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Liste der leistungsstärksten Kernreaktoren

Wikimedia-Liste
Leistungsentwicklung von Kernreaktoren

Die Liste der leistungsstärksten Kernreaktoren führt die Kernreaktoren mit der jeweils größten elektrischen Nettoleistung seit der wirtschaftlichen Einführung der Kerntechnik 1954 auf. Zurzeit besitzt der Block 1 des chinesischen Kernkraftwerks Taishan mit 1.660 MW die größte Nettoleistung und 1.750 MW auch die größte Bruttoleistung.

In den kommenden Jahren werden die im Bau befindlichen Blöcke Taishan-2 und Olkiluoto-3 folgen. Taishan-2 wird sich mit seiner Nennleistung von 1.750 MW den ersten Platz mit dem Schwesterblock Taishan-1, als leistungsstärkster Reaktorblock teilen und Olkiluoto-3 wird mit seiner Nennleistung von 1.720 MW den zweiten Platz einnehmen.

ErklärungBearbeiten

Aufgeführt werden folgende Informationen:

  • Name: Name des Kernkraftwerks mit Nummer des Reaktorblocks (bei Kraftwerken mit mehreren Blöcken)
  • Land: Heutiger Standort des Kernkraftwerks
  • Reaktortyp: Typ des Kernreaktors
  • Nettoleistung in MW: Bruttoleistung nach Abzug des Eigenverbrauchs, also die Leistung in Megawatt, die ins Netz gespeist wurde. Kursiv markiert sind Leistungsdaten, die vorher schon einmal übertroffen wurden.
  • ab Zeitpunkt: Zeitpunkt, ab der die Leistung in das Stromnetz erbracht wurde. In vielen Fällen wurde die Leistung des Kernreaktors mit der Zeit nach oben oder unten verändert. Während der Zeitpunkt der ersten Netzsynchronisation meist auf den Tag genau bekannt ist, ist bei Leistungsänderungen in der Regel nur das Jahr bekannt. Bei mehreren Reaktoren ist der Synchronisationszeitpunkt des ersten Reaktors genannt.

Gelb hinterlegt sind noch im Betrieb befindliche Reaktoren.

WeltweitBearbeiten

Das erste wirtschaftlich genutzte Kernkraftwerk befand sich im russischen Obninsk. Seither hat sich die Nettoleistung von Kernkraftwerken in 50 Jahren verdreihundertfacht. Zwischen 1960 und 1964 sowie zwischen 1967 und 1974 befand sich das weltweit leistungsstärkste Kernkraftwerk in den Vereinigten Staaten, zwischen 1974 und 1983 sowie zwischen 1993 und 1996 in Deutschland und zwischen 1996 und 2018 in Frankreich. Seit Dezember 2018 ist der erste Block des Kernkraftwerks Taishan in der Volksrepublik China, der erste EPR im kommerziellen Betrieb, der leistungsstärkste Reaktor der Welt.

Die aktuell zehn stärksten Reaktorblöcke der Welt (Stand März 2019)Bearbeiten

Platz Reaktorblock Staat Reaktortyp Baulinie elektrische Leistung thermische

Reaktorleistung

Netto Brutto
1 Taishan 1 China Volksrepublik  Volksrepublik China Druckwasserreaktor EPR 1.660 MW 1.750 MW 4.590 MW
2 Civaux 1 Frankreich  Frankreich Druckwasserreaktor Nouveau 4 (N4) 1.495 MW 1.561 MW 4.270 MW
3 Civaux 2 Frankreich  Frankreich Druckwasserreaktor Nouveau 4 (N4) 1.495 MW 1.561 MW 4.270 MW
4 Chooz B-1 Frankreich  Frankreich Druckwasserreaktor Nouveau 4 (N4) 1.500 MW 1.560 MW 4.270 MW
5 Chooz B-2 Frankreich  Frankreich Druckwasserreaktor Nouveau 4 (N4) 1.500 MW 1.560 MW 4.270 MW
6 Grand Gulf 1 Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten Siedewasserreaktor BWR-6 1.401 MW 1.500 MW 4.408 MW
7 Shin-Kori 3 Korea Sud  Südkorea Druckwasserreaktor APR-1400 1.416 MW 1.485 MW 3.983 MW
8 Isar 2 Deutschland  Deutschland Druckwasserreaktor KWU-Baulinie '80 1.410 MW 1.485 MW 3.950 MW
9 Brokdorf Deutschland  Deutschland Druckwasserreaktor KWU-Baulinie '3 1.410 MW 1.480 MW 3.900 MW
10 Philippsburg 2 Deutschland  Deutschland Druckwasserreaktor KWU-Baulinie '3 1.402 MW 1.468 MW 3.950 MW

Die leistungsstärksten Reaktoren im Laufe der JahreBearbeiten

Reaktorblock Staat Reaktortyp Netto-
leistung
in MW bei der Inbetriebnahme
ab
Zeitpunkt
Obninsk 1 Sowjetunion  Sowjetunion Siedewasser-Druckröhrenreaktor 5 26.06.1954
Calder Hall 1–4 Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich Magnox-Reaktor 50 27.08.1956
Shippingport Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten Druckwasserreaktor 60 02.12.1957
Dresden 1 Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten Siedewasserreaktor 197 15.04.1960
Indian Point 1 Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten Druckwasserreaktor 257 16.09.1962
Enrico Fermi (Trino) Italien  Italien Druckwasserreaktor 260 22.10.1964
Chinon A3 Frankreich  Frankreich UNGG-Reaktor 480 04.08.1966
Haddam Neck Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten Druckwasserreaktor 560 07.08.1967
Oyster Creek Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten Siedewasserreaktor 619 23.09.1969
Dresden 2 Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten Siedewasserreaktor 804
815
13.04.1970
1971
Quad Cities 1 Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten Siedewasserreaktor 829 12.04.1972
Indian Point 2 Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten Druckwasserreaktor 897 26.06.1973
Zion 1 Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten Druckwasserreaktor 946 28.06.1973
Browns Ferry 1/2 Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten Siedewasserreaktor 998 15.10.1973
Biblis A Deutschland  Deutschland Druckwasserreaktor 1.158
1.146
25.08.1974
1975
Biblis B Deutschland  Deutschland Druckwasserreaktor 1.193
1.178
06.04.1976
1977
Unterweser Deutschland  Deutschland Druckwasserreaktor 1.271
1.230
29.09.1978
1979
Neckarwestheim 2 Deutschland  Deutschland Druckwasserreaktor 1.310 15.04.1989
Ignalina 1/2 Sowjetunion  Sowjetunion Siedewasser-Druckröhrenreaktor 1.380 31.12.1983
Grohnde Deutschland  Deutschland Druckwasserreaktor 1.349
1.360
1995

1996

Philippsburg 2 Deutschland  Deutschland Druckwasserreaktor 1.336 1994
Isar 2 Deutschland  Deutschland Druckwasserreaktor 1.410 09.04.1988
Gundremmingen C Deutschland  Deutschland Siedewasserreaktor 1.288 18.01.1985
Gundremmingen B Deutschland  Deutschland Siedewasserreaktor 1.284 19.07.1984

1993

Chooz B1/B2 Frankreich  Frankreich Druckwasserreaktor 1.455
1.500
30.08.1996
2003
Taishan 1 China Volksrepublik  Volksrepublik China Druckwasserreaktor 1.660 13.12.2018

AfrikaBearbeiten

Das einzige Kernkraftwerk Afrikas ist das südafrikanische Kernkraftwerk Koeberg. Seit 1984 liefern seine beiden Blöcke im Regelbetrieb eine Nettoleistung von je 920 MW.

Name Land Reaktortyp Netto-
leistung
in MW
ab
Zeitpunkt
Koeberg 1/2 Sudafrika  Südafrika Druckwasserreaktor 920 04.04.1984

AsienBearbeiten

Mit einer Ausnahme, dem indischen Kernkraftwerk Tarapur, befand sich der leistungsstärkste Kernreaktor Asiens bis 2018 immer in Japan. Seit der Inbetriebnahme des experimentellen Japan Power Demonstration Reactors 1963 konnten die japanischen Reaktoren gut mit den europäischen und amerikanischen mithalten. Der Reaktorblock 5 im Kernkraftwerk Hamaoka war mit einer anfänglichen Nettoleistung von 1325 MW der leistungsstärkste Asiens, musste 2007 wegen technischer Probleme auf 1212 MW gedrosselt werden. Seit Dezember 2018 ist der erste Block des Kernkraftwerks Taishan in der Volksrepublik China der leistungsstärkste Reaktor in Asien und auch weltweit.

