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Kunz von der Rosen

Berater und Hofnarr Kaiser Maximilians I.
Kunz von der Rosen (Radierung von Daniel Hopfer)

Kunz von der Rosen (* um 1470 in Kaufbeuren; † 1519) war Berater und Hofnarr des deutschen Königs und späteren Kaisers Maximilians I.

LebenBearbeiten

 
Inschrift an seinem Wohnhaus in Augsburg, Jesuitengasse 18

Bekannt wurde Kunz von der Rosen durch eine Reihe von Wagstücken und Streichen. Unter anderem versuchte er den 1488 in Brügge gefangenen König Maximilian I. aus der dortigen Haft zu befreien, indem er sich als Priester verkleidet zu ihm bringen ließ, wo er mit Maximilian die Kleider tauschen und ihm so zur Flucht verhelfen wollte. Maximilian lehnte das Angebot jedoch als unehrenhaft ab. Auch ist überliefert, dass er unangemessene Gastgeschenke des venezianischen Gesandten zerschlug und dass er bei einem zur Hochzeit des Markgrafen Casimir von Brandenburg veranstalteten Turnier Zuschauer in einen Wassertrog stürzte.[1]

Kunz galt als intelligenter Mann, der es verstand, durch seine Späße und seine Anmerkungen nicht selten zum Nachdenken anzuregen: So wurde er einmal befragt, was er von einem Friedensangebot halte. Von der Rosen antwortete darauf mit der Frage, wie alt er geschätzt werde. Nach einigen Versuchen sagte er, dass er schon über 200 Jahre alt sei, da er schon mindestens zwei Friedensangebote habe in Kraft treten sehen, die beide über jeweils 100 Jahre abgeschlossen wurden.

Seine Grabstätte befindet sich in der St.-Anna-Kirche in Augsburg.[2]

BildnisBearbeiten

Von Kunz von der Rosen ist durch eine Radierung seines Zeitgenossen Daniel Hopfer ein Bildnis überliefert, das um das Jahr 1515 geschaffen wurde. Dieses Porträt ist dadurch bekannt, dass es in zahlreichen Publikationen bis heute irrtümlich als Porträt des Seeräubers Klaus Störtebeker bezeichnet wird, nachdem es ein geschäftstüchtiger Kunsthändler im Jahr 1682 hierfür umgewidmet hatte.[3][4]

Literarische BearbeitungenBearbeiten

1844 erschien Gustav Freytags Stück Die Brautfahrt oder Kunz von den Rosen, ein Lustspiel über Kaiser Maximilian, für das er den Preis der Berliner Hofbühne gewann.

Heinrich Heine beschreibt im Schlusswort zu seinen Englischen Fragmenten (1830), dem letzten Text seiner Reisebilder, Kunz von der Rosen in einer Anekdote im Gespräch mit Kaiser Karl V. (von Heine irrtümlich Kaiser Maximilian I. genannt), wo von der Rosen verkleidet in des Kaisers Kerkerzelle gelangt, um ihm Zepter und Krone zu überreichen und ihn zu befreien. Der Kaiser jedoch lehnt ab und fragt: "Bin ich denn wirklich Kaiser? Ach, es ist ja der Narr, der es mir sagt!". Dieser Text steht im Zusammenhang mit Heines Kritik an Restauration nach dem Wiener Kongress und der Hoffnung auf den Anbruch einer "neuen Zeit", wie er Kunz von der Rosen sagen lässt. Diese ist gekennzeichnet durch die Verwirklichung der Postulate der Französischen Revolution: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.[5]

LiteraturBearbeiten

  • Aurbacher, L., Kunz von der Rosen, Kaiser Maximilians lustiger Rath, München, 1841
  • Egelhofer, L., Kunz von der Rosen – Narr oder Weiser?, In: Kaufbeurer Geschichtsblätter 12 (1990/92), S. 445–454
  • Gebhart, H., Kunz von der Rosen, Kaiser Maximilians "lustiger" Rat, In: Das Bayerland, Jahrgang 36 (1925), S. 349–352
  • Schmitt, F., Kunz von der Rosen. Staatsmann und Schalk, In: Kaufbeurer Geschichtsblätter 1 (1952/54), S. 18f. und S. 22–24.
  • Jakob FranckRosen, Kunz von der. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 29, Duncker & Humblot, Leipzig 1889, S. 195–197.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Kunz von der Rosen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Karl Friedrich Flögel: Geschichte der Hofnarren, Liegnitz u. a. 1789. S. 195f.
  2. Jakob Franck: Rosen, Kunz von der. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 29, S. 195–197.
  3. Ralph G. Kretschmann: Nicht alle Toten schweigen: Das Erbe der Likedeeler. Edel:Books, 2016, ISBN 978-3-95530-834-6 (books.google.de).
  4. Kurt Dröge: Bilder des Klaus Störtebeker: Zur Austauschbarkeit von Heldendarstellungen. Books on Demand, 2018, ISBN 978-3-7528-8968-0, S. 24 (books.google.de).
  5. Diese Anekdote auf Gutenberg