Lancia Delta (844)

Kombilimousine 2008‒2014

Der Lancia Delta der Baureihe 844 ist eine Kombilimousine des italienischen Automobilherstellers Lancia, die von 2008 bis 2014 produziert wurde. Er ist die bislang letzte von drei Baureihen, die den Namen Lancia Delta trugen. In einigen Ländern wurde das Auto alternativ unter dem Modellnamen Chrysler Delta verkauft.

Lancia
Lancia Delta (2008–2011)
Lancia Delta (2008–2011)
Delta (Tipo 844)
Produktionszeitraum: 2008–2014
Klasse: Mittelklasse
Karosserieversionen: Kombilimousine
Motoren: Ottomotoren:
1,4–1,8 Liter
(88–147 kW)
Dieselmotoren:
1,6–2,0 Liter
(77–140 kW)
Länge: 4520 mm
Breite: 1797 mm
Höhe: 1499 mm
Radstand: 2700 mm
Leergewicht: 1395–1505 kg
Vorgängermodell Lancia Delta 836

ModellgeschichteBearbeiten

Auf dem Genfer Auto-Salon im März 2008 wurde die dritte Generation des Lancia Delta (Werkscode: 844) vorgestellt, die dann im September des gleichen Jahres auf den Markt kam.[1] Sie war auf der gleichen Bodengruppe wie die eineinhalb Jahre zuvor präsentierte zweite Generation des Fiat Bravo aufgebaut, hatte aber stilistisch keinerlei Ähnlichkeit mit dem Fiat. Im Gegensatz zur ersten Delta-Generation (1979 bis 1994) und zur zweiten Baureihe (1993 bis 1999) war der dritte Delta kein Wagen der Kompaktklasse, sondern der Mittelklasse:[2] Er war mit 4,52 Metern Länge und 1,80 Metern Breite weitaus voluminöser als der erste Delta, der noch vom Fiat Ritmo abgeleitet war.

ModellbeschreibungBearbeiten

Karosserie und InnenraumBearbeiten

Ein Vorläufer der Gestaltung der dritten Serie war die Studie Grantourismo Stilnovo von 2003, von der der Delta wesentliche Charakterzüge der Karosserieform übernahm. Die Frontpartie erinnerte an ältere Lancia-Modelle, der Heckbereich an den kleineren Ypsilon und an den größeren Thesis. Der Buchstabe D (oder δ) wurde mehrfach an der Karosserie und im Innenraum zitiert. So sind beispielsweise die Kanten der Scheinwerfer und Leuchten oder das dritte Seitenfenster entsprechend gestaltet.

Im Innenraum war der neue Delta mit Materialien wie Alcantara und Leder, Benova, Fußmattenvelours sowie Holz- und Chromeinlagen ausgestattet. Außerdem war auch das von Fiat und Microsoft entwickelte Multimediasystem Blue and Me erhältlich.

AntriebstechnikBearbeiten

Der Delta war für eine breite Palette turbogeladener Benzin- und Dieselmotoren mit einem Leistungsspektrum von 88 kW bis 150 kW ausgelegt: 1.6 M-Jet mit 88 kW (120 PS), 1.9 M-Jet mit 140 kW (190 PS), 1.4 T-Jet mit 88 kW (120 PS), 1.4 T-Jet mit 110 kW (150 PS). Seit Februar 2009 war auch ein 1.8 DI T-Jet mit 147 kW (200 PS) lieferbar. Mitte 2010 wurde der 110 kW (150 PS) starke 1.4-T-Jet-Motor durch eine neue MultiAir-Maschine mit 103 kW (140 PS) ersetzt.

Die Dieselmotoren erfüllten schon zum Serienstart die Euro-5-Norm. Die Kraftübertragung übernahmen manuelle oder automatisierte Sechsganggetriebe, bzw. Automatikgetriebe. Das Fahrwerk ermöglichte laut Lancia dank elektronischer Dämpferregelung ein sportliches Handling bei klassenüblichem Komfort.

AbmessungenBearbeiten

Mit Ausmaßen von 4,52 m Länge, 1,80 m Breite, 2,70 m Radstand (identisch mit der Lancia-Kappa-Limousine) und 1,50 m Höhe bot der Delta einen größeren Innenraum als der Lybra SW (Kombi), dem er indirekt nachfolgte. Der Lybra war als Limousine und Kombi verfügbar, der Delta ist ausschließlich in einer Karosserieform erhältlich.

AusstattungBearbeiten

Wahlweise gab es ein VIP Driving Paket, das mehrere Innovationen der aktiven Fahrwerkssteuerung miteinander verband (ESC, LTS, DST, TTC, SDC, HALF), und auch einen Einparkassistenten (SPS). Diese Systeme warnten einerseits den Fahrer vor unbeabsichtigtem Abkommen von der Spur (Sekundenschlaf), verbesserten die Kurvenstabilität und die Fahrzeugkontrolle in Kurven, reduzieren die Untersteuerungscharakteristik durch eine elektronische Simulation eines Sperrdifferentials (zur Verbesserung der Kurventraktion), entschärften Situationen bei geringerer Bodenhaftung und griffen aktiv zur Reduktion bei Bodenunebenheiten und Resonanzen ein. Sie passten sich der Straßenbeschaffenheit und der jeweiligen Beanspruchung bzw. Fahrweise an.

Weitere Optionen waren adaptives Xenonlicht, eine zweifarbige Lackierung und Felgen von 16 bis 18 Zoll. Des Weiteren bot der Delta III erstmals in der Kompaktklasse nicht nur verschiebbare, sondern auch in der Neigung verstellbare Rücksitze an.

ModellpflegeBearbeiten

Im Juli 2011 wurde der Delta einem Facelift unterzogen, das hauptsächlich das äußere Erscheinungsbild betraf. Mit dem Querrippen-Kühlergrill hatte er nun eine an das Markengesicht angepasste Front.

In der besonders hochwertigen Executive-Ausstattung wurde der Wagen auch von Politikern in Italien benutzt.[3]

Im Januar 2014 wurde die Motorenpalette des Delta stark eingeschränkt, wodurch nur noch der 120 PS starke 1,6 l-Diesel erhältlich war. Er wurde nur noch in den beiden Linien Silver und Gold angeboten; das bisher höchste Ausstattungsniveau Platinum entfiel.

Stattdessen gab es nun das Sondermodell Delta S by Momodesign, das unter anderem Scheinwerfern in Hochglanz-Optik, 18-Zoll-Leichtmetallräder oder eine schwarz glänzende Heckklappe beinhaltete. Innen setzte sich der mit dem Mailänder „Momodesign Style Center“ entworfene Fahrzeug unter anderem mit gelben Instrumentenskalen und Sitzen in Stoff-Leder-Kombination von der Serienmodellen ab. Zur Ausstattung gehörten zudem ein Tempomat, eine Zweizonen-Klimaanlage und elektrisch verstellbare Außenspiegel.

Ende 2014 wurde die Produktion des dritten Delta eingestellt. Ein Nachfolger ist vorerst nicht in Planung.

Chrysler DeltaBearbeiten

 
Chrysler Delta

In den USA und auf den britischen Inseln wurde der Lancia Delta ab 2010 als Chrysler Delta verkauft. Anfang 2010 zeigte Chrysler auf der Detroit Motor Show ein erstes Show Car, das bis auf Felgen, Lacke und Embleme mit dem Lancia identisch war. Die spätere Serienversion unterscheidet sich von dem kontinentaleuropäischen Delta durch einige Stylingdetails. Das betrifft vor allem den Frontbereich, an dem eine Chrysler-typische Verkleidung der Kühleröffnung verwendet wird. Auch die Chrysler-Versionen des Delta wurden ausnahmslos in Italien gebaut.

MotorenübersichtBearbeiten

Modell Hubraum Bauart Leistung Drehmoment Bauzeit
Benziner
1.4 T-JET 16V 1368 cm³ R4 88 kW (120 PS) bei 5000/min 206 Nm bei 1750/min 08/2008–01/2014
1.4 MultiAir 16V 103 kW (140 PS) bei 5000/min 230 Nm bei 1750/min 07/2010–01/2014
1.4 T-Jet 16V 110 kW (150 PS) bei 5500/min 206 Nm bei 2250/min 08/2008–07/2010
1.8 DI T-Jet 16V 1742 cm³ 147 kW (200 PS) bei 5000/min 320 Nm bei 1400/min 02/2009–01/2014
Diesel (serienmäßig mit Rußpartikelfilter)
1.6 Multijet 16V 1598 cm³ R4 77 kW (105 PS)[4] bei 4000/min 300 Nm ab 1500/min 07/2011–01/2014
88 kW (120 PS)[4] bei 4000/min 08/2008–12/2014
1.9 Multijet Twinturbo 1910 cm³ 140 kW (190 PS) bei 4000/min 400 Nm ab 2000/min 08/2008–01/2014
2.0 Multijet 16V 1956 cm³ 121 kW (165 PS)[5] bei 4000/min 360 Nm ab 1750/min

ZulassungszahlenBearbeiten

In der Bundesrepublik wurden zwischen 2008 und 2014 insgesamt 4.248 Lancia Delta der dritten Generation neu zugelassen.

LiteraturBearbeiten

  • Lancia Typenkompass. (Stand: 04/2007), Motorbuch Verlag, ISBN 978-3-613-02593-6, S. 76–80.
  • Paul Schinhofen: Lancia – Innovation und Faszination. 100 bewegte Jahre. Heel Verlag, Königswinter 2006, ISBN 978-3-89880-649-7, S. 90–103.
  • Graham Robson: Lancia Delta. 4 WD & Integrale – Der Rallye-Champion. Heel, Königswinter 2012, ISBN 978-3-86852-481-9.
  • Werner Blättel, Gerhard Wagner: Lancia Delta HF Integrale – Die Geschichte eines Champions. Heel Verlag, Königswinter 2005, ISBN 3-89880-268-X.

WeblinksBearbeiten

Commons: Lancia Delta (2008) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Delta-Premiere in Genf, auto motor und sport Heft 5/2008, S. 8.
  2. Thomas Urban, Der Untergang, in: Süddeutsche Zeitung, 7./8. März 2015, S. 73.
  3. Archivierte Kopie (Memento vom 15. August 2011 im Internet Archive)
  4. a b für einige Exportländer 85 kW (115 PS)
  5. für einige Exportländer 120 kW (163 PS)
Zeitleiste der Lancia- und Autobianchi-Modelle seit 1945
Typ Lancia, bis 1969 unabhängig 1969 von Fiat gekauft, seitdem Typennummernkreis von Fiat
Autobianchi, JV zwischen Bianchi, Fiat und Pirelli ab 1967 100 % Teil des Fiat-Konzerns im Ausland als Lancia, in Italien als Autobianchi
1940er 1950er 1960er 1970er 1980er 1990er 2000er 2010er 2020er
5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2
Kleinstwagen Bianchina Giardiniera
Kleinwagen A112 Y10 (156) Y (840) Ypsilon (843) Ypsilon (846)
Kompaktklasse A111 Delta I[2] (831) Delta II (836) Delta III (844)
Mittelklasse Primula Prisma (831) Dedra (835) Lybra (839)
Ardea Appia Fulvia Beta / Trevi (828) Flavia
Obere Mittelklasse Flavia 2000 Gamma (830) Thema (834 / Y9) Kappa (838) Thesis (841) Thema
Coupé / Cabrio Stellina
Fulvia Coupé/Sport Beta Coupé[1] / Spider / Montecarlo (828)
Aurelia Flaminia Gamma Coupé/GT (830) Kappa Coupé
(838)
Sportwagen Stratos
Minivan Musa (350)
Van Zeta (220) Phedra (179) Voyager

[1] auch bei Seat in Spanien gebaut
[2] auch als Saab Lancia 600 in Skandinavien verkauft

  • Unter der Marke „Autobianchi“ vertrieben
  • In Italien unter der Marke „Autobianchi“, im Ausland als „Lancia“ vertrieben
  • Lancia-Modelle, gemeinsam mit PSA entwickelt und bei SEVEL auch als Peugeot, Citroën und Fiat gebaut
  • Lancia-Modelle, aus der Kooperation mit Chrysler, als Lancia in Europa vertrieben