Kulturjournalismus

Kulturjournalismus ist eine Subform des Journalismus, die sich mit kulturellen Themen befasst, andere journalistische Subformen mitberücksichtigt und ebenso mit kulturwissenschaftlichen Methoden arbeitet. Er beschäftigt sich besonders häufig mit Literatur-, Theater-, Film-, Musik-, Kunst- und Medienkritik sowie mit anderem mehr. Dies geschieht in Form von Rezensionen, Porträts, Essays oder anderen journalistischen Formaten. Für die Arbeit als Kulturjournalist sind deshalb Recherche-, Konzept-, Erzähl- und Redaktionsformen grundlegend, wie man sie vor allem im Feuilleton findet.

Stephan Porombka, Juniorprofessor für Kulturjournalismus, definiert Kulturjournalismus als „Form des Schreibens, über die unter genau formulierten zeitlichen, thematischen und formalen Vorgaben 'Gebrauchstexte' entstehen“. Er betont die Wichtigkeit, „Interesse an der Kultur im umfassenden Sinn zu entwickeln und von eigenen Recherchen, Beobachtungen und Erfahrungen kompetent erzählen zu können“.[1]

GeschichteBearbeiten

Die Geschichte des Kulturjournalismus ist so alt wie die Geschichte der Zeitungen. Diese enthielten von Anfang an eine Beilage, in welchem Diskussionen und Kritiken über Theaterstücke, Bücher und Philosophie veröffentlicht wurden. Während der Französischen Revolution wurde der Begriff Feuilleton für kulturelle Themen geprägt. Als die Inhalte immer beliebter wurden, wurden sie zu Beginn des 19. Jahrhunderts in den Hauptteil der Zeitungen integriert. Mitte des 19. Jahrhunderts bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Musikkritiken von Richard Wagner und Engelbert Humperdinck, wissenschaftliche Erkenntnisse von Alexander von Humboldt und Justus Liebig oder Neuerungen wie der Fortsetzungsroman veröffentlicht. Eine weitere Entwicklung erlebte der Kulturjournalismus im 20. Jahrhundert durch den Kritiker Ludwig Böhme und den Schriftsteller und Journalisten Heinrich Heine. Dies sorgte dafür, dass sich die Rubrik in immer mehr Medien verbreitete. Bis 1986 interessierte sich aber lediglich das gebildete Bürgertum für kulturelle Themen. Das änderte sich durch einen Streit der Historiker Ernst Nolte und Jürgen Habermas. Das Thema des Streits war der Holocaust und die Frage, ob dieser eine Folgereaktion auf sowjetische Gulags gewesen sei. Die aktuelle Entwicklung wird von neuen Formen und Arten geprägt. Dazu zählen Comics, Pop-Art und Jugendkultur. Durch das Internet sind zahlreiche neue Möglichkeiten wie Kulturblogs und Homepages hinzugekommen.[2][3]

AusbildungBearbeiten

Kulturjournalismus kann man seit 2003 an der UdK Berlin und seit 1999 im Rahmen des Studiengangs "Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus" an der Universität Hildesheim studieren. Außerdem bietet das Kölner Institut für Kulturarbeit und Weiterbildung eine Berufsbegleitende Weiterbildung 'Kulturjournalismus' an.

An der Hochschule für Musik Karlsruhe im 'Kulturjournalismus' und in seiner medialen Umsetzung (Radio und Internet) können sich Studierende des B.A/M.A.-Angebots "Musikjournalismus für Rundfunk und Multimedia" im Programm des "Jungen Kulturkanals" erproben.

Seit 2008 wird an der Zürcher Hochschule der Künste der Studiengang "Kulturpublizistik" angeboten, seit 2015 am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaften der Universität Wien der "Universitätslehrgang für Kulturkommunikation und Kulturjournalismus".

