La Tour-d’Aigues

französische Gemeinde

La Tour-d’Aigues ist eine französische Gemeinde mit 4333 Einwohnern (Stand 1. Januar 2018) im Département Vaucluse in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur. Sie gehört zum Kanton Pertuis im Arrondissement Apt.

La Tour-d’Aigues
Wappen von La Tour-d’Aigues
La Tour-d’Aigues (Frankreich)
La Tour-d’Aigues
Staat Frankreich
Region Provence-Alpes-Côte d’Azur
Département (Nr.) Vaucluse (84)
Arrondissement Apt
Kanton Pertuis
Gemeindeverband Territoriale Sud-Luberon
Koordinaten 43° 44′ N, 5° 33′ OKoordinaten: 43° 44′ N, 5° 33′ O
Höhe 220–510 m
Fläche 41,41 km²
Einwohner 4.333 (1. Januar 2018)
Bevölkerungsdichte 105 Einw./km²
Postleitzahl 84240
INSEE-Code
Website latourdaigues.fr

Blick auf die Schlossanlage

GeographieBearbeiten

La Tour-d’Aigues befindet sich im Südosten des Départements Vaucluse und ist von den Gemeinden Ansouis, Pertuis, La Bastidonne, Mirabeau, Grambois, Saint-Martin-de-la-Brasque und La Motte-d’Aigues umgeben. Die nächstgelegene Stadt ist Pertuis im Südwesten (5 km).[1]

Im Norden der Gemeinde erstreckt sich das Gebirge des Luberon mit dem Regionalen Naturpark Luberon, zu dem das Gemeindegebiet gehört. Südlich von La Tour-d’Aigues liegt das Tal der Durance. Die Gemeinde wird vom 24 Kilometer langen Fluss Èze durchflossen, der südwestlich von Pertuis in die Durance mündet.

VerkehrBearbeiten

Die Route départementale D956 kommt von Südwesten aus Pertuis und führt nordöstlich weiter nach Grambois.

Nächstgelegener Bahnhof ist der Bahnhof Pertuis, mit dem man Anschluss an die Städte Lyon, Marseille und Aix-en-Provence hat.

GeschichteBearbeiten

VorgeschichteBearbeiten

Das Gebiet um das Dorf wurde schon sehr früh besiedelt. An verschiedenen Stellen wurden neolithische und frühgeschichtliche (Bronze- und Eisenzeit) Keramikfragmente gefunden sowie Standorte einiger gallo-römischer villae ausgemacht. Das Calvet-Museum in Avignon besitzt einen in La Tour d’Aigues entdeckten Altar, der dem Mars Belado geweiht war.[2]

MittelalterBearbeiten

Ausgrabungen einer kleinen Nekropole in der Rue de la Verrière belegen eine mittelalterliche Besiedlung bereits um das 7. Jahrhundert.[2]

Im Jahr 1018 erscheint der Name Turris als Besitz des Béranger, Vizegraf von Avignon.[2]

Im Jahr 1096 werden in einer Urkunde von Papst Urban II. die Kirche und das Priorat Notre-Dame de Romégas erwähnt, die zum Kapitel der Regularkanoniker von Saint-Ruf in Avignon gehören. Die Kirche befand sich damals etwa hundert Meter nördlich der Häuser des Dorfes, die sich um den „Turm“ des Béranger gruppierten.[2]

Im 12. Jahrhundert gehörte Tour-d’Aigues zur Grafschaft Forcalquier. Die Grenze zwischen den seit langem rivalisierenden Grafschaften Forcalquier und Provence verlief damals entlang der Durance und ihre Vereinigung wird durch die 1193 geschlossene Heirat von Garsende de Forcalquier mit Alfons II. von Provence erreicht.[2]

Ab 1240 bis Anfang des 15. Jahrhunderts übte die mit den Grafen von Forcalquier verwandte Familie Sabran die Grundherrschaft über La Tour-d’Aigues aus. Die Sabrans begannen außerhalb des Dorfes mit dem Bau einer neuen Burg, die sich allerdings auf einen großen Wehrturm, den heute noch vorhandenen Donjon, beschränkte. Die alte Burg verfiel langsam und wurde durch Häuser überbaut.[2]

Das Dorf dehnte sich nach und nach in Richtung dieser neuen Burg aus. Wahrscheinlich hatte sie dabei mehrere aufeinanderfolgende Befestigungsmauern, von denen aber außer einigen Mauerfragmenten und zwei Eingangstoren nichts mehr erhalten ist. Die letzte Einfriedung, die auch das Priorat und die Kirche Notre-Dame de Romégas umfasste, stammt wahrscheinlich aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts.[2]

Zur Zeit des Hundertjährigen Krieges litt die Provence unter dem Durchzug von Söldnerplünderern. 1358 hielt sich Arnaud de Cervole in La Tour-d’Aigues auf, der mit seinen „Gascons“ die Region in Angst und Schrecken versetzte. 1391 wurde das Dorf von Truppen des berüchtigten Räuberhauptmanns Raimond de Turenne verwüstet, der seinen Sitz in Pertuis hatte.[2]

NeuzeitBearbeiten

Im 15. Jahrhundert ging die Grundherrschaft von den Sabrans auf die Agoults über. Diese mächtige provenzalische Familie gab dem Land ab 1420 einen neuen Schwung. Fouquet d’Agoult – Freund, Berater und Kämmerer von König René I. d’Anjou – war eine große Persönlichkeit. Er besaß etwa dreißig Seigneurien in der Provence, war reich und mächtig und prägte die Region mit drei großen Taten:[2]

  1. Gründung einer Baronie, die die Dörfer in der Vallée d’Aigues vereinte (aus der sich später die umfangreicheren Pays d’Aigues entwickelten)
  2. Aufbau eines großen Wassernetzes von den Quellen von Mirail und Hermitans, durch den Étang de la Bonde, bis zum Schloss von La Tour-d’Aigues. Die Aquädukte hatten eine Länge von insgesamt 18 Kilometern und erstreckten sich auf dem Gebiet von fünf Dörfern. Sie stellten die Bewässerung der Felder, die Füllung der Schlossgräben und den Betrieb mehrerer Mühlen sicher.
  3. Bau des Schlosses mit den beiden Eckrundtürmen um den Donjon

Im späten 18. Jahrhundert erlebte La Tour d’Aigues einen wirtschaftlichen Aufschwung durch Getreide- und Weinanbau sowie Textil- und Fayenceherstellung.[3]

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2017
Einwohner 1.977 2.103 2.070 2.433 3.328 3.860 3.912 4.287

SehenswürdigkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Michel Albarède u. a.: Vaucluse (= Encyclopédies du Voyage). Gallimard Loisirs, Paris 2007, ISBN 2-7424-1900-4, S. 301–302.
  • Marie-Christine Mansuy u. a.: Parc Naturel Régional du Luberon (= Encyclopédies du Voyage). Gallimard Loisirs, Paris 2010, ISBN 978-2-7424-2737-6, S. 134.

WeblinksBearbeiten

Commons: La Tour-d’Aigues – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Die Gemeinde auf annuaire-mairie.fr
  2. a b c d e f g h i La Tour d’Aigues : aperçu de l’histoire du village des origines à la Révolution. Mairie La Tour-d’Aigues, 5. Mai 2015, abgerufen am 2. Juni 2021 (französisch).
  3. Marie-Christine Mansuy et al.: Parc Naturel Régional du Luberon, 2010, S. 134.
  4. Michel Albarède et al.: Vaucluse (= Encyclopédies du Voyage). Gallimard Loisirs, Paris 2007, ISBN 2-7424-1900-4, S. 302.
  5. Eglise Notre-Dame-de-Romégas. (PDF; 625 KB) Office de Tourisme, Communautaire Luberon Côté Sud, abgerufen am 29. Mai 2021 (französisch).