durch das Verglühen in der Erdatmosphäre. Diese Pläne wurden nicht umgesetzt, da das Kommunikationssystem Iridium noch im selben Jahr durch Boeing übernommen wurde.[4]
Pacific Gas and Electric Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 06. Apr. 2001 Versorger Ab Sommer 2000 sorgte die große Kalifornische Energiekrise dafür, dass PG&E Strom extern teurer zukaufen musste, als er aufgrund festgesetzter Endabnehmerpreise wieder verkauft werden konnte. PG&E musste Insolvenz nach Chapter 11 anmelden und konnte erst 2004 wieder aus dem Verfahren entlassen werden. Ein Hauptauslöser der Krise war die mangelhafte Durchführung der Deregulierung der Energiebranche in Kalifornien.
WorldCom Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 21. Juli 2001 Telekommunikation Um Verluste aus persönlichen Derivategeschäften zu decken lieh sich Firmengründer und CEO Bernard Ebbers knapp 366 Millionen US-Dollar von seinem Unternehmen. Der Aufsichtsrat stimmte dem in der Hoffnung zu, Ebbers müsste dann keine eigenen Aktien verkaufen, was den Aktienkurs zu diesem Zeitpunkt weiter belastet hätte. Um die Sachlage zu vertuschen wurden Bilanzen gefälscht und um bis zu 11 Milliarden Dollar aufgebläht. Der Fall führte mithin zum Erlass des Sarbanes-Oxley Act.
Enron Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 28. Nov. 2001 Versorger Enron sorgte durch umfassende Bilanzfälschungen für einen der größten Wirtschaftsskandale der Vereinigten Staaten. Unter anderem wurden Erträge zu früh gebucht und Verluste wurden anderen Unternehmen zugeschoben, die zwar unter der Kontrolle Enrons standen, jedoch nicht in den Jahresabschluss einbezogen wurden. Auch Bestandsbewertungen wurden teilweise zu hoch angesetzt. Durch die Insolvenz wurde ein Börsenwert von rund 60 Milliarden US-Dollar vernichtet.
Comroad Deutschland  Deutschland   2002 Telematik Comroad war eines der bekanntesten Unternehmen des Neuen Marktes und entwickelte nach eigenen Angaben Navigationssysteme für Kraftfahrzeuge. Im Jahr 2002 wurde durch Recherchen der Journalistin Renate Daum bekannt, dass das Unternehmen in großem Umfang Scheingeschäfte tätigte und rund 95 % der angegebenen Umsätze erfunden waren. Der Unternehmensgründer und Vorstandsvorsitzende Bodo Schnabel wurde wegen Kursbetrugs, Insiderhandels und gewerbsmäßigen Betrugs zu sieben Jahren Haft verurteilt.
Kmart Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 22. Jan. 2002 Einzelhandel Die ehemals zweitgrößte Einzelhandelskette der USA konnte ab den 1990er Jahren nicht mehr im Preiskampf gegen Konkurrenten wie Walmart oder Target bestehen und wurde auch im Hinblick auf die Einführung von EDV-Systemen von diesen abgehängt. Im Januar 2002 wurde die Insolvenz verkündet, der Insolvenzschutz konnte jedoch im Mai 2003 wieder beendet werden. Im Jahr 2005 übernahm Kmart den Sears-Konzern, als Firma für die neue Muttergesellschaft wurde jedoch der Name des übernommenen Unternehmens, Sears, gewählt.[5]
Philipp Holzmann Deutschland  Deutschland 21. Mär. 2002 Bauindustrie Philipp Holzmann war ehemals eines der größten deutschen Bauunternehmen. Nach einem Wechsel des Vorstandsvorsitzenden 1997 wurden Schulden in Höhe von 3,2 Milliarden DM bekannt. 1999, im Jahr des 150. Unternehmensjubiläums, verkündete der neue Vorstandsvorsitzende eine Überschuldung aufgrund "vertuschter Altlasten". Es wurde 1999 ein Verlust von 2,4 Milliarden DM bekanntgegeben, der allerdings auch operative Verluste des abgeschlossenen Geschäftsjahres in Höhe von rund 1,1 Milliarden DM beinhaltete. Da erste Verhandlungen mit den Banken scheiterten, musste noch im November desselben Jahres ein Insolvenzantrag gestellt werden. Als Grund der Probleme galten weitgehende Managementfehler, verlustträchtige Großprojekte und ein allgemeiner konjunktureller Abschwung im Baugewerbe. Bilanzen wurden über einen längeren Zeitraum hinweg geschönt.[6] Auf Betreiben Gerhard Schröders konnten durch neue Verhandlungen Bankkredite in Höhe von einer Milliarde DM und eine Bundesbürgschaft über 250 Millionen DM beschlossen werden. Diese lebenserhaltende Maßnahme erwies sich im März 2002 als nicht nachhaltig, als das Unternehmen nach neuerlichen Verlusten endgültig in die Insolvenz ging und abgewickelt werden musste.
Kirch-Gruppe Deutschland  Deutschland 08. Apr. 2002 Medien Der Kern des Medienkonzerns, zu dem unter anderem ProSiebenSat.1, Premiere World, DSF und eine große Beteiligung am Springer-Verlag gehörten, musste im April 2002 Insolvenz anmelden. In der Insolvenzmasse befanden sich zu diesem Zeitpunkt auch Übertragungsrechte für die deutsche Fußball-Bundesliga und die Fußball-Weltmeisterschaften 2002 und 2006. Zuvor wurde die Kreditwürdigkeit des Konzerns durch das Breuer-Interview mit dem Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Rolf-Ernst Breuer, massiv geschädigt.[7] Die Deutsche Bank ging nach einem mehrjährigen Gerichtsprozess auf einen Vergleich in Höhe von rund 925 Millionen Euro ein. Die Deutsche Bank meldete daraufhin Regressforderungen gegenüber Breuer an, der persönlich jedoch nur für 3,2 Millionen Euro aufkam.
Arthur Andersen Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 15. Juni 2002 Wirtschaftsprüfung Zu den Klienten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen zählte unter anderem Enron. Das ehemalige Mitglied der Big Five der Prüfgesellschaften wurde verurteilt, weil es den Bilanzschwindel Enrons teilweise deckte und nachträglich Akten zu dem Fall schreddern ließ. Arthur Andersen wurde deshalb des Vergehens der Justizbehinderung schuldig gesprochen.[8]
Parmalat Italien  Italien 24. Dez. 2003 Nahrungsmittel Das Molkereiunternehmen ging 2003 aufgrund von Zahlungsunfähigkeit in die Insolvenz. Über Jahre wurden die Bilanzen manipuliert und Gelder zu Gunsten anderer Unternehmen des Gründers Calisto Tanzi veruntreut.[9] Im Jahr 2004 wurde ein bilanzieller Fehlbetrag von 23 Milliarden Euro ermittelt. 2005 konnte das Insolvenzverfahren beendet werden.
Heros Unternehmensgruppe Deutschland  Deutschland 20. Feb. 2006 Geldtransporte Die Heros-Gruppe aus Hannover war ein großer Anbieter von Geldtransportdienstleistungen in Deutschland. Nach dem Wegfall eines Großkunden mussten 27 Gesellschaften der Unternehmensgruppe Insolvenz beantragen. In nachfolgenden Untersuchungen wurde bekannt, dass das Management über 270 Millionen Euro aus den anvertrauten Barbeständen veruntreut hatte. Mit abgezweigten Geldern wurden kurzfristige Anlagen getätigt, mit deren Gewinnen der eigentliche Geschäftsbetrieb erst finanziert werden konnte.[10]
Göttinger Gruppe Deutschland  Deutschland  Juni 2007 Finanzdienstleister Der ehemalige Hauptsponsor des VfB Stuttgart verkaufte verschiedene Anlageprodukte, von denen Teile durch die Staatsanwaltschaft Braunschweig zu Beginn der 2000er Jahre für strafbar befunden wurden. Auch vermutete das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen ein betrügerisches Schneeballsystem hinter den Anlageprodukten der Gruppe. Folgende Ermittlungen wegen Kapitalanlagebetrugs, Untreue und Betrugs konnten diese Verdachtsmomente jedoch nicht bestätigen. Allerdings wurde durch die Staatsanwaltschaft Braunschweig Anklage gegen zwei Vorstandsmitglieder wegen Insolvenzverschleppung und Untreue erhoben, da man feststellte, dass die Gruppe schon im Dezember 2005 zahlungsunfähig gewesen sei und dennoch Grundstücke verkauft worden seien, deren Erlös teilweise veruntreut worden wäre. Bereits 2001 musste das, zur Göttinger Gruppe gehörende, Bankhaus Partin abgewickelt und die Bankkunden über den Einlagensicherungsfonds entschädigt werden.
Northern Rock Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich 22. Feb. 2008 Banken Northern Rock kam infolge der Subprime-Krise 2007 in Refinanzierungsschwierigkeiten. Spekulationen um die Stabilität des Bankinstituts lösten massenhafte Abzüge von Einlagen durch Privatanleger aus. Northern Rock wurde im Februar 2008 verstaatlicht und 2011 an Virgin Money veräußert.
Bear Stearns Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 14. Mär. 2008 Banken Bear Stearns war eines der ersten amerikanischen Unternehmen des Finanzsektors, die im Zuge der Weltfinanzkrise vom Markt verschwanden. Bereits 2007 schrieben Fonds von Bear Stearns, die in faule Kreditderivate investiert hatten, hohe Verluste und mussten durch das Unternehmen gestützt werden. Auch durch Gerüchte über eine verschlechterte Liquidität bekam Bear Stearns Probleme mit dem Zugang zum Kreditmarkt und damit tatsächlich Liquiditätsengpässe. Im Angesicht dieser Lage stellten die Großbank JPMorgan Chase und die Fed einen Überbrückungskredit zur Verfügung. Am 30. Mai 2008 wurde Bear Stearns durch JPMorgan Chase übernommen.
Lehman Brothers Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 15. Sep. 2008 Banken Die Investmentbank Lehman Brothers schrieb im Zuge der Immobilienkrise 3,3 Milliarden US-Dollar ab und musste im April und im Juni 2008 Kapitalerhöhungen in Milliardenhöhe vollziehen. Am 15. September 2008 wurde Insolvenz angemeldet. Im Gegensatz zu den Fällen von Bear Stearns, Fannie Mae und Freddie Mac war die US-Bundesregierung, auch aufgrund des zunehmenden politischen Drucks, nicht mehr gewillt, Rettungsmaßnahmen zu vollziehen.
AIG Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 16. Sep. 2008 Versicherung Der Versicherer AIG musste während der Subprime-Krise Abschreibungen in Höhe von 11 Milliarden Dollar auf sein Kreditversicherungsportfolio hinnehmen. Im Zuge der größten finanziellen staatlichen Unterstützung für ein privates Unternehmen in der Geschichte der Vereinigten Staaten gewährte die Federal Reserve einen Kredit im Wert von 85 Milliarden Dollar, im Gegenzug gelangten 79,9 % der Unternehmensanteile in die Hand der Zentralbank.
Washington Mutual Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 26. Sep. 2008 Banken Auch Washington Mutual (WaMu) kam aufgrund von Investitionen am US-Hypothekenmarkt in Bedrängnis. Während der Krise zogen Kunden Einlagen in Höhe von 16,7 Milliarden US-Dollar ab und belasteten damit die Liquidität des Instituts. WaMu musste Insolvenz anmelden und wurde teilweise durch JP Morgan Chase übernommen. Gemessen am Einlagevolumen handelte es sich hierbei um die größte Bankenpleite in der Geschichte der USA.
Royal Bank of Scotland Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich 13. Okt. 2008 Banken Milliardenverluste aufgrund der internationalen Finanzkrise und die unbedachte Übernahme von Teilen der ABN AMRO-Bank im Jahr zuvor machten 2008 staatliche Hilfen für die Royal Bank of Scotland nötig. Bis 2009 wurden hierbei 84 % der Unternehmensanteile durch das Vereinigte Königreich übernommen.
