Das Lettische Liederfest (lettisch Vispārējie latviešu Dziesmu un Deju svētkiAllgemeines lettisches Lieder- und Tanzfest; alternativ: Allgemeines lettisches Gesangs- und Tanzfest oder Allgemeines lettisches Sänger- und Tanzfest) ist ein in der Regel alle fünf Jahre wiederkehrendes kulturelles Großereignis in Lettland und Teil der lettischen Identität.[1] Es fügt sich in die Tradition der Liederfeste der baltischen Länder Estland, Lettland und Litauen. Auf diesen Massengesangsveranstaltungen werden die Geschichten und Mythen, aber auch das Nationalbewusstsein in Liedern zum Ausdruck gebracht.

Das 25. Liederfest mit etwa 40 000 Beteiligten wurde vom 30. Juni bis 7. Juli 2013 abgehalten.[2]

EntstehungBearbeiten

Die Völker des Baltikums wurden jahrhundertelang politisch und kulturell von ausländischen Mächten dominiert. Im Zuge des erwachenden nationalen Bewusstseins im 19. Jahrhundert erfolgte eine Rückbesinnung auf die eigene Kultur und Sprache; die überlieferten Sagen, Märchen und Lieder spielten dabei eine wichtige Rolle. Im Jahre 1869 fand in Dorpat (estnisch Tartu) das erste estnische Liederfest im Baltikum statt.

GeschichteBearbeiten

 
Auf dem Liederfest 2008

Vom 8. bis 11. Juli (julianisch: 26. bis 29. Juni) 1873 wurde in Lettland zum ersten Mal das große nationale Liederfest veranstaltet. Es nahmen 45 Chöre daran teil. Oberdirigenten waren Jānis Bētiņš und Indriķis Zīle.

Die lettischen Liederfeste fanden sowohl im Russischen Reich (bis 1917) als auch im unabhängigen Lettland (1918–1940 sowie seit 1991) und in der sowjetischen Okkupationszeit (1945–1991) statt; Unterbrechungen gab es nur während der beiden Weltkriege. Bis 2008 wurden so 24 allgemeine lettische Liederfeste abgehalten. Seit 1948 nehmen auch Tanzgruppen an der Veranstaltung teil.

Zum XXIII. Liederfest 2003 kamen aus ganz Lettland sowie aus dem Ausland 319 Chöre, 538 Tanz- und Folkloregruppen, 57 Blasmusikkapellen, mehrere Gruppen von Koklespielern, drei Symphonieorchester und ein Kammerorchester zusammen; ähnliche Dimensionen hatte das XXIV. Liederfest 2008. Das letzte allgemeine lettische Liederfest fand vom 29. Juni bis zum 9. Juli 2018 statt.

Neben dem allgemeinen Liederfest fanden auch lettgallische Liederfeste statt. Außerdem wird seit 1960 ein Tanz- und Liederfest der Jugend (Latvijas Skolu jaunatnes dziesmu un deju svētki) veranstaltet.

VerlaufBearbeiten

 
Abschlussumzug des Liederfests 2013

Bereits Jahre vor der Hauptveranstaltung wird das Repertoire vorbereitet und geprüft. Durch viele Wettbewerbe müssen sich die Chöre für das Liederfest qualifizieren; Hauptziel ist es, an der Abschlussveranstaltung auf der Freilichtbühne im Rigaer Bezirk Mežaparks mit rund 30.000 Choristen teilzunehmen.

Der Schwerpunkt der Veranstaltungen liegt bei den Chören und Tanzgruppen, es nehmen aber auch Kapellen für Blasmusik, Folkloregruppen, Volksmusiker, Bildende Künstler, Amateur-Theater usw. teil. Normalerweise findet am letzten Tag des Liederfestes morgens ein Festumzug mit allen Teilnehmern statt.

Nationalhymne der Republik LettlandBearbeiten

Dievs, svētī Latviju (deutsch: Gott, segne Lettland) wurde um 1870 von Kārlis Baumanis als Hymne der Letten geschrieben und komponiert. Das Lied wurde erstmals während des ersten Liederfests im Juni 1873 in Riga gesungen. Der von Baumanis verwendete, aus dem Litauischen entlehnte[3] Begriff „Latvija“ (Lettland) kam in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf und diente zur Bezeichnung aller von Letten bewohnten Gebiete. Seitens der russischen Herrscher wurde das Wort „Latvija“ als Forderung nach nationaler Eigenständigkeit gedeutet und verboten; es musste durch den allgemeineren Begriff „Baltija“ (Baltikum) ersetzt werden. Am 18. November 1918 (Proklamation der Republik Lettland) wurde Dievs, svētī Latviju zur lettischen Nationalhymne erklärt.

SonstigesBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Liederfest (Lettland) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Siehe lettisches Sängerfest-Gesetz: Dziesmu un Deju svētku likums
  2. http://www.delfi.lv/kultura/news/culturenvironment/oficiali-atklati-dziesmu-un-deju-svetki.d?id=43446009
  3. Woher der Name der Letten?. In: „Das Inland“ vom 3. November 1837, S. 3.
  4. The Baltic Song and Dance Celebrations bei unesco.org (englisch)