Land- und forstwirtschaftlicher Betrieb

Verkehrsschild: Land- und forstwirtschaftlicher Verkehr frei.

Land- und Forstwirtschaft (LuF) ist der Wirtschaftszweig, in dem Landwirtschaft, Forstwirtschaft und weitere verwandte Wirtschaftszweige im Agrarsektor der Urproduktion zusammengefasst werden. Die Unternehmen nennt man Land- und forstwirtschaftlicher Betrieb. Während in der Landwirtschaft vorwiegend Nahrungs- und Futtermittel sowie Energierohstoffe produziert werden, dient die Forstwirtschaft vor allem der Gewinnung der Ressource Holz.[1]

Die landwirtschaftlich genutzte Fläche beläuft sich weltweit auf ca. 50 Mio. km²,[2] die Waldfläche wird auf etwa 40 Mio. km² geschätzt,[3] von dem nurmehr etwa ein Drittel Urwald ist.[4] Somit werden etwa knapp zwei Drittel der Landfläche der Erde (150 Mio. km²) land- und forstwirtschaftlich genutzt.[2]

StatistikBearbeiten

Land- und Forstwirtschaft als Sammelbegriff ist in amtlichen Statistiken zusammengefasst. Seit einigen Jahren führen die Statistiken sie aber insbesondere zusammen mit Fischerei: In der internationalen Wirtschaftsystematik der UNO als ISIC Abschnitt A, desgleichen in der EU-Übernahme NACE 2.0, Vor 2006, in der NACE 1.1, wurde noch A Land- und Forstwirtschaft und B Fischerei und Fischzucht geführt.

UmweltschutzBearbeiten

Eine natur- und landschaftsverträgliche Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft ist für die Erhaltung der Kultur- und Erholungslandschaft von besonderer Bedeutung, § 5 Bundesnaturschutzgesetz (BNatschG).

Auch die Alpenkonvention, ein internationales Abkommen der Alpenstaaten, betont die Zusammengehörigkeit:

„Die Vertragsparteien stimmen darin überein, dass eine ganzheitliche Konzeption von Land- und Forstwirtschaft auf Grund ihrer sich ergänzenden und zum Teil voneinander abhängigen Funktionen in den Berggebieten erforderlich ist.“

Artikel 13 Land- und Forstwirtschaft als Einheit der Alpenkonvention – Protokoll Berglandwirtschaft [5]

SteuerrechtBearbeiten

Land- und forstwirtschaftlicher Betrieb ist eine Sammelbezeichnung aus dem Steuerrecht. Der Grund liegt darin, dass viele Landwirtschaftsbetriebe auch Waldbesitzer sind (Kleinwaldbesitzer) und auch andere Nebengewerbe betreiben, sodass eine strenge Trennung nicht zweckdienlich ist. Reine Forstbetriebe sind relativ selten (nur Großwaldbesitzungen und staatliche Betriebe wie die Bayerische Staatsforsten AöR).

Das Bewertungsgesetz (BewG) enthält allgemeine Vorschriften für Land- und forstwirtschaftliches Vermögen (§§ 33 ff. BewG).[6] Dazu gehören alle Wirtschaftsgüter, die einem Betrieb der Land- und Forstwirtschaft dauernd zu dienen bestimmt sind. Betrieb der Land- und Forstwirtschaft ist die wirtschaftliche Einheit des land- und forstwirtschaftlichen Vermögens (§ 33 Abs. 1 BewG), außerdem immaterielle Wirtschaftsgüter (zum Beispiel Brennrechte, Milchlieferrechte, Jagdrechte und Zuckerrübenlieferrechte), soweit sie einem Betrieb der Land- und Forstwirtschaft dauernd zu dienen bestimmt sind (§ 140 Abs. 1 BewG).

Die Abgabenordnung (AO) enthält ergänzende Vorschriften für die Buchführungspflicht von Land- und Forstwirten (§ 142 AO).

UmsatzsteuerBearbeiten

In Deutschland regelt § 24 des Umsatzsteuergesetzes durchschnittliche Steuersätze gemeinsam für land- und forstwirtschaftliche Betriebe.

(2) Als land- und forstwirtschaftlicher Betrieb gelten
1. die Landwirtschaft, die Forstwirtschaft, der Wein-, Garten-, Obst- und Gemüsebau, die Baumschulen, alle Betriebe, die Pflanzen und Pflanzenteile mit Hilfe der Naturkräfte gewinnen, die Binnenfischerei, die Teichwirtschaft, die Fischzucht für die Binnenfischerei und Teichwirtschaft, die Imkerei, die Wanderschäferei sowie die Saatzucht;
2. Tierzucht- und Tierhaltungsbetriebe, soweit ihre Tierbestände nach den §§ 51 und 51a des Bewertungsgesetzes zur landwirtschaftlichen Nutzung gehören.

EinkommenssteuerBearbeiten

Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft sind Einkünfte aus dem Betrieb von Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Weinbau, Gartenbau und aus allen Betrieben, die Pflanzen und Pflanzenteile mit Hilfe der Naturkräfte gewinnen, § 13 Abs. 1 Nr. 1 Einkommensteuergesetz (EStG).

GrundsteuerBearbeiten

Für die Betriebe der Land- und Forstwirtschaft beschließen die Gemeinden einen eigenen Grundsteuer-Hebesatz (Grundsteuer A).[7]

Öffentliches BaurechtBearbeiten

Im Außenbereich sind Vorhaben zulässig, die einem land- oder forstwirtschaftlichen Betrieb dienen und nur einen untergeordneten Teil der Betriebsfläche einnehmen, § 35 Abs. 1 Nr. 1 Baugesetzbuch (BauGB).

ÖsterreichBearbeiten

In Österreich beruht der Begriff auf dem Bewertungsgesetz 1955 (BewG 1955),[8] dem zentralen Gesetz über die Vermögenschaften auch als Betriebsgrundlage. Geregelt sind im Abschnitt I. Land- und forstwirtschaftliches Vermögen § 29 Unterarten:

  1. das landwirtschaftliche Vermögen (Lit. a., §§ 30 ff.)
  2. das forstwirtschaftliche Vermögen (Lit. b., §§ 46,47)
  3. das Weinbauvermögen (Lit. c., §§ 48)
  4. das gärtnerische Vermögen (Lit. a., §§ 49)
  5. das übrige land- und forstwirtschaftliche Vermögen (Lit. e., §§ 50): dazu gehören „insbesondere:
    1. das der Fischzucht und der Teichwirtschaft gewidmete Vermögen
    2. das Fischereirecht und das übrige der Fischerei gewidmete Vermögen
    3. das der Bienenzucht gewidmete Vermögen (Imkereien)“

Insgesamt umfasst das nach Gewerbeordnung[9] „die Hervorbringung und Gewinnung pflanzlicher Erzeugnisse mit Hilfe der Naturkräfte, den Wein- und Obstbau, den Gartenbau und die Baumschulen, das Halten von Nutztieren zur Zucht, Mästung oder Gewinnung tierischer Erzeugnisse sowie die Jagd und Fischerei,“[10] sowie das Nebengewerbe der Land- und Forstwirtschaft, wie:[11]

und Tätigkeiten wie Ausschank im Rahmen der Almbewirtschaftung, Fuhrwerks- und Winterdienst, Kulturpflege im ländlichen Raum (etwa Mähdienste), Kompostieren oder „Abbau der eigenen Bodensubstanz“ (etwa Lehmgruben) und Erzeugung und Lieferung von Wärme aus Biomasse (Kleinkraftwerke bis 4 MW). Im weiteren Sinne (andere Gesetzesmaterien) umfasst der Begriff auch Ab-Hof-Verkauf insgesamt, Buschenschank, ländliche Privatzimmervermietung, Urlaub am Bauernhof und anderes mehr.

Auf dieser Klassierung beruhen zahlreiche Einstufungen, vom Steuerrecht und Förderungen bis hin zur amtlichen Statistik. In Österreich ist auch seit 1919 Land- und Forstwirtschaft ein gemeinsames ministerielles Ressort (Portefeuille), als sich aus dem k.k. Ackerbauministerium das Staatsamt für Land- und Forstwirtschaft entwickelte (derzeit Sektionen II und III am Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, Lebensministerium, BMLFUW).[12]

Insgesamt gibt es in Österreich etwa 200.000 land- und forstwirtschaftliche Betriebe, im Vergleich zu 300.000 Betrieben der sonstigen Produktions- und Dienstleistungsbereiche insgesamt. Die Bruttowertschöpfung beträgt etwa 3 Mrd. €, das sind nur knapp 3 % der Produktion und weniger als 1,5 % der betrieblichen Gesamtwertschöpfung Österreichs.[13]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Umweltbundesamt: Land- und Forstwirtschaft. Abgerufen am 1. August 2020.
  2. a b nach Weltbank – World Bank Data.
  3. Entwicklung der Waldfläche weltweit in den Jahren 1990 bis 2015 (in Millionen Quadratkilometern). de.statista.com (abgerufen 28. Februar 2017).
  4. GlobalForest. FAO (PDF; 1,5 MB).
  5. Protokoll zur Durchführung der Alpenkonvention von 1991 im Bereich Berglandwirtschaft – Protokoll „Berglandwirtschaft“ StF: BGBl. III Nr. 231/2002 (i.d.g.F. online, ris.bka).
  6. Georg Schnitter: EStG § 13 Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft / 2.2 Land- und forstwirtschaftlicher Betrieb Haufe.de, abgerufen am 1. August 2020.
  7. Arno Ruffer: Höhere Grundsteuer für Landwirte? Wochenblatt für Landwirtschaft & Landleben, 3. November 2019.
  8. Bundesgesetz vom 13. Juli 1955 über die Bewertung von Vermögenschaften (Bewertungsgesetz 1955 - BewG. 1955). StF: BGBl. Nr. 148/1955 (i.d.g.F. online, ris.bka).
  9. Gewerbeordnung 1994 - GewO 1994. StF: BGBl. Nr. 194/1994 (i.d.g.F. online, ris.bka).
  10. Zitat Was fällt unter den Begriff Land- und Forstwirtschaft? In: Land- und Forstwirtschaft - Ausnahmen von der Gewerbeordnung - FAQs, Nummer 1., Wirtschaftskammer Österreich, 19. Oktober 2012, abgerufen 4/2018.
  11. §§ 2. Abs. 1 Z. 1–4, Abs. 2–8 GewO, GewO 1. Geltungsbereich;
    auch kurz: Was versteht man unter Nebengewerben? FAQ Nummer 12. und Welche Tätigkeiten zählen zu den Nebengewerben der Land- und Forstwirtschaft? 13., www.wko.at: „Dabei handelt es sich um an sich der Gewerbeordnung unterliegende Tätigkeit, die aber deshalb vom Geltungsbereich der Gewerbeordnung ausgenommen sind, weil sie in einem engen Zusammenhang zu einer land- und forstwirtschaftlichen Tätigkeit stehen.“
  12. Seinerzeit war der Hauptgrund, dass die ehemals habsburgischen Waldbesitzungen an die Republik Österreich gingen, die heutigen Bundesforste, und auch sonst viel adeliger Waldbesitz in Unternehmensformen übergeführt wurde.
  13. Leistungs- und Strukturdaten, div. Statistikenstatistik.at
    Produktions- und Dienstleistungsbereiche: NACE B–N ohne Öffentliche Verwaltung, Verteidigung; Sozialversicherung, Erziehung und Unterricht, Gesundheits- und Sozialwesen, Kunst, Unterhaltung und Erholung sowie Erbringung von sonstigen Dienstleistungen