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VerwaltungsgeschichteBearbeiten

Königreich PreußenBearbeiten

Mit den preußischen Verwaltungsreformen nach dem Wiener Kongress entstand mit dem 1. Februar 1818 der Kreis Gerdauen im Regierungsbezirk Königsberg in der preußischen Provinz Ostpreußen.

Dieser umfasste die Kirchspiele:

Das Landratsamt war in Gerdauen.

Bereits am 1. April 1819 erfolgten folgende Änderungen von Kreisgrenzen:

Seit dem 3. Dezember 1829 gehörte der Kreis – nach dem Zusammenschluss der bisherigen Provinzen Preußen und Westpreußen – zur neuen Provinz Preußen mit dem Sitz in Königsberg i. Pr.

Norddeutscher Bund und Deutsches ReichBearbeiten

Seit dem 1. Juli 1867 gehörte der Kreis zum Norddeutschen Bund und ab dem 1. Januar 1871 zum Deutschen Reich. Nach der Teilung der Provinz Preußen in die neuen Provinzen Ostpreußen und Westpreußen wurde der Kreis Gerdauen am 1. April 1878 Bestandteil Ostpreußens.

Zum 30. September 1929 fand im Kreis Gerdauen entsprechend der Entwicklung im übrigen Preußen eine Gebietsreform statt, bei der alle bisher selbstständigen Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden. Um 1930 hatte der Kreis Gerdauen bei einer Gesamtfläche von 846 km² rund 35.500 Einwohner.[1]

Unter polnischer und sowjetischer VerwaltungBearbeiten

Ab dem 23. Januar 1945 wurde das Kreisgebiet durch die Rote Armee besetzt, als sowjetische Streitkräfte erstmals bis Astrawischken vorstoßen konnten. Bereits am Folgetag war der komplette Nordteil des Kreises mit Ausnahme des Ortes Schneiderin (Ostpr.) unter Kontrolle der sowjetischen Truppen. Nach der Besetzung von Nordenburg am 25. Januar 1945 und von Gerdauen am 27. Januar 1945 fielen am 28. Januar 1945 auch die letzten Orte des Kreises an die Rote Armee. Im Sommer 1945 wurde das Kreisgebiet zunächst von der sowjetischen Besatzungsmacht unter polnische Verwaltung gestellt.[2]

Im Spätsommer bzw. Frühherbst des Jahres 1945 verschob die Sowjetunion die Grenze ihrer Besatzungszone bis zu 12 Kilometer in Richtung Süden, so dass der größere Nordteil des Kreises einschließlich der Kreisstadt Gerdauen Teil der sowjetischen Besatzungszone wurde. Die bereits zugewanderten polnischen Neusiedler sowie die polnische Zivilverwaltung wurden kurzfristig aus dem nunmehr sowjetisch verwalteten Nordteil wieder ausgewiesen.[3] Der kleinere Südteil des Kreises verblieb unter polnischer Verwaltung. Die ansässige deutsche Bevölkerung wurde, sofern sie nicht bereits geflüchtet war, in der Folge aus dem gesamten früheren Kreisgebiet vertrieben.

LandräteBearbeiten

KommunalverfassungBearbeiten

Der Kreis Gerdauen gliederte sich in Stadtgemeinden, in Landgemeinden und – bis zu deren nahezu vollständigem Wegfall – in selbstständige Gutsbezirke.

Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 gab es ab dem 1. Januar 1934 eine einheitliche Kommunalverfassung für alle Gemeinden. Die bisherigen Stadtgemeinden führten jetzt die Bezeichnung Stadt.

Mit Einführung der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 trat zum 1. April 1935 die im Deutschen Reich gültige Kommunalverfassung in Kraft, wonach die bisherigen Landgemeinden nun als Gemeinden bezeichnet wurden. Diese waren in Amtsbezirken zusammengefasst.

Eine neue Kreisverfassung wurde nicht mehr geschaffen; es galt weiterhin die Kreisordnung für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Sachsen vom 19. März 1881.

