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Kummersdorf-Alexanderdorf

Ortsteil der Gemeinde Am Mellensee

Kummersdorf-Alexanderdorf ist ein Ortsteil[1] der amtsfreien Gemeinde Am Mellensee im Landkreis Teltow-Fläming (Brandenburg). Bis zum im Jahr 2002 erfolgten Zusammenschluss mit fünf anderen benachbarten Gemeinden zur (Groß-)Gemeinde Am Mellensee war Kummersdorf-Alexanderdorf eine selbstständige Gemeinde innerhalb des damaligen Amtes Am Mellensee. Kummersdorf-Alexanderdorf war 1974 durch den Zusammenschluss der Gemeinden Kummersdorf und Alexanderdorf entstanden.

Kummersdorf-Alexanderdorf
Gemeinde Am Mellensee
Koordinaten: 52° 9′ 28″ N, 13° 20′ 20″ O
Höhe: 46 m
Fläche: 6,85 km²
Einwohner: 619 (31. Dez. 2015)
Bevölkerungsdichte: 90 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Februar 2002
Postleitzahl: 15838
Vorwahl: 033703
Kummersdorf-Alexanderdorf (Brandenburg)
Kummersdorf-Alexanderdorf

Lage von Kummersdorf-Alexanderdorf in Brandenburg

Benediktinerinnen-Kloster Alexanderdorf, das frühere Vorwerk Kummersdorf

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Kummersdorf und Alexanderdorf sind (bzw. waren) neuzeitliche Dörfer, die möglicherweise auf der Gemarkung einer mittelalterlichen Vorgängersiedlung entstanden sind.[2] Das Gebiet gehörte zur früheren Herrschaft Zossen, ab 1491 zum Amt Zossen. Es gibt keinerlei Urkunden, die die Existenz eines möglicherweise wüst gewordenen mittelalterlichen Dorfes belegen. Gerhard Schlimpert führt jedoch aus, dass in der Ortslage blaugraue deutsche Keramikreste des 13. Jahrhunderts gefunden wurden. Das 1573 „neu erbaute Dorf“ Kummersdorf hatte seiner Meinung nach „zweifelsfrei“ eine mittelalterliche Vorgängersiedlung.[3]

Jahr Einwohner
1817 105
1840 57 + 76
1858 64 +81
1895 120
1925 105
1939 154
1946 223
1964 206
1971 186

AlexanderdorfBearbeiten

1572 wurde das neue Vorwerk zu Kummersdorf eingerichtet.[2] Dazu gehörten 104 Morgen neu gerodeter Acker sowie zwei neu gerodete Wiesen zu sieben Morgen und zwölf Morgen. Zum Vorwerk geschlagen worden war auch die Schäferei zu Sperenberg. Anscheinend war auch eine Brett- oder Sägemühle neu eingerichtet worden. Das Vorwerk war bis 1811 Amtsvorwerk bzw. Domänenvorwerk, als es wegen der Finanznot des preußischen Staates infolge der Napoleonischen Kriege in Erbpacht verkauft wurde. 1814 war es im Besitz des Hauptmanns Alexander von Ruville, der den Antrag auf Umbenennung in Friedrichshof stellte, da das Vorwerk oft mit der Kolonie Kummersdorf verwechselt werde. Dem Antrag wurde nicht entsprochen, da es in der weiteren Umgebung bereits mehrere Güter mit Namen Friedrichshof gab, sondern stattdessen auf Alexanderhof abgeändert. Bereits 1756 zu Zeiten Friedrichs des Großen waren in der Nähe des Vorwerks vier Kolonistenhäuser errichtet worden („Kolonie Kummersdorf“), die mit „ausländischen“ Familien aus Sachsen besetzt wurden. 1834 bis 1844 entstanden auf Gutsland weitere acht Kolonistenhäuser. 1844 kaufte Otto Koerner das Gut um 47000 Taler. Unter Einziehung von Grund und Boden von benachbarten Gemeinden wurde ein neuer Gemeindebezirk „Kolonie Kummersdorf“ geschaffen. 1875 wurde der Gutsbezirk „Alexanderhof“ und der Gemeindebezirk „Kolonie Kummersdorf“ zu einer Gemeinde vereinigt, die den Namen Alexanderdorf bekam. 1933 erwarben Benediktinerinnen aus Berlin das heruntergewirtschaftete Gut vom Grafen von Schwerin. In den Gebäuden des ehemaligen Vorwerks entstand 1934 das Benediktinerinnen-Kloster Alexanderdorf. Die selbstständige Geschichte von Alexanderdorf endete 1974 mit dem Zusammenschluss mit Kummersdorf zur neuen Gemeinde Kummersdorf-Alexanderdorf, die wiederum 2002 Ortsteil der neuen (Groß-)Gemeinde Am Mellensee wurde.

Bevölkerungsentwicklung von Alexanderdorf von 1817 bis 1971 (Quelle: Historisches Ortslexikon[2]; 1840 und 1858 separate Zählung von Kolonie Kummersdorf und Alexanderhof)

Jahr Einwohner
1583 ca. 100 (Schulze,
Lehnmüller, 22 Kossäten)
1734 119
1772 240
1801 236
1817 154
1840 202
1858 339
1895 508
1925 530
1939 707
1946 709
1964 524
1971 586

KummersdorfBearbeiten

1573 war in einiger Entfernung zum neuen Vorwerk Kummersdorf, aus dem später durch die Zusammenlegung von Alexanderhof und Kolonie Kummersdorf Alexanderdorf entstanden war, das neue Dorf Kummersdorf „aufgerichtet“ worden.[2] Die Herkunft des Namens ist unklar. Schlimpert hält sowohl einen ausschließlich deutschen Ortsnamen als auch einen slawisch-deutschen Mischnamen für möglich. Im ersteren Fall wäre an eine metaphorische Bildung aus deutsch „Kummer“ zu denken, falls Kummersdorf tatsächlich eine Neugründung von 1573 wäre. Im zweiten Fall käme auch ein slawischer Personenname Komor, Komar (= Mücke) in Frage. Eine andere Möglichkeit wäre die Umdeutung eines slawischen Ortsnamen Komorov = Ort, wo es Mücken gibt. Nur zehn Kilometer entfernt liegt Mückendorf (heute Ortsteil der Stadt Baruth/Mark).

Ansässig im neuen Dorf waren ein Schulze, ein Lehnmüller und 22 Kossäten. Erwähnt wird weiter auch eine Hammerhütte.

1655 hatte das Amtsvorwerk Wiesen zu „191 Fuder Heu.“ Die Schäferei war groß genug für die Haltung von 1200 Schafen. Im Dorf wohnten der Setzschulze, ein Lehnmann und 15 Kossäten. Außerdem gab es eine Amtsschneidemühle im Ort. 1801 wird erstmals ein Krug erwähnt.

Bevölkerungsentwicklung von 1583 bis 1971 (Quelle: Historisches Ortslexikon[2]; bis 1801 inkl. Alexanderhof und Kolonie Kummersdorf)

 
Kummersdorf und das Vorwerk Kummersdorf, das spätere Alexanderdorf auf der Schmettau’schen Karte von 1767–1787

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Auf den Gemarkungen von Alexanderdorf und Kummersdorf sind zahlreiche Bodendenkmale ausgewiesen.[4]

BodendenkmaleBearbeiten

Gemarkung Alexanderdorf

  • Alexanderdorf: Dorfkern Neuzeit
  • Alexanderdorf: Rast- und Werkplatz Steinzeit, Hort, Bronzezeit
  • Alexanderdorf: Rast- und Werkplatz Steinzeit
  • Alexanderdorf, Gadsdorf: Rast- und Werkplatz Steinzeit
  • Alexanderdorf, Kummersdorf: Einzelfund Steinzeit, Siedlung Bronzezeit
  • Alexanderdorf, Schöneweide: Rast- und Werkplatz Steinzeit

Gemarkung Kummersdorf

  • Kummersdorf, Dorfkern Mittelalter, Dorfkern Neuzeit, Einzelfund Ur- und Frühgeschichte
  • Kummersdorf: Siedlung Bronzezeit, Rast- und Werkplatz Steinzeit
  • Kummersdorf, Weg deutsches Mittelalter, Rast- und Werkplatz Steinzeit, Acker deutsches Mittelalter
  • Kummersdorf, Rast- und Werkplatz Steinzeit

NaturdenkmaleBearbeiten

Auf den Gemarkungen Kummersdorf und Alexanderdorf wurden auch zahlreiche Einzelbäume oder Baumgruppen unter Schutz gestellt und stehen auf der Liste der Naturdenkmale.[5]

Gemarkung Alexanderdorf

  • Eiche, nördlich des Klosters: wegen ihrer Ausbildungsform
  • Eichenreihe in der Dorfstr.: wegen ihrer erdgeschichtlichen und naturgeschichtlichen Bedeutung
  • Eiche, 0,25 km NNO vom Ortsrand am Waldrand: wegen ihres Alters und Größe
  • Eiche, 0,9 km N Ortsrand an der Südostecke der Waldinsel: wegen Alter, Größe und Ausbildungsform
  • Baumgruppe mit fünf Eichen, N Ortsausgang am Spielplatz: wegen ihres Alters

Gemarkung Kummersdorf

  • Friedenseiche in Kummersdorf am Abzweig Alte Schulstr., am Gedenkstein: wegen ihrer ortsbildprägenden Schönheit und landeskundlichen Bedeutung
  • kleine Parkanlage in Kummersdorf gegenüber dem Dorfkrug: wegen Alter und Größe

Auf der Gemarkung Kummersdorf ist ein Findling im Ortszentrum am Abzweig Alte Schulstr. wegen der seiner erd- und naturgeschichtlichen Bedeutung unter Schutz gestellt.

QuellenBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Hauptsatzung der Gemeinde Am Mellensee@1@2Vorlage:Toter Link/daten.verwaltungsportal.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. vom 21. Oktober 2009 (PDF; 45 kB)
  2. a b c d e Enders & Beck (1976: S. 147–149)
  3. Schlimpert (1972: S. 118)
  4. Denkmalliste des Landes Brandenburg Landkreis Teltow-Fläming PDF (Memento des Originals vom 28. Mai 2013 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bldam-brandenburg.de
  5. Naturdenkmale des Kreises Teltow-Fläming – Bäume PDF (Memento des Originals vom 14. Dezember 2007 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.teltow-flaeming.de

LiteraturBearbeiten

  • Lieselott Enders und Margot Beck: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil IV. Teltow. 395 S., Hermann Böhlaus Nachfolger Weimar, 1976
  • Klaus Fiedler: Zur Geschichte des ehemaligen Vorwerks Kummersdorf, heute Alexanderdorf. Unser Teltow, 1937: 12, 1937.
  • Oskar Liebchen: Aus der ältesten Geschichte von Kummersdorf. Teltower Kreiskalender, 29: 124–126, 1932.
  • Gerhard Schlimpert: Brandenburgisches Namenbuch Teil 3 Die Ortsnamen des Teltow. 368 S., Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1972.
  • Wilhelm Spatz: Der Teltow. Teil T. 3., Geschichte der Ortschaften des Kreises Teltow. 384 S., Berlin, Rohde, 1912.

WeblinksBearbeiten