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Das Kreisgebiet (1905)
Siegelmarke Amtsbezirk Eichenfelde – Kreis Ostprignitz

Der Landkreis Ostprignitz, bis 1939 Kreis Ostprignitz, war ein Landkreis in der Provinz Brandenburg. Er bestand in Preußen, in der SBZ und in der DDR von 1817 bis 1952. Seit 1993 gehört das ehemalige Kreisgebiet zu den Landkreisen Ostprignitz-Ruppin und Prignitz im Land Brandenburg.

KommunenBearbeiten

Der Landkreis Ostprignitz umfasste bei der Volkszählung von 1939 die vier Städte Kyritz, Meyenburg, Pritzwalk und Wittstock, 145 weitere Gemeinden und zwei Forst-Gutsbezirke.

VerwaltungsgeschichteBearbeiten

Königreich PreußenBearbeiten

Im Rahmen der Bildung von Provinzen und Regierungsbezirken in Preußen erfolgte mit Wirkung zum 1. April 1817 im Regierungsbezirk Potsdam der preußischen Provinz Brandenburg eine Kreisreform, bei der in der Prignitz die neuen Kreise Westprignitz und Ostprignitz entstanden. Der Kreis Ostprignitz wurde gebildet aus

Das Landratsamt befand sich in der Stadt Kyritz.[1][2]

Norddeutscher Bund/Deutsches ReichBearbeiten

Seit dem 1. Juli 1867 gehörte der Kreis zum Norddeutschen Bund und ab 1. Januar 1871 zum Deutschen Reich.

Zum 30. September 1929 fand im Kreis Ostprignitz entsprechend der Entwicklung im übrigen Freistaat Preußen eine Gebietsreform statt, bei der nahezu alle bisher selbstständigen Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden.

Zum 1. April 1937 kam es im Rahmen des Groß-Hamburg-Gesetzes zu einem Gebietsaustausch:

  • Die mecklenburgischen Exklaven Netzeband mit Schönberg und Rossow wurden aus dem Kreis Waren in den Kreis Ostprignitz umgegliedert.[3]
  • Der Vilzsee wurde aus dem Kreis Ostprignitz in den mecklenburgischen Kreis Waren umgegliedert.

Zum 1. Januar 1939 erhielt der Kreis Ostprignitz entsprechend der jetzt reichseinheitlichen Regelung die Bezeichnung Landkreis Ostprignitz. Die Gemeinde Netzeband wurde 1939 in den Landkreis Ruppin umgegliedert. Im Frühjahr 1945 wurde das Kreisgebiet durch die Rote Armee besetzt.

Sowjetische Besatzungszone/DDRBearbeiten

Der östliche Zipfel des Landkreises Ostprignitz mit den Gemeinden Kleinzerlang, Luhme, Repente, Dorf Zechlin, Flecken Zechlin, Zechlinerhütte und Zempow fiel durch Beschluss des Präsidiums der Provinzialverwaltung Mark Brandenburg vom 7. September 1946 an den Landkreis Ruppin.

Mit dem Gesetz über Änderung von Grenzen der Länder vom 28. Juni 1950 erfolgte ein Gebietstausch zwischen den Ländern Brandenburg und Mecklenburg. Die Gemeinden Drenkow und Suckow aus dem Landkreis Ostprignitz wurden in den mecklenburgischen Landkreis Parchim umgegliedert und mit ihren dortigen gleichnamigen Zwillingsgemeinden zusammengeschlossen. Im Gegenzug wechselte der mecklenburgische Teil von Porep aus dem Landkreis Parchim in den Kreis Ostprignitz und wurde mit dem brandenburgischen Porep zu einer Gemeinde vereint.[4]

Am 23. Juli 1952 wurde das Land Brandenburg aufgelöst und der Kreis Ostprignitz aufgelöst. Das Kreisgebiet wurde im Wesentlichen auf die neugebildeten Landkreise Kyritz, Pritzwalk und Wittstock aufgeteilt, die dem neugebildeten Bezirk Potsdam zugeteilt wurden. Die Gemeinden Klein Pankow und Redlin kamen zum Kreis Parchim im Bezirk Schwerin.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr Einwohner Quelle
1816 40.721 [5]
1846 61.761 [6]
1871 69.003 [7]
1890 66.834 [8]
1900 67.362 [8]
1910 68.104 [8]
1925 70.983 [8]
1933 71.216 [8]
1939 70.843 [8]
1946 98.673 [9]

LandräteBearbeiten

Kommunalverfassung bis 1945Bearbeiten

Der Landkreis Ostprignitz gliederte sich in Städte, in Landgemeinden und – bis zu deren fast vollständigen Auflösung im Jahre 1929 – in Gutsbezirke. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 sowie der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt. Eine neue Kreisverfassung wurde nicht mehr geschaffen; es galt weiterhin die Kreisordnung für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Sachsen vom 19. März 1881.

Städte und GemeindenBearbeiten

Stand 1939Bearbeiten

Dem Landkreis Ostprignitz gehörten 1939 die folgenden Städte und Gemeinden an:

Außerdem bestanden im Landkreis Ostprignitz die Forst-Gutsbezirke Forst Prignitzer Heide und Forst Zechlin.

Vor 1939 aufgelöste GemeindenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Jürgen W. Schmidt: Die Landräte des Kreises Ostprignitz von 1867 bis 1920. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Prignitz. Band 13, 2013, S. 5–62.
  • Jürgen W. Schmidt: Die Landräte des Kreises Ostprignitz von 1920 bis 1945. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Prignitz. Band 14, 2014, S. 151–184.
  • Hans Joachim Bodenbach: Der Archäologe Walter Matthes als Erforscher der Ostprignitz. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Prignitz. Band 15, 2015, S. 71–85 (3 Abb.).

WeblinksBearbeiten

  Commons: Landkreis Ostprignitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Potsdam. Kreiseinteilung des Regierungsbezirks Potsdam. Band 1816, Nr. 12. Potsdam, S. 103 (Digitalisat [abgerufen am 5. Mai 2016]).
  2. Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Potsdam. Inkrafttreten der neuen Kreiseinteilung des Regierungsbezirks Potsdam. Band 1817, Nr. 7. Potsdam, S. 51 (Digitalisat [abgerufen am 5. Mai 2016]).
  3. www.landkreis-prignitz.de: Geschichte
  4. Wolfgang Blöß: Grenzen und Reformen in einer Umbruchgesellschaft. Vom Land Brandenburg zu den Bezirken 1945 –1952. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2014 ([1]).
  5. Christian Gottfried Daniel Stein: Handbuch der Geographie und Statistik des preußischen Staats. Vossische Buchhandlung, Berlin 1819, Der Regierungsbezirk Potsdam, S. 197 (Digitalisat [abgerufen am 5. Mai 2016]).
  6. Königliches Statistisches Bureau (Hrsg.): Mittheilungen des Statistischen Bureau's in Berlin, Band 2. Einwohnerzahlen der Kreise. S. 313 (Digitalisat).
  7. Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Brandenburg und ihre Bevölkerung 1871
  8. a b c d e f Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Ostprignitz. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  9. Volkszählung 1946
  10. Corps Suevia München, Kösener Corpslisten 1960, 114, 1335