Liste gemischter Welterbestätten

Wikimedia-Liste

Gemischte Welterbestätten oder gemischte Kultur- und Naturerbestätten sind Stätten des UNESCO-Welterbes, die nicht nur die Kriterien der Unterschutzstellung entweder für ein Weltkulturerbe oder für ein Weltnaturerbe erfüllen, sondern Kriterien für beides. Mit Stand 2019 sind 39 Welterbestätten in 31 Staaten von der UNESCO als gemischte Welterbestätten gelistet, drei davon sind grenzüberschreitend oder transnational.[1]

DefinitionBearbeiten

Gemischte Welterbestätten werden in den Richtlinien für die Durchführung des Welterbe-Übereinkommens definiert:[2]

„Güter gelten als „gemischtes Kultur- und Naturerbe“, wenn sie die Begriffsbestimmungen des Kultur- und des Naturerbes nach den Artikeln 1 und 2 des Übereinkommens teilweise oder ganz erfüllen.“

Ursprünglich bildeten die Kriterien für Kultur- und Naturerbestätten zwei voneinander getrennte Gruppen, die getrennt durchnummeriert wurden (Kulturerbekriterien i–vi und Naturerbekriterien i–iv). In den seit Februar 2005 geltenden Richtlinien wurden sie zu einer Gruppe von 10 Kriterien zusammengefasst und fortlaufend nummeriert. Dadurch wurden die Naturerbekriterien i–iv zu den Kriterien vii–x. Seither werden alle Kriterien für jedes nominierte Objekt gemeinsam geprüft.[3]

Gemischte WelterbestättenBearbeiten

Bild Bezeichnung Jahr Ref. Vertragsstaat(en) Anmerkungen
 
(weitere Bilder)
Naturschutzgebiet Ngorongoro
(Lage)
1979
2010
39 Tansania  Tansania 1979 in das Weltnaturerbe aufgenommen, 2010 aufgrund archäologischer Funde, die die Entwicklung des Menschen über vier Millionen Jahre bezeugen, zusätzlich in das Weltkulturerbe.
 
(weitere Bilder)
Nationalpark Tikal
(Lage)
1979 64 Guatemala  Guatemala 57.600 Hektar großer Nationalpark mit der Maya-Stadt Tikal und den sie umgebenden Feuchtgebieten, Savannen sowie tropischen Laub- und Palmenwäldern
 
(weitere Bilder)
Natur- und Kulturerbe der Region Ohrid
(Lage)
1979
1980
2019
99 Nordmazedonien  Nordmazedonien
(Jugoslawien Sozialistische Föderative Republik  Jugoslawien)
Albanien  Albanien
1979 Aufnahme des damals jugoslawischen Teils des Ohridsees in das Weltnaturerbe, 1980 Erweiterung um Kulturstätten zu einer gemischten Welterbestätte, 2019 Erweiterung um den albanischen Teil des Sees und albanische Kulturstätten
 
(weitere Bilder)
Kakadu-Nationalpark
(Lage)
1981 147 Australien  Australien 19.804 Quadratkilometer großer Nationalpark an der Nordküste Australiens mit einer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt und Felsmalereien der Aborigines
 
(weitere Bilder)
Willandra-Seenregion
(Lage)
1981 167 Australien  Australien aus dem Tertiär stammendes, 2400 Quadratkilometer großes fossiles Seengebiet im südwestlichen New South Wales mit archäologisch nachgewiesener menschlicher Besiedelung bereits vor mehr als 40.000 Jahren, Fundstätte von Mungo Man und Mungo Lady, den bislang ältesten bekannten Überresten von Homo Sapiens in Australien
 
(weitere Bilder)
Tassili n’Ajjer
(Lage)
1982 179 Algerien  Algerien Gebirgskette in der Sahara mit markanten Felsformationen und Steinbögen und prähistorischen Felsmalereien
 
(weitere Bilder)
Tasmanische Wildnis
(Lage)
1982 181 Australien  Australien 15.842 Quadratkilometer großes Schutzgebiet auf der südöstlich des australischen Kontinents gelegenen Insel Tasmanien mit einem der letzten gemäßigten Regenwälder der Erde und archäologischen Funden menschlicher Besiedlung seit über 20.000 Jahren.
 
(weitere Bilder)
Machu Picchu
(Lage)
1983 274 Peru  Peru terrassenförmige Ruinenstadt der Inka, eingebettet in eine Berglandschaft von außergewöhnlicher landschaftlicher und geomorphologischer Schönheit, herausragendes Beispiel für eine langjährige harmonische und ästhetisch beeindruckende Beziehung zwischen menschlicher Kultur und Natur
 
(weitere Bilder)
Nationalpark Göreme und Felsendenkmäler von Kappadokien
(Lage)
1985 357 Turkei  Türkei umfasst den historischen Nationalpark Göreme mit markanten Tuffsteinformationen, in dem die für ihre Höhlenarchitektur bekannte Stadt Göreme liegt, sowie weitere Stätten der Höhlenarchitektur in Kappadokien
 
(weitere Bilder)
St Kilda
(Lage)
1986
2004
387 Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich isolierte vulkanische Inselgruppe nordwestlich von Schottland mit der Hauptinsel Hirta, seit 1930 unbewohnt, Brutgebiet für viele Seevögel mit Zeugnissen von 2000 Jahren menschlicher Besiedelung, darunter über 1000 Cleit genannte Steinhütten.
 
(weitere Bilder)
Tai Shan
(Lage)
1987 437 China Volksrepublik  China
 
(weitere Bilder)
Uluṟu-Kata-Tjuṯa-Nationalpark
(Lage)
1987
1994
447 Australien  Australien 1326 Quadratkilometer großes Gebiet in der Umgebung der Felsen Uluṟu (Ayers Rock) und Kata Tjuṯa (Mount Olga).

1987 in das Weltnaturerbe aufgenommen, 1994 aufgrund der Bedeutung des Gebiets für die Kultur der Anangu zusätzlich in das Weltkulturerbe.

 
(weitere Bilder)
Berg Athos
(Lage)
1988 454 Griechenland  Griechenland orthodoxe Mönchsrepublik auf der Halbinsel Chalkidikí mit 20 Großklöstern in einer Berglandschaft
 
(weitere Bilder)
Meteora
(Lage)
1988 455 Griechenland  Griechenland Anlage aus 24 Klöstern und Eremitagen, die auf hohe Sandsteinfelsen gebaut wurden
 
(weitere Bilder)
Hierapolis-Pamukkale
(Lage)
1988 485 Turkei  Türkei archäologische Stätte der antiken griechischen Stadt Hierapolis, die für ihre Thermalquellen berühmt war, zusammen mit den unterhalb der Stadt liegenden, durch das Thermalwasser gebildeten weißen Kalksinterterrassen von Pamukkale
 
(weitere Bilder)
Felsen von Bandiagara
(Lage)
1989 516 Mali  Mali
 
(weitere Bilder)
Tongariro-Nationalpark
(Lage)
1990 421 Neuseeland  Neuseeland ältester Nationalpark Neuseelands mit den aktiven Vulkanen Tongariro (1968 m), Ngauruhoe (2291 m) und Ruapehu (2797 m) und mehreren Kultstätten der Māori, die die Vulkane als heilig verehren.
 
(weitere Bilder)
Huang Shan
(Lage)
1990 547 China Volksrepublik  China
 
(weitere Bilder)
Nationalpark Río Abiseo
(Lage)
1990 548 Peru  Peru 1983 zum Schutz der Nebelwälder und der einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt gegründeter Nationalpark in der Region San Martín im Gebiet des Río Abiseo und seiner Nebenflüsse Río Montecristo und Río Tumac mit 36 präkolumbischen Stätten, darunter Gran Pajatén.
 
(weitere Bilder)
Arktische Kulturlandschaft Lapplands
(Lage)
1996 774 Schweden  Schweden umfasst Nationalparks und Naturschutzgebiete im Norden Schwedens mit dem Siedlungsgebiet der Samen, die hier traditionellen Rentier-Pastoralismus betreiben.
 
(weitere Bilder)
Berglandschaft des Emei Shan und Großer Buddha von Leshan
(Lage)
1996 779 China Volksrepublik  China
 
(weitere Bilder)
Pyrenäen – Mont Perdu
(Lage)
1997
1999
773 Frankreich  Frankreich
Spanien  Spanien
umfasst einen Abschnitt der Pyrenäen in der Umgebung des Monte Perdido (franz. Mont Perdu) aufgrund seiner geologischen Einzigartigkeit, der Schönheit und Vielfalt der Natur sowie der in Europa selten gewordenen traditionellen Lebensform der Almwirtschaft.

Der französische Teil wurde 1997 in das Welterbe aufgenommen, der spanische 1999.

 
(weitere Bilder)
Ibiza
(Lage)
1999 417 Spanien  Spanien
 
(weitere Bilder)
Wuyi-Gebirge
(Lage)
1999 911 China Volksrepublik  China
 
(weitere Bilder)
Maloti-Drakensberg-Park
(Lage)
2000
2013
985 Sudafrika  Südafrika
Lesotho  Lesotho
umfasst seit 2000 den Ukhahlamba-Drakensberg Park in Südafrika, erweitert 2013 um den Sehlabathebe-Nationalpark in Lesotho

wichtiger Zufluchtsort für viele bedrohte und endemische Arten, reich an Felsmalereien der San

 
(weitere Bilder)
Maya-Stadt Calakmul und Tropische Regenwälder in Campeche
(Lage)
2002
2014
1061 Mexiko  Mexiko 2002 wurde die Maya-Stadt Calakmul im mexikanischen Bundesstaat Campeche in das Weltkulturerbe aufgenommen. 2014 wurde die Stätte um das umliegende Biosphärenreservat Calakmul zu einer gemischten Welterbestätte erweitert
 
(weitere Bilder)
Ökosystem und Relikt-Kulturlandschaft von Lopé-Okanda
(Lage)
2007 1147 Gabun  Gabun
 
(weitere Bilder)
Papahānaumokuākea
(Lage)
2010 1326 Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten umfasst die unbewohnten Nordwestlichen Hawaii-Inseln, die eine große kulturelle Bedeutung für die hawaiischen Ureinwohner haben, sowie das umliegende Seegebiet und bietet über 7000 teils endemischen Arten Schutz, die gefährdet oder vom Aussterben bedroht sind.
 
(weitere Bilder)
Wadi Rum
(Lage)
2011 1377 Jordanien  Jordanien das größte Wadi in Jordanien mit markanten Felsformationen und prähistorischen Felszeichnungen
 
(weitere Bilder)
Südliche Lagune der Chelbacheb-Inseln
(Lage)
2012 1386 Palau  Palau Große, von einem dichten Korallenriff begrenzte Lagune südlich von Palaus Hauptinsel Babeldaob mit den Chelbacheb-Inseln (Rock Islands), große Habitat-Diversität mit zahlreichen marinen Seen und Zeugnissen menschlichen Besiedlung über 3000 Jahre bis ins 18. Jahrhundert
 
(weitere Bilder)
Landschaftskomplex Tràng An
(Lage)
2014 1438 Vietnam  Vietnam Landschaftskomplex aus zahlreichen Karst-Bergen und Tälern in einer Wasserlandschaft mit teils gefluteten Höhlen, in denen Spuren menschlicher Besiedlung aus einem zusammenhängenden Zeitraum von mehr als 30.000 Jahren gefunden wurden.
 
(weitere Bilder)
Blue und John Crow Mountains
(Lage)
2015 1356 Jamaika  Jamaika
 
(weitere Bilder)
Natur- und Kulturlandschaft des Ennedi-Massivs
(Lage)
2016 1475 Tschad  Tschad Sandsteinmassiv in der Sahara mit tief eingeschnittenen Tälern, in denen sich Wasser sammelt und Vegetation gedeiht, sowie Tausenden Felsmalereien
  Marschland (al-Ahwar) im Südirak: Schutzgebiet der Artenvielfalt und Reliktlandschaft mesopotamischer Städte
(Lage)
2016 1481 Irak  Irak
 
(weitere Bilder)
Kangchendzönga-Nationalpark
(Lage)
2016 1513 Indien  Indien
 
(weitere Bilder)
Chiribiquete Nationalpark – “Das Maloca des Jaguars”
(Lage)
2018 1174 Kolumbien  Kolumbien
 
(weitere Bilder)
Pimachiowin Aki
(Lage)
2018 1415 Kanada  Kanada umfasst das Land von vier First Nations aus dem Volk der Anishinabe und angrenzende Schutzgebiete, darunter den Atikaki Provincial Wilderness Park in Manitoba sowie den Woodland Caribou Provincial Park und die Eagle-Snowshoe Conservation Reserve in Ontario
 
(weitere Bilder)
Tehuacán-Cuicatlán
(Lage)
2018 1534 Mexiko  Mexiko
  Paraty und Ilha Grande – Kultur und Biodiversität
(Lage)
2019 1308 Brasilien  Brasilien umfasst die Altstadt von Paraty, einer der am besten erhaltenen Küstenstädte Brasiliens, mit dem Berg, auf dem das ursprüngliche Dorf gelegen haben soll, und vier Naturschutzgebiete des Atlantischen Regenwalds entlang der Küste und auf der benachbarten Ilha Grande.

WeblinksBearbeiten

Commons: Mixed World Heritage Sites – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. World Heritage List – Mixed. In: whc.unesco.org. UNESCO World Heritage Centre, abgerufen am 8. August 2020 (englisch).
  2. Richtlinien für die Durchführung des Übereinkommens zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt. 8. Juli 2015, II.A Bestimmung des Begriffs „Welterbe“, S. 17, Rdnr. 46 (unesco.de [PDF; 3,9 MB]).
  3. The Criteria for Selection. In: whc.unesco.org. UNESCO World Heritage Centre, abgerufen am 8. August 2020 (englisch).