Hauptmenü öffnen
Ernst Gorsemann (1886–1960), Skulptur Kriegerwitwe: „Mutter und Kinder“, Bremer Wallanlagen

Kriegerwitwe ist eine Bezeichnung für eine Witwe, deren Mann im Krieg gefallen ist. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Deutschland etwa eine Million Kriegerwitwen als Hinterbliebene beider Weltkriege, die als bedürftig galten, aber auch für ihre Kinder zu sorgen hatten. Weil sie bei einer Wiederverheiratung ihre Rente verloren hätten, lebten Kriegerwitwen eher mit einem Mann unverheiratet zusammen (so genannte Onkelehe[1]).

Erster WeltkriegBearbeiten

 
Paul Sérusier (1864–1927), Kriegerwitwe, 1919
 
Die 1956 von Lidi van Mourik Broekman in Weesp geschaffene Skulptur Witwe mit Kind (weduwe met kind) erinnert an die Kriegswitwen des Zweiten Weltkriegs in den Niederlanden.
 
Statue zu Ehren der Kriegswitwen im Yasukuni-Schrein in Tokio, Japan

Nach dem Ersten Weltkrieg diente als Grundlage zur Versorgung der Kriegerwitwen in Deutschland das Militärhinterbliebenengesetz vom 17. Mai 1907, das jedoch zunächst Stief- und uneheliche Halbwaisenkinder nicht berücksichtigte. Für die im Krieg getrauten Frauen gab es zudem, wenn ihr Ehemann innerhalb von drei Monaten fiel, kein sogenanntes Witwengeld, also keine Bezüge für die nun alleinerziehende Mutter. Das Gesetz sah ferner vor, dass die Versorgung von Offizierswitwen nach den Regeln für Pensionen berechnet wurde, während die Witwen von Mannschaftsdienstgraden pauschal jährlich maximal 540, bei Unteroffizieren 600 und bei Feldwebeln, später immer auch abhängig von der Anzahl der Kinder, 900 Mark erhielten. Hinzu kam für die Frauen noch eine sogenannte Kriegsversorgung.[2][3] Die kommentierende Literatur spricht von einer perfiden Ungerechtigkeit der komplizierten Regelungen, weil die Hinterbliebenenversorgung nur aufgrund des Dienstgrads der im Krieg Gefallenen berechnet wurde und nicht nach deren Zivilstand.[4]

Zweiter WeltkriegBearbeiten

Das Wehrmachtsfürsorge und -Versorgungsgesetz vom 26. August 1938[5] regelte die Versorgung der Soldaten der Wehrmacht. Dem Inhalt nach hielt es sich an die überkommenen Traditionen. Die Versorgung der Unteroffiziere wurde jedoch der der Offiziere angeglichen. Mit der bedingungslosen Kapitulation von 1945 hat die deutsche Wehrmacht zu bestehen aufgehört. Damit waren auch alle öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnisse der aktiven Berufssoldaten erloschen.[6] Das Grundgesetz griff diese Problematik in Art. 131 auf. Das Gesetz zur Regelung der Rechtsverhältnisse der unter Artikel 131 des Grundgesetzes fallenden Personen vom 11. Mai 1951 gewährte den Betroffenen Versorgungsansprüche eigener Art.[7]

Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem etwa 5,3 Millionen deutsche Soldaten fielen[8], gehörten in Westdeutschland zu den Kriegerwitwen (einschließlich der Hinterbliebenen des Ersten Weltkrieges) etwa eine Million Frauen. Sie wurden einerseits von den Ämtern als Bedürftige angesehen, die über private Angelegenheiten Auskunft geben mussten. Andererseits hatten sie aber auch für ihre Kinder zu sorgen.[9]

Zu Anfang der 1950er Jahre übernahm die zentralisierte Kriegsopferversorgung auf höherer Verwaltungsebene die Versorgung der Kriegerwitwen. Das Bundesfamilienministerium propagierte zu dieser Zeit die sogenannte Normalfamilie, in der die Witwen aber nicht zu integrieren waren, denn sie sollten, entsprechend dem damaligen Frauenbild Enthaltsamkeit und Zurückhaltung üben, auch in Bezug auf das Arbeitsleben.[9]

Ein weiteres Problem aus der Sicht der Ämter stellten die sogenannten Onkelehen dar, in denen ein Mann in nichtehelicher Partnerschaft mit einer Witwe lebte, um deren staatliche Versorgung nicht zu gefährden.[9] Sollte die Kriegerwitwe eine neue Ehe eingehen, so hat sie mit Ablauf des Monats, in dem sie heiratet, keinen Versorgungsanspruch mehr. Sie erhält stattdessen eine Abfindung in Höhe des Fünfzigfachen der in diesem Monat zustehenden Grundrente. Sollte die neue Ehe für nichtig erklärt oder aufgelöst werden, lebt der Versorgungsanspruch wieder auf (§ 44 BVG).

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: War widows – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Kriegerwitwe – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Onkelehe
  2. Elisabeth Altmann-Gottheiner: Heimatdienst im ersten Kriegsjahr. (= Jahrbuch der Frauenbewegung. 5.) Teubner, Leipzig/Berlin 1916, OCLC 251000753.
  3. Hermann Luppe: Das Wesen und die Aufgabe der Kriegshinterbliebenenfürsorge im Deutschen Reich. Teubner, Berlin 1917, OCLC 72724129.
  4. Richard Sautmann: Kriegerwitwen im Ersten Weltkrieg. auf suite101.de
  5. RGBl. I S. 1080
  6. BVerfGE 3, 288
  7. Hans F. Zacher: Versorgung der Beamten, Richter und Soldaten in: Darstellung der Alterssicherungssysteme und der Besteuerung von Alterseinkommen. Gutachten der Sachverständigenkommission vom 19. November 1983, S. 137
  8. Zahl der gefallenen Soldaten
  9. a b c Michael Fellner (Rezension): Kriegerwitwen. Lebensbewältigung zwischen Arbeit und Familie in Westdeutschland nach 1945. auf kbl.badw-muenchen.de