Kurt Krenn

österreichischer Geistlicher, Altdiözesanbischof von St. Pölten
Der ehemalige Bischof von St. Pölten, Kurt Krenn (1992)

Kurt Krenn (* 28. Juni 1936 in Neustift im Mühlkreis, Oberösterreich; † 25. Jänner 2014 in Gerersdorf, Niederösterreich)[1] war ein österreichischer Geistlicher. Er wurde 1987 Weihbischof der Erzdiözese Wien und war von 1991 bis 2004 Bischof von St. Pölten.

LebenBearbeiten

Kurt Krenn wurde am 28. Juni 1936 in Rannariedl in der Gemeinde Neustift im Mühlkreis in Oberösterreich als zweites von sechs Kindern des Ehepaares Karl und Leopoldine Krenn geboren. Sein Vater, der Lehrer Karl Krenn, fiel im Zweiten Weltkrieg.

Nach dem Besuch der Volksschule in Oberkappel und der Matura am Gymnasium der Abtei Schlierbach trat Krenn 1954 in das Priesterseminar in Linz ein und studierte von 1955 bis 1965 Philosophie und Theologie an der Gregoriana und Kirchenrecht an der Lateranuniversität in Rom. Am 7. Oktober 1962 wurde er in der Kirche Sant’Ignazio in Rom zum Priester geweiht und war dann in einer Pfarrei bei Rom als Seelsorger tätig. Nach Studienaufenthalten in Tübingen und München, wo er von 1966 bis 1970 als Assistent an der theologischen Fakultät wirkte, war er von 1970 bis 1975 Professor für Philosophie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Linz. 1975 wurde er als ordentlicher Professor auf den Lehrstuhl für Systematische Theologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Regensburg berufen.

Am 3. März 1987 wurde Krenn durch Papst Johannes Paul II. zum Weihbischof der Erzdiözese Wien (als Bischofsvikar für Kunst, Kultur und Wissenschaft) und Titularbischof von Aulon ernannt. Noch vor ersten öffentlichen Äußerungen Krenns gab es Proteste gegen seine Ernennung, die sich im Rahmen seiner Bischofsweihe am 26. April 1987 noch steigerten und zur Gründung der kritischen Zeitschrift Kirche intern führten. Krenn äußerte als Weihbischof Verständnis für den antisemitischen Kult um den vorgeblich von Juden ermordeten Anderl von Rinn.[2] Mit dem Bischof von Feldkirch, Klaus Küng, dem ehemaligen Regionalvikar (Leiter) des Opus Dei in Österreich, stand er an der Spitze der restaurativen Gruppe in der österreichischen Bischofskonferenz.[3] Als Verantwortlicher für die Studentenseelsorge übergab er die Wiener Karlskirche an das Opus Dei und wirkte an der von Opus-Dei-Priestern betreuten deutschen Buchreihe "Sinn und Sendung" (EOS-Verlag) mit.[3]

Am 11. Juli 1991 erfolgte die Ernennung durch Johannes Paul II. zum Bischof der Diözese St. Pölten, seine Amtseinführung fand am 15. September desselben Jahres statt. Krenn war Vorsitzender der Finanzkommission der Österreichischen Bischofskonferenz und zugeordneter Referatsbischof für den Sport. Zudem war er gern gesehener Gast in den Medien und trat oft in Talkshows und Diskussionsrunden deutscher und österreichischer Fernsehanstalten auf. Er betreute unter dem Pseudonym Christianus auch eine Kolumne in der österreichischen Tageszeitung Kronen Zeitung. Er stellte sich gegen einen EU-Beitritt der Türkei, warnte vor einer „Islamisierung Europas“ und erklärte, Vernunft sei „nicht die Linie“ dieser Religion und Terrorismus habe „auch immer etwas mit dem Islam zu tun.“[4] Ebenso vehement verurteilte er Schwangerschaftsabbrüche und Scheidungen. Positiv äußerte er sich über Jörg Haider, den ehemaligen Vorsitzenden der FPÖ. Den Dialog für Österreich lehnte er ab, da dessen Forderungen „schlicht unkatholisch“ seien.[5] Des Weiteren sprach er sich gegen weibliche Ministranten aus.[6] In seinem Bistum errichtete er 1995 die Gemeinschaft vom heiligen Josef und war Mitglied des Engelwerks.[7] Er nahm die Kongregation der Diener Jesu und Mariens (SJM) und Mitglieder des Engelwerkes in die Diözese auf.[8] Die deutschen Bischöfe von Augsburg und Bamberg hatten dem SJM-Orden nicht gestattet, sein Generalrat in ihren Diözesen zu errichten. Krenn dagegen erlaubte ihm, sich im Schloß Auhof bei Blindenmarkt offiziell niederzulassen.[9]

Im Herbst 2003 kam es im Priesterseminar der Diözese St. Pölten zu einem Skandal um den Download kinderpornografischer Fotos. Zusätzlich gab es Gerüchte um homosexuelle Beziehungen im Priesterseminar, die sich später ebenfalls bestätigten.[10] Wegen des Skandals und der umstrittenen Reaktion des Bischofs Krenn, der die Vorgänge im Priesterseminar als „Bubendummheiten“ bezeichnete, wurde der Vorarlberger Bischof Klaus Küng zur Untersuchung der Vorwürfe zum Apostolischen Visitator berufen. Das Priesterseminar wurde mit Dekret vom 11. August 2004 von Krenn „in Übereinstimmung mit dem Apostolischen Visitator und mit der Kongregation für das Katholische Bildungswesen“ vorübergehend geschlossen. Am 29. September 2004 trat Krenn auf Wunsch von Papst Johannes Paul II. von seinem Bischofsamt zurück, allerdings ohne die Vorwürfe selbst zu bestätigen. Zum neuen Bischof der Diözese wurde schließlich der Apostolische Visitator Klaus Küng ernannt. Dieser machte einige der umstrittensten Anordnungen Krenns rückgängig, zum Beispiel die rechtlich zwar ausgesprochene, aber aufgrund der Weigerung des zuständigen Abtes Clemens Lashofer nie durchgesetzte Abberufung von Udo Fischer, dem Krenn gegenüber kritisch eingestellten Pfarrer von Paudorf.

Nach seinem Rücktritt lebte er von der Öffentlichkeit zurückgezogen und hatte zunehmend mit gesundheitlichen Einschränkungen zu kämpfen. Er starb am 25. Jänner 2014 nach langer Krankheit in der Pflegestation des Klosters der Dienerinnen der Immaculata in Gerersdorf bei St. Pölten, wo er in den letzten Jahren gepflegt worden war.[11][12] Bestattet wurde Krenn in der Bischofsgruft des St. Pöltner Doms.

AuszeichnungenBearbeiten

WerkeBearbeiten

  • Vermittlung und Differenz? Vom Sinn des Seins in der Befindlichkeit der Partizipation beim hl. Thomas von Aquin. Analecta Gregoriana (Cura Pontificae Universitatis Gregorianae edita), Vol. 121. Series Facultatis Philosophicae: sectio B, n. 10, Libreria Editrice dell’Università Gregoriana, Roma 1962
  • Die wirkliche Wirklichkeit Gottes: Gott in der Sprache heutiger Probleme. (Abhandlungen zur Philosophie, Psychologie, Soziologie der Religion und Ökumenik, Neue Folge, Bd. 30), Schöningh, München, Paderborn, Wien 1974, ISBN 3-506-70180-0
  • Die scholastische Methode als anthropologische Austragung der Wahrheit. In: Theologie und Glaube 64 (1974) 411 ff und 65 (1975) 99 ff
  • Das „Systematische“ in der Theologie. In: Theologie und Glaube 66 (1976) 300 ff
  • Katholizismus und die Philosophie des deutschen Idealismus. In: Albrecht Langner (Hrsg.): Katholizismus und philosophische Strömungen in Deutschland. (Tagungsband [Okt. 1981] des Arbeitskreis „Deutscher Katholizismus im 19. und 20. Jahrhundert“), Schöningh, Paderborn 1982, ISBN 3506707388
  • Das Verhältnis von instrumenteller und wesentlicher Vernunft als das Problem der Metaphysik in der Theologie. Ein Beitrag zum Studium der Philosophie im Theologiestudium. In: Forum Katholische Theologie 1 (1985), 264–285
  • Gemeinsamkeit der Würde – Verschiedenheit des Dienstes. Zur theologischen Rationalität des Unterschiedes von Priester und Laie. In: Jürgen Liminski u. a.: Die Stunde des Laien. Laie und Priester 20 Jahre nach dem Konzil. St. Ottilien 1987, 107–145
  • Das Prinzip Person in Kirche und Hierarchie. Festvortrag für Bischof Josef Stimpfle am 29. Oktober 1988 in Augsburg. In: Forum Katholische Theologie 5 (1989), 51–65
  • Glaube und Kirche heute. Zeitung „Der 13.“, Kleinzell 1989
  • Zur Situation heutiger Theologie angesichts einer Neuevangelisierung Europas. Zeitung „Der 13.“, Kleinzell 1989
  • Des Menschen Gotteserkenntnis und Gotteserfahrung als theologisches Paradigma Mariens. In: Anna Coreth und Ildefons Fux (Hrsg.): Servitium Pietatis. Festschrift für Hans Hermann Kardinal Groer zum 70. Geburtstag. Salterrae, Maria Roggendorf 1989, 68–88
  • Mit Erwin Möde: Priesterausbildung und Tiefenpsychologie. (Ed. Psychosymbolik), München 1990, ISBN 3-925350-32-2
  • Gottes Abbild im Nichts? In: U. Zöller (Hrsg.:) Die Zukunft unseres Lebens. Antworten auf den Tod. Aschaffenburg 1991, 86–90
  • Der theologische Begriff der Schuld. In: H. W. Kaluza u. a. (Hrsg.:) Glaube und Politik. Festschrift für Robert Prantner. Duncker & Humblot, Berlin 1991, 41–52
  • „Wer sie hört, hört Christus, und wer sie verachtet, verachtet Christus und ihn, der Christus gesandt hat.“ Gedanken zu Weihe und Amt des Bischofs. In: Eugen Kleindienst und Georg Schmuttermayr (Hrsg.:) Kirche im Kommen. Festschrift für Bischof Josef Stimpfle. Propyläen, Berlin 1991, 531–552
  • Worte auf dem Weg. Gedanken eines Hirten der Kirche. Zusammengestellt und herausgegeben von Werner Schmid. St. Josef, Kleinhain 1999 (2. Aufl.), ISBN 3901853049
  • Capax Dei. Die Gott-Fähigkeit des Menschen. Philosophische Aspekte. St. Josef, Kleinhain 2013, ISBN 978-3-901853-27-2
  • Christianus. 50 Zeilen mit Gott, hrsg. von Rudolf Födermayr, Oberkappel 2015, ISBN 978-3-200-04173-8

LiteraturBearbeiten

  • Hubert Wachter: Kurt Krenn. Gottes eherne Faust. Orac Verlag, 1993, ISBN 3701503001
  • Norbert Stanzel: Die Geißel Gottes. Bischof Kurt Krenn und die Kirchenkrise. Molden, Wien 1999, ISBN 3-85485-030-1
  • Peter Hertel: Glaubenswächter. Katholische Traditionalisten im deutschsprachigen Raum, Echter, Würzburg 2000, ISBN 3-429-02279-7
  • Josef Kreiml u. a. (Hrsg.): Der Wahrheit verpflichtet. Festschrift für em. Diözesanbischof Prof. Dr. Kurt Krenn zum 70. Geburtstag. Ares-Verlag, Graz 2006, ISBN 3-902475-24-2
  • Ildefons Fux, Ein neuer Weihbischof für Wien. Erinnerung an die Ernennung und Konsekration von Kurt Krenn, Oberkappel 2017

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. St. Pöltner Altbischof Krenn gestorben, auf katholisch.at, abgerufen am 16. Juni 2020
  2. Petra Stuiber: Gottes wackerer Kugelblitz. Die Welt vom 20. Juli 2004
  3. a b Peter Hertel: Glaubenswächter. Katholische Traditionalisten im deutschsprachigen Raum, Echter, Würzburg 2000, ISBN 3-429-02279-7, S. 131.
  4. Bischof Krenn warnt vor Islamisierung Europas: ‚Islam ist eine aggressive Religion.‘
  5. Kurt Krenn: Streitbarer „Vertreter der Wahrheit Gottes“. 25. Januar 2014
  6. Letzte Ehre für streitbaren Altbischof. kurier.at, 8. Februar 2014
  7. Manfred Rebhandl: In Österreich lebt jeder auf seiner Insel. In: Welt.de. 15. Dezember 2017, abgerufen am 9. April 2020.
  8. Gudula Walterskirchen: Diözese St. Pölten: Geheime Hochschule und Engelwerk. kath.ch, 3. August 2004
  9. Peter Hertel: Glaubenswächter. Katholische Traditionalisten im deutschsprachigen Raum, Echter, Würzburg 2000, ISBN 3-429-02279-7, S. 160 f.
  10. Umstrittener Altbischof Krenn gestorben (Memento vom 29. Januar 2014 im Internet Archive)
  11. St. Pöltner Altbischof Kurt Krenn gestorben. Artikel auf derstandard.at vom 25. Jänner 2014: Abgerufen am 25. Jänner 2014.
  12. News (Memento vom 13. März 2014 im Internet Archive), auf stjosef.at, Abgerufen am 25. Jänner 2014.
  13. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)