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Langenhain (Waltershausen)

Ortsteil von Waltershausen

Langenhain ist ein Ortsteil der Stadt Waltershausen im Landkreis Gotha in Thüringen mit etwa 900 Einwohnern.

Langenhain
Koordinaten: 50° 54′ 13″ N, 10° 31′ 20″ O
Höhe: 338 m ü. NN
Einwohner: 900
Eingemeindung: 1. Juli 1950
Postleitzahl: 99880
Vorwahl: 03622
Karte
Lage von Langenhain in Waltershausen
Die Laucha in der Ortslage
Die Laucha in der Ortslage

Inhaltsverzeichnis

Geografie und VerkehrBearbeiten

Langenhain liegt am Nordrand des Thüringer Waldes, etwa zwei Kilometer westlich von Waltershausen sowie rund 15 Kilometer südwestlich von Gotha und 20 Kilometer südöstlich von Eisenach. Langenhain ist ursprünglich ein Straßendorf, das sich etwa 1,5 Kilometer entlang der heutigen Lauchaer Straße entlang zieht. In der Mitte der Straße verläuft in einem künstlichen Flussbett die Laucha, ein Bach der am Rennsteig entspringt und der Hörsel zufließt. Langenhain liegt in etwa 340 Metern Höhe, wobei das Gelände westlich des Lauchatals zum 430 Meter hohen Tränksberg und östlich zum 451 Meter hohen Striemelsberg ansteigt. Während die Berge bewaldet sind, ist der breite Talgrund dazwischen landwirtschaftliche Nutzfläche. Nachbarorte sind neben Waltershausen im Osten auch Laucha im Norden, Schwarzhausen im Westen und Tabarz im Süden.

Langenhain verfügt über eine Umgehungsstraße, die östlich am Dorf vorbeiführt und die Bundesautobahn 4 im Norden mit Tabarz im Süden verbindet. Südlich des Ortes verläuft die Bundesstraße 88 von Eisenach nach Ilmenau. Eine Verbindungsstraße führt darüber hinaus von Langenhain nach Waltershausen. An den öffentlichen Personennahverkehr ist Langenhain mit Busverbindungen angebunden. Die nächsten Bahnhöfe befinden sich in Waltershausen und etwa sieben Kilometer nördlich in Mechterstädt (Strecke Erfurt–Gotha–Eisenach), außerdem besteht in Tabarz und Waltershausen eine Anbindung ans Straßenbahnnetz der Thüringerwaldbahn. Über eigene Gewerbeansiedlungen verfügt Langenhain nicht, jedoch bieten die nahe gelegenen Industriebetriebe Waltershausens und Gesundheitseinrichtungen in Tabarz zahlreiche Arbeitsplätze.

Geschichte und KulturBearbeiten

Langenhain ist eine Rodungssiedlung des mittelalterlichen Landesausbaus und entstand im 13. Jahrhundert. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort 1286.[1] In seiner Gründungszeit lag das Dorf in einem der Machtzentren der Ludowinger, deren Machtzentrum und Herkunftsort beim Kloster Reinhardsbrunn in der unmittelbaren Umgebung lag. Später, besonders unter den den Ludowingern folgenden Wettinern, verlagerte sich das Herrschaftszentrum stärker nach Gotha, sodass Langenhain bis zum Ende der Monarchie in Deutschland zum Herzogtum Sachsen-Gotha (bis 1858 zu dessen Amt Tenneberg) gehörte. Am 1. Juli 1950 folgte die Eingemeindung in die Stadt Waltershausen.

Vom 1. bis 3. Juli 2011 beging der Ort seine 725-Jahr-Feier, u. a. mit der Neueröffnung der Heimatstube. Um das kulturelle Leben des Dorfes kümmern sich neben dem Ortschaftsrat und der Kirchgemeinde der Langenhainer Heimatverein, der Feuerwehrverein und der Rassegeflügelzuchtverein.

Dorfkirche St. Maria MagdalenaBearbeiten

 
Dorfkirche St. Maria Magdalena

Das Ortsinnere ist geprägt durch die Dorfkirche St. Maria-Magdalena, die auf einem Hügel über dem Dorf thront. Die Urkirche geht auf das 11. Jahrhundert zurück, eine dendrochronologische Untersuchung eines Balkens im Erdgeschoss des Turms ergab ein vermutliches Fälldatum von 1093. Die im Kern hochmittelalterliche Kirche scheint als Wehrkirche konzipiert zu sein: Gräben und Mauern sind in Resten noch vorhanden. Sie ist die älteste Kirche Waltershausens. 1286 war das Gotteshaus in den Besitz des Katharinenklosters in Eisenach gekommen und erhielt vermutlich um 1300 die Fresken mit Darstellungen des Marienzyklus, die zu den wertvollsten im Gothaer Land gezählt werden. In dieser Zeit wurde die ursprünglich runde Apsis zu der heutigen sechs mal sieben Meter großen rechteckigen umgebaut. Nach den Nöten und Wirren des Siebenjährigen Krieges fand 1763–1766 der barocke Neubau nach Plänen des Landesbaumeisters Johann David Weidner statt. Der Turm erhielt einen neuen Glockenstuhl und eine neue Turmhaube. 1769 erhielt die Kirche eine wertvolle neue Orgel des Orgelbauers Carl Christian Hoffmann aus Ostheim und des Hofbildhauers Ungewitter. Im Ostteil der Kirche konnten Reste von Wandmalereien aus dem 15. Jahrhundert gesichert werden. Wegen starken Befalls durch Hausschwamm seit Anfang der 1970er Jahre wurde 1987 der Abriss der Kirche beschlossen. Durch tatkräftigen Einsatz der Bürger und großzügige Spenden von Freunden der Gemeinde und der Kirchgemeinde konnte die Kirche gerettet werden: Im Sommer 1982 erhielt sie ein neues Walmdach, das schwammbefallene Kirchengestühl wurde entfernt. In den 1990er Jahren wurden das Dach neu verschiefert und bleiverglaste Fenster eingesetzt. Ab 1993 konnten die wertvollen Wandfresken notgesichert werden. 2003 wurde die Kirche erstmals wieder für Interessierte geöffnet und 2006 wieder eingeweiht.[2]

Neben dem Kircheneingang ist eine Dankestafel angebracht, die an Lieselotte Jacobi erinnert. Jacobi, ehemalige Dozentin an der FU Berlin, hatte wegen ihrer verwandtschaftlichen Verbundenheit mit Langenhain im Jahre 1994 der Kirchgemeinde 120.000 DM gestiftet, womit Portale, Türen und die Emporenfenster restauriert, die Kirchenschifffenster erneuert und vieles andere in der Kirche restauriert werden konnte.[3]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Fünfte Auflage, Bad Langensalza, 2010. S. 157.
  2. Ellrich/Heinke/Hoerenz: Zwischen Hörsel und Wilder Gera, Weimar 2005, ISBN 3-86160-167-2
  3. Der Dekan Dietmar Trutschel der Superintendentur Waltershausen-Ohrdruf

WeblinksBearbeiten

  Commons: Langenhain (Waltershausen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien