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Leichenbrand der Eisen- und kaiserzeitlichen Siedlung bei Lemke, vorne rechts menschliche Zähne

Leichenbrand (engl. cremation) ist die Bezeichnung für die Asche von Toten nach einer Brandbestattung. Die Bezeichnung wird vor allem in der archäologischen Literatur verwendet.

Im engeren Sinne bezieht sich der Ausdruck Leichenbrand meist auf die verbrannten und kalzinierten Knochen der Verstorbenen.

Leichenbrand ist in archäologischen Untersuchungen ein wichtiger Anhaltspunkt, um den Bestattungsritualen der Vergangenheit auf die Spur zu kommen. So gibt die Verteilung des Leichenbrandes im Grab einen Hinweis darauf, ob die Bestattung der Asche in einem organischen Behälter vorgenommen wurde. Auch bei der Unterscheidung von Verbrennungsplätzen und sonstigen Feuerstellen auf ur- und frühgeschichtlichen Gräberfeldern spielt er eine wichtige Rolle. Für die Paläodemographie und für anthropologische Untersuchungen kann er hingegen oft nur bedingt herangezogen werden.

LiteraturBearbeiten

  • Birgit Großkopf: Leichenbrand. Biologisches und kulturhistorisches Quellenmaterial zur Rekonstruktion vor- und frühgeschichtlicher Population und ihrer Funeralpraktiken. Dissertation Universität Leipzig, Leipzig 2004, PDF-Publikation, 12,4 MB.
  • Martina Lange et al.: A bibliography on cremation. = Leichenbrand-Bibliographie. Europarat, Straßburg 1987.
  • Friedrich W. Rösing: Die Leichenbrände der eisenzeitlichen Gräberfelder von Bargstedt I, Harsefeld und Issendorf III (Kreis Stade). In: Hans-Jürgen Häßler: Zur inneren Gliederung und Verbreitung der vorrömischen Eisenzeit im südlichen Niederelbegebiet (= Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens. Heft 11, ISSN 0465-2770). Band 1. A Lax, Hildesheim 1977, S. 131–143.
  • Friedrich W. Rösing: Die Leichenbrände und ihre demographischen Aussagen. In: Hans-Jürgen Häßler: Ein Urnenfriedhof der vorrömischen Eisenzeit bei Soderstorf, Kreis Lüneburg, in Niedersachsen. Grabungsabschnitt 1 (= Die Urnenfriedhöfe in Niedersachsen. Bd. 12, ISSN 0940-7448). Band 1: Text und Katalog. A Lax, Hildesheim, 1977, S. 79–97.
  • Friedrich W. Rösing: Methoden und Aussagemöglichkeiten der anthropologischen Leichenbrandbearbeitung. In: Archäologie und Naturwissenschaften. Jg. 1, 1977, ISSN 0170-477X, S. 53–80.
  • Friedrich W. Rösing: Die Menschen von Liebenau: Paläodemographie und Grabsitte. In: Hans-Jürgen Häßler: Das sächsische Gräberfeld bei Liebenau, Kr. Nienburg (Weser). Band 5: Einzelstudien und naturwissenschaftliche Untersuchungsergebnisse (= Studien zur Sachsenforschung. Bd. 5, 4). Selbstverlag, Hannover 1994, ISBN 3-9803657-0-0, S. 189–213.
  • Renate Schafberg: Das Urnengräberfeld vom Roten Berg bei Loitsche, Ldkr. Ohrekreis. Anthropologische Bearbeitung der Leichenbrände (= Veröffentlichungen des Landesamtes für Archäologie, Landesmuseum für Vorgeschichte Sachsen-Anhalt. Bd. 52). Landesamt für Archäologie Sachsen-Anhalt, Halle/Saale 1998, ISBN 3-910010-36-9 (Zugleich: Braunschweig, Technische Universität, Dissertation, 1998).
  • Joachim Wahl: Leichenbranduntersuchungen. Ein Überblick über die Bearbeitungs- und Aussagemöglichkeiten von Brandgräbern. In: Prähistorische Zeitschrift. Bd. 57, Heft 1, 1982, S. 2–125.
  • Joachim Wahl: Beobachtungen zur Verbrennung menschlicher Leichname. In: Archäologisches Korrespondenzblatt. Bd. 11, 1981, S. 271–280.