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Der Lac d’Emosson ist ein Stausee im Westen des Kantons Wallis in der Schweiz. Er liegt in den Gemeinden Salvan und Finhaut.

Lac d’Emosson
Finhaut Lac d'Emosson.jpg
Lage: Wallis
Zuflüsse: diverse Bergbäche, Zuleitungsstollen, Nant de Drance vom Lac du Vieux Emosson
Abfluss: Barberine
Lac d’Emosson (Kanton Wallis)
Lac d’Emosson
Koordinaten 559604 / 103289Koordinaten: 46° 4′ 48″ N, 6° 54′ 59″ O; CH1903: 559604 / 103289
Daten zum Bauwerk
Sperrentyp: Bogenstaumauer
Bauzeit: 1974
Höhe des Absperrbauwerks: 180 m
Höhe über Gewässersohle: 161 m
Höhe der Bauwerkskrone: 1930 m ü. M.
Bauwerksvolumen: 1 090 000 m³
Kronenlänge: 555 m
Betreiber: Electricité d’Emosson SA, Martigny
Daten zum Stausee
Wasseroberfläche 3,27 km²
Stauseelänge 4 km
Speicherraum 225 000 000 m³
Gesamtstauraum: 227 000 000 m³
Einzugsgebiet 34,91 km²
Bemessungshochwasser: 60 m³/s
Karte Lac d'Emosson.png
Dateilkarte

Inhaltsverzeichnis

LageBearbeiten

Umrahmt von den Berggipfeln Le Cheval Blanc, Pic de Tenneverge, Mont Ruan und Tour Sallière, wird der See auf 1930 m ü. M. von einer Bogenstaumauer gestaut. Damit diese nicht je zur Hälfte in der Schweiz und in Frankreich liegt, wurde die Grenze westlich der Staumauer verlegt und auf der anderen Talseite ein Stück Land abgetauscht.

GeschichteBearbeiten

 
Die Bogenstaumauer im Bau, 1971

Im Jahre 1916 beschlossen die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) das Eisenbahnnetz zu elektrifizieren und damit vom Kohleimport unabhängig zu werden. Der für den Bahnbetrieb notwendige Strom sollte in eigenen Kraftwerken erzeugt werden.[1] Zu diesem Zweck erwarben die SBB 1917 die Nutzungsrechte am Wasser der Barberine im Vallon de Barberine auf dem Gebiet der Gemeinden Salvan und Finhaut. 1919 wurde der Kredit von 35 Mio Franken für den Bau des Kraftwerkes Châtelard-Barberine.[2]

Die Anlage war die obere Stufe des zweistufigen Kraftwerksgruppe Kraftwerk Barberine-Vernayaz, welche die Westschweiz und das Oberwallis mit Bahnstrom versorgen sollte.

Für den Materialtransport zur Baustelle der Staumauer wurde die meterspurige Chemin de fer Martigny–Châtelard (MC) eingespannt, die dadurch 1923 einen Rekord im Güterverkehr verzeichnen konnte. Von Le Châtelard, wo die Kraftwerkszentrale erstellt wurde, hinauf zum Wasserschloss erstellten die SBB im Jahr 1920 eine Standseilbahn.

Mit dem Bau der 79 m hohen Gewichtsstaumauer Barberine im Jahre 1925 wurde der See mit einem Volumen von 39 Mio. m³ zum ersten Mal gestaut. Die Kronenlänge dieser Mauer beträgt 284 m.

Für den Ausbau der Anlage schlossen die Schweiz und Frankreich 1963 einen Staatsvertrag ab. Unter anderem wurde ein Gebietstausch vorgenommen, damit die Landesgrenze so verschoben werden konnte, dass die neue Staumauer vollständig auf Schweizer Gebiet zu liegen kommt. Im Gegenzug hat auch Frankreich ein Nutzungsrecht an der Anlage erhalten.

Durch den Bau der 180 m hohen Bogenstaumauer Emosson durch Motor-Columbus im Jahre 1974 konnte das Speichervolumen des Sees von ursprünglich 40 Mio. m³ auf 227 Mio. m³ gesteigert werden. Dabei wurde die namensgebende Alp Emosson geflutet.[3]

Eine Besonderheit ist die Tatsache, dass der Grossteil des Wasserzuflusses von den Bergen auf der gegenüberliegenden Talseite stammt. Im Süden wird das Wasser im französischen Mont-Blanc-Massiv unter den Gletschern Glacier du Tour und Glacier d’Argentière, aber oberhalb des Seeniveaus gesammelt und fliesst dann nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren allein durch die Schwerkraft zunächst bergab ins Tal und anschliessend wieder bergauf in den Stausee.

Die vergrösserte Anlage wird von der Electricité d’Emosson betrieben, ein Sonderfall ist dabei die Doppelnutzung mit den SBB, deren Kraftwerkszentralen an die neue Anlage angeschlossen wurden. Die SBB-Kraftwerke arbeiten weiterhin unter der ursprünglichen Konzession, unabhängig von der Electricité d’Emosson, und haben das alleinige Nutzungsrecht am Speicherinhalt, der dem Stauvolumen der alten Anlage entspricht, inklusive des eingeschlossenen toten Raums und zuzüglich weiteren 17 Mio. m³.

Die alte Gewichtsstaumauer ragt bei Niedrigwasser immer noch über den Wasserspiegel.

Technische Daten der alten StaumauerBearbeiten

  • Name der Talsperre: Barberine
  • Fertigstellung: 1925
  • Sperrentyp: Gewichtsstaumauer
  • Kronenlänge: 284 m
  • Höhe: 79 m
  • Sperrenvolumen: 206'000 m³
  • Betreiber: Schweizerische Bundesbahnen, Zollikofen

TouristenattraktionBearbeiten

Hauptartikel: Parc d’Attractions du Châtelard

Der Lac d’Emosson ist ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen. Alleine die Fahrt zum Stausee ist ein besonderes Erlebnis, denn eine Sequenz dreier Bergbahnen verbindet Le Châtelard mit dem Lac d’Emosson. Le Châtelard kann man von Martigny aus mit der schmalspurigen Chemin de fer Martigny–Châtelard erreichen.

Als erste Etappe des «Parc d’Attractions du Châtelard» (PAC) führt eine Standseilbahn bis Château d’Eau. Diese Bahn ist mit einer Neigung von bis zu 87 % die steilste Zweikabinenbahn der Welt. Auf einer Länge von 1300 m wird ein Höhenunterschied von 700 m überwunden. Die Spurweite beträgt 1007 mm.

Daran anschliessend folgt eine mit Akkumulatorenloks betriebene Panorama-Schmalspurbahn mit Blick auf den Mont Blanc. Die Spurweite beträgt gerade einmal 600 mm; die relativ flache Strecke ist 1650 m lang und schlängelt sich dem Berghang entlang bis zur Station Pied du Barrage unterhalb der Staumauer.

Die letzte Etappe dieser aussergewöhnlichen Reise ist die Standseilbahn Minifunic, welche die Fahrgäste bis zum Stausee befördert. Die gummibereifte Bahn mit einer Spurweite von 900 mm überwindet auf einer Länge von 260 m einen Höhenunterschied von 140 m (Maximalsteigung 73 %).

Oberhalb des Lac du Vieux Emosson, der zu Fuss etwa 2,5 Stunden vom Lac d’Emosson entfernt ist, wurden am 23. August 1976 gut erhaltene Fussabdrücke von 250 Millionen Jahre alten Archosauriern entdeckt. Diese können im Sommer nach der Schneeschmelze besichtigt werden.[4]

GalerieBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Robert Weller: Das französisch-schweizerische Speicherkraftwerk Emosson. In: Wasser- und Energiewirtschaft. Jahrgang 63, Nr. 8, 1971, S. 291–298.
  • Jean-Louis Mottier: L'aménagement hydro-électrique franco-suisse d'Emosson. In: Bulletin technique de la Suisse romande. 1970, doi:10.5169/seals-70868 (e-periodica.ch).

WeblinksBearbeiten

  Commons: Lac d'Emosson – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Philippe Rochat: Die Pumpspeicheranlage Châtelard II-Barberine der Schweizerischen Bundesbahnen: Aspekte der Modernisierung und Erweiterung der Kraftwerkanlage. In: Schweizer Ingenieur und Architekt. Band 97, Nr. 39, 1979, S. 755, doi:10.5169/seals-85541 (e-periodica.ch).
  2. Elektrifikation der Gotthardbahn. In: Die Berner Woche. Band 9, Nr. 18, 1919, S. 214, Sp. 1.
  3. Jean-Louis Mottier: L’aménagement hydro-électrique franco-suisse d’Emosson. In: Bulletin technique de la Suisse romande, 96 (1970), 18, S. 249–266.
  4. Georges Demathieu, Marc Weidmann: Les empreintes de pas de reptiles dans le Trias du Vieux Emosson (Finhaut, Valais, Suisse). In: Eclogae Geologicae Helvetiae, Band 75 (1982), 3, S. 721–757.