Bernard L. Madoff Investment Securities LLC Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten  Dez. 2008 Investmentfonds Der US-Amerikaner Bernard Madoff betrieb durch die Bernard L. Madoff Investment Securities LLC über mehrere Jahrzehnte einen Investmentfonds nach einem Ponzi-Schema. Der verursachte finanzielle Schaden lag bei mindestens 50 Milliarden US-Dollar. Wegen seines Anlagebetrugs wurde Madoff 2009 zu 150 Jahren Haft verurteilt.
Sanlu China Volksrepublik  Volksrepublik China 24. Dez. 2008 Nahrungsmittel Der chinesische Hersteller von Milchprodukten, der zu 43 % von Fonterra und mehrheitlich durch den chinesischen Staat gehalten wurde, ging 2008 insolvent, nachdem im Zuge des Chinesischen Milchskandals sechs Säuglinge gestorben waren. Neben einigen anderen Erzeugern von Milchpulver mischte Sanlu Melamin in seine Produkte, um künstlich einen höheren Proteingehalt vorzutäuschen. Im Fall von Sanlu waren die Auswirkungen besonders schwer, da der Melamingehalt höher war als bei anderen Konkurrenten und die Produkte Sanlus größtenteils für Säuglinge gedacht waren. Durch den Konsum erkrankten rund 300.000 Kleinkinder und mehrere Säuglinge erlitten Nierenversagen. Mehrere Verantwortliche wurden nach einer rechtlichen Aufarbeitung zum Tode verurteilt und hingerichtet.[11]
Nortel Kanada  Kanada 14. Jan. 2009 Technologie Die Pleite des Herstellers von Telekommunikationsausrüstung Nortel folgte direkt aus einem starken Auftragseinbruch von Telefongesellschaften aufgrund der Finanzkrise. Das ehemals börsennotierte Unternehmen war die erste große Gesellschaft außerhalb des Finanzsektors, die der weltweiten Krise ab 2007 zum Opfer fiel.
Arcandor Deutschland  Deutschland 09. Juni 2009 Einzelhandel Im Jahr 2009 ließ Arcandor, ehemals KarstadtQuelle, ein Insolvenzverfahren eröffnen. Für besonderes Aufsehen sorgte die Verurteilung des vormaligen Arcandor-Vorstandsvorsitzenden Thomas Middelhoff wegen Untreue und Steuerhinterziehung.
Envio Recycling Deutschland  Deutschland  Okt. 2010 Umweltdienstleistungen Die Envio Recycling GmbH & Co. KG, eine Tochter der ehemaligen Envio AG, ging 2010 in die Insolvenz, nachdem eine Verseuchung des Werksgeländes in Dortmund und eine Kontaminierung der näheren Umgebung durch das Unternehmen mit Polychlorierte Biphenylen (PCB) publik geworden war. Envio gewann mit einem zugelassenen Verfahren Kupfer aus Großtransformatoren zurück, die mit PCBs verfüllt waren.[12] Die Transformatoren wurden teilweise eigens aus dem Endlager Herfa-Neurode wieder zu Tage befördert. Gerichtliche Verfahren gegenüber dem Geschäftsführer und dem Betriebsleiter aufgrund des Verdachts der mehrfachen Körperverletzung an den eigenen Mitarbeitern und wegen möglicher Verstöße gegen Umweltvorschriften mussten 2017 in Ermangelung an Beweisen eingestellt werden.[13]
Harles und Jentzsch Deutschland  Deutschland  Mai 2011 Futtermittel Der Hersteller von Futterfetten verarbeitete im Jahr 2010 zugelieferte Fettsäuren, die mit Dioxinen kontaminiert waren. Die hierdurch verursachte Belastung der erzeugten Futterfette für die Herstellung von Futtermitteln für die Tiermast war Harles und Jentzsch bekannt, dennoch beauftragte das Unternehmen die Lübbe Transport & Logistik GmbH mit der Vermischung und Auslieferung der Fette. Rund 4700 Mastbetriebe in Deutschland waren von Sperrungen betroffen.