Name Land Reaktortyp Netto-
leistung
in MW
ab
Zeitpunkt
JPDR Japan  Japan Siedewasserreaktor 12 26.10.1963
Tōkai 1 Japan  Japan Magnox-Reaktor 166 10.11.1965
Tarapur 1/2 Indien  Indien Siedewasserreaktor 210 01.04.1969
Tsuruga 1 Japan  Japan Siedewasserreaktor 341 16.11.1969
Fukushima-Daiichi 1 Japan  Japan Siedewasserreaktor 460 17.11.1970
Mihama 2 Japan  Japan Druckwasserreaktor 492 21.04.1972
Fukushima-Daiichi 2 Japan  Japan Siedewasserreaktor 760 24.12.1973
Takahama 1/2 Japan  Japan Druckwasserreaktor 780 27.03.1974
Ōi (Ohi) 1/2 Japan  Japan Druckwasserreaktor 1.120 23.12.1977
Ōi (Ohi) 3/4 Japan  Japan Druckwasserreaktor 1.127 07.06.1991
Kashiwazaki-Kariwa 6/7 Japan  Japan Siedewasserreaktor 1.315 29.01.1996
Hamaoka 5 Japan  Japan Siedewasserreaktor 1.325 26.04.2004
Kashiwazaki-Kariwa 6/7 Japan  Japan Siedewasserreaktor 1.315 2007
Taishan 1 China Volksrepublik  Volksrepublik China Druckwasserreaktor 1.660 13.12.2018

EuropaBearbeiten

Seit der Inbetriebnahme des ersten kommerziellen Kernkraftwerks Obninsk befand sich der leistungsstärkste Kernreaktor Europas abwechselnd in Russland und Westeuropa. Der britische Reaktor Dungeness A1 hatte bis 1969 nur eine Leistung von 220 MW, bis seine Leistung auf 570 MW angehoben wurde, was ihn zum leistungsstärksten Reaktor Europas machte. In den siebziger und Mitte der 1990er Jahre stellte Deutschland den leistungsstärksten Reaktor. Die beiden Phasen wurden durch das litauische Kernkraftwerk Ignalina unterbrochen, dessen Leistung 1993 von 1380 MW auf 1185 MW gedrosselt wurde. Die leistungsstärksten Kernreaktoren Europas befinden sich zurzeit in Frankreich.

Name Land Reaktortyp Netto-
leistung
in MW
ab
Zeitpunkt
Obninsk 1 Sowjetunion  Sowjetunion Druckwasser-Druckröhrenreaktor 5 26.06.1954
Calder Hall 1–4 Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich Magnox-Reaktor 50 27.08.1956
Berkeley 1/2 Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich Magnox-Reaktor 138 12.06.1962
Latina Italien  Italien Magnox-Reaktor 153 12.05.1963
Nowoworonesch 1 Sowjetunion  Sowjetunion Druckwasserreaktor 197 30.09.1964
Enrico Fermi (Trino) Italien  Italien Druckwasserreaktor 260 22.10.1964
Chinon A3 Frankreich  Frankreich UNGG-Reaktor 480 04.08.1966
Saint-Laurent A1 Frankreich  Frankreich UNGG-Reaktor 480 14.03.1969
Dungeness A1 Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich Magnox-Reaktor 577 1970
Würgassen Deutschland  Deutschland Siedewasserreaktor 640 18.12.1971
Stade Deutschland  Deutschland Druckwasserreaktor 662
630
29.01.1972
1973
Biblis A Deutschland  Deutschland Druckwasserreaktor 1.158
1.146
25.08.1974
1975
Biblis B Deutschland  Deutschland Druckwasserreaktor 1.193
1.178
06.04.1976
1977
Unterweser Deutschland  Deutschland Druckwasserreaktor 1.271
1.230
29.09.1978
1979
Biblis B Deutschland  Deutschland Druckwasserreaktor 1.240 1980
Ignalina 1/2 Sowjetunion  Sowjetunion Siedewasser-Druckröhrenreaktor 1.380 31.12.1983
Isar 2 Deutschland  Deutschland Druckwasserreaktor 1.390 1993
Philippsburg 2 Deutschland  Deutschland Druckwasserreaktor 1.336 1994
Grohnde Deutschland  Deutschland Druckwasserreaktor 1.349
1.360
1995
1996
Chooz B1/B2 Frankreich  Frankreich Druckwasserreaktor 1.455
1.500
30.08.1996
2003

