Leonor de Moura

Leonor de Moura Corterreal y Moncada de Aragón (it. Eleonora di Mora, * 1642; † 1. Januar 1707 in Madrid) war eine italienisch-portugiesisch-spanische Adlige. Sie war 2. Duchessa di Nocera und 4. Marquesa de Castelo Rodrigo, sowie 1677, nach dem Tod ihres Ehemanns Anielo de Guzmán, für kurze Zeit Vizekönigin von Sizilien.

BiografieBearbeiten

Bis 1677Bearbeiten

Leonor de Moura war die Tochter von Francisco de Moura (1610–1675), 1656 1. Duca di Nocera (in Italien) und Marquês de Castelo Rodrigo (in Portugal), und Ana María de Aragón. Ihr Vater war Vizekönig von Sardinien (1657–1661), Vizekönig von Katalonien (1663–1664) und Statthalter der habsburgischen Niederlande (1664–1668). Da er keine Söhne hatte und sie die ältere von zwei Töchtern war, erbte sie 1675 seine Titel, wurde also die 2. Herzogin von Nocera, die 4. Marquesa de Castelo Rodrigo und die 3. Condesa de Lumiares (ebenfalls in Portugal).

Ihre erste Ehe schloss sie 1664 mit Anielo de Guzmán (* wohl 1641), dritter Sohn von Ramiro Núñez de Guzmán, 2. Duque de Medina de las Torres, 2. Marqués de Toral, Conde de Arzarcóllar, Vizekönig von Neapel (1637–1644), und Ana Carafa, 3. Duchessa di Mondragone. Die Ehe blieb kinderlos. Anielo de Guzmán wurde 1676 zum Vizekönig von Sizilien (interim) ernannt, starb aber bereits am 18. April 1677 im Alter von 38 Jahren an Elephantiasis. In seinem Testament bestimmte er sie – bis zur Ernennung eines neuen Vizekönigs durch den König von Spanien – zu seiner Nachfolgerin.

Die Vizekönigin von SizilienBearbeiten

In der üblichen Chronologie der spanischen Vizekönige ist keine Spur von Leonor de Moura zu finden; im Dizionario delle figure delle istituzioni e dei costumi della Sicilia storica und im 3. Band der Storia cronologica dei Vicerei lugtotenente... hingegen findet man ihren Namen und, die Maßnahmen, die sie ergriff.

Sie stellte das Conservatorio per le Vergine pericolante („für die gefährdeten Jungfrauen“) wieder her; die „gefährdeten Jungfrauen“ waren Mädchen aus den ärmeren Klassen, die verwaist waren und daher mehr als andere bedroht waren, in die Prostitution zu geraten. Um dies zu vermeiden, erhielten sie über das Conservatorio eine Existenzgrundlage; ähnlich verfuhr sie mit einem Asyl für ältere Prostituierte – beide Einrichtungen waren vor längerer Zeit aus finanziellen Gründen geschlossen worden. Zudem richtete Leonor aus ihrer Privatschatulle das Conservatorio delle Ripentite („Konservatorium der Reuigen“) ein, um Prostituierten zu helfen, die ihre Tätigkeit aufgeben wollten.

Sie war auch verantwortlich für eine Steuersenkung für kinderreiche Familien, ein Gesetz zur Senkung des Brotpreises und die Schaffung einer Gewerbeverwaltung, die die 72 Zünfte Palermos zusammenführte.

Nach nur 27 Tagen wurde sie entlassen, weil sie aufgrund ihres Geschlechts nicht das Amt des päpstlichen Legaten, das mit dem Amt des Vizekönigs untrennbar verbunden war, ausüben konnte. Eine entsprechende Eingabe hatte der Bischof von Palermo gemacht.

Ab 1677Bearbeiten

1679 heiratete die Herzogin von Nocera Carlos Homodei y Lasso de la Vega, 2. Marqués de Almonacid de los Oteros, (heute Valdesaz de los Oteros, Provinz León), Comendador Mayor de la Orden de Cristo, Vizekönig und Generalkapitän von Katalonien, Caballero mayor der spanischen Königin Maria Luisa Gabriella von Savoyen. Aus dieser Ehe ging am 24. Februar 1680 ein Sohn hervor, der jung starb.

Sie selbst starb am 1. Januar 1707 in Madrid. Da sie keine Kinder von ihrem ersten Ehemann hatte und der Sohn aus der zweiten Ehe jung gestorben war, hinterließ sie keine eigenen Erben. Nocera etc. gingen nach ihrem Tod an ihre Schwester Juana de Moura.

LiteraturBearbeiten

  • Vincenzo Avria, Historia cronologica delli signori vicerè di Sicilia … dall’ anno 1409 sino al 1697…, P. Coppolo, 1697, S. 163f (online)
  • Giovanni Evangelista di Blasi e Gambacorta, Storia cronologia dei vicerei lugotenente e presidenti del regno di Sicilia, Band 3, 1842
  • Gennaro Orlando, Storia di Nocera de’ Pagani, Neapel, 1888
  • Francesco Paolo Castiglione, Dizionario delle figure delle istituzioni e dei costumi della Sicilia storica, 2010, ISBN 978-8838924552

WeblinkBearbeiten

BelletristikBearbeiten

Leonor de Moura ist die Hauptfigur in Andrea Camilleris Roman Die Revolution des Mondes (La rivoluzione della luna, 2013) zu ihrer 27-tägigen Regierungszeit in Palermo.

AnmerkungenBearbeiten


VorgängerAmtNachfolger
Ángel de GuzmánVizekönig von Sizilien
1677–1677
Luis Manuel Fernández de Protocarrer
Francisco de MouraHerzog von Nocera
1694–1707
Juana de Moura