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Die Kyraniden (auch Koiraniden) sind eine spätantike Sammlung medizinisch-magischer Schriften in vier Büchern.

Benannt sind sie nach einem vermeintlichen Autor Kyranos. Im Prolog wird das Werk aber der mythischen Gestalt des Hermes Trismegistos zugeschrieben, der den Text von Engeln erhalten haben soll, um ihn an Menschen weiterzugeben, die seiner Geheimnisse würdig sind. Der Text in seiner überlieferten Form ist vermutlich das Werk eines byzantinischen Kompilators.

Die enthaltenen Therapien und Rezepturen basieren auf Konzepten der sympathetischen Medizin bzw. Magie. Wirkprinzip ist dabei die Beziehung zwischen entsprechenden Teilen des Makro- bzw. Mikrokosmos, etwa in den Zuordnungen zwischen Tierkreiszeichen, Körperorganen und Tieren, was dann den Gebrauch von Sekreten der jeweiligen Tiere zur heute als Organotherapie[1] bezeichneten Behandlung von Erkrankungen des entsprechenden Organs empfiehlt.

Das therotherapeutische (von griech. thēr: Tier) Sammelwerk der Kyraniden enthält unter anderem Anweisungen zur (schon im Papyrus Ebers nachweisbaren und später bei Plinius dem Älteren und in mittelalterlichen Traktaten beschriebenen)[2] medizinischen Verwendung des Geiers.[3]

Neben rein medizinischen Inhalten finden sich auch Themen der hermetischen Philosophie, insbesondere die Beziehung von Körper und Seele (Gefangenschaft der Seele im Körper, Befreiung und Rückkehr der Seele zum Schöpfer).

Die Bücher II bis IV trugen ursprünglich den Titel Hieratisches Buch über die Symptome vom dreimalgrößten Hermes.[4]

LiteraturBearbeiten

Übersichtsdarstellung

Untersuchungen

  • Dimitris Kaimakis: Die Kyraniden (= Beiträge zur klassischen Philologie 76). Hain, Meisenheim am Glan 1976, ISBN 3-445-01334-9
  • Klaus Alpers: Untersuchungen zum griechischen Physiologus und den Kyraniden. Wittig, Hamburg 1984

Rezeption

  • Isabel Toral-Niehoff: Kitab Giranis. Die arabische Übersetzung der ersten Kyranis des Hermes Trismegistos und die griechischen Parallelen. Herbert Utz, München 2004, ISBN 3-8316-0413-4

AnmerkungenBearbeiten

  1. Max Höfler: Die volksmedizinische Organotherapie und ihr Verhältnis zum Kultopfer. Stuttgart 1908.
  2. Gundolf Keil: ‚Geiertraktat‘. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/ New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 466 f.
  3. Joachim Stürmer, Gundolf Keil: Geiertraktat. In: Burghart Wachinger u. a. (Hrsg.): Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. 2. Auflage, Band 2. De Gruyter, Berlin/ New York 1980, ISBN 3-11-022248-5, Sp. 1137–1140; Rainer Möhler: ›Epistula de vulture‹ Untersuchungen zu einer organotherapeutischen Drogenmonographie des Frühmittelalters. (= Mittelalterliche Wunderdrogentraktate. Band 4). Horst Wellm, Pattensen/Han. 1990, jetzt bei Königshausen & Neumann, Würzburg (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 45), ISBN 3-921-456-85-1, S. 48–68.
  4. Florian Ebeling: Das Geheimnis des Hermes Trismegistos. Geschichte des Hermetismus, München 2005, S. 45.