Kriegsgefangen

Buch von Theodor Fontane

Kriegsgefangen. Erlebtes 1870 ist ein Werk von Theodor Fontane, in dem er seine Erfahrungen als Kriegsberichterstatter und zeitweiliger Gefangener während des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 schildert. Es erschien zunächst vom 25. Dezember 1870 bis zum 26. Februar 1871 als Artikelserie im Vorabdruck in der Vossischen Zeitung und anschließend als Buchausgabe bei Rudolf von Decker im Verlag der Königlichen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei.

InhaltBearbeiten

In dem autobiographischen Werk schildert Fontane seine Erlebnisse als Kriegsberichterstatter, der den deutschen Truppen nach Frankreich gefolgt war, um Material für ein drittes Kriegsbuch zu sammeln. In Domrémy-la-Pucelle wird er am 5. Oktober 1870 gefangen genommen. Bei ihm werden Waffen und Legitimationspapiere für preußische Militärdienststellen gefunden. Außerdem trägt er unbefugt am Arm eine Rotkreuzbinde. Als mutmaßlicher preußischer Spion wird er zunächst von Instanz zu Instanz weitergereicht, um schließlich von einem Militärgericht in Besançon freigesprochen zu werden. Da man jedoch befürchtet, er könne auf Grund seiner militärischen Kenntnisse[1] verwertbare Informationen an Deutschland weitergeben, wird er als Gefangener auf die Île d’Oléron gebracht. Dabei wird dem Zivilisten Fontane auf Grund seines Auftretens und wohl auch seiner guten französischen Sprachkenntnisse (Fontane stammt aus einer ursprünglich in der Gascogne beheimateten Hugenottenfamilie) der Status eines höheren Offiziers (Officier supérieur) zugebilligt. Weiterhin hatte sich der Erzbischof von Besançon für ihn eingesetzt. Dieser Status bringt ihm auf dem langen Transport wie auch in der Gefangenschaft auf der Île d´Oléron viele Vorteile und eine Sonderbehandlung im Vergleich zu den anderen deutschen Kriegsgefangenen.

Auf Intervention Bismarcks beim Gesandten der Vereinigten Staaten in Paris hin wird er vorzeitig freigelassen[2]. Danach durfte er allein durch Frankreich nach Genf reisen.

Fontane schildert die französischen Nachbarn mit großer Sympathie und betont immer wieder die große Menschlichkeit und Fairness, mit der nicht nur er, sondern auch die anderen deutschen Kriegsgefangenen fernab von Hass und Grausamkeit behandelt worden sind, die absolute Korrektheit der französischen Behörden, die die Gefangenen auch vor gelegentlich drohenden Übergriffen des aufgehetzten Straßenpöbels stets bewahrt haben. Kritischer bemerkt Fontane die Behandlung der bei Orléans gefangen genommenen kranken Soldaten[3]. Diese wurden anfangs als normale Kriegsgefangene behandelt, und mehrere starben wegen mangelnder Versorgung. Allerdings erwähnt Fontane auch ausdrücklich, wie sich der Festungskommandant sogar unter Drohung mit dem eigenen Rücktritt für diese Kranken einsetzt, bis diese schließlich zur Versorgung in die örtlichen Lazarette gebracht wurden. Weiterhin zitiert Fontane die Berichte anderer deutscher Soldaten über deren Gefechte und Gefangennahme[4].

Wie in seinen anderen Romanen beschreibt der Vertreter des Realismus in der Literatur die Örtlichkeiten detailreich und die Charaktere mit psychologischem Scharfblick und mit humorvoller Anteilnahme.

AnhangBearbeiten

In späteren Ausgaben sind im Anhang zum Buch Briefe und Dokumente aufgeführt, die im Zusammenhang mit der Kriegsgefangenschaft stehen. Neben der persönlichen Korrespondenz von Theodor Fontane mit seiner Familie und Freunden ist hier unter anderem auch das Schreiben von Bismarck an den US-Gesandten in Paris aufgeführt.

ErstausgabeBearbeiten

  • Theodor Fontane: Kriegsgefangen. Erlebtes 1870. Berlin: Rudolf von Decker 1871.

Weitere AusgabenBearbeiten

  • Theodor Fontane: Kriegsgefangen. Erlebtes 1870. Mit Briefen und Dokumenten. Berlin: Friedrich Fontane & Co. 1914 (Populär-historische Ausgabe)

Fontanes Notizbücher (mit Notizen und Entwürfen zu Kriegsgefangen)Bearbeiten

ForschungsliteraturBearbeiten

  • René Cheval: Die guten Tage von Besançon. In: René Cheval: Anstöße und Rückwirkungen. Literarische Begegnungen zwischen Frankreich und Deutschland. Ausgewählte Aufsätze. Bonn: Bouvier Verlag 1990 (Studien zur Literatur der Moderne, Bd. 18), S. 87–97.
  • Jana Kittelmann: Theodor Fontane Kriegsgefangen. Erlebtes 1870 (1871). In: Hermann Gätje und Sikander Singh (Hrsg.): Übergänge, Brüche, Annäherungen. Beiträge zur Geschichte der Literatur im Saarland, in Lothringen, im Elsass, in Luxemburg und Belgien. Saarbrücken: universaar 2015, S. 103–115.
  • Gabriele Radecke und Robert Rauh: Fontanes Kriegsgefangenschaft. Wie der Dichter in Frankreich dem Tod entging. Berlin: be.bra Verlag 2020 ISBN 978-3-86124-740-1.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Er habe "militärische Augen" denen die Zustände und Vorgänge im Lande, die Befestigungen und Truppenbewegungen nicht entgangen sein würden. (S. 57, Von Besançon bis Lyon)
  2. der entsprechende Brief ist in der Auflage von 1914 als Anlage beigefügt
  3. In Orléans waren viele Soldaten an Typhus erkrankt und nicht transportfähig, als die Stadt von den Bayern geräumt wurde.
  4. Überfall von Ablis, Seite 125ff

WeblinksBearbeiten