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Kreuzstein (Bayreuth)

Ortsteil der Stadt Bayreuth, Bayern, Deutschland
Der namensgebende Kreuzstein am Anwesen Nürnberger Straße 5

Kreuzstein ist ein Ortsteil von Bayreuth.

Inhaltsverzeichnis

NameBearbeiten

 
Plan des Ortsteils
 
Karte von vor 1864

Der Name des Ortsteils lässt sich auf den am Haus Nürnberger Straße 5 befindlichen Kreuzstein aus dem 16. Jahrhundert zurückführen. Er wurde als Sühnezeichen und Gedächtnisstein zum Gedenken an einen Ermordeten am Tatort gesetzt,[1] der allerdings stadtnäher an der Creußener Fuhre, der jetzigen Nürnberger Straße, lag. Der Bayreuther Bürgersohn „Kunzen Vogel“ erstach dort 1583 den Weißgerber Jakob Dülp, der Täter „entlief“ und wurde nie gefasst. 1761 wurde der Kreuzstein an seinen heutigen Standort umgesetzt.[2]

LageBearbeiten

Der Ortsteil wird vom Wohngebiet östlich der Cosima-Wagner-Straße, von der Fichtelgebirgsbahn,[3] vom Ortsteil Oberkonnersreuth und vom Campus der Universität eingerahmt. Die Badeanstalt Kreuzsteinbad befindet sich bereits am östlichen Rand des Stadtteils Birken.

Geschichte und BeschreibungBearbeiten

 
Tor und Taharahaus am Jüdischen Friedhof
 
Reste der Bahnstation, Glasenweiher und Sophienberg, 1986

Das Haus Nürnberger Straße 5, an dessen nordwestlichem Eck der Kreuzstein steht, gehörte früher als Anwesen Nr. 13 zur Gemeinde Oberkonnersreuth. Zusammen mit dem Anwesen Oberkonnersreuth 14 bildete es die Keimzelle des Ortsteils.

Nennenswerte natürliche Gewässer gibt es nicht. Der Glasen- oder Kreuzsteinweiher ist ein Teich, der vom künstlich angelegten Kanalsystem des Tappert gespeist wird.

Hauptachse ist die Nürnberger Straße, die den Ortsteil in seiner ganzen Länge durchzieht. 1877 wurde die Bahnstrecke Nürnberg–Bayreuth als Fichtelgebirgsbahn eröffnet,[4] die ihn nach Nordosten hin begrenzt. Eine Bahnstation erhielt der Ortsteil aber erst an der 1904 fertiggestellten Nebenbahn nach Hollfeld, die sich am neu geschaffenen Abzweig Kreuzstein von der Hauptbahn trennte. Die Station unmittelbar südlich der Kreuzung mit der Nürnberger Straße war zunächst nur „Halteplatz“,[5] wurde aber später infolge der Erweiterung der Gleisanlagen zum Bahnhof Kreuzstein aufgewertet.[6] Dort siedelten sich verschiedene Gewerbebetriebe an, die einen Gleisanschluss erhielten, unter anderem ein Tanklager und ein Schrottplatz. Bedeutung hatte die Station vor allem für die auswärtigen Schüler der nahegelegenen Oberrealschule, des heutigen Graf-Münster-Gymnasiums.

Auf dem gegenüberliegenden Jüdischen Friedhof befinden sich ungefähr 1.000 Gräber. Das erste Begräbnis fand 1786 statt, die offizielle Einweihung erfolgte im Jahr 1787. Wegen seiner Lage unweit des Kreuzsteins wurde er als „Begräbnisstätte oberhalb des Kreuzsteins“ bezeichnet. Das Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Friedhofsgebäude mit dem Taharahaus wurde Ende des 20. Jahrhunderts restauriert. Eine Schändung der Anlage in der Zeit des Nationalsozialismus blieb weitgehend aus.[7]

Die Bahn nach Hollfeld wurde 1998 endgültig stillgelegt, nachdem der Personenverkehr bereits 1974 eingestellt worden war; die Gleise wurden abgebaut. Auf der Trasse wurde ein Fuß- und Radweg angelegt. Schon vorher hatte sich auf dem Gewerbegelände eine Baumaterialienhandlung niedergelassen, die, zum Baugeschäft ausgebaut, Fertigteilgaragen im großen Stil produzierte.

Bis Ende des 20. Jahrhunderts existierte nur eine spärliche Wohnbebauung an der südlichen Nürnberger Straße. Mittlerweile ist ein Teil des einstigen Bahnhofsgeländes bebaut, südlich des jüdischen Friedhofs entsteht ein neues Wohngebiet.

Gebiet zwischen Cosima-Wagner-Straße, Nürnberger Straße, Prieserstraße und dem Stadtteil BirkenBearbeiten

Der westliche Teil dieses Bereichs hat keinen eigenen Namen und wird in diesem Artikel mitbehandelt. Der Hang nördlich des Schützenplatzes und die Bebauung an der beginnenden Nürnberger Straße ließen sich auch dem Ortsteil Dürschnitz zuordnen. Bis um das Jahr 1900 wurde das Gebiet zwischen dem Hofgarten und der späteren Bahnstrecke nach Hollfeld fast ausschließlich landwirtschaftlich und gärtnerisch genutzt.[8] An der stadtnahen Seite liegt mit dem Schützenplatz (damals Schützenwiese) ein Gelände, auf dem sich seit 1746 der Schießplatz der Bayreuther Schützengilde befand. 1851 errichtete sie dort ihr „Schießhaus an der Dürschnitz“, das nach der Einweihung einer neuen Schießanlage in der Saas 1905 wieder abgebrochen wurde. Das alljährlich stattfindende, mehrtägige Schützenfest hatte den Charakter eines Volksfests, mit Bratwurstständen, Drehorgeln, Karussells und gelegentlich einem Zirkus. 1894 wurde es erstmals mit elektrischer Beleuchtung gefeiert.[9]

1871 hatte Richard Wagner den Platz für den Bau seines Festspielhauses in Erwägung gezogen.[10] 1910 wurde auf dem freigewordenen Gelände die Königliche Kreisoberrealschule für Oberfranken (heute Graf-Münster-Gymnasium) eingeweiht. Zwischen 1901 und 1964 befand sich auf dem Gelände des Sportplatzes des Gymnasiums die Bayreuther Stadtgärtnerei.

Die Wohnbebauung erfolgte weitgehend nach der Jahrhundertwende, zunächst an unterschiedlichen Stellen wie der Cosima-Wagner-Straße, dem Schützenplatz und der Nürnberger Straße. Eine konzentriertere Bebauung fand erst ab 1930 statt. Lediglich vereinzelt gab es bereits vorher Wohnhäuser, so an der Schrollengasse (der heutigen Jean-Paul-Straße) ein Anwesen, das der Jean-Paul-Verein 1851 für die Einrichtung eines Kinderheims erwerben konnte. Das spätere Lehrlings- und Schülerheim Jean-Paul-Stift verfügte im Jahr 1974 über 150 Heimplätze.[11] Heute beherbergt die Anlage zudem u. a. eine heilpädagogische Tagesstätte für Kinder von sechs bis vierzehn Jahren.[12]

Das Seniorenstift am Glasenweiher wurde 1992 eingeweiht, Träger ist ebenfalls der Jean-Paul-Verein unter dem Dach der Evangelisch-Lutherischen Kirche. Am östlichen Ende der Lisztstraße befindet sich das Hospitalstift mit einem umfassenden Pflegeangebot.[13]

Handel, Gewerbe und IndustrieBearbeiten

Bedeutendster Industriebetrieb ist die seit 1930 hier ansässige Firma Zapf, ein Unternehmen der Beton- und Fertigteilindustrie mit Schwerpunkt vorgefertigte Serienbauteile.[14] Unter dem Namen Zapf-Beton erlangte sie ab 1961 mit Fertigteilgaragen überregionale Bedeutung.[15]

An der Jean-Paul-Straße existiert nach wie vor im innerstädtischen Bereich eine große Gärtnerei. Entlang der Nürnberger Straße finden sich Tankstellen, eine Autowerkstatt und mehrere Einzelhandelsbetriebe.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Kurt Herterich: Im südöstlichen Bayreuth, S. 122.
  2. Eva-Maria Bast, Heike Thissen: Bayreuther Geheimnisse. 1. Auflage. Bast Medien Service, Überlingen 2014, ISBN 978-3-9816796-1-8, S. 144 ff.
  3. Robert Zintl: Bayreuth und die Eisenbahn. Gondrom, Bindlach 1992, ISBN 3-8112-0780-6, S. 53 ff.
  4. Bernhard Ücker: Die Bayerische Eisenbahn 1835–1920, S. 145.
  5. Robert Zintl: Bayreuth und die Eisenbahn, S. 78.
  6. Robert Zintl: Bayreuth und die Eisenbahn, S. 92.
  7. Norbert Aas / Neue Bayreuther Geschichtswerkstatt: Juden in Bayreuth 1933–1945, S. 145 ff.
  8. Kurt Herterich: Im südöstlichen Bayreuth, S. 117.
  9. Bernd Mayer im Heimatkurier des Nordbayerischen Kuriers 3/2005, S. 14.
  10. Kurt Herterich: Im südöstlichen Bayreuth, S. 161.
  11. Kurt Herterich: Im südöstlichen Bayreuth, S. 135.
  12. Website des Jean-Paul-Vereins (Memento des Originals vom 16. Februar 2013 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.jpv-bayreuth.de, abgerufen am 23. Februar 2013.
  13. Website des Hospitalstifts Bayreuth, abgerufen am 23. Februar 2013
  14. Kurt Herterich: Im südöstlichen Bayreuth, S. 126.
  15. 100 Jahre ZAPF (Memento des Originals vom 13. März 2013 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.zapf-gmbh.de, abgerufen am 21. Februar 2013