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Liste von Psychotherapie- und Selbsterfahrungsmethoden

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Die folgende Liste enthält eine Übersicht über aktuelle und historisch relevante Therapieansätze evidenzbasierte, d. h. wissenschaftlich überprüfte psychotherapeutische Verfahren. Daneben wurden auch einige Verfahren mit in die Liste aufgenommen, die wissenschaftlich nicht anerkannt sind oder als widerlegt gelten, sowie Methoden, die eher dem para- und pseudowissenschaftlicher Bereich zuzurechnen sind.

Inhaltsverzeichnis

Klassische Psychoanalyse / psychoanalytisch begründete LangzeittherapieBearbeiten

Psychoanalytische Methoden beschäftigen sich mit unbewussten Konflikten und deren frühkindlicher Entstehung und versuchen, dem Patienten ein vertieftes Verständnis der ursächlichen (meist unbewussten) Zusammenhänge seines Leidens zu vermitteln. Sie beziehen sich meist direkt auf Sigmund Freud oder seine Schüler Alfred Adler und Carl Gustav Jung und finden in mehreren Sitzungen pro Woche oft über mehrere Jahre statt.

Tiefenpsychologisch fundierte (psychodynamische) MethodenBearbeiten

Tiefenpsychologisch fundierte (psychodynamische) Psychotherapie (mittelfristige Psychotherapie) basiert auf tiefenpsychologischen Grundannahmen, setzt aber ihre Schwerpunkte stärker in der aktuellen Konfliktsituation und deren Bewältigung. Dabei soll dem Klienten Einsicht in die Struktur und Bedeutung der Konflikte sowie in deren zugrundeliegenden Ursachen vermittelt werden.

Auf tiefenpsychologischen Theorien basierende Methoden

Weitere psychodynamische MethodenBearbeiten

Verhaltenstherapeutische MethodenBearbeiten

Mit Verhaltenstherapie wird ein ganzes Spektrum von Formen der Psychotherapie bezeichnet, bei denen die Erkennung und Änderung von Verhaltensmustern im Vordergrund steht.

Humanistisch-existenzielle MethodenBearbeiten

Die Humanistische Psychologie versteht sich als dritte Kraft neben der Tiefen- und Verhaltenspsychologie und betrachtet den Menschen im Ganzen.

GruppentherapieBearbeiten

Gruppenpsychotherapie nutzt die in einer Gruppe auftretenden Gruppenphänomene für die Psychotherapie, indem mehrere Patienten in der Gruppe behandelt werden.

Systemische MethodenBearbeiten

Systemische Therapie berücksichtigt stärker den sozialen Kontext, wie Interaktionen und Beziehungsstrukturen in Familien und sozialen Systemen bei der Lösung psychischer Probleme und geht dabei stärker ressourcen- und zielorientiert vor.

HypnotherapieBearbeiten

Hypnotherapie nutzt die Wirkung therapeutischer Trance und Suggestionen, um Heilungs-, Such- und Lernprozesse zu fördern.

Systemisch-imaginative MethodenBearbeiten

Körperorientierte MethodenBearbeiten

Körpertherapie und Körperpsychotherapie bezeichnen Therapien, die sich über die Behandlung des Körpers der Bewältigung und Aufarbeitung von persönlichen Problemen und Neurosen nähern.

GruppendynamikBearbeiten

Gruppendynamik nutzt gruppendynamische Vorgänge, um das Wirken des eigenen und fremden Verhaltens zu beobachten und erfahrbar machen und neues Verhalten auszuprobieren.

Gemeinschaft und SelbsthilfeBearbeiten

EntspannungsverfahrenBearbeiten

SonstigeBearbeiten

Komplementäre MethodenBearbeiten

Anerkennung und KostenübernahmeBearbeiten

Nicht alle Psychotherapieverfahren sind überall staatlich anerkannt und werden von allen Krankenkassen finanziert. Dahinter stehen berufsständische Interessenskämpfe (zwischen Medizinern, Psychologen und anderen Berufen) sowie die Konkurrenz der Psychotherapie-Schulen untereinander und uneinheitliche Wirksamkeitsuntersuchungen. In der Schweiz und in Österreich ist die methodische Freiheit und Verantwortung des Therapeuten sehr viel weiter gefasst als in Deutschland.

In der Schweiz wird nicht nach Methoden unterschieden. Entscheidend ist die Qualifikation des Therapeuten. Zugelassen sind psychotherapeutisch ausgebildete Ärzte, die ihrerseits psychotherapeutisch ausgebildete Psychologen anstellen können. Diese Therapien werden von der obligatorischen Krankenversicherung finanziert. Private Versicherungen unterliegen keinen Beschränkungen.[1] Die Zulassung von Therapiemethoden erfolgt durch die Schweizerische CHARTA für Psychotherapie,[2] den Schweizerischen Berufsverband für angewandte Psychologie SBAP,[3] den Schweizerischen PsychotherapeutInnen-Verband SPV[4] sowie die Föderation Schweizerischer Psychologen FSP.[4]

In Österreich besteht keine Beschränkung auf Quellberufe wie Arzt oder Psychologe. Entscheidend für die Eintragung als Psychotherapeut ist eine zweistufige Ausbildung, die mindestens fünf Jahre dauert und aus einem allgemeinen Teil, dem Psychotherapeutischen Propädeutikum und einem Fachspezifikum besteht. Zugelassen sind derzeit 22 Verfahren, die in der untenstehenden Tabelle gelistet sind.[5][6]

In Deutschland ist die Psychotherapie streng reglementiert und stark an die ärztliche Versorgung gekoppelt. Außer Ärzten dürfen nur Psychologen und Heilpraktiker psychotherapeutisch arbeiten. Die anerkannten Verfahren sind im Wesentlichen drei, die im Einzel- und im Gruppensetting sowohl für Erwachsene als auch für Kinder und Jugendliche angeboten werden dürfen: tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie als Kurztherapie, Fokaltherapie oder dynamische Psychotherapie, analytische Psychotherapie nach Sigmund Freud, C.G. Jung oder Alfred Adler, Verhaltenstherapie mit verschiedenen Schwerpunkten. Außerdem können autogenes Training, progressive Muskelentspannung und Hypnose als Einzelbehandlung genehmigt und finanziert werden. Die Heilmittelverordnung erkennt außerdem Ergotherapie an, innerhalb der auch Gestaltungstherapie und Arbeitstherapie stattfinden kann.

Richtung Methode Gründer Deutschland Österreich Schweiz
analytisch Psychoanalyse Sigmund Freud      
Individualpsychologie Alfred Adler      
Analytische Psychologie C. G. Jung      
Gruppenpsychoanalyse Pratt, Burrow, Schilder      
tiefenpsychologisch Autogene Psychotherapie Johannes Heinrich Schultz  
Daseinsanalyse Ludwig Binswanger    
Dynamische Gruppenpsychotherapie Raoul Schindler    
Hypnosepsychotherapie Milton Erickson (1)    
Katathym-Imaginative Psychotherapie Hanscarl Leuner      
Konzentrative Bewegungstherapie Gindler, Stolze, Cserny  
Transaktionsanalyse Eric Berne    
humanistisch Existenzanalyse und Logotherapie Viktor Frankl    
Gestalttherapie Perls, Perls, Goodman    
Gesprächspsychotherapie[7] Carl R. Rogers (2)    
Humanistisches Psychodrama Hans-Werner Gessmann    
Psychodrama Jakob L. Moreno    
Psychosynthese Roberto Assagioli
   
behavioral (klassische) Verhaltenstherapie Thorndike, Watson, Skinner u. a.      
kognitiv kognitive Verhaltenstherapie Ellis, Beck, Kanfer, Lazarus u. a.      
systemisch Systemische Therapie Satir, Haley, Jackson u. a. (2)    
kombinatorisch Integrative Therapie Hilarion Petzold
   
Gestalttheoretische Psychotherapie Hans-Jürgen Walter
 
humanistisch Neuro-Linguistische Psychotherapie Schütz, Karber, Jelem u. a.
 
körperorientiert Bioenergetische Analyse Wilhelm Reich, Alexander Lowen
 
Biosynthese David Boadella
 
Körperpsychotherapie verschiedene Schulen
 
kunstorientiert Kunst- und ausdrucksorientierte Therapien verschiedene Schulen
 
Musiktherapie verschiedene Schulen
   
  • (1) Hypnosetherapie: in Deutschland Einzelbehandlung für Erwachsene anerkannt, muss von einem Psychotherapeuten durchgeführt werden
  • (2) Gesprächstherapie: in Deutschland für Erwachsene anerkannt, wird allerdings von den Kassen noch nicht finanziert
  • (3) Systemische Therapie: in Deutschland für Kinder und Jugendliche anerkannt, Anerkennungsverfahren für Erwachsene läuft

