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Landtagswahlkreis Nürtingen

Landtagswahlkreis in Baden-Württemberg, Deutschland

Der Wahlkreis Nürtingen (Wahlkreis 09) ist ein Landtagswahlkreis in Baden-Württemberg. Er umfasste bei der letzten Landtagswahl 2011 die Gemeinden Aichtal, Altdorf, Altenriet, Bempflingen, Beuren, Filderstadt, Frickenhausen, Großbettlingen, Kohlberg, Leinfelden-Echterdingen, Neckartailfingen, Neckartenzlingen, Neuffen, Nürtingen, Oberboihingen, Schlaitdorf, Unterensingen und Wolfschlugen aus dem Landkreis Esslingen. Wahlberechtigt waren 123.597 der insgesamt 190.681 Einwohner.

Wahlkreis 09: Nürtingen
Landtagswahlkreise BW 2011 WK9.svg
Staat Deutschland
Bundesland Baden-Württemberg
Wahlkreisnummer 09
Wahlberechtigte 124.945
Wahlbeteiligung 75,0 %
Wahldatum 13. März 2016
Wahlkreisabgeordneter
Name
Foto des Abgeordneten
Partei Grüne
Stimmanteil 34,9 %

Die Grenzen der Landtagswahlkreise wurden nach der Kreisgebietsreform von 1973 zur Landtagswahl 1976 grundlegend neu zugeschnitten und seitdem nur punktuell geändert.[1] Der Wahlkreis Nürtingen unterliegt durch seine Lage zwischen den Oberzentren Stuttgart und Reutlingen starkem Bevölkerungswachstum durch Suburbanisierung, was zur Landtagswahl 2011 eine Verkleinerung des Wahlkreises notwendig machte. Deswegen wurde die Gemeinde Wolfschlugen an den Wahlkreis Esslingen sowie die Gemeinden Oberboihingen und Unterensingen an den Wahlkreis Kirchheim angegliedert.

Wahl 2016Bearbeiten

Landtagswahl 2016
Wahlkreis 09 Nürtingen
 %
40
30
20
10
0
34,9 %
25,2 %
14,4 %
10,5 %
9,1 %
2,1 %
3,7 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2011
 %p
 16
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-14
-16
+9,2 %p
-14,5 %p
+14,4 %p
-11,6 %p
+4,5 %p
+0,1 %p
-2,1 %p

Die Landtagswahl 2016 hatte folgendes Ergebnis:[2]

Direktkandidat Partei Stimmen in % Landtagswahl 2011
Winfried Kretschmann Grüne 34,9 25,7
Thaddäus Kunzmann CDU 25,2 39,7
Daniel Lindenschmid AFD 14,4
Sebastian Schöneck SPD 10,5 22,1
Michael Brodbeck FDP 09,1 04,6
Peter Rauscher Die Linke 02,1 02,0
Sebastian Kurz ALFA 00,8
Andreas Bierlein Die PARTEI 00,7
Michael Buchmann ödp 00,7 00,8
Ingo Mörl PIRATEN 00,7 01,8
Ulrich Deuschle REP 00,6 01,8
René Schrade NPD 00,2 00,7

Wahl 2011Bearbeiten

Die Landtagswahl 2011 hatte folgendes Ergebnis:[3]

Direktkandidat Partei Stimmen in % Landtagswahl 2006
Stimmen in %[4]
Thaddäus Kunzmann CDU 39,7 41,1
Winfried Kretschmann Grüne 25,7 13,8
Walter Bauer SPD 22,1 23,1
Hosam el Miniawy FDP 04,6 13,9
Peter Rauscher Die Linke 02,0 WASG: 2,4
Jan Lüdtke-Reißmann PIRATEN 01,8
Egon Eigenthaler REP 01,8 03,8
Michael Buchmann ödp 00,8 00,5
Ronnie Hellriegel NPD 00,7 00,6
Anneliese Bauer Volksabstimmung 00,5 00,5
Uwe Herthneck Die Violetten 00,2
Sonstige 00,2

Abgeordnete seit 1976Bearbeiten

Bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg hat jeder Wähler nur eine Stimme, mit der sowohl der Direktkandidat als auch die Gesamtzahl der Sitze einer Partei im Landtag ermittelt werden.[5] Dabei gibt es keine Landes- oder Bezirkslisten, stattdessen werden zur Herstellung des Verhältnisausgleichs unterlegenen Wahlkreisbewerbern Zweitmandate zugeteilt.

Die Vergabe der Zweitmandate erfolgte bisher auf der Ebene der Regierungsbezirke in der Reihenfolge der absoluten Stimmenzahlen. Bedingt durch die überdurchschnittliche Größe des Wahlkreises war es im Wahlkreis Nürtingen für Bewerber der kleineren Parteien daher vergleichsweise leicht, ein Landtagsmandat zu erringen. Das begünstigte die Entwicklung zu einem Prominentenwahlkreis. Mit dem SPD-Landesvorsitzenden Nils Schmid, dem grünen Fraktionsvorsitzenden Winfried Kretschmann und dem früheren FDP-Fraktionsvorsitzenden Ulrich Noll sind hier derzeit gleich drei Parteien mit Spitzenpolitikern auf Landesebene vertreten. Durch die zur Wahl 2011 vorgenommene Änderung, nach der künftig der Stimmenanteil für die Zuteilung der Zweitmandate maßgeblich ist, war der erneute Gewinn eines Nürtinger Zweitmandates für die SPD unwahrscheinlich. Nils Schmid kandidierte daher zur Landtagswahl 2011 im für die SPD sicheren Wahlkreis Reutlingen.[6]

Den Wahlkreis Nürtingen vertraten seit 1976 folgende Abgeordnete im Landtag:

Partei Art des Mandats Gewählte
CDU Erstmandat Gerhard Mahler 1976
Friedrich Volz 1980, 1984, verstorben am 16. Mai 1988
Annemarie Hanke, nachgerückt am 20. Mai 1988; 1988, verstorben am 17. Februar 1992
Ulrich Stechele, nachgerückt am 17. Februar 1992
Jörg Döpper 1992, 1996, 2001, 2006
Thaddäus Kunzmann 2011
Grüne Erstmandat Winfried Kretschmann 2016
Zweitmandat Winfried Kretschmann 1980, 1988, 1996, 2001, 2006, 2011
SPD Zweitmandat Werner Weinmann 1976, 1980, 1984, 1988, 1992, 1996, verstorben am 13. Februar 1997
Nils Schmid, nachgerückt am 20. Februar 1997; 2001, 2006
FDP Zweitmandat Friedrich Bergmann 1984
Ulrich Noll 1996, 2001, 2006
REP Zweitmandat Egon Eigenthaler 1996

Zur Landtagswahl 1984 stellten die Grünen aufgrund eines Fristversäumnisses keine Kandidaten in den drei Wahlkreisen des Landkreises Esslingen auf. Dadurch wurde in Verbindung mit der Zweitmandatsregel indirekt der Landtagseinzug des FDP-Kandidaten Bergmann begünstigt.

Zur Landtagswahl 1992 kandidierte im Wahlkreis Nürtingen der als „Remstal-Rebell“ bekannte Bürgerrechtler Helmut Palmer als parteiloser Einzelbewerber und trug so entscheidend dazu bei, dass keine der drei kleineren Parteien ein Zweitmandat erringen konnte. Leidtragender war vor allem Winfried Kretschmann (Grüne), der sein Mandat trotz Stimmenzuwachses mit 207 Stimmen Rückstand auf Reinhard Hackl (Böblingen) verlor. Bei der Wahl 1980 hatte Kretschmann selbst sein Mandat allerdings mit nur 29 Stimmen Vorsprung auf Willi Hoss (Stuttgart I) gewonnen.[7]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Wahlkreiseinteilung von 1975 (PDF; 344 kB)
  2. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Wahlkreisergebnis (Abgerufen am 14. März 2016)
  3. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Wahlkreisergebnis (Memento des Originals vom 1. April 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.statistik.baden-wuerttemberg.de (Abgerufen am 20. April 2011)
  4. umgerechnet auf die Wahlkreiseinteilung 2011
  5. Landtag Baden-Württemberg: Erläuterung des Wahlrechts
  6. http://www.spd-reutlingen.de/index.php?nr=37250&menu=1
  7. Grüne Wahlergebnisse 1980–1996 (Memento des Originals vom 8. Januar 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.gruene-bw.de (PDF; 74 kB)