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Lentersheim

Ortsteil der Gemeinde Ehingen (Mittelfranken)

Lentersheim ist ein Ortsteil der Gemeinde Ehingen im Landkreis Ansbach in Mittelfranken.

Lentersheim
Gemeinde Ehingen
Koordinaten: 49° 4′ 45″ N, 10° 34′ 43″ O
Höhe: 450 (441–467) m ü. NHN
Einwohner: 370 (25. Mai 1987)[1]
Eingemeindung: 1. Mai 1978
Postleitzahl: 91725
Vorwahl: 09835
St. Michael

GeografieBearbeiten

Das Pfarrdorf liegt am Lentersheimer Mühlbach, der ein linker Zufluss der Wörnitz ist, und am Schlößleinsbuckgraben, der im Ort als rechter Zufluss und am Schließfeldgraben, der im Ort als linker Zufluss in den Lentersheimer Mühlbach mündet. Ca. einen halben Kilometer westlich des Ortes befindet sich der Lentersheimer Weiher. Der Ort liegt in einem hügeligen Gelände bestehend aus Acker- und Grünland mit vereinzeltem Baumbestand. Im Westen wird die Flur Langfeld genannt, im Süden Lindhöhe und Hoher Buck und im Osten Furtgaß und Breite. Ca. 0,5 km nördlich liegt das Waldgebiet Schaachen.[2]

GeschichteBearbeiten

Lentersheim ist eine nach ihrem Gründer „Lanthar“ benannte Siedlung aus allamannisch-fränkischer Landnahmezeit des 5./6. Jahrhunderts. Bereits im 6. Jahrhundert dürfte eine erste Holzkirche erbaut worden sein.

1331 erhielt das Kloster Heilsbronn vom Grafen Ludwig von Oettingen das dortige Pfarrpatronat. 1336 kamen durch Kauf die Gefälle von einem Gut an das Kloster, das ursprünglich Eigentum der Anna von Lentersheim gewesen ist. 1342 schenkte der Ortspfarrer Heinrich Bolans dem Kloster seine Äcker. Insgesamt erwarb das Kloster dort von 11 Anwesen Gefälle und den Großzehnten.[3]

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Lentersheim schwer heimgesucht, jedoch nicht eingeäschert. Vor dem Krieg soll es in Lentersheim 60 Haushalte gegeben haben, nach dem Krieg waren es 28 Haushalte. Zum Wiederaufstieg des Ortes trugen v. a. die zahlreichen Exulanten bei, die ihre Heimat in Österreich wegen der Gegenreformation hatten verlassen müssen und hier Zuflucht und die Chance für einen Neuanfang fanden.[4]

Mit dem Gemeindeedikt (frühes 19. Jahrhundert) wurde die Ruralgemeinde Lentersheim gebildet, zu der die Orte Klarhof, Klarmühle, Kussenhof und Schwandmühle gehörten. Sie unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Wassertrüdingen.[5] Die Gemeinde hatte 1961 eine Gebietsfläche von 9,018 km².[6] Am 1. Mai 1978 wurde diese im Zuge der Gebietsreform nach Ehingen eingemeindet.[7]

BaudenkmälerBearbeiten

  • Haus Nr. 1: Evang.-luth. Pfarrkirche St. Michael, spätgotischer Chorturm mit barockem Kranzgeschoss und Glockenhaube, 15. Jh., Erhöhung 1764, angefügtes verputztes Langhaus 18. Jh., eingreifende Veränderungen 1847; mit Ausstattung; Friedhofsmauer aus Bruchsteinen, im Kern wohl spätmittelalterlich.
  • Haus Nr. 2: Pfarrhaus, verputztes ehem. erdgeschossiges Walmdachhaus, zweite Hälfte 17. Jh., Aufstockung um Fachwerk-Obergeschoss 1724, Renovierung 1904.
  • Haus Nr. 9: Bauernhof, eingeschossiges, massives Wohnstallhaus, erste Hälfte 19. Jh.
  • Haus Nr. 15/15a: Ehem. Bauernhof, zweigeschossiges Wohnstallhaus mit Fachwerk-Obergeschoss und steilem Satteldach, 17./18. Jh.
  • Haus Nr. 16: Ehem. Bauernhof, zweigeschossiges Wohnstallhaus mit Halbwalmdach und Zwerchhaus, sowie massiver Chor der spätmittelalterlichen ehem. Friedhofskapelle mit aufgesetztem Fachwerkgiebel, 18. Jh.
  • Ehem. spätmittelalterliche Friedhofskapelle beim Haus Nr. 16, jetzt Wohnstallhaus, über dem ehem. Chor Fachwerkgiebel des aufgesetzten Speichers, wohl 18. Jh.
  • Haus Nr. 41: Wohnstallhaus des Dreiseithofes, erdgeschossiger verputzter Satteldachbau mit Putzgliederungen, erste Hälfte 19. Jh.; Scheune, massiver und verputzter Satteldachbau, im Kern 18. Jh.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Gemeinde Lentersheim

Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970
Einwohner 435 497 521 493 482 492 466 480 488 495 476 492 462 446 473 465 442 414 415 600 556 513 434 423
Häuser[8] 83 91 103 107 107 93 91 91
Quelle [9] [10] [11] [11] [12] [11] [13] [11] [11] [14] [11] [11] [15] [11] [11] [11] [16] [11] [11] [11] [17] [11] [6] [18]

Ortsteil Lentersheim

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987
Einwohner 410 458 441 430 466 430 410 519 407 409 370
Häuser[8] 78 86 101 101 88 88 86 89
Quelle [9] [10] [12] [13] [14] [15] [16] [17] [6] [18] [1]

VerkehrBearbeiten

Die Staatsstraße 2248 führt nach Wassertrüdingen bzw. an der Schwandmühle vorbei nach Ehingen. Die Kreisstraße AN 47 führt nach Röckingen bzw. nach Unterschwaningen zur Staatsstraße 2219. Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Ehrenschwinden und nach Ehingen. Ein Wirtschaftsweg führt nach Klarhof.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Lentersheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, S. 326 (Digitalisat).
  2. Lentersheim im BayernAtlas
  3. G. Muck, Bd. 2, S. 513ff.
  4. Eberhard Krauß: Exulanten im Evang.-Luth. Dekanat Wassertrüdingen (Quellen und Forschungen zur fränkischen Familiengeschichte, 28). GFF, Nürnberg 2014, ISBN 978-3-929865-61-5.
  5. Adreß- und statistisches Handbuch für den Rezatkreis im Königreich Baiern. Kanzlei Buchdruckerei, Ansbach 1820, S. 71 (Digitalisat).
  6. a b c Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, Abschnitt II, Sp. 763 (Digitalisat).
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 707.
  8. a b Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  9. a b Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 54 (Digitalisat). Für die Gemeinde Lentersheim zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Klarmühle (S. 48), Kussenhof (S. 51) und Schwandmühle (S. 84).
  10. a b Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 255 (Digitalisat). Laut Historischem Gemeindeverzeichnis hatte die Gemeinde 496 Einwohner.
  11. a b c d e f g h i j k l m n Historisches Gemeindeverzeichnis. Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952. In: Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192. München 1953, S. 168, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  12. a b Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1005, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  13. a b kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 1171, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  14. a b Karl von Rasp: Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Hrsg.: K. Bayer. Statistisches Bureau. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1103 (Digitalisat).
  15. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1168–1169 (Digitalisat).
  16. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1206 (Digitalisat).
  17. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 1037 (Digitalisat).
  18. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, S. 170 (Digitalisat).