Neben den gelisteten Verfahren besteht eine Vielzahl anderer Schulen und Methoden, manche sind in erster Linie historisch bedeutsam, bei anderen handelt es sich um Weiterentwicklungen, Spezialisierungen oder Abspaltungen. Nicht alle Ansätze nehmen in Anspruch, zur Heilung psychischer Störungen beitragen zu können. Es gibt auch Methoden, die nicht für die Psychotherapie konzipiert wurden, sondern für Beratung und Coaching oder als Selbsterfahrungstechnik. Unter den in Deutschland nicht anerkannten Verfahren finden sich zwar einige nutzlose, fallweise sogar gefährliche Entwicklungen, aber auch traditionsreiche, neue oder etablierte Ansätze mit vielversprechenden Ideen, die in anderen europäischen Ländern bereits anerkannt sind.

Zulassung von Verfahren und BerufsgruppenBearbeiten

Psychotherapeutische Verfahren und psychotherapeutische Qualifikation wird je nach Land und Grundberuf sehr unterschiedlich gehandhabt:

Land Verfahren Ärzte Psychologen andere Berufe Ausbildung
Schweiz[8] alle zugelassen voll zugelassen nur als Angestellte beim Arzt nicht zugelassen  ?
Österreich 22 zugelassen voll zugelassen voll zugelassen voll zugelassen (2) 3.215 Stunden
Deutschland 3 zugelassen voll zugelassen (1) voll zugelassen (1) nicht zugelassen (3)  ?

(1) Psychologen und Ärzte müssen eine staatlich kontrollierte Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten bzw. Ärztlichen Psychotherapeuten absolviert haben.

(2) Krankenpfleger, medizinisch-technische Assistenten, Sozialarbeiter, Pädagogen, Ehe- und Familientherapeuten, Musiktherapeuten, Philosophen, Publizisten und Kommunikationswissenschaftler, Theologen und Lehrer dürfen eigenverantwortlich psychotherapeutisch arbeiten und direkt über die Krankenkassen abrechnen, wenn sie die gesetzlich vorgeschriebene Ausbildung im Umfang von mindestens 3.215 Stunden absolviert haben, eigenberechtigt sind, das 28. Lebensjahr vollendet haben und in die Psychotherapeutenliste des Gesundheitsministeriums eingetragen wurden. Anlässlich der Eintragung muss ein Strafregister-Auszug vorgelegt werden. Ein sogenannter Genie-Paragraf ermöglicht es dem Bundeskanzler, auch andere Berufsgruppen zur Psychotherapie-Ausbildung zuzulassen.

(3) Als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut sind auch Pädagogen zugelassen. Sie müssen eine staatlich kontrollierte Ausbildung absolvieren. Eine Zulassung für Psychotherapie nach dem Heilpraktikergesetz ermöglicht das Anbieten von Psychotherapie, mit sehr unterschiedlicher Verankerung im Versicherungssystem. Grundlage ist eine Prüfung beim zuständigen Gesundheitsamt.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bundesamt für Gesundheit: Psychotherapie. Informationen zur Kostenübernahme ab 1. Januar 2007 (Memento vom 28. Juni 2007 im Internet Archive)
  2. http://www.psychotherapiecharta.ch/
  3. http://www.sbap.ch/
  4. a b http://www.psychotherapie.ch/
  5. Das Bundesministerium unterscheidet bei Existenzanalyse, bei Gestalttherapie und bei Gesprächspsychotherapie zusätzlich – je nach Anbieter der Ausbildung – zusätzlich in zwei verschiedene Unterrichtungen, die in der Tabelle nicht angeführt werden. Quelle:@1@2Vorlage:Toter Link/www.bmgfj.gv.at Seite nicht mehr abrufbar; Suche in Webarchiven: Bundesministerium für Gesundheit, Familie und Jugend (PDF)
  6. Bescheid des Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen vom 10. Januar 2007, Geschäftszahl BMGF-93500/0002–1/7/2007.
  7. Wird in Österreich als Klientenzentrierte Psychotherapie bzw. als Personenzentrierte Psychotherapie bezeichnet
  8. Bundesamt für Gesundheit BAG, 8.2007

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten