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Lidy Luise Elisabeth Ottilie Lucy Mary von Lüttwitz (* 19. Februar 1902 in Berlin; † 20. Oktober 1996 in Altenhohenau bei Wasserburg am Inn) war eine deutsche Bildhauerin und 1952 Kunstpreisträgerin der Stadt Berlin.[1]

LebenBearbeiten

Die in Posen aufgewachsene[2] Lidy von Lüttwitz studierte von 1920 bis 1924 Malerei in Berlin. Zu ihren Mentoren zählten Willy Jaeckel und Leo von König.[3] Anschließend, ab 1924,[4] absolvierte sie ein Bildhauereistudium bei Alexander Oppler an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin.[3] Im Jahr 1926 zog Lidy von Lüttwitz nach Paris und begann ein Studium der Bildhauerei und Malerei an der Staatlichen Hochschule der Schönen Künste (École nationale supérieure des beaux-arts de Paris),[2] an der auch der Maler Henri Matisse studiert hatte. Zu ihren Lehrern in Frankreich gehörten der Bildhauer Francois Léon Sicard und der kubistische Maler André Lhote.[3] Von 1928 bis 1932 besuchte sie die Akademie der Steinwerkklasse in Berlin.[2] Danach eröffnete sie ihr eigenes Atelier, hatte aber während der Nazizeit, aufgrund der eingeschränkten Kunstfreiheit durch die Nationalsozialisten, keine Möglichkeit ihre Arbeiten auszustellen.

Ab 1947 fand man ihre Werke in Einzelausstellungen in der Galerie Gerd Rosen in Berlin, im Städtischen Museum Leverkusen, in Schloss Morsbroich, der Galerie Günther Franke in München, dem Museum Villa Stuck in München und in der Städtischen Galerie in Rosenheim. Nach dem Krieg bekam sie 1952 den Berliner Kunstpreis für Bildhauerei.

Im Jahr 1959 siedelte Lidy von Lüttwitz nach München und 1970 nach Altenhohenau bei Wasserburg um,[4] wo sie am 20. Oktober 1996 verstarb.

Künstlerische LaufbahnBearbeiten

 
Skulptur Mahnmal der Gewalt (1955), Gedenkstein am Rathauspark

Die fast gehörlose Künstlerin gab ihren ‚Kindern‘, wie sie ihre Schöpfungen auch nannte, selten konkrete Namen. Auf diesem Wege überließ sie die Interpretation dem Betrachter. Ihre Skulpturen bestehen aus den unterschiedlichsten Materialien, wie Holz, Sandstein, Marmor, Bronze, Blei und Dolomit.

In Berlin-Wittenau (Bezirk Reinickendorf), nordwestlich des Rathausparks, steht ihre 4,5 Meter hohe Skulptur Mahnmal der Gewalt. „Jede Weltanschauung, die sich auf Gewalt gründet, rädert den Menschen auf ihren Symbolen“ ist die Inschrift auf dem trapezförmigen Sockel aus rotem Sandstein. Zu sehen ist eine auf ein Rad geschnürte stilisierte Figur. Das Rad erinnert vage an ein Hakenkreuz.[5] Der Auftrag für das Mahnmal erfolgte 1954, nach der Verleihung des Berliner Kunstpreises von 1952, und soll an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Da von Lüttwitz während dieser Zeit keine Möglichkeit hatte ihre Werke auszustellen, war dieser Auftrag eine besondere Ehre.

Nach ihrem Umzug nach Altenhohenau meißelte sie, auch mit 90 Jahren, ihre Skulpturen auf Gerüsten. Im November 2009 wurde ihre Skulptur Lebensformen durch Vandalismus stark beschädigt. Das Werk, aus einem Stück Elbsandstein gehauen, war eine Leihgabe des Wasserburger Architekten Rudi Kammerl. Der entstandene Schaden wurde auf etwa 10.000 Euro geschätzt (Stand 11. November 2009).[6]

WerkeBearbeiten

 
Entfaltung IV (1989), München-Neuperlach

In den Werken von Lidy von Lüttwitz wird ihre innere Zwiesprache, aufgrund ihres eingeschränkten Hörvermögens, deutlich.

  • Grabstein 1930/31, Muschelkalk, Höhe 88 cm
  • Grüner Stein 1942, Dolomit, Höhe 38 cm
  • Die Frau 1943, Eichenholz, Höhe 155 cm
  • Plastik in Blei 1947, Blei, Höhe 24 cm
  • Primitive 1947, Eichenholz, Höhe 90 cm
  • Gespalten II 1952, Bronze, Höhe 18 cm
  • Stehender Jüngling 1953–54
  • Lebensformen 1954
  • Mahnmal der Gewalt 1955, am Rathauspark
  • Kreatur 1956, Marmor, Höhe 110 cm
  • Gespalten IV 1958, Bronze, Höhe 36 cm
  • Spirale 1960
  • Die Austreibung 1973, Buche bemalt, Höhe 150 cm
  • Flüchtlinge 1979, Holz bemalt, Höhe 200 cm
  • Stele 1985, Sandstein, Höhe 153 cm
  • Frau und Kind, Holz, Höhe 35 cm
  • Keimlinge, Buche bemalt, Höhe 129 cm
  • Plastik in grüner Bronze, Höhe

LiteraturBearbeiten

  • Barbara Gross, Lidy von Lüttwitz: Lidy von Lüttwitz, Skulpturen. Katalog zur Ausstellung in der Galerie im Rathaus, München, der Barbara-Gross-Galerie, München, 10. Juli bis 2. August 1992, Städtische Galerie Schloss Oberhausen, 15. August bis 11. Oktober 1992. Barbara-Gross-Galerie, München 1992.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Lidy von Lüttwitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Berlin von A bis Z: Lidy Luise Elisabeth Ottilie Lucy Mary von Lüttwitz. Edition Luisenstadt (www.luise-berlin.de), 10. Juli 2009, abgerufen am 12. Dezember 2012.
  2. a b c Lidy von Lüttwitz. (Nicht mehr online verfügbar.) Zeitgalerie Krefeld (www.kunstprivat.de), 11. Juli 2007, archiviert vom Original am 20. Mai 2005; abgerufen am 12. Dezember 2012.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kunstprivat.de
  3. a b c Lidy von Lüttwitz. In der Ausstellung. (Nicht mehr online verfügbar.) Mehlis (www.mehlis.eu), archiviert vom Original am 4. Mai 2016; abgerufen am 20. Dezember 2012.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.mehlis.eu
  4. a b Kunstmarkt: Lidy von Lüttwitz. Kniender Knabe, 1938. www.kunstmarkt.com, abgerufen am 12. Dezember 2012.
  5. „Mahnmal der Gewalt“ am Rathauspark. Kulturführer Berlin (www.kulturfuehrer-berlin.de), abgerufen am 11. Dezember 2012.
  6. Verlust weit über Materielles hinaus. OVB Online, 11. November 2009, abgerufen am 21. Dezember 2012: „Der Schaden wird auf mindestens 10.000 Euro geschätzt, gehe aber weit über das Finanzielle hinaus.“