Poly Implant Prothèse Frankreich  Frankreich   2011 Medizinprodukte Der französische Hersteller von Brustimplantaten lieferte mangelhafte Produkte, welche im eingesetzten Zustand reißen konnten, wodurch Silikongel im Körper ausdrang. Dem Unternehmensgründer Jean-Claude Mas wurde unter anderem die Verwendung von minderwertigem Silikon vorgeworfen. Mas wurde zu vier Jahren Haft, einer Geldstrafe von 75.000 Euro und einem Berufsverbot verurteilt.
Schlecker Deutschland  Deutschland 23. Jan. 2012 Einzelhandel Der Drogeriebetreiber Schlecker galt lange Zeit als größtes Unternehmen der Branche gemessen an der Anzahl der Läden, das Verhältnis von Umsatz und Gewinn zur Gesamtladenfläche rangierte jedoch im Wettbewerbsvergleich auf den hinteren Plätzen. Nach mehreren Verlustjahren in Folge kam Schlecker in einen Liquiditätsengpass und musste schließlich am 23. Januar 2012 Insolvenz einreichen. Die Tochter Ihr Platz gab ihre Insolvenz wenige Tage später bekannt. Nach der Insolvenz wurden Verfahren gegen mehrere Mitglieder der Familie Schlecker aufgrund des Verdachts auf Untreue, Insolvenzverschleppung und Bankrott eingeleitet.
Müller-Brot Deutschland  Deutschland 16. Feb. 2012 Nahrungsmittel Müller-Brot war über mehrere Jahre hinweg einer der größten Backwarenhersteller Europas. Wegen andauernden schwerwiegenden Hygienemängeln in der Produktion wurde durch das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit ein Produktionsstopp verhängt. Unter anderem wurden Schaben, Motten und Käfer in den Backzutaten gefunden. Ein Umsatzeinbruch durch die stillgelegte Produktion und die Abwanderung von Großkunden und Verbrauchern machte einen Gang in die Insolvenz nötig.
S&K-Gruppe Deutschland  Deutschland   2013 Finanzdienstleister Die S&K-Gruppe erstand Wohnimmobilien aus Zwangsversteigerungen und verkaufte sie zu einem späteren Zeitpunkt über dem Einstiegswert. Ab 2009 sammelte die Unternehmensgruppe Anlagen von Privatpersonen über eigene geschlossene Fonds ein. Durch Untersuchungen ab 2013 wurde ein Schneeballsystem offengelegt, durch welches Anleger ausbezahlt wurden. Statt durch erwirtschaftete Gewinne wurde das Geld für die Auszahlungen durch die Anlagen neuer Investoren beschafft. Insgesamt entstand ein Schaden in dreistelliger Millionenhöhe.[14]
Hypo Alpe Adria Osterreich  Österreich   2014 Banken Nach einem Verkauf an die Bayerische Landesbank 2007 kam die Bank bis 2009 in finanzielle Schwierigkeiten und es drohte eine Insolvenz. Zum Jahresende 2009 wurde der Konzern vollständig durch den Staat Österreich übernommen. 2014 wurde die Hypo Alpe Adria zerschlagen.
Bankhaus Wölbern & Co. Deutschland  Deutschland 12. Dez. 2014 Banken In Form gewerbsmäßiger Untreue wurden von 2011 bis 2013 rund 147 Millionen Euro aus 31 geschlossenen Immobilienfonds mit Vorsatz zweckwidrig verwendet. Der Anleger-Skandal hatte die Schließung des Hauses zur Folge.
