LS (Zugsicherung)

Zugbeeinflussungssystem
Führerstandsanzeige LS II
Fahrzeugempfangsgerät LS II an einem Triebzug der Baureihe 451
Führerstandsanzeige und Bedienschalter mit den Positionen Aus, Start und Betrieb des Zugbeeinflussungssystems LS 90
Empfangsgerät LS 90 an einem Triebzug der Baureihe 471

LS ist ein Zugbeeinflussungssystem, das bei den Eisenbahnen in Tschechien (SŽDC) und der Slowakei (ŽSR) verwendet wird. Die Abkürzung LS steht für tschechisch Liniový Systém, was mit kontinuierlicher Übertragung übersetzt werden kann.

LS ist in Tschechien auf allen Hauptbahnen mit einer zulässigen Geschwindigkeit über 100 km/h, in der Slowakei auf Hauptbahnen mit einer Geschwindigkeit über 120 km/h installiert. Die meisten tschechischen und slowakischen Triebfahrzeuge sind mit einem Fahrzeuggerät ausgerüstet, das mit LS zusammenarbeitet.

GeschichteBearbeiten

LS wurde in Anlehnung an das sowjetische Zugbeeinflussungssystem ALSN entwickelt und zu Beginn der 1960er-Jahre bei den Tschechoslowakischen Staatsbahnen ČSD eingeführt. Mit LS setzte man sich einen flüssigeren Betriebsablaufs zum Ziel, indem unabhängig vom Standort des Zuges jederzeit die Übertragung einer geänderten Signal­stellung auf das Triebfahrzeug möglich ist. Diese Anforderung bedingte ein System mit kontinuierlicher Signalübertragung. Das System wurde schrittweise weiterentwickelt, wobei die Versionen LS II, LS III und LS IV in Relais­technologie aufgebaut sind. Mit LS 90 kamen zu Beginn der 1990er-Jahre elektronische Schaltkreise zum Einsatz. Zur gleichen Zeit erschien der erste Bericht über das einheitliche europäische Zugbeeinflussungssystem ETCS, worauf auf eine Weiterentwicklung des tschechoslowakischen Zugbeeinflussungssystems verzichtet wurde. Nach der Trennung sah sich jedoch nur Tschechien an diesen Beschluss gebunden. In der Slowakei wurde mit Mirel ein Fahrzeuggerät entwickelt mit erweitertem Funktionsumfang, das mit der Streckenausrüstung von LS zusammenarbeitet. Das tschechische Fahrzeuggerät LS 06 hat die gleichen Funktionen wie die Vorgängerversionen, wurde aber durch den Einsatz von Mikroprozessoren auf den aktuellen technischen Stand gebracht.

FunktionsweiseBearbeiten

Der streckenseitige Teil des Systems besteht aus codierten Gleisstromkreisen, die mit einer Trägerfrequenz arbeiten. Die Datenübertragung zwischen den codierten Gleisstromkreisen und dem Fahrzeuggerät erfolgt über induktiv gekoppelte Luftspulen-Antennen über den Schienen. Auf Strecken, die mit 3000 V Gleichstrom oder mit Diesellokomotiven betrieben werden, kommt eine Trägerfrequenz von 50 Hz zur Anwendung, bei Wechselstrom­strecken und in Bahnhöfen beträgt die Trägerfrequenz 75 Hz. Diese beiden Trägerfrequenzen ermöglichen die Übertragung von vier amplitudenmodulierten Signalinformation (inklusive Haltsignalstellung). Der Trägerfrequenz wird je nach Signalstellung eine von vier verschiedenen rechteckförmigen Frequenzen aufmoduliert. Sobald ein Triebfahrzeug in einen mit LS ausgerüsteten Gleisstromkreis einfährt, beginn die Übertragung der Signalinformation, die das Signal am Ende des Blockabschnitts zeigt. Die Fahrzeugantennen, die sich vor der ersten Achse befinden, empfangen die Signalinformationen. Die Führerstand­sanzeige besteht aus vier Leuchten zu Darstellung der vier Signalinformationen. Darunter befindet sich eine weitere blaue Leuchte, die in ausgeschaltetem Zustand zur Bedienung der Wachsamkeitstaste auffordert.

Frequenz Signalzeichen Anzeige auf
dem Fahrzeug
Geschwindigkeit
5,4 Hz freie Fahrt grün maximale Zugsgeschwindigkeit
3,6 Hz Vorsicht gelb 120 km/h
1,8 Hz 40 und Vorsicht gelber Ring 40 km/h
0,9 Hz Halt rot 30 km/h
ohne Übertragung 120 km/h

Bei Fahrten auf Abschnitten ohne LS-Streckenausrüstung muss regelmäßig die Wachsamkeitstaste bedient werden. Auf Abschnitten mit LS-Streckenausrüstung ist nur bei Übertragung der Signalzeichen Vorsicht und 40 und Vorsicht die Wachsamkeitstaste zu betätigen. Unterbleibt dies, ertönt nach Ablauf einer der Frist ein Horn und nach weiteren 4 Sekunden wird eine Zwangsbremsung ausgelöst. Eine Bremswegüberwachung findet nicht statt. Bei Geschwindigkeiten unter 15 km/h und angezogener Hand- oder Feststellbremse ist die Wachsamkeitskontrolle nicht aktiv.

Europaweit genormtes NachfolgesystemBearbeiten

LS wird in absehbarer Zukunft durch das einheitliche europäische Zugbeeinflussungssystem ETCS abgelöst werden. In Tschechien besteht zwischen Kolín und Poříčany eine 22 km lange mit ETCS Level 2 ausgerüstete Versuchsstrecke. In der Slowakei ist die Strecke von Bratislava-Rača nach Nové Mesto nad Váhom mit ETCS Level 1 ausgerüstet.

Bezüglich ETCS wird LS als Klasse-B-System (Class B-System) geführt. Für LS ist ein Specific Transmission Module (STM) verfügbar.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten