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Libethenit (blätteriges Olivenerz) ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“. Es kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Cu2[OH|PO4][3] und entwickelt meist kurzprismatische, nadelige oder dipyramidale Kristalle, aber auch traubige, nierige oder körnige bis massige Mineral-Aggregate von hellgrüner bis grünlichschwarzer Farbe und grüner bis grünlichweißer Strichfarbe.

Libethenit
Libethenite-tuc1033b.jpg
Libethenitkristalle aus Kambove (Provinz Katanga), Kongo
Allgemeines und Klassifikation
Chemische Formel Cu2[OH|PO4]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Phosphate, Arsenate, Vanadate
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
8.BB.30 (8. Auflage: VII/B.06)
41.06.06.02
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-dipyramidal 2/m 2/m 2/m[1]
Raumgruppe Pnnm[1]
Gitterparameter a = 8,062 Å; b = 8,384 Å; c = 5,881 Å[1]
Formeleinheiten Z = 4[1]
Häufige Kristallflächen {110}, {011}, {111}
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 4
Dichte (g/cm3) 3,6 bis 4
Spaltbarkeit undeutlich nach {100} and {010}
Bruch; Tenazität muschelig bis uneben
Farbe hellgrün bis grünlichschwarz
Strichfarbe grün bis grünlichweiß
Transparenz durchscheinend
Glanz Fettglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,701 bis 1,704
nβ = 1,743 bis 1,747
nγ = 1,787 bis 1,790[2]
Doppelbrechung δ = 0,086[2]
Optischer Charakter zweiachsig negativ
Achsenwinkel 2V = 80 bis 90°[2]

Libethenit bildet mit Adamin und Olivenit eine nach ihm benannte isomorphe Mischreihe, die zusätzlich isotyp zu Andalusit ist, das heißt in derselben Kristallstruktur kristallisiert.[4]

Etymologie und GeschichteBearbeiten

Erstmals gefunden wurde Libethenit 1823 in Ľubietová (deutsch Libethen, Slowakei) und beschrieben von Johann Friedrich August Breithaupt, der das Mineral nach ebendieser Typlokalität benannte.

KlassifikationBearbeiten

In der mittlerweile veralteten Systematik der Minerale nach Strunz (8. Auflage) gehört der Libethenit zur Abteilung der „Wasserfreien Phosphate mit fremden Anionen“ und bildet dort zusammen mit Adamin, Eveit, Olivenit, Paradamin, Tarbuttit und Zincolibethenit die Libethenit-Reihe.

Seit der Überarbeitung der Strunz'schen Mineralsystematik in der 9. Auflage ist auch diese Abteilung präziser unterteilt nach der Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis der beteiligten Anionen und dem Phosphat-, Arsenat- bzw. Vanadatkomplex und das Mineral ist entsprechend in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen; (OH usw.) : RO4 ≥ 1 : 1“ zu finden.

Die Systematik der Minerale nach Dana sortiert den Libethenit in die Abteilung der „Wasserfreien Phosphate etc. mit Hydroxyl oder Halogen und der allgemeinen Formel (A)2(XO4)Zq“.

Bildung und FundorteBearbeiten

 
Makroaufnahme eines perfekten Libethenit-Einkristalls auf hellblauem Zapatalit
 
Gleicher Kristall, Draufsicht

Libethenit bildet sich als Sekundärmineral in der Oxidationszone von Kupfer-Lagerstätten und tritt dort überwiegend in Paragenese mit Azurit, Malachit, Pseudomalachit, Chrysokoll, sowie verschiedenen Eisenoxiden entweder einzeln aufgewachsenen oder in Drusen auf.

In Deutschland konnte das Mineral bisher im Schwarzwald, Oberpfälzer Wald, Nordhessen und Odenwald, Eifel und Westerwald, bei Düppenweiler, Erzgebirge, sowie bei Bad Lobenstein und im Vogtland gefunden werden.

Weltweit wurde Libethenit bisher an rund 180 Fundorten nachgewiesen (Stand: 2009)[5], so unter anderem am Cerro Blanco in Argentinien; mehreren Regionen von Australien; im belgischen Vielsalm; mehreren Regionen von Chile; in mehreren Regionen Englands; in einigen französischen Regionen; Ligurien und Sardinien in Italien; auf Honshū in Japan; in der Provinz Katanga der Demokratischen Republik Kongo (ehemals Belgisch-Kongo und Zaïre); in der Pool Region des Nachbarstaates Republik Kongo (ehemals Französisch-Kongo) Durango und Sonora in Mexiko; in einigen Regionen von Portugal; in den Regionen Ostsibiriens und des Urals von Russland; bei Banská Bystrica in der Slowakei; den spanischen Regionen Aragonien, Kastilien-La Mancha und Katalonien; Mpumalanga und Nordkap in Südafrika; bei Karlsbad in Tschechien; sowie in vielen Regionen der USA.

Synthetische HerstellungBearbeiten

Man erhält Libethenit durch Erhitzen von Kupferphosphat Cu3P2O8+3H2O mit Wasser in zugeschmolzenen Röhren.[6]

KristallstrukturBearbeiten

 
Kristallstruktur von Libethenit.
Rot und Orange: Kupfer; Gelb: Phosphor, Blau: Sauerstoff, Grau: Wasserstoff

Libethenit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe Pnnm mit den Gitterparametern a = 8,062 Å; b = 8,384 Å und b = 5,881 Å sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle[1].

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Webmineral
  2. a b c Libethenite bei mindat.org (engl.)
  3. Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. 5. Auflage. Christian Weise Verlag, München 2008, ISBN 3-921656-17-6.
  4. Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 629.
  5. Mindat - Localities for Libethenit
  6. Meyers Konversationslexikon Libethenit

LiteraturBearbeiten

  • Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 160.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Libethenite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien