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Landschreiber ist eine aus der Frühen Neuzeit stammende Amtsbezeichnung. Sie war in Teilen des Heiligen Römischen Reiches und ist heute noch in der Schweiz verbreitet. Je nach Region konnten die Aufgaben variieren.

Inhaltsverzeichnis

BöhmenBearbeiten

Der Leiter der für die Verwaltung der königlichen Finanzen zuständigen Behörde in Böhmen wurde bis 1745 Kammermeister oder Landschreiber genannt.

KurpfalzBearbeiten

Hauptartikel: Landschreiberei (Kurpfalz)

Die Landschreiber in der Kurpfalz waren ab dem 14. Jahrhundert für die Erfassung und Verrechnung der landesherrlichen Einkünfte zuständig. Später erhielten sie auch Befugnisse in weiteren Verwaltungsbereichen, besonders der Justiz.

WestfalenBearbeiten

Im Herzogtum Westfalen war der Landschreiber die Amtsbezeichnung eines hohen Landesbeamten. Seine Aufgaben waren die eines Regierungssekretärs. Ihm oblag der Schriftverkehr der Kanzlei und die Protokollführung bei den Sitzungen von Räten und Landdrosten. Auch beim westfälischen Landtag war er für das Protokoll und die Verlesung der kurfürstlichen Landtagsproposition zuständig. Außerdem hatte er alle amtlichen Schriftstücke auszufertigen. Durch seine nicht klar definierte Stellung kam es nicht selten zu einer Kollision zwischen den landesherrlichen und landständischen Funktionen.[1][2]

KurmainzBearbeiten

Für das Kurfürstentum Mainz sind Landschreiber für den Rheingau und das Eichsfeld[3] nachweisbar, welche der Hofkammer in Mainz unterstanden.

SchweizBearbeiten

In einigen Kantonen, die mehrheitlich auf die Länderorte der Alten Eidgenossenschaft zurückgehen – Obwalden, Nidwalden, Zug und Basel-Landschaft –, ist Landschreiber die Bezeichnung für den Leiter der zentralen Stabsstelle der Kantonsregierung und des Kantonsparlaments. In den meisten andern Kantonen wird diese Funktion Staatsschreiber, in einigen wenigen Kantonen Ratschreiber genannt.

Überdies heißen die Schreiber der Bezirke des Kantons Schwyz sowie der Bündner Landschaft Davos Landschreiber.

Zu den Landschreibern in der Alten Eidgenossenschaft siehe den unten verlinkten Artikel aus dem Historischen Lexikon der Schweiz.

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Harm Klueting: Kirche, Klöster und geistlicher Staat im Herzogtum Westfalen. In: Heimatblätter Arnsberg. 6, 1985, S. 10.
  2. Kathrin Ueberholz: Vom Kurkölnischen Krummstab zum hessischen Löwen. Verwaltungsstrukturen im Herzogtum Westfalen unter kurkölnischer und hessischer Herrschaft. In: Jürgen Schulte-Hobein (Hrsg.): Werden, Wachsen, Wirken. Vom Wandel der Kreisverwaltungen im Hochsauerland 1817 bis 2007. Becker, Arnsberg 2007, ISBN 978-3-930264-65-0, S. 31 f.
  3. Johann Wolf: Geschichte und Beschreibung der Stadt Heiligenstadt mit Urkunden. Göttingen 1800, Seiten 201–204