Limesmuseum Aalen

Museum in Deutschland

Das Limesmuseum Aalen ist ein archäologisches Museum mit einer angeschlossenen Freilichtanlage im baden-württembergischen Aalen. Das Museum ist ein Zweigmuseum des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg und gleichzeitig das größte Museum an dem von der UNESCO als Weltkulturerbe eingestuften Obergermanisch-Raetischen Limes. Das Museum steht auf dem Gelände des größten römischen Reiterkastells nördlich der Alpen. Im Mai 2019 wurde es nach zweieinhalbjährigem Umbau und Schließung mit neu konzipierter Dauerausstellung[1] und energetischer Sanierung wiedereröffnet.[2][3]

Limesmuseum

MuseumBearbeiten

 
Der 1978 während der Erweiterung des Limesmuseums aus dem Boden gekommene Maskenhelm vom Typ Alexander
 
Das Mithrasrelief, aufgefunden in Osterburken

Der Schwerpunkt des Erdgeschosses liegt auf der römischen Besetzungsgeschichte Südwestdeutschlands im 2. Jahrhundert n. Chr. und dem Kastell Aalen. In der Dauerausstellung werden restaurierte Funde aus dem ehemaligen Kastell und dem zugehörigen Vicus ausgestellt. Gezeigt werden Haushaltsgegenstände, Schmuck, Keramik- und Metallgegenstände, aber auch zahlreiche Waffen aus römischer und alamannischer Zeit. Zu den Glanzstücken der Ausstellung zählen der Schatzfund aus dem Kastelldorf Buch und eine Nachbildung der Jupitergigantensäule von Walheim, die aufgrund ihrer Größe von etwa 6,50 m bis in das Obergeschoss ragt.

In der Nähe zur Säule schließt die Sammlung bedeutender Steindenkmäler an, darunter Weihesteine und Inschriften aus dem Limesgebiet. In einem mehrere Meter langen Zinnfiguren-Diorama wird ein Sommertag des Jahres 213 n. Chr. am rätischen Limes dargestellt zur Zeit des Caracallafeldzugs.

Die neue Dauerausstellung mit über 1.200 Originalfunden widmet sich im Eingangsbereich zunächst in einer Art Prolog der Entwicklung des römischen Reiches. Dabei steht vor allem auch das Verhältnis zwischen Germanen und Römern und das Verständnis von Grenzen im Fokus. In den Haupträumen des Erdgeschosses lernen Besucher anhand von konkreten archäologischen Objekten interaktiv sieben Personen, die vor 1.800 Jahren im römischen Aalen gelebt haben und deren Lebensumstände näher kennen. Zahlreiche originalgetreue Repliken, Modelle und Multimediastationen ergänzen das Besuchserlebnis. Besuchern und Kindern wird ein umfangreiches museumspädagogisches Programm angeboten.

Der zweite Teil der Ausstellung führt im Obergeschoss wieder aus der Römerzeit heraus in die Gegenwart. Hier werden zahlreiche archäologisch bedeutsame Stationen entlang der 164 km langen Strecke des Limes in Baden-Württemberg vorgestellt.

Den Abschluss bildet schließlich eine Art Epilog, der den Blick weiten soll und das Thema „Grenzen“ mit ihrer Funktion, Intention und Wirkung anhand einiger Beispiele historischer wie auch aktueller Grenzen auf der Welt aufzeigt.

Das Museum gibt in Gemeinschaft mit dem Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg und der Gesellschaft für Archäologie in Württemberg und Hohenzollern in unregelmäßiger Folge die Fachpublikation Schriften des Limesmuseums Aalen (früherer Titel: Kleine Schriften zur Kenntnis der römischen Besetzungsgeschichte Südwestdeutschlands) zur römischen Geschichte Südwestdeutschlands heraus. Die Reihe richtet sich besonders an Laien und Interessierte. Jedes Heft beleuchtet üblicherweise einen zentralen Aspekt der römischen Geschichte Süddeutschlands.[4]

FreigeländeBearbeiten

Das Freigelände liegt als archäologischer Park auf dem vor Überbauung gesicherten Mittelteil des ehemaligen Kastells, den Latera praetorii. Dort führt ein beschilderter Rundweg zu den freigelegten, in situ (vor Ort) teilrekonstruierten Resten des ehemaligen Stabsgebäudes (Principia) sowie zu einem modellhaft errichteten Abschnitt einer ehemaligen Mannschaftsbaracke. Vor dem einst mächtigen rechteckigen Mehrzweckbau, der dem Stabsgebäudes vorgelagert ist, wurde zu Anschauungszwecken ein hölzerner römischer Baukran aufgestellt. Entlang des Rundweges oberhalb des einstigen Fahnenheiligtums in den Principia sind verschiedene Nachbildungen bedeutender Steindenkmäler von verschiedenen Plätzen des Obergermanisch-Raetischen Limes aufgestellt, darunter die beiden Bauinschriften des Aalener Kastells, der Grabstein des Victorinus Longinus aus der Ala II Flavia (Fundort Augsburg),[5] ein Weiherelief für die Göttin Epona aus Beihingen am Neckar sowie die Statuengruppe vom Wachtposten 10/37 „In der Schneidershecke“.

Die Teilrekonstruktion einer Mannschaftsbaracke entstand im Spätsommer 2005 an der Stelle, an der sich in der Antike zwei Wirtschaftsgebäude erhoben, welche 2004 archäologisch erforscht worden sind. Da aus Aalen aufgrund der Überbauung kein entsprechender Befund bekannt geworden ist, wurde die Baracke auf Grundlage der Ausgrabungen im Kastell Heidenheim, in dem die einst in Aalen stationierte Reitertruppe Ala II Flavia ursprünglich gelegen hatte, geplant und ausgeführt.[6]

Das Freigelände ist Schauplatz für die zweijährlich stattfindenden Römertage-Festspiele.

Sonderausstellungen (Auswahl)Bearbeiten

  • 2010: Ton + Technik – Römische Ziegel.[8]
  • 2013: Caracalla. Kaiser, Tyrann, Feldherr.[9]
  • 2014: Gebrochener Glanz – Römische Großbronzen am UNESCO-Welterbe Limes
  • 2019: Zwischen Kastell und Stadt – Aalen nach den Römern
  • 2020/21: Der Tod aus dem Nichts – Antike Geschütze

LiteraturBearbeiten

  • Philipp Filtzinger: Limesmuseum Aalen. Gesellschaft zur Förderung des Württembergischen Landesmuseums Stuttgart, Stuttgart 1991.
  • Philipp Filtzinger: Aalen (AA) – Limesmuseum. In: Ph. Filtzinger (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg. 3. Aufl. Stuttgart: Theiss, 1986. ISBN 3-8062-0287-7, S. 210f.
  • Dieter Planck: Aalen (AA) – Kastell für 1000 Reiter. In: D. Planck (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg. Römerstätten von Aalen bis Zwiefalten. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, 2005. ISBN 3-8062-1555-3, S. 9–18.
  • Martin Kemkes u. a.: Gebrochener Glanz – Römische Großbronzen am UNESCO-Welterbe Limes. Nünnerich-Asmus Verlag + Media, Mainz 2013 ISBN 978-3-943904-59-8

SchriftenreiheBearbeiten

  • Schriften des Limesmuseums Aalen (früherer Titel: Kleine Schriften zur Kenntnis der römischen Besetzungsgeschichte Südwestdeutschlands), bis 2018 bereits 64 erschienene Ausgaben.[4]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Annine Fuchs: Alles auf Anfang – Das neue Limesmuseum Aalen. In: https://aid-magazin.de. Archäologie in Deutschland (AiD) – AID Magazin – Sehenswert, 2. Juli 2020, abgerufen am 18. Juni 2021.
  2. Andreas Kilb: Im Wilden Westen des Römischen Reichs. Leben in Kleinbonum, Laudanum und Aquarium: Aalens Limesmuseum hat seine Dauerausstellung neu gestaltet. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 163 vom 17. Juli 2019, S. 11.
  3. Sonderbeilage zur Wiedereröffnung Limesmuseum. In: https://www.limesmuseum.de/. Schwäbische Post und Gmünder Tagespost, Mai 2019, abgerufen am 6. Mai 2021.
  4. a b Schriften des Limesmuseums Aalen. In: https://www.gesellschaft-archaeologie.de. Gesellschaft für Archäologie in Württemberg und Hohenzollern (WebShop), abgerufen am 1. Mai 2021.
  5. CIL 03, 05822
  6. Markus Scholz: Zwei Wirtschaftsbauten im Limeskastell Aalen. In: Andreas Thiel (Hrsg.): Forschungen zur Funktion des Limes. Band 2. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8062-2117-6, S. 107.
  7. AE 1986, 528.
  8. Ulrich Brandl und Emmi Federhofer: Ton + Technik. Römische Ziegel. Theiss, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8062-2403-0 (Schriften des Limesmuseums Aalen. Nr. 61)
  9. Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg (Hrsg.): Caracalla. Kaiser, Tyrann, Feldherr. Verlag Philipp von Zabern, Darmstadt/Mainz 2013, ISBN 978-3-8053-4611-5.

Koordinaten: 48° 50′ 10″ N, 10° 5′ 4″ O