NordamerikaBearbeiten

Der leistungsstärkste Kernreaktor Nordamerikas stand bislang immer in den Vereinigten Staaten. Seit dem ersten Kernkraftwerk, das im Jahr 1957 mit einer Leistung von 24 MW in Betrieb genommen wurde, erhöhte sich die maximale Leistung vor allem in den 1960er Jahren rasant. Seit 1985/1986 sind die beiden Blöcke des Kernkraftwerks Palo Verde die leistungsstärksten. Die Leistungsdaten der beiden Reaktorblöcke schwankten seither zwischen 1221 MW und 1335 MW.

Name Land Reaktortyp Netto-
leistung
in MW
ab
Zeitpunkt
Vallecitos Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten Siedewasserreaktor 24 19.10.1957
Shippingport Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten Druckwasserreaktor 60 02.12.1957
Dresden 1 Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten Siedewasserreaktor 197 15.04.1960
Indian Point 1 Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten Druckwasserreaktor 257 16.09.1962
San Onofre 1 Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten Druckwasserreaktor 436 16.07.1967
Haddam Neck Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten Druckwasserreaktor 560 07.08.1967
Oyster Creek Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten Siedewasserreaktor 619 23.09.1969
Dresden 2 Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten Siedewasserreaktor 804
815
13.04.1970
1971
Quad Cities 1 Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten Siedewasserreaktor 829 12.04.1972
Indian Point 2 Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten Druckwasserreaktor 897 26.06.1973
Zion 1 Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten Druckwasserreaktor 946 28.06.1973
Browns Ferry 1/2 Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten Siedewasserreaktor 998 15.10.1973
Peach Bottom 3 Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten Siedewasserreaktor 1.073 01.09.1974
Browns Ferry 1/2 Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten Siedewasserreaktor 1.065 1975
Salem 1 Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten Druckwasserreaktor 1.104
1.079
25.12.1976
1977
Sequoyah 1 Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten Druckwasserreaktor 1.123 22.07.1980
McGuire 1 Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten Druckwasserreaktor 1.180 1982
Grand Gulf 1 Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten Siedewasserreaktor 1.192 20.10.1984
Palo Verde 1 Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten Druckwasserreaktor 1.270 10.06.1985
Palo Verde 1/2 Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten Druckwasserreaktor 1.221
1.243
1.335
1.314
1986
1997
2004
2006

SüdamerikaBearbeiten

Das erste Kernkraftwerk Südamerikas Atucha ging 1974 mit einer Leistung von 321 MW in Argentinien ans Netz. In den folgenden Jahren variierte seine Reaktorleistung zwischen 319 MW und 345 MW, bis es vom brasilianischen Kernkraftwerk Angra mit einer Leistung von 626 MW abgelöst wurde. Der aktuell leistungsstärkste Kernreaktor Südamerikas ist der Reaktor Angra 2. Nachdem der Reaktorblock im Jahr 2000 mit einer Leistung von 1350 MW in Betrieb genommen wurde, wurde die Leistung 2002 auf 1275 MW heruntergefahren. Die brasilianische Regierung plant zurzeit einen weiteren Reaktorblock Angra 3 mit der gleichen Leistung.

Name Land Reaktortyp Netto-
leistung
in MW
ab
Zeitpunkt
Atucha 1 Argentinien  Argentinien Schwerwasser-Druckröhrenreaktor 321
319
336
345
335
19.03.1974
1975
1977
1978
1979
Angra 1 Brasilien  Brasilien Druckwasserreaktor 626 01.04.1982
Angra 2 Brasilien  Brasilien Druckwasserreaktor 1.350
1.275
21.07.2000
2002

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten