Kreuzfahrt

Urlaubsreise auf einem Kreuzfahrtschiff

Als Kreuzfahrt bezeichnet man eine Urlaubsreise auf einem Kreuzfahrtschiff. Diese erfolgt entlang einer festgelegten Route zwischen verschiedenen touristischen Zielen und Häfen, sie ist typischerweise eine Pauschalreise.

Kreuzfahrten waren bis zum Ausbruch der COVID-19-Pandemie zu Beginn des Jahres 2020 bei Reisenden populär. Gemäß einer Schätzung des Guardian nahmen im Jahr 2016 weltweit rund 24 Millionen Passagiere auf 220 Schiffen an einer Kreuzfahrt teil, dem gegenüber stehen lediglich rund 19 Millionen Personen im Jahr 2010. In medialer Wahrnehmung werden zunehmend die Belastung für Mensch und Umwelt durch Kreuzfahrtschiffe beleuchtet.

Der Begriff hat seinen Ursprung in dem niederländischen Wort „kruiser“ aus dem 17. Jahrhundert, der ein kreuzendes (im Sinne von hin und her fahrend) Schiff bezeichnete.[1]

WirtschaftsdatenBearbeiten

Im Jahr 2011 hatte das Kreuzfahrtgeschäft in Deutschland folgende Größenordnungen[2] (Angaben für Flusskreuzfahrten in Klammern):

  • Passagiere: 1,8 Millionen (462.000) Personen
  • Umsatz: 2,4 Milliarden (496 Millionen) Euro
  • mittlerer Reisepreis: 1.710 (1.075) Euro pro Person
  • mittlere Reisedauer: 9,2 Tage

Weltweit unternahmen 2011 erstmals über 20 Millionen Passagiere eine Kreuzfahrt.[3] 2015 waren es rund 22 Mio. Kreuzfahrtpassagiere, 2016 24,7 Mio., 2017 26,7 Mio.[4] Der Schwerpunkt der Reisen lag im Bereich Karibik und Mittelmeer. In sonstigen europäischen Fahrtgebieten waren es noch etwa 12 % der Passagiere.

Nach Angaben des Kreuzfahrtverbandes Cruise Lines International Association (CLIA) und des Deutschen Reiseverbandes (DRV) bildete 2016 Deutschland mit 2,018 Millionen Passagieren nach den USA (11,5 Mio.) und Asien (2015: 2,08 Mio.) den drittgrößten Markt für Kreuzfahrten, der bei 24,7 Mio. Passagieren lag. Das Vereinigte Königreich und Irland stellten gut 1,9 Mio. Passagiere. 6,674 Mio. Europäer machten eine Kreuzfahrt im Jahr 2016.[5][6] Die Zahl der Kreuzfahrtschiffe weltweit wurde mit 448 angegeben.

Die Interessengemeinschaft europäischer Flusskreuzfahrt-Reedereien IG RiverCruise in Basel, die Flusskreuzfahrten zwischen Amsterdam und dem Schwarzen Meer sowie auf Seine, Loire, Rhône und dem Po anbieten, nennt für 2016 eine Passagierzahl von 1,36 Millionen (+2,7 % zum Vorjahr) bei Flusskreuzfahrten ihrer Mitgliedsunternehmen, wobei über 2/3 der Fahrten auf Rhein und Donau stattfanden. Für Deutschland wurden 435.586 (2015: 423.635) Passagiere genannt.[7]

 
Drei außer Betrieb gestellte Flusskreuzfahrtschiffe sind bis auf Weiteres auf der Donau bei der 132 Einwohner zählenden Bauerschaft Pyrawang abgestellt.

Die Zahl der deutschen Kreuzfahrt-Passagiere lag im Jahr 2016 bei 2,018 Millionen, bei deutschen Flusskreuzfahrten nahmen 435.586 Personen teil. Ein Drittel der deutschen Kreuzfahrer war auf den Fahrtgebieten in Nord- und Ostsee unterwegs.
In deutschen Häfen ist in den letzten zehn Jahren eine starke Steigerung bemerkbar; so gab es z. B. in Hamburg im Jahr 2005 erst 40.000 Passagiere, 2016 waren es bereits 722.000 bei 171 Schiffsanläufen.[8] Dabei ist auch das Größenwachstum bei den zahlreichen neuen Kreuzfahrtschiffen bis zum Ausbruch der COVID-19-Pandemie zu beachten.

PassagierzahlenBearbeiten

Weltweit beförderte Passagiere durch Kreuzfahrtschiffe pro Jahr (in Millionen):[9]

Jahr Passagiere
1990 3,774
1991 4,168
1992 4,385
1993 4,728
1994 4,800
1995 4,721
1996 4,970
1997 5,380
1998 5,868
1999 6,337
2000 7,214
2001 7,499
2002 8,648
2003 9,526
2004 10,46
2005 11,18
2006 12,00
2007 14,62
2008 15,77
2009 17,21
2010 18,42
2011 19,37
2012 20,33
2013 20,97
2014 21,55
2015 22,54
2016 24,17
2017 25,16
2018 26,00

Der Bedarf an Kreuzfahrten und an neuen Kreuzfahrtschiffen brach durch die COVID-19-Pandemie fast vollständig zusammen.

GeschichteBearbeiten

Vor dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie 2020Bearbeiten

Die Erfindung der Kreuzfahrt wird der Peninsular and Oriental Steam Navigation Company zugeschrieben. Dieses Unternehmen begann als Schifffahrtslinie zwischen England und der iberischen Halbinsel. 1840 nahm es den Postdienst nach Alexandria auf. Ab 1844 bot es Luxuskreuzfahrten nach Gibraltar, Malta und Athen an. P&O Cruises gelten als ältestes Kreuzfahrtunternehmen Europas.

Im Jahr 1867 nahm Mark Twain an einer mehrmonatigen Kreuzfahrt von New York durch das Mittelmeer teil. Diese wurde durchgeführt mit einem gecharterten Dampfsegler, der Quaker City; etwa einhundert Passagiere nahmen an der Reise teil. Von der Organisationsform war die Reise etwa vergleichbar mit einer Genossenschaft, in die sich die Passagiere einkauften; ein New Yorker Unternehmer trat als Organisator auf. Twain veröffentlichte seine Erlebnisse und Erfahrungen von dieser Reise in seinem Werk Die Arglosen im Ausland. Nach Twains Beschreibungen war das Konzept einer solchen organisierten Seereise damals in den USA eine Neuigkeit.

Als Pionier der Nutzung der freien Winterkapazitäten der Schifffahrtslinien für Kreuzfahrten gilt der deutsche Reeder Albert Ballin, Generaldirektor der Hamburger Hapag. Zuvor waren Passagierschiffe ausschließlich im Linienverkehr eingesetzt. Auch die Schiffe der Hapag lagen in den Wintermonaten im Hafen und brachten der Reederei Verluste, weil ein fahrplanmäßiger Einsatz im Nordatlantik mangels Kundschaft nicht lohnte. 1891 hatte Albert Ballin die Idee, die Schiffe für Vergnügungsreisen in wärmere Gebiete zu nutzen. Die erste Kreuzfahrt war eine zweimonatige luxuriöse Seefahrt der Augusta Victoria. Kaiser Wilhelm II. besuchte das Schiff am Tage der Abfahrt. Von Cuxhaven ging es via Southampton, Gibraltar, Genua nach Kairo, Jerusalem, Damaskus, Constantinopel (Istanbul), Athen und dann via Malta, Neapel und Lissabon zurück nach Hamburg. Unter den 241 Passagieren waren unter anderem Ballin selbst, Friedrich Achelis, Carl Laeisz, Christoph Hellwig Papendieck, Korrespondenten verschiedener Zeitungen und der Maler und Zeichner Christian Wilhelm Allers[10], der einen Bildband „Erinnerungen an die Reise der Augusta Victoria in den Orient“ schuf.[11]

Als das erste als Kreuzfahrtschiff gebaute Schiff der Welt gilt die Prinzessin Victoria Luise der Hamburger Reederei HAPAG, die im Dezember 1900 bei der Werft Blohm & Voss fertig gestellt wurde.

Früher waren Kreuzfahrten ein Eldorado für ältere, betuchte Damen, die eine bequeme Reisemöglichkeit suchten, bei der sie ohne Hotelwechsel die Welt in angenehmer Atmosphäre kennenlernen konnten. Zudem war gesellschaftlicher Anschluss leicht möglich. Da Herren oft in der Minderzahl waren, haben aufmerksame Reedereien ihr Personal um elegante Tänzer und Unterhalter erweitert (Eintänzer, engl. gentleman hosts oder distinguished gents, siehe auch Gigolo).

Die DDR besaß ein Kreuzfahrtschiff; die Plätze für Kreuzfahrten auf der Völkerfreundschaft wurden vorwiegend aktiven Parteimitgliedern angeboten. Diese wurden während der Fahrt intensiv von der Stasi beobachtet mit dem Ziel, Fluchten aus der DDR zu vereiteln.

Seit dem Ausbruch der COVID-19-PandemieBearbeiten

Wegen der COVID-19-Pandemie wurde im Februar 2020 dem Kreuzfahrtschiff „Westerdam“ von fünf Häfen die Einfahrt verweigert, bevor es in Sihanoukville (Kambodscha) anlegen durfte, obwohl es weder Verdachtsfälle noch diagnostizierte Fälle von Covid-19 an Bord dieses Schiffs gab.[12]

Im März 2020 brachen weltweit Reiseveranstalter ihre Kreuzfahrten ab, die Schiffe wurden, sofern sie nicht, unter Quarantäne gestellt, in ausländischen Häfen festgehalten wurden, an den Ausgangsort der Fahrt zurückbeordert.

Die Gäste auf denjenigen Schiffen, auf denen keine COVID-19-Fälle festgestellt wurden, mussten, sofern angesichts teilweise geschlossener Grenzen möglich, den direkten Weg nach Hause antreten und die Abstandsregeln einhalten. Außerdem wurde ihnen empfohlen, sich 14 Tage in Quarantäne zu begeben. Die Namen deutscher Fahrgäste von Schiffen, die in Deutschland anlandeten, wurden den zuständigen Gesundheitsämtern mitgeteilt.[13]

Besatzungsmitglieder mussten oft monatelang an Bord bleiben. Da in den Häfen nicht genügend Plätze für „Dauerparker“ vorhanden sind, durften sich die Schiffe dort nur zum Be- und Entladen aufhalten. Ansonsten mussten sie provisorisch „irgendwo“ vor Anker gehen.

Nicht alle Besatzungsmitglieder durften sich an Bord frei bewegen. Sie wurden allerdings versorgt und durften teilweise Fitnessstudios, Restaurants und Bars nutzen, die sonst nur Fahrgästen zugänglich sind. Trotzdem bildete sich bei vielen im Personal ein „Lagerkoller“, da Staatsangehörige aus bis zu 70 Nationen im Unklaren darüber waren, wann es möglich sein würde, in ihren Heimatstaat zurückzukehren. Im Fall von Mein Schiff 3 konnten bis zum 8. Mai 2020 1200 von 2900 Besatzungsmitgliedern ausgeflogen werden.[14]

Befragungen von (potenziellen) Kreuzfahrtteilnehmern ergaben, dass sie Mühe hätten, mit Kreuzfahrten weiterhin die positiven Vorstellungen zu verbinden, die sie bis 2019 hatten. Ihre Vorfreude werde durch die Vorstellung unterminiert, mit Infizierten zusammen „eingesperrt“ zu sein, kein reguläres Programm und eingeschränkten Service an Bord geboten zu bekommen sowie über die Zeit nach der geplanten Ankunft des Schiffs nicht frei verfügen zu können, bis die Quarantänefrist abgelaufen sei. Das wirke nachhaltig abschreckend, und zwar nicht nur auf, die derartiges tatsächlich erleben, sondern auch auf alle, die von solchen Verhältnissen erfahren. Walter Krombach, ehemaliger Geschäftsführer der Willy Scharnow-Stiftung für Touristik, zeigt daher Verständnis dafür, dass die Nachfrage nach Kreuzfahrten sich in Zukunft vermutlich auf Dauer in Grenzen halten wird. „Ich glaube nicht, dass irgendjemand wirklich glaubt, dass in absehbarer Zeit der Boom nahtlos fortgesetzt werden kann.“, fasst Krombach seine Einschätzung der Lage zusammen.[15]

Andererseits gibt es Menschen, die sich selbst als „Kreuzfahrt-Junkies“ bezeichnen und vermutlich auch in Zukunft für einen Grundbedarf an Kreuzfahrten sorgen werden. COVID-19-bedingte Einschränkungen nehmen sie mit der Begründung in Kauf, dass sie bei einem Urlaub an Land auch mit entsprechenden Einschränkungen zurechtkommen müssten.[16]

Die Arbeitsgruppe „Healthy Gateways“ der Europäischen Union veröffentlichte am 30. Juni 2020 vorläufige Empfehlungen für die Wiederaufnahme des Kreuzfahrtbetriebs.[17][18] Darauf legte die „Cruise Lines International Organization“ ihre „Leitsätze zur Wiederaufnahme des Kreuzfahrtbetriebes“ vor,[19] die sich auf ein detailliertes Hygienekonzept, die Personalschulung und auf Maßnahmen beim Umgang mit infizierten oder infektionsverdächtigen Personen an Bord beschäftigen.

Mehrere Reedereien nahmen den Kreuzfahrtbetrieb im Sommer 2020 wieder auf.[20] Eine Sprecherin von TUI erklärte, dabei gehe es einstweilen nicht darum, wieder Gewinne zu erzielen, sondern darum nachzuweisen, dass Kreuzfahrten auch unter den Bedingungen einer akuten Pandemie möglich seien.[21]

Alexis Papathanassis, Professor für Maritimen Tourismus an der Hochschule Bremerhaven, warf der Kreufahrtbranche vor, sie habe es verpasst, in der COVID-19-bedingten Zwangspause ab dem Frühjahr 2020 die „Kreuzfahrt der Zukunft“ zu entwickeln. Versuche, den Kreuzfahrtbetrieb schon im Sommer 2020, wenn auch stark eingeschränkt, wieder aufzunehmen, hält Papathanassis für verfehlt.[22]

Auf der Roald Amundsen, einem der ersten Schiffe, das nach der COVID-19-bedingten Zwangspause wieder zu einer Kreuzfahrt aufbrechen durfte, waren Ende Juli 2020 nach zwei aufeinanderfolgenden Fahrten zwischen Spitzbergen und dem norwegischen Festland mindestens 36 Besatzungsmitglieder und vier Passagiere positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die Behörden warfen der Reederei vor, die 386 Passagiere nicht sofort nach dem ersten Covid-19-Ausbruch informiert zu haben. Die Passagiere hatten das Schiff im Hafen von Tromsø bereits verlassen, als sich bei den ersten Besatzungsmitgliedern eine Infektion bestätigte. Die Reederei Hurtigruten sagte alle für den August 2020 geplanten Fahrten außer dem Postroutendienst ab.[23]

KreuzfahrtartenBearbeiten

Kreuzfahrten können nach ihrem Fahrtgebiet in Hochsee- und Flusskreuzfahrten unterschieden werden. Hochsee-Kreuzfahrtschiffe sind größer und anders gebaut als Flusskreuzfahrt-Schiffe: Letztere haben wenig Tiefgang, reichen weniger hoch über den Wasserspiegel hinaus (damit sie unter den Flussbrücken hindurchpassen) und sind kürzer (damit sie in jede Schleusenkammer auf der Strecke hineinpassen und auf dem befahrenen Fluss leicht wenden können).

HochseekreuzfahrtBearbeiten

Hauptzweck einer Hochseekreuzfahrt war bis zum Ausbruch der COVID-19-Pandemie zum einen die Nutzung des Freizeitangebots auf den Schiffen, wofür ein umfangreiches Unterhaltungs- und Freizeitprogramm angeboten wurde. Zum anderen konnten die Passagiere fremde Länder und Kulturen kennenlernen, wenn das Kreuzfahrtschiff im Zielgebiet vor Anker (auf Reede) oder im Hafen lag. Dazu boten die Veranstalter oft Tagesausflüge in geführten Gruppen an. Die Fahrt zu den Zielhäfen fand häufig nachts statt, um tagsüber Zeit für Landausflüge zu haben. Bei großen Entfernungen zwischen den Häfen konnten auch reine Seetage notwendig sein.

Die Reisegestaltung war an die Zielgruppe angepasst, da die Passagiere je nach Herkunft unterschiedliche Interessen hatten: Passagiere aus dem deutschsprachigen Raum legten Wert auf viele interessante Häfen. Bei britischen Gästen stand die Seereise im Vordergrund. US-Amerikaner bevorzugten kurze Kreuzfahrten mit einem reichhaltigen Unterhaltungsangebot an Bord. Dazu verfolgten die Anbieter verschiedene Geschäftsmodelle und bieten unterschiedliche Kreuzfahrtarten an:

BilligkreuzfahrtenBearbeiten

Dieses Modell reduzierte die Kosten durch Einschränkungen in Service, Verpflegung und Unterkunft. Die Häfen wurden meist gegen Mittag angelaufen und in den frühen Morgenstunden verlassen, damit der Reisende am Nachtleben an Land teilnehmen konnte. Dieses Geschäftsmodell wurde von EasyCruise genutzt.

Fun-Cruising auf MegaschiffenBearbeiten

 
Megakreuzfahrtschiff Independence of the Seas

Dieses Kreuzfahrtmodell machte Kreuzfahrten für den Massenmarkt interessant, da große Schiffe mit über 2000 Passagieren tiefere Preise ermöglichen. Außerdem bieten diese modernen Schiffe viele Unterhaltungs- und Freizeiteinrichtungen für den Massenmarkt, wie sie bei Resorts und Clubanlagen auf dem Festland üblich sind (z. B. Hochzeitskapellen, Eisbahnen, Kletterwände, Einkaufszentren, Gesundheits-, Sport- und Wellness-Einrichtungen, Bars, Discos, Kasinos und ein kommerzielles Unterhaltungsprogramm). In den USA ist dieses Kreuzfahrtmodell schon seit den 1970er Jahren beliebt. In Deutschland wird es seit den 1990er Jahren in ähnlicher Form von AIDA Cruises angeboten, die das Konzept des Cluburlaubs vom Land auf das Schiff übertragen haben.

Klassische KreuzfahrtBearbeiten

Die klassische Kreuzfahrt hatte eine treue Anhängerschaft in der Luxus- und Mittelklasse. Neben Neubauten wurden einige klassische Ozeandampfer in der Tradition der Transatlantikliner eingesetzt. In der Regel boten sie viel Komfort durch große Kabinen und Suiten und sehr guten Service und vermittelten ein Gefühl von Exklusivität. An Bord waren Ruhe und Erholung wichtig, das Unterhaltungsprogramm umfasste beispielsweise klassische Musik, Theater und Lesungen, traditionelle Bordspiele und verschiedenste Kurse (z. B. Yoga, Gymnastik, Fotografie, Computer). Wichtig auf amerikanischen Schiffen war zudem ein Kasino. Klassische Kreuzfahrten dauerten meist 14 Tage, daneben wurden auch längere Reisen sowie Weltreisen angeboten, die zwischen 90 und 150 Tagen dauern können. Anbieter in Deutschland waren unter anderem Hapag-Lloyd Kreuzfahrten, Transocean Kreuzfahrten sowie Phoenix Reisen.

Kreuzfahrten auf GroßseglernBearbeiten

Eingesetzt wurde eine kleine Zahl von Großseglern, die aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg stammen und modernisiert wurden (z. B. Sea Cloud), aber auch Nachbauten früherer Segelschiffe und komplette Neubauten. Einrichtung und Luxus entsprachen den modernen Kreuzfahrtschiffen. Sie boten daher eine Mischung aus traditioneller Kreuzfahrt und dem Abenteuer des Segelns.

MinikreuzfahrtenBearbeiten

Eine Minikreuzfahrt ist eine Kreuzfahrt mit einer Reisedauer von zwei bis fünf Tagen. Alternative Bezeichnungen sind Kurzkreuzfahrt oder Schnupperkreuzfahrt. Minikreuzfahrten wurden sowohl für die Hochsee als auch auf dem Fluss angeboten. Sie wurden in nahezu alle Destinationen und von nahezu allen Veranstaltern/Reedereien angeboten.

PositionierungskreuzfahrtBearbeiten

Von einer Positionierungskreuzfahrt spricht man, wenn das Schiff nur in einer Richtung benutzt wird, vergleichbar mit der klassischen Passage. Solche Fahrten wurden häufig beim Revierwechsel der Schiffe in Frühjahr und Herbst angeboten. Auch die Bezeichnung Transreisen wird verwendet.

Studien-/ExpeditionskreuzfahrtBearbeiten

Eine Studienkreuzfahrt bietet Aspekte des Kulturtourismus. So orientieren sich Routen an historischen, kunstgeschichtlichen oder geographischen Sehenswürdigkeiten. Landausflüge unter qualifizierter Leitung und Vor- und Nachbereitung an Bord durch Lektoren ersetzen das Entertainment.