Imtech Niederlande  Niederlande 13. Aug. 2015 Gebäudetechnik Gegen die deutsche Tochter des niederländischen Unternehmens wurde wegen des Verdachts auf Untreue, Bestechung, Preisabsprachen und Bilanzfälschungen ermittelt. Imtech war unter anderem maßgeblich an der Installation der Rauchabzüge des Flughafens Berlin Brandenburg beteiligt und soll in vielen Fällen von der Verschleppung von Bautätigkeiten profitiert haben. Gravierende Baumängel des Flughafens, hauptsächlich in Bezug auf die Verlegung von Kabeltrassen und das Brandschutzsystem, wurden dem Unternehmen mit ehemals rund 22.200 Mitarbeitern vorgeworfen.[15] Laut Handelsblatt wurden durch interne Untersuchungen „bandenartige Strukturen“ im Management aufgedeckt, die durch Korruption und Untreue zu Schäden in Höhe mehrerer hundert Millionen Euro geführt hätten.[16]
Unister Deutschland  Deutschland 18. Juli 2016 E-Business Der Leipziger Webportalbetreiber meldete am 18. Juli 2016 Insolvenz an. Dies geschah vier Tage nach dem mysteriösen Tod des Firmengründers Thomas Wagner. Der Freistaat Sachsen forderte danach 1,4 Millionen Euro zurück, die als Fördergelder vergeben worden waren.
Hanjin Shipping Korea Sud  Südkorea 31. Aug. 2016 Reederei Der südkoreanische Schiffseigner war zum Zeitpunkt seiner Insolvenz die weltweit siebtgrößte Reederei gemessen an der verfügbaren TEU-Kapazität aller Schiffe. Nach der Insolvenz durften 89 Schiffe des Unternehmens, die sich noch auf See befanden, keine Häfen mehr anlaufen, da man befürchtete, dass anfallende Hafengebühren nicht hätten bezahlt werden können. Gleichzeitig vermied Hanjin das Einlaufen, um Beschlagnahmungen der Schiffe durch Gläubiger zu verhindern. Während dieser Zeit konnte die Ladung auf den Schiffen nicht gelöscht werden und die Besatzung nicht versorgt werden.
P&R-Gruppe Deutschland  Deutschland   2018 Finanzdienstleister Die Finanzanlage-Gesellschaft vermittelte Direktinvestitionen in Seecontainer, die durch die Unternehmensgruppe zurückgemietet wurden. Die deutschen Gesellschaften der Gruppe gingen im Frühjahr 2018 insolvent. Mindestens seit 2007 wird das Geschäftsmodell als Schneeballsystem eingeordnet. Seit diesem Zeitpunkt bestand auch eine wachsende Lücke im tatsächlichen Containerbestand. Gemäß Medienberichten wurden rund eine Million Container verkauft, die nicht existierten. Es entstand ein finanzieller Schaden von rund 2,5 Milliarden Euro.[17]
Theranos Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten  Sep. 2018 Biotechnologie Das Biotechnologieunternehmen Theranos behauptete, ein Verfahren entwickelt zu haben, mit welchem kleinste Mengen von Blut auf Krankheitserreger untersucht werden konnten. Entgegen eigener Darstellungen benutzte das Unternehmen seine eigenen Analysegeräte nur selten und untersuchte Blutproben, die zusätzlich verdünnt werden mussten, auf umgebauten Geräten von Siemens.[18] Unternehmensgründerin Elizabeth Holmes und das ehemalige Vorstandsmitglied Ramesh Balwani wurden wegen Betruges strafrechtlich verfolgt. In einer Auseinandersetzung mit dem SEC stimmte Holmes einer Strafzahlung von 500.000 US-Dollar zu.[19] Bis 2018 musste das operative Geschäft vollständig eingestellt werden.
Sears Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 15. Okt. 2018 Einzelhandel Nach mehreren Verlustjahren musste die Anzahl der stationären Läden unter dem Namen Sears bis 2017 von 4000 auf 510 reduziert werden, die Anzahl der Kmart-Geschäfte reduzierte sich von ehemals 1400 auf knapp über 570.[20] Die Sears Holding Corporation beantragte im Oktober 2018 Gläubigerschutz.
Pacific Gas and Electric Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 14. Jan. 2019 Versorger Nach dem Zusammenbruch im Jahr 2001 musste PG&E im Januar 2019 wiederholt Insolvenz beantragen. Grund für die neuerliche Insolvenz waren erwartete Schadenersatzforderungen, die aus der Verantwortlichkeit für das Camp Fire in Kalifornien resultierten. Es wurde festgestellt, dass die veraltete und marode Übertragungsinfrastruktur von PG&E Auslöser des Waldbrandes war. Die vermutete Haftungssumme von rund 30 Milliarden US-Dollar hätte das Eigenkapital um ein Vielfaches überstiegen.[21]
Purdue Pharma Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 16. Sep. 2019 Pharmazie Der US-Pharmakonzern Purdue Pharma L.P. war vor seiner Insolvenz vornehmlich für das Produkt Oxycontin, ein Analgetikum auf Basis von Oxycodon, bekannt. Wegen unzureichender Warnungen vor der Suchtgefahr durch das Präparat wurde das Unternehmen für die Opioid-Epidemie in den Vereinigten Staaten von Amerika mitverantwortlich gemacht. Aufgrund von Schadenersatzforderungen in Höhe mehrerer Milliarden US-Dollar meldete Purdue am 16. September 2019 Insolvenz nach Chapter 11 des US-Insolvenzrechts an. Purdue Pharma soll in diesem Zuge in eine Stiftung der öffentlichen Hand überführt werden.

Wirtschaftsskandale ohne einhergehende InsolvenzBearbeiten

DeutschlandBearbeiten

Vereinigte StaatenBearbeiten

AndereBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. The Guardian: Accountants in BCCI net, abgerufen am 27. Dezember 2018
  2. Weser Kurier: Vor 20 Jahren: Vulkan-Werft muss schließen, abgerufen am 4. August 2019
  3. airspacemag.com: The Rise and Fall and Rise of Iridium, abgerufen am 3. August 2019
  4. Handelsblatt: Iridium Satellite nimmt Telekommunikationsdienste wieder auf, abgerufen am 3. August 2019
  5. NY Times: Kmart Files Bankruptcy, Largest Ever For a Retailer, abgerufen am 30. Dezember 2018
  6. Spiegel: Bauindustrie / Retter im Zwielicht, abgerufen am 6. September 2019
  7. Handelsblatt: Kirch-Gruppe hat Insolvenzantrag gestellt, abgerufen am 3. August 2019
  8. news.bbc.co.uk: Andersen guilty in Enron case, abgerufen am 29. Dezember 2018
  9. n-tv: Untreue bei Parmalat, abgerufen am 29. Dezember 2018
  10. mittelbayerische.de: Zehn Jahre nach dem Heros-Skandal, abgerufen am 6. Juli 2019
  11. Spiegel: China richtet zwei Verantwortliche des Milchskandals hin, abgerufen am 22. Juni 2019
  12. Westfälische Rundschau: Teile der Giftfirma Envio sind insolvent, abgerufen am 29. Juni 2019
  13. welt.de: Verfahren gegen Envio-Manager eingestellt, abgerufen am 29. Juni 2019
  14. Handelsblatt: S&K-Anleger sollen Geld zurückzahlen, abgerufen am 16. Juli 2019
  15. Zeit Online: Die unheimliche Firma, abgerufen am 12. Mai 2019
  16. Handelsblatt: Imtech vom eigenen Management ausgeraubt, abgerufen am 12. Mai 2019
  17. Manager Magazin: Bei P&R fehlen eine Million Container - Verdacht auf Betrug, abgerufen am 14. Juli 2019
  18. Tagesanzeiger: Betrugs-Start-up macht dicht, abgerufen am 28. April 2019
  19. SEC: Theranos, CEO Holmes, and Former President Balwani Charged With Massive Fraud, abgerufen am 28. April 2019
  20. Forbes: Why Sears' Sales And Earnings Reports Make Me Cry, abgerufen am 30. Dezember 2018
  21. bloombergquint.com: Former PG&E CEO Won't Be Walking Away Totally Empty-Handed, abgerufen am 27. Oktober 2019