Städte und GemeindenBearbeiten

 
Rittergut Georgenfelde um 1860 (Sammlung Alexander Duncker)
 
Früheres Landratsamt, erbaut 1905 (2009)

Verwaltungsgliederung 1945Bearbeiten

Der Kreis Gerdauen setzte sich Anfang 1945 aus 71 Gemeinden, darunter die Städte Gerdauen und Nordenburg zusammen:

Amtsbezirke[5] & Gemeinden[6] Bevölkerung (1939)[7] Bemerkung
Stadt Gerdauen    
1. Gerdauen, Stadt 5.118  
Stadt Nordenburg    
1. Nordenburg Stadt 3.173  
Amtsbezirk Altendorf
(bis 1930 Wandlacken)
   
1. Altendorf 718  
2. Klinthenen 287  
3. Prätlack 175  
4. Schiffus 247  
5. Wandlacken 562  
Amtsbezirk Assaunen
(bis 1932 Korklack)
   
1. Assaunen 493  
Amtsbezirk Astrau
(bis 1938 Astrawischken)
   
1. Astrau 393 16. Juli 1938 umbenannt, früher Astrawischken
2. Bokellen 379  
Amtsbezirk Birkenfeld    
1. Birkenfeld 539  
2. Bruchort 67 16. Juli 1938 umbenannt, früher Sawadden
Amtsbezirk Dietrichsdorf
(bis 1931 Woninkeim)
   
1. Dietrichsdorf 280  
2. Gerkiehnen 195  
3. Schmodehnen 217  
Amtsbezirk Georgenhain
(bis 1938 Barraginn)
   
1. Ebenau (Ostpr.) 236 16. Juli 1938 umbenannt, früher Wolla
2. Georgenhain 444 16. Juli 1938 umbenannt, früher Barraginn
Amtsbezirk Gnie
(bis 1931 Klein Gnie)
   
1. Groß Gnie 570  
2. Kleingnie 1.015 Klein Gnie
Amtsbezirk Großblankenfelde
(bis 1938 Bajohren)
   
1. Großblankenfelde 325 16. Juli 1938 umbenannt, früher Groß Bajohren
2. Kleinblankenfelde 209 16. Juli 1938 umbenannt, früher Klein Bajohren
3. Löcknick 331  
Amtsbezirk Hochlindenberg    
1. Ellernbruch 270  
2. Hochlindenberg 274  
3. Lieskendorf 238  
Amtsbezirk Ilmenhorst    
1. Ilmenhorst 526 16. Juli 1938 umbenannt, früher Abelischken
Amtsbezirk Kröligkeim
(bis 1931 Sillginnen)
   
1. Kröligkeim 808  
Amtsbezirk Kurkenfeld    
1. Kurkenfeld 406  
2. Waldburg 534  
Amtsbezirk Laggarben    
1. Laggarben 434  
2. Löwenstein 588  
Amtsbezirk Lindenau    
1. Groß Schönau 387  
2. Kaydann 217  
3. Lindenau 426  
Amtsbezirk Molthainen, ab 1938: Molteinen
(bis 1933 Arklitten)
   
1. Bieberstein 324  
2. Molthainen (Molteinen) 672  
Amtsbezirk Momehnen    
1. Arnsdorf 395  
2. Momehnen 545  
3. Schellenberg 239  
Amtsbezirk Mulden
(bis 1938 Muldschen / Muldszen)
   
1. Groß Potauern 205  
2. Ilmsdorf 322  
3. Kiehlendorf 181  
4. Mulden (Kreis Gerdauen) 894 16. Juli 1938 umbenannt, früher Muldschen / Muldszen
5. Odertal (Ostpr.) 145 16. Juli 1938 umbenannt, früher Juganeusaß
6. Petrineusaß 139  
7. Schönlinde 488 mit den Ortsteilen Jodeglienen / Wiedenau und Budwischken / Oberndorf
8. Werschen 191 mit dem Ortsteil Sokallen
Amtsbezirk Neuendorf    
1. Neuendorf 496  
Amtsbezirk Pentlack
(bis 1934 Groß Pentlack)
   
1. Pentlack 370  
Amtsbezirk Plagbuden
(bis 1933 Abellienen)
   
1. Plagbuden 297  
2. Polleiken 233  
Amtsbezirk Posegnick
(bis 1932 Kanoten)
   
1. Posegnick 663  
Amtsbezirk Reuschenfeld
(bis 1930 Raudischken)
   
1. Raudingen 430 16. Juli 1938 umbenannt, früher Raudischken
2. Reuschenfeld 718  
Amtsbezirk Schakenhof    
1. Friedenberg 383  
2. Rädtkeim 379  
3. Schakenhof 677  
Amtsbezirk Schneiderin
(bis 1934 Mauenwalde)
   
1. Mauenfelde 216  
2. Melchersdorf 94  
3. Schneiderin 285  
Amtsbezirk Skandau    
1. Skandau 502  
Amtsbezirk Sobrost    
1. Dreimühl 290 16. Juli 1938 umbenannt, früher Klonofken
2. Neusobrost (Ostpr.) 534 16. Juli 1938 umbenannt, früher Popowken
3. Sobrost 296  
Amtsbezirk Trausen    
1. Adamswalde 205  
2. Friedrichswalde 440  
3. Grünheim 225  
4. Peißnick 226  
5. Trausen 258  
Amtsbezirk Wesselau
(bis 1938 Wesselowen)
   
1. Wesselau 459 16. Juli 1938 umbenannt, früher Wesselowen
Amtsbezirk Willkamm    
1. Willkamm 515  

OrtsnamenBearbeiten

1938 fanden im Kreis Gerdauen, wie in ganz Ostpreußen, umfangreiche Änderungen von Ortsnamen statt. Dies waren lautliche Angleichungen, Eindeutschungen oder freie Erfindungen (in Klammern die heutigen Namen). Neben den oben genannten Orten sind dies ferner:

*) = Das Kürzel PL weist auf die heutige Lage in Polen, RUS in Russland, hin

PersönlichkeitenBearbeiten

GutsbesitzerBearbeiten

Hofbeamte und StaatsdienerBearbeiten

KulturschaffendeBearbeiten

MilitärsBearbeiten

PolitikerBearbeiten

WissenschaftlerBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Oskar-Wilhelm Bachor (Zusammenstellung und Bearbeitung): Der Kreis Gerdauen : Ein ostpreussisches Heimatbuch, Würburg: Holzner-Verlag 1968 (Reihe: Göttinger Arbeitskreis), Ostdeutsche Beiträge aus dem Göttinger Arbeitskreis, Band 43 (weitere Auflage 1983).
  • Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 14–15, Ziffer 7.
  • Adolf Schlott: Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Königsberg, nach amtlichen Quellen. Hartung, Königsberg 1861, S 88-97.
  • Preußisches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Königsberg: Berlin 1966, Kreis Gerdauen, S. 1–35.
  • Leopold Krug: Die preußische Monarchie – topographisch, statistisch und wirtschaftlich dargestellt, Teil 1: Provinz Ostpreußen, Berlin 1833, S. 363–416.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Landkreis Gerdauen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Der Große Brockhaus. 15. Auflage, 7. Band, Leipzig 1930, S. 204.
  2. Heimatbrief Kreis Gerdauen Nr. 58, 2016, S. 75
  3. http://historia-wyzynaelblaska.pl/granica-polsko-radziecka-w-b.-prusach-wschodnich.html
  4. (eingeschränkte Vorschau Online bei Google Book Search).
  5. Gemeindelexikon für den Freistaat Preußen, Band 1: Provinz Ostpreußen, Berlin 1931
  6. Amtliches Gemeindeverzeichnis des Deutschen Reiches 1939, 2. Auflage 1941
  7. Amtliches Gemeindeverzeichnis des Deutschen Reiches 1939, 2. Auflage 1941