Das AKAFÖ der Ruhr-Universität Bochum bietet einen Kurs Kulturjournalismus unter der Leitung von Katja Sindemann an.[4]

Die Technische Universität Dortmund offeriert hierneben als einzige deutsche Universität seit dem Wintersemester 2010/2011 einen grundständigen Bachelor- sowie darüber hinaus einen weiterführenden Masterstudiengang Musikjournalismus: Die gemeinschaftlich vom Institut für Musik und Musikwissenschaft und vom Institut für Journalistik durchgeführten Programme bilden mit Schwerpunkt Klassische Musik und crossmedialem Ansatz unter dem Label terzwerk in Radio-, TV- und Onlinejournalismus aus.[5][6]

Des Weiteren gibt es unter anderem in den Vereinigten Staaten von Amerika sowie in allen anderen Ländern Möglichkeiten des Studiums des Cultural Journalism.

LiteraturBearbeiten

  • Stefan Lüddemann: Kulturjournalismus, Medien, Themen, Praktiken, Springer VS, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-531-19649-7
  • Wolfgang Lamprecht (Hrsg.): Weißbuch Kulturjournalismus, Löcker Verlag, Wien 2012, ISBN 9783854095934
  • Ruedi Widmer (Hrsg.): Laienherrschaft, 18 Exkurse zum Verhältnis von Künsten und Medien. Diaphanes, Zürich 2014, 320 S., ISBN 978-3-03734-794-2
  • Dieter Heß (Hrsg.): Kulturjournalismus, ein Handbuch für Ausbildung und Praxis. 2. aktualisierte Aufl., 1997, 247 S., ISBN 3-471-78055-6
  • Kilian Moritz: Kulturjournalismus. In: Markus Kaiser (Hrsg.): Special Interest. Ressortjournalismus – Konzepte, Ausbildung, Praxis, München (Econ-Verlag) 2012, ISBN 978-3-430-20145-2
  • Peter Overbeck (Hrsg.): Musik und Kultur im Rundfunk, Wandel und Chancen. Lit-Verlag Münster 2007, 201 S., ISBN 3-825-89645-5
  • Stephan Porombka: Kulturjournalismus. In: Handbuch Literaturwissenschaft, Bd. 3: Literaturwissenschaft als Institution (Berufsfelder). Hrsg. von Thomas Anz. Stuttgart 2007, S. 270–283
  • Stephan Porombka: Kulturwissenschaft der Jetztzeit. Möglichkeiten der kulturjournalistischen Praxis im Studium. In: Schreiben. Im Kontext von Schule, Universität, Beruf und Lebensalltag. Hrsg. von Johannes Berning und Helmut H. Koch. Münster 2006, S. 198–219, Version als PDF-Datei
  • Stephan Porombka, Erhard Schütz (Hrsg.): 55 Klassiker des Kulturjournalismus. Bostelmann & Siebenhaar, Berlin 2008
  • Gunter Reus: Ressort Feuilleton: Kulturjournalismus für Massenmedien. 2., überarb. Aufl., 1999, 366 S., ISBN 3-89669-245-3
  • Gernot Stegert: Feuilleton für alle: Strategien im Kulturjournalismus der Presse. Tübingen 1998, 338 S., ISBN 3-484-34048-7 (Univ. Tübingen, Dissertation 1997)

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Stephan Porombka: Kulturjournalismus. In: Handbuch Literaturwissenschaft, Bd. 3: Literaturwissenschaft als Institution (Berufsfelder). Hrsg. von Thomas Anz. Stuttgart 2007, S. 270–283.
  2. Kulturjournalismus: Geschichte – abgerufen am 9. Juni 2020
  3. Kulturjournalismus: Ausblick – abgerufen am 9. Juni 2020
  4. Boskop Semesterprogramm: "Schreibe schön und garstig". Abgerufen am 9. November 2016.
  5. Wolfgang Goertz: Gute Noten, in: Die Zeit (20. Januar 2011).
  6. AQAS e.V.: Externer Reakkreditierungsbeschluss und -bericht (2016) mit ausführlicher Beschreibung und Beurteilung der Musikjournalismus-Studiengänge an der TU Dortmund.