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Die Leitmerkmalmethode (Kurzform LMM; englisch Key Indicator Method, Kurzform KIM)[1] ist ein Werkzeug zur Ermittlung der tatsächlich (objektiv) vorhandenen physischen Arbeitsbelastung. Derzeit existieren drei Leitmerkmalmethoden für die Belastungsarten „Heben, Halten und Tragen von Lasten“ (LMM HHT), „Ziehen und Schieben von Lasten“ (LMM ZS) und „manuelle Arbeitsprozesse“ (LMM-MA).

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Die Leitmerkmalmethoden entstanden im Ursprung aus der Richtlinie 90/269/EWG[2] des Rates vom 29. Mai 1990 über die Mindestvorschriften bezüglich der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes bei der manuellen Handhabung von Lasten, die für Arbeitnehmer insbesondere eine Gefährdung der Lendenwirbelsäule mit sich bringen.

Die erste Leitmerkmalmethode „LMM HHT“ wurde im Jahr 2001, die LMM ZS im Jahr 2002 und die LMM MA im Jahr 2012 herausgegeben. Weitere LMM sind in der Planung/Entwicklung.

Entwickelt wurden sie von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)[3] und dem Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LASI)[4] zur Lastenhandhabungsverordnung. Die Verfahren werden international verwendet und sind durch Sozial- und Unfallversicherungen anerkannt.[1][5][6]

International definiert die ISO 11228 das Heben, Halten, Tragen, Ziehen und Schieben von Lasten. Europäische Norm ist die EN 1005.[6][7][8][5][9]

ErhebungBearbeiten

Die Gefährdungsbeurteilung erfolgt zu:

  • Heben, Halten und Tragen
  • Ziehen und Schieben
  • manuellen Arbeitsprozessen

Erläuterung des Erhebungsprizips am Beispiel der Leitmerkmalmethode „Heben, Halten und Tragen“ (LMM HHT): Methodisch werden im ersten Schritt die vier Leitmerkmale erfasst:

  • Zeitdauer/Häufigkeit
  • Lastgewicht
  • Körperhaltung und
  • Ausführungsbedingungen

Anschließend erfolgt aus der Einschätzung der Leitmerkmale die Bewertung jeder Teiltätigkeit anhand eines tätigkeitsbezogenen Punktwertes und die Berechnung durch Addition der Wichtungen der Leitmerkmale und Multiplikation mit der Zeitwichtung.

Geschlechtsspezifische BerechnungBearbeiten

Frauen besitzen im Durchschnitt nur etwa zwei Drittel der physischen Leistungsfähigkeit von Männern.[10][11][12] Die Bestimmung der Lastwichtung erfolgt dadurch anhand der Tabellen getrennt für Männer und Frauen. Hierbei werden die geschlechtsbezogenen Unterschiede im Hinblick auf Körpermaße, physische Leistungsvoraussetzungen, biomechanische Belastbarkeit und arbeitstechnische Kompensationsmechanismen berücksichtigt.[13][11][12] Bei Frauen wird beim Ziehen und Schieben ein erreichter Punktwert mit dem Faktor 1,3 multipliziert bzw. gilt beim Heben, Halten und Tragen eine wirksame Last von ≥25 kg, für Männer von ≥40 kg.[10][14]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Ulf Steinberg, H.-J. Windberg: Heben und Tragen ohne Schaden. Hrsg.: BAuA. 6. unveränderte Auflage. Dortmund 2011, ISBN 978-3-88261-594-4 (PDF; 577 kB [abgerufen am 26. Mai 2013]).
  • Ulf Steinberg, Gustav Caffier, Falk Liebers, Sylvia Behrendt: Ziehen und Schieben ohne Schaden. Hrsg.: BAuA. 4. unveränderte Auflage. Dortmund 2008, ISBN 978-3-88261-595-1 (PDF; 638 kB [abgerufen am 26. Mai 2013]).
  • U. Steinberg, F. Liebers, A. Klußmann, Hj. Gebhardt, M. A. Rieger, S. Behrendt, U. Latza: Leitmerkmalmethode Manuelle Arbeitsprozesse 2011. Bericht über die Erprobung, Validierung und Revision. Hrsg.: BAuA. 1. Auflage. Dortmund/Berlin/Dresden 2012, ISBN 978-3-88261-722-1 (PDF; 6,6 MB [abgerufen am 26. Mai 2013]).

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Das KIM-Instrument – Leitmerkmal-Methode. EU-OSHA, abgerufen am 6. November 2013.
  2. Richtlinie 90/269/EWG des Rates vom 29. Mai 1990 über die Mindestvorschriften bezüglich der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes bei der manuellen Handhabung von Lasten. In: Europäische Union (Hrsg.): EUR-Lex. 27. Juni 2007 (PDF; 64 kB (PDF) [abgerufen am 1. Mai 2013]).
  3. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Abgerufen am 30. April 2013.
  4. Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik. Abgerufen am 30. April 2013.
  5. a b Internationale Vereinigung für Soziale Sicherheit (Hrsg.): Manuelle Lastenhandhabung – Heben, Halten, Tragen, Ziehen, Schieben. Verlag Technik & Information e.K., Bochum 2010, ISBN 978-3-941441-57-6 (PDF; 750 kB (Webarchiv) [abgerufen am 8. Dezember 2015]).
  6. a b Lastenhandhabung. Bundesministerium für Arbeit und Soziales, 23. Oktober 2015, abgerufen am 15. Dezember 2015.
  7. Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (Hrsg.): Handlungsanleitung für die arbeitsmedizinische Vorsorge. Juli 2009 (dguv.de [PDF; 705 kB; abgerufen am 2. April 2013] BGI/GUV-I 504-46).
  8. Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (Hrsg.): Manuelle Lasthandhabung Heben, Halten, Tragen. Wien Oktober 2009 (arbeitsinspektion.gv.at [PDF; 590 kB; abgerufen am 2. April 2013]). arbeitsinspektion.gv.at (Memento des Originals vom 21. Februar 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.arbeitsinspektion.gv.at
  9. WorkSaveNB (Hrsg.): Ergonomics Guidelines for Manual Handling. 2. Auflage. 2010 (englisch, worksafenb.ca [PDF; 1,5 MB; abgerufen am 2. April 2013]).
  10. a b Leitmerkmalmethode für Aktivitäten wie Ziehen, Schieben. EU-OSHA, abgerufen am 6. November 2013.
  11. a b Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (Hrsg.): Handlungsanleitung zur Beurteilung der Arbeitsbedingungen beim Ziehen und Schieben von Lasten. LV 29. Saarbrücken 2002, ISBN 3-936415-25-0 (PDF; 1,7 MB [abgerufen am 8. Dezember 2015]).
  12. a b Josef Kerschhagl: Grundlagen – manuelle Lasthandhabung. Hrsg.: Zentral-Arbeitsinspektorat. Wien 24. Juli 2001 (arbeitsinspektion.gv.at [PDF; 696 kB; abgerufen am 25. Mai 2013]). arbeitsinspektion.gv.at (Memento des Originals vom 7. September 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.arbeitsinspektion.gv.at
  13. Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (Hrsg.): Handlungsanleitung zur Beurteilung der Arbeitsbedingungen beim Heben und Tragen von Lasten. 4. Auflage. LV 9. Saarbrücken 2001, ISBN 3-9807775-0-2 (PDF; 1 MB [abgerufen am 8. Dezember 2015]).
  14. Leitmerkmalmethode für Aktivitäten wie Heben, Halten, Tragen. EU-OSHA, abgerufen am 6. November 2013.
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