Langzeitpflege

Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in der Schweiz dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

Die Langzeitpflege befasst sich als professionelles Berufsfeld mit der länger anhaltenden bzw. dauerhaften Pflege und Betreuung von Personen mit einem erhöhten Grad an Pflegebedürftigkeit. Die Pflege kann ambulant oder in einer stationären bzw. teilstationären Einrichtung – üblicherweise in Alters- und Pflegeheimen – erfolgen. Dem gegenüber steht die Akutpflege.

Ziel der Langzeitpflege ist die Erhaltung einer guten Lebensqualität und einem grösstmöglichen Mass an Selbständigkeit. Die eidgenössisch reglementierten Berufe der Langzeitpflege in der Schweiz sind unter anderem diplomierte/r Pflegefachfrau und -mann, Fachfrau und -mann Langzeitpflege und -betreuung mit eidgenössischem Fachausweis (FA)[1], Fachfrau und -mann Gesundheit und Betreuung EFZ[2] sowie Assistentin und Assistent Gesundheit und Soziales AGS EBA[3]. Vor allem bei der ersten Berufsgruppe, für die eine Ausbildung oder ein Studium auf der Tertiärstufe nötig ist, besteht aufgrund der demografischen Entwicklung ein akuter Fachkräftemangel. Das hat der Bundesrat erkannt.[4]

DefinitionenBearbeiten

Professionelle Pflege und BetreuungBearbeiten

Der Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner SBK unterstützt und übernimmt als Mitglied des International Councils of Nurses (ICN) dessen Definition von professioneller Pflege: «Professionelle Pflege umfasst die eigenverantwortliche Versorgung und Betreuung, allein oder in Kooperation mit anderen Berufsangehörigen, von Menschen aller Altersgruppen, von Familien oder Lebensgemeinschaften, sowie Gruppen und sozialen Gemeinschaften, ob krank oder gesund, in allen Lebenssituationen (Settings). Pflege umfasst die Förderung der Gesundheit, die Verhütung von Krankheiten und die Versorgung und Betreuung kranker, behinderter und sterbender Menschen. Weitere Schlüsselaufgaben der Pflege sind Wahrnehmung der Interessen und Bedürfnisse (Advocacy), Förderung einer sicheren Umgebung, Forschung, Mitwirkung in der Gestaltung der Gesundheitspolitik sowie Management des Gesundheitswesens und in der Bildung.»[5]

LangzeitpflegeBearbeiten

Der Begriff „Langzeitpflege“ ist nicht geschützt, daher gibt es im deutschsprachigen Raum keine allgemeingültige Definition. In Deutschland wird die Bezeichnung vor allem in der Umgangssprache verwendet und wird meist als Gegenstück zur Kurzzeitpflege verstanden. Die Kurzzeitpflege in einer Pflegeeinrichtung ist zeitlich auf maximal acht Wochen pro Jahr beschränkt und bezweckt, dass die Patientin oder der Patient den Zustand vor Beginn der Pflegebedürftigkeit wiedererlangt.[6]

Im Gegensatz dazu besteht bei der Langzeitpflege ein länger anhaltender, bzw. dauerhafter Pflegebedarf. Die Langzeitpflege sorgt für Lebensqualität in der Pflege und Betreuung von Menschen mit einer körperlichen, psychischen oder geistigen Beeinträchtigung, von betagten Menschen mit Mehrfacherkrankungen, von schwerkranken oder von sterbenden Menschen in ihrer letzten Lebensphase.

Situation der Langzeitpflege in der SchweizBearbeiten

PflegepersonalBearbeiten

Im Jahr 2014 arbeiteten 179'000 Pflegepersonen in den Schweizer Gesundheitsinstitutionen, 54 % davon in der Langzeitpflege (36 % in Alters- und Pflegeheimen, 18 % in den Spitex-Diensten). In der Langzeitpflege setzt sich das Gesundheitspersonal aus rund 34 % diplomierten Pflegefachpersonen (Tertiärabschluss auf Stufe FH und HF), 36 % Fachpersonal Gesundheit und Betreuung (Abschluss Sekundarstufe II) sowie 30 % Pflegehelferinnen und -helfer (anderer/kein Abschluss).[7]

Hinsichtlich Personaldichte bewegt sich die Schweiz im OECD-Mittelmass. Auf 1000 Einwohnerinnen und Einwohner kommen 11.4 diplomierte Pflegefachpersonen, 5.5 Fachpersonen Gesundheit und Betreuung sowie 7.7 Pflegehelferinnen und -helfer.[8]

PflegebedürftigeBearbeiten

Im Jahr 2008 waren schätzungsweise 115'000 – 120'000 Personen in der Schweiz pflegebedürftig, was einem Anteil von 10 % der Bevölkerung 65+ ausmacht (Tendenz steigend). Die Anzahl wird sich bis 2030 je nach Prognose drastisch erhöhen auf entweder 170'000 im Falle einer positiven Entwicklung der behinderungsfreien Lebenserwartung oder auf rund 230'000 bei einer negativen Kombination verstärkter Alterung und einer Zunahme der Anzahl Menschen, die durch eine oder mehrere Krankheiten in der selbständigen Lebensführung eingeschränkt sind (verlängerte Morbidität).[9]

Aus- und Weiterbildung Pflegefachfrau/-mannBearbeiten

Im Schweizer Bildungssystem gibt es die zwei konventionellen Möglichkeiten, sich über den tertiären Weg zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann ausbilden zu lassen. An den Fachhochschulen erwerben Absolventinnen und Absolventen den Bildungstitel "Bachelor of Science in Pflege". 2018 waren es 927 Personen, was einer leichten Zunahme im Vergleich zum Vorjahr entspricht. An den höheren Fachschulen nennt sich der Abschluss "Dipl. Pflegefachfrau/-mann HF". Rund 1900 Studierende konnten diese Ausbildung im Jahr 2018 erfolgreich abschliessen.[10] In der Schweiz gibt mit der Ausbildung Fachfrau und -mann Langzeitpflege und -betreuung mit eidg. Fachausweis einen zusätzlichen reglementierten Abschluss auf Tertiärebene.

FachkräftemangelBearbeiten

Dank der steigenden Lebenserwartung wird die Bevölkerung in der Schweiz immer älter, wodurch auch der Pflegebedarf laufend zunimmt. Beim Pflegefachpersonal mit einem tertiären Abschluss besteht in der Schweiz ein Fachkräftemangel. Weniger als die Hälfte (43 %) der benötigten Fachpersonen erwerben jährlich diesen Abschluss. Ein Referenzszenario von Schweizerischen Gesundheitsobservatorium (Obsan) geht davon aus, dass per 2030 rund 17'000 neue Stellen (Vollzeitäquivalente) neu geschaffen und 25'000 zusätzliche Fachpersonen eingestellt werden müssen. Darüber hinaus müssen 60'000 Gesundheitsfachleute wegen ihres Alters selbst ersetzt werden, alleine 15'000 entfallen dabei auf Alters- und Pflegeheime.[11]

Das hat der Bund im Jahr 2016 erkannt und konkrete Massnahmen erlassen. Einerseits soll bestehendes Personal zum Verbleib im Berufsfeld motiviert werden. Forschungen haben gezeigt, dass eine Erhöhung der durchschnittlichen Verweildauer im Beruf von 15 auf 16 Jahre den Rekrutierungsbedarf um 5–10 % senken würde.[12] Andererseits soll dank der Imagekampagne «Der wichtigste Job der Schweiz»[13] der Branchenorganisationen Curaviva Schweiz, Spitex Schweiz und OdASanté die Anzahl Abschlüsse auf Tertiärstufe gesteigert werden. Unterstützt wird die Kampagne vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI.[14]

Eine Rekrutierung im Ausland ist keine passable Alternative, da die Schweiz den globalen Verhaltenskodex für die internationale Anwerbung von Gesundheitsfachkräften am 21. Mai 2010 gutgeheissen hat.[15] Einige Schweizer Kantone, darunter z. B. Bern und Zürich, fordern deshalb von Betrieben der ambulanten und der stationären Langzeitpflege eine bestimmte Anzahl Ausbildungsplätze pro Jahr.[16]

LiteraturBearbeiten

  • Höpflinger François, Bayer-Oglesby Lucy, Zumbrunn Andrea: Pflegebedürftigkeit und Langzeitpflege im Alter. Aktualisierte Szenarien für die Schweiz. In: Buchreihe des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums. 1. Auflage 2011, Verlag Hans Huber, Bern 2011, ISBN 978-3-456-84957-7, S. 10.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Berufsverzeichnis SBFI: Berufs- und Höhere Fachprüfungen, abgerufen am 14. November 2019
  2. Berufsberatung: Fachmann/-frau Gesundheit EFZ berufsberatung.ch, abgerufen am 13. November 2019
  3. Berufsbilder: Assistent/in Gesundheit und Soziales EBA berufsbilder.ch, abgerufen am 13. November 2019
  4. Bundesrat: Bestandesaufnahme und Perspektiven im Bereich der Langzeitpflege Bericht des Bundesrates in Erfüllung der Postulate 12.3604, 14.3912, 14.4165 vom 25. Mai 2016, abgerufen am 13. November 2019
  5. Definition Pflege: Offizielle von den Berufsverbänden Deutschlands, Österreichs und der Schweiz konzentrierte Übersetzung SBK, abgerufen am 28. Oktober 2019
  6. Definition Kurzzeitpflege: Kurzzeitpflege – jederzeit gut versorgt, Pflege.de, abgerufen am 12. September 2019
  7. Pflegepersonal in der Schweiz, In: Obsan Bulletin vom Dezember 2016, S. 2, abgerufen am 13. November 2019
  8. Pflegepersonaldichte: Schweiz nicht Spitze, sondern Durchschnitt, SBK-News vom 3. Juli 2019, abgerufen am 13. November 2019
  9. François Höpflinger, Lucy Bayer-Oglesby, Andrea Zumbrunn: Pflegebedürftigkeit und Langzeitpflege im Alter. In: Schweizerisches Gesundheitsobservatorium (Hrsg.): Buchreihe des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums. Hans Huber, Bern 2011, ISBN 978-3-456-84957-7, S. 10. (PDF-Datei), abgerufen am 13. November 2019
  10. Aktuelle Zahlen zu den Ausbildungen im Gesundheitsbereich, OdASanté vom 27. Juni 2019, abgerufen am 13. November 2019
  11. Pflegepersonal in der Schweiz, In: Obsan Bulletin vom Dezember 2016, S. 3, abgerufen am 13. November 2019
  12. SBK: Perspektive 2020, S. 29, abgerufen am 14. September 2019
  13. Seite der Imagekampagne Der wichtigste Job der Schweiz, abgerufen am 13. November 2019
  14. Der Bundesrat ergreift Massnahmen gegen den Fachkräftemangel in der Pflege, Medienmitteilung des Bundesrates vom 9. Dezember 2016, abgerufen am 29. August 2019
  15. Migration von Gesundheitspersonal: WHO Kodex, Medicus Mundi Schweiz, abgerufen am 27. August 2019
  16. Maya, 20 - sie ist für die alten Menschen da, Tages-Anzeiger vom 25. Juli 2019, abgerufen am 29. August 2019