Expeditionskreuzfahrten erfordern entsprechend ausgerüstete Schiffe, um eisführende Gewässer in den Polarregionen oder flachere Gewässer in Küstennähe befahren zu können. Teilweise kommen auch spezielle Schiffstypen wie beispielsweise Eisbrecher zum Einsatz. Um eine solche Fahrt zu unternehmen, müssen die Schiffe mit modernen Geräten ausgestattet sein. Sie bieten meist sehr komfortable Kabinen. Die Schiffe sind so ausgelegt, dass etwa 200 Passagiere Platz haben. Auf Expeditionskreuzfahrten gibt es kaum Unterhaltung und Animation. Expeditionsschiffe sind hochseetauglich und gleichzeitig klein genug, um auch in schmale Passagen, Fjorde oder große Flüsse (Amazonas) einzufahren. Zudem besitzen zahlreiche Expeditionskreuzfahrtschiffe eine Eisklasse, die den Einsatz in polaren Gewässern ermöglicht. Typische Expeditionskreuzfahrtschiffe sind z. B. die Expeditionsklasse von Hapag-Lloyd Cruises. Expeditionskreuzfahrten in die polaren Regionen der Erde (Arktis, Antarktis) werden manchmal von Wissenschaftlern begleitet, die an Bord für die Passagiere Vorträge über die einzelnen Destinationen und Regionen halten.[24]

TauchsafariBearbeiten

 
Ein Tauchsafariboot im Roten Meer

Die Tauchsafari oder Tauchkreuzfahrt ist eine spezielle Form der Kreuzfahrt, bei der eine Gruppe von Gerätetauchern mit einem Tauchboot von einem Tauchgebiet zum nächsten fährt, um dort zu tauchen und dabei auf dem Schiff isst und übernachtet.,[25]

ThemenkreuzfahrtBearbeiten

Klassische Kreuzfahrten können als Themenkreuzfahrten angeboten werden. Dabei steht die gesamte Reise unter einem Thema oder Motto (z. B. Golf, Musik, Literatur, Essen und Trinken), an dem sich auch die Route orientiert. Ein Beispiel für eine Themenkreuzfahrt zu Musik ist die Full Metal Cruise.

TransatlantikkreuzfahrtBearbeiten

Im Gegensatz zu einer normalen Kreuzfahrt zeichnet sich eine Transatlantikkreuzfahrt in der Regel durch eine größere Anzahl aufeinanderfolgender Seetage aus. Während es bei einer normalen Kreuzfahrt häufig um die Häfen geht, steht bei einer Transatlantikkreuzfahrt meist das Schiff an sich im Mittelpunkt. Einige Transatlantikkreuzfahrten folgen den Routen der alten Transatlantikliner. Es gibt jedoch auch abweichende moderne Routen beispielsweise durch den Nordatlantik mit Anläufen in Island und Neufundland, die nur eine geringe Anzahl von aufeinanderfolgenden Seetagen haben.

Von vielen Reedereien werden Transatlantikkreuzfahrten im Rahmen der Repositionierung von Kreuzfahrtschiffen angeboten. Da einige Schiffe nur die Sommersaison in Europa verbringen und im Winter in der Karibik oder in Südamerika eingesetzt werden, finden diese dann typischerweise im Herbst in Westrichtung und im Frühjahr in Ostrichtung statt.

FlusskreuzfahrtBearbeiten

 
Flusskreuzfahrt-Schiff auf dem Main in Kitzingen

Bei einer Flusskreuzfahrt werden ausgewählte Orte an den befahrenen Flüssen angesteuert und den Passagieren nach Bedarf (geführte) Landgänge angeboten.[26] Aber auch der Genuss der Landschaft beiderseits des befahrenen Flusses ist ein Reisezweck. Deshalb halten im Gegensatz zu den Hochseekreuzfahrtschiffen Flussschiffe vorwiegend über Nacht.[27]

Flusskreuzfahrtschiffe haben einen relativ niedrigen Tiefgang, damit die Fahrt auch bei Niedrigwasser stattfinden kann. Weniger als 1,50 Meter Tiefgang mit Passagieren, Ladung und Treibstoff zu erreichen, ist den meisten Flusskreuzfahrtschiffen jedoch nicht möglich.[28] Sie sind auch so konstruiert, dass ihre Aufbauten bei erlaubten Hochwasserfahrten mit keiner Brücke auf der Strecke kollidieren können (sollen) und dass sie nicht zu lang für Schleusen sind. Aus den notwendigerweise begrenzten Ausmaßen eines Flusskreuzfahrtschiffs ergibt sich eine relativ niedrige Zahl an Fahrgästen; ca. 200 von ihnen haben maximal Platz an Bord.[29]

Bei starkem Hochwasser kann der Schiffsverkehr auf einer Flussstrecke eingestellt werden. Sowohl bei extremem Hochwasser als auch bei extremem Niedrigwasser besteht das Risiko, dass Fahrten nicht oder nicht mit dem geplanten Programm bzw. nicht im versprochenen Umfang durchgeführt werden können.[30][31] Wenn Reedereien wegen Niedrigwassers ihre Routen ändern müssen, bekommen Urlauber oft einen Teil des Geldes zurück. Konkret lässt sich der Reisepreis anteilig mindern, wenn bestimmte Stopps unterwegs und Ausflüge ersatzlos gestrichen werden müssen. Diese Ansprüche bestehen, obwohl der Anbieter nichts für niedrige Pegelstände kann. Fällt der Höhepunkt einer Reise absehbar aus, haben Kunden das Recht, vom Vertrag zurückzutreten. Dann gibt es das gesamte Geld zurück.[32]

Trotz der durch das Niedrigwasser auf europäischen Flüssen im zweiten Halbjahr 2018 verursachten Probleme bewertet die A-ROSA Flussschiff GmbH das Geschäftsjahr 2018 als „sehr erfolgreich“.[33]

Personal an BordBearbeiten

Auf Kreuzfahrtschiffen gibt es verschiedene Kategorien von Besatzung. Darunter fallen Offiziere, Mannschaft und Personal, bei größeren Schiffen gibt es auch noch Zwischenstufen. Offiziere sind Angestellte mit besonderer Verantwortung und Entscheidungsbefugnis, die in den Bereichen Nautik, Technik oder Hotel arbeiten. Der größte Teil der Besatzung ist die Mannschaft, die ebenso in den drei Bereichen arbeitet. Zum Personal zählen alle Mitarbeiter, die entweder über externe Unternehmen (Konzessionäre) oder in Geschäften, Schönheits-/Haarsalons und Kasinos an Bord arbeiten. Das zahlenmäßige Verhältnis von Personal zu Gästen beträgt etwa 1 zu 3, auf Luxusschiffen oft sogar 1 zu 1,5. Auf den größten Kreuzfahrtschiffen arbeiten über 2000 Menschen. Das Service-Personal wird Steward oder Stewardess genannt. Das Verhalten von Mitarbeitern mit direktem Kundenkontakt ist wie in jedem Unternehmen von besonderer Bedeutung.

ArbeitsbedingungenBearbeiten

Kreuzfahrtschiffe sind personell straff organisiert und fahren unter der Flagge eines internationalen Zweitregisters bzw. sogenannten Gefälligkeitslandes wie Panama, den Bahamas oder Liberia. Diese Länder haben schwächere Arbeitsschutzgesetze, sodass die Besatzung entsprechend wenig Rechte an Bord hat. Crewmitglieder haben befristete Arbeitsverträge mit einer Vertragsdauer von bis zu zwölf Monaten. Die Schichten dauern häufig bis zu 12 Stunden pro Tag bei sieben Tagen pro Woche. Die Freizeitmöglichkeiten an Bord sind für viele Mitarbeiter auf den Personalraum beschränkt. Lediglich höhere Angestellte, zum Beispiel Offiziere, dürfen Teile der öffentlichen Passagierbereiche nutzen.

Folgende Flaggen werden (Oktober 2018) von der ITF als Billigflaggen geführt[34]:

KritikBearbeiten

Kreuzfahrten stehen auf Grund ihrer vielseitigen Auswirkungen unter beständiger öffentlicher Kritik. Diese erfolgt primär hinsichtlich der Umwelt- und Gesundheitsschäden, die der Kreuzfahrt-Tourismus verursacht. Die Kritik umfasst aber auch Aspekte der Steuer-Gerechtigkeit, der Arbeitsbedingungen der Crew und die Auswirkungen auf Umwelt und Wirtschaft der Zielhäfen.

Ökonomische AuswirkungenBearbeiten

Die von Kreuzfahrten ausgehenden Umsätze entstehen zum einen direkt in der Kreuzfahrtindustrie (z. B. bei Werften, Reedereien, spezialisierte Reiseveranstalter), zum anderen werden Umsätze im ergänzenden touristischen Bereich (z. B. Einzelhandel, Souvenirindustrie, Reiseversicherungen, Verlage für Reiseliteratur) erzeugt.

In den angelaufenen Destinationen entstehen Einnahmen durch Ausgaben der Passagiere (Ausflüge, Einkäufe usw.), der Crew (Einkäufe) sowie für das Schiff (Hafengebühr, Abfallentsorgung, Wasserversorgung usw.), Steuereinnahmen und Ausgaben wie Marketing und Personal. Dadurch steigen Nachfrage und Preisniveau und erhöhen damit die Kaufkraft der lokalen Nutznießer der Kreuzfahrtindustrie. Für die unbeteiligte lokale Bevölkerung wirkt sich das steigende Preisniveau hingegen negativ aus und senkt deren Kaufkraft.

 
Die Ruby Princess im Canale della Giudecca, Venedig

Verglichen mit landseitigen Tourismus sind die Einnahmen der Destinationen geringer, da die Passagiere auf dem Kreuzfahrtschiff übernachten und dort verköstigt und unterhalten werden.

Der internationale Kreuzfahrttourismus ist ein Sektor der Tourismusindustrie, der bis zum Ausbruch der COVID-19-Pandemie überdurchschnittliche Wachstumsraten aufzuweisen hatte und zu einer erheblichen Polarisierung der Diskussion über Kosten und Nutzen dieser Form von Massentourismus führte. Ver- und Entsorgung sind überdurchschnittlich geregelt. Dennoch verursachten die hohe Anzahl der Schiffe und ihrer Fahrgäste und das Verhalten einiger Schiffsführungen vor Ausbruch der COVID-19-Pandemie Belastungen.

Soziokulturelle AuswirkungenBearbeiten

Durch das Durchschleusen großer Menschenmassen werden die Anlegeorte stark belastet. Einige von ihnen, zum Beispiel Venedig, begannen sich in den 2010er Jahren dagegen zu wehren. Misslich sind auch die Arbeitsbedingungen auf den Kreuzfahrtschiffen.[35]

Ökologische AuswirkungenBearbeiten

Kreuzfahrten stehen auf Grund ihrer hohen Umwelt- und Gesundheitsbelastung in deutlicher und internationaler Kritik. Diese erfolgt dabei von verschiedener Seite, darunter Experten und Umweltschutzorganisationen wie dem NABU. Die Kritik bezieht sich dabei auf verschiedene Aspekte der Kreuzfahrten, primär die Luftverschmutzung mit den daraus resultierenden Belastungen für die Gesundheit und den Massentourismus. International haben sich in den Jahren ab 2017 zudem verschiedene lokale Bewegungen organisiert, welche die Auswirkungen des Tourismus per Kreuzfahrt kritisieren, im europäischen Raum insbesondere in Palma de Mallorca und Venedig.

Darüber hinaus wird auch grundsätzliche Konsumkritik geübt, etwa auf Grund der hohen Abfall-Menge und der mangelnden Interaktion zwischen Kreuzfahrt-Touristen und lokaler Kultur und Wirtschaft.

Ein durchschnittliches Kreuzfahrtschiff produziert laut Daten der internationalen Meeresschutzorganisation Oceana täglich bis zu 7 Tonnen Abfall.[36]

Dem Experten für Kreuzfahrt-Tourismus Frank Herrmann nach sind, mit Stand 2018, lediglich einzelne „Vorzeigeschiffe“ mit modernen Filteranlagen ausgestattet, die Schwefeloxid-, Stickoxid-, Ruß-, Feinstaub- und Schwermetall-Ausstoß reduzieren. Kreuzfahrten nutzen für Hochsee-Fahrten Schweröl. Die Motoren laufen auch im Hafen permanent, um den Energiebedarf für Unterhaltungsangebote zu decken.[37]

Nach einer 2019 veröffentlichten Untersuchung der Umweltverband-Dachorganisation Transport and Environment verursachte alleine der Konzern Carnival Corporation mit seinen Marken Aida, Costa und Cunard im Jahr 2017 eine zehnmal größere Schwefeloxid-Menge, als alle 260 Millionen in Europa befindlichen PKW zusammen. Der kleinere Konkurrent Royal Caribbean Cruises produzierte die vierfache Menge der gesundheitsschädigenden Abgase gegenüber allen Autos.[38]

Rußfilter für große Kreuzfahrtschiffe gibt es mit Stand von 2018 noch nicht.[39] Die ebenfalls ungefilterten CO2-Emissionen von etwa 200–300 kg pro Passagier und Tag zuzüglich Anreisen verstärken den Treibhauseffekt. Manche Kreuzfahrtschiffe werden für einen Betrieb mit Methan ausgerüstet. Das mindert zwar die Luftverschmutzung durch Partikel, ist aber aufgrund des Methanschlupfs noch klimaschädlicher als der Betrieb mit Diesel.[40] Als alternative Kraftstoffe kommen unter anderem Ammoniak oder Wasserstoff in Frage.[40]

Vereinbarkeit mit den Erfordernissen des InfektionsschutzesBearbeiten

Im Zuge der COVID-19-Pandemie ab dem Frühjahr 2020 zeigte sich, dass das Geschäftsmodell „Kreuzfahrten“ nur schwer mit den Erfordernissen zu vereinbaren ist, die der Infektionsschutz in Zeiten akuter Pandemien erfordert. Das Prinzip der „Räumlichen Distanzierung“ ist schwer einzuhalten, zumal bei Passagieren, die unter Quarantäne fallen, Landgänge ausfallen. An Bord werden in Pandemiezeiten Showveranstaltungen u. ä. gestrichen, bei denen sich viele Passagiere in einem großen Raum versammeln.

Umweltschutzmaßnahmen in der KreuzfahrtindustrieBearbeiten

Umweltschutzmaßnahmen können seitens der Staaten, der Kreuzfahrtverbände, den einzelnen Kreuzfahrtunternehmen und von Umweltschutzverbänden ergriffen werden. Kreuzfahrtschiffe müssen internationale, nationale und regionale Gesetze und Regelungen beachten, da sie auch die jeweiligen Gewässer befahren. Die International Maritime Organization (IMO) ist als maritime Abteilung der UN für gesetzliche Regelungen im weltweiten Schiffsverkehr zuständig und somit ebenfalls für Umweltregelungen auf Kreuzfahrtschiffen. Die IMO erließ das weltweite Übereinkommen zum Gewässerschutz die „International Convention for the Prevention of Pollution from Ships“ (auch MARPOL genannt). MARPOL regelt das Einleiten von Abwässern, die Ölentsorgung, den Emissionsausstoß und die Abfallentsorgung auf Schiffen. Kreuzfahrt-Branchenverbände wie die Cruise Lines International Association (CLIA)[41] setzen sich ebenfalls für den Umweltschutz ein und veröffentlichten eigene freiwillige Umweltrichtlinien. Einige Kreuzfahrtunternehmen investieren in emissionsärmere und ressourcenschonende Antriebsmaschinen, effektive Wasseraufbereitungsanlagen, Ölfilteranlagen, Verbrennungsanlagen und Recyclingsysteme.[42]

Gegen die Invasion fremder Spezies über das Ballastwasser (Hemerochorie) gibt es schon Technologien auf modernen Kreuzfahrtschiffen wie der AIDAstella. Viele Kreuzfahrtunternehmen installieren Programme zur Vermeidung gefährlicher Chemikalien und Abfälle und zum Schutz von Korallenriffen.

 
Überführung der auf der Meyer Werft gebauten AIDAdiva im März 2007 durch die Emsmarsch im Landkreis Leer

Ein spezielles Problem stellt der Bau großer Schiffe durch die Meyer Werft in Papenburg dar. Damit in Papenburg gebaute große Kreuzfahrtschiffe auf der Ems von Papenburg nach Eemshaven fahren können, muss der Wasserstand der Ems zeitweilig gestaut werden. Der nötige Überführungswasserstand wird durch die Schließung des Emssperrwerks in Gandersum gewährleistet. Umweltverbände machten geltend, dass durch Sommerstaus 500 Hektar Fläche in Vogelschutzgebieten überflutet würden und mindestens 1000 Jungvögel ertrinken und Gehege vernichtet würden.[43] Seit 2012 werden in den Sommermonaten keine Schiffe mehr von der Meyer Werft in die Nordsee überführt.

Die größten KreuzfahrtschiffeBearbeiten

Seit den mittleren 1990er Jahren ist ein stetiges stärkeres Wachstum des Kreuzfahrtsegments zu beobachten, es wurde ein regelrechter „Bauboom“ bei großen (über 100.000 BRZ) und vor allem sehr großen Passagierschiffen (über 150.000 BRZ) ausgelöst. Im Folgenden sind alle im Jahr 2017 in Fahrt befindlichen Kreuzfahrtschiffe über 150.000 BRZ aufgelistet:[44]

  1. Harmony of the Seas (226.963 BRZ, 5.479 PAX, Royal Caribbean Cruise Line)
  2. Allure of the Seas (225.282 BRZ, 5.400 PAX, Royal Caribbean Cruise Line), Oasis of the Seas (225.282 BRZ, Royal Caribbean Cruise Line)
  3. Anthem of the Seas (168.666 BRZ, 4.180 PAX, Royal Caribbean Cruise Line), Quantum of the Seas (168.666 BRZ, 4.180 PAX, Royal Caribbean Cruise Line), Ovation of the Seas (168.666 BRZ, 4.180 PAX, Royal Caribbean Cruise Line)
  4. MSC Meraviglia (167.600 BRZ, 4.500 PAX, MSC Kreuzfahrten)
  5. Norwegian Escape (165.157 BRZ, 4.266 PAX, Norwegian Cruise Line), Norwegian Joy (165.157 BRZ, 3.900 PAX, Norwegian Cruise Line)
  6. MSC Seaside (160.000 BRZ, 4.140 PAX, MSC Cruises)
  7. Norwegian Epic (155.873 BRZ, 4.200 PAX, Norwegian Cruise Line)
  8. Freedom of the Seas (154.407 BRZ, 3.634 PAX, Royal Caribbean Cruises), Liberty of the Seas (154.407 BRZ, 3.634 PAX, Royal Caribbean Cruises), Independence of the Seas (154.407 BRZ, 3.634 PAX, Royal Caribbean Cruises)
  9. Genting Dream (151.300 BRZ, 3.360 PAX, Dream Cruises)

Große Kreuzfahrt-ReedereienBearbeiten

VertriebskanäleBearbeiten

Kreuzfahrten wurden 2008 hauptsächlich über Reisebüros und Reiseveranstalter gebucht, besonders bei so genannten Cruise-only-Agenturen, die sich auf den Vertrieb von Kreuzfahrten spezialisiert haben. Zu den größten deutschen Kreuzfahrtanbietern (Cruise-only-Agenturen) zählen (Stand 2008) der Atlantic Seereisedienst und der Elbflorenz Reisedienst, die jeweils einen Marktanteil von ungefähr 10 % haben. 2008 wurden 77,7 % der Hochseekreuzfahrten über Reisebüros, 11 % über Reiseveranstalter und 6,8 % direkt bei der Reederei gebucht.

E-Commerce konnte sich 2008 in der Kreuzfahrtenbranche noch nicht durchsetzen: 4,5 % der Hochseekreuzfahrten und 4,3 % der Flusskreuzfahrten wurden per Internet gebucht. Viele Kunden informieren sich im Internet bei sogenannten Bewertungsportalen; anschließend buchen sie über Reisebüros, Reiseveranstalter oder direkt über das Bewertungsportal.

PassagierrechteBearbeiten

Auch bei Schiffsreisen haben Passagiere Fahrgastrechte. Werden diese verletzt, liegt ein Reisemangel vor, der den Passagier zu Preisminderungen, Ersatzansprüchen oder Entschädigungen berechtigen kann.[45]

Mann-über-Bord bei KreuzfahrtenBearbeiten

Immer wieder gehen Passagiere auf Kreuzfahrtschiffen über Bord. Einer Schätzung der Berliner Zeitung anlässlich des Todes von Daniel Küblböck im Jahr 2018 nach gehen jährlich bis zu 20 Personen über Bord.[46] Eine Erhebung aus dem Jahr 2011 listet für die vorangegangene Dekade insgesamt 159 Passagiere und Crewmitglieder, die über Bord gegangen sind. Von diesen konnten lediglich 33 gerettet werden.[47]

Als Ursache für eine Mann-über-Bord-Situation seien sowohl Unfälle wie auch Suizid oder Verbrechen denkbar. Betroffene bleiben oft verschollen.

Einheitliche Sicherheitsstandards zur Vermeidung solcher „Mann-über-Bord“-Notfälle gibt es aktuell nicht. Daher fallen die technischen Lösungen der Reedereien unterschiedlich aus.

Eine aus dem Kreis von Angehörigen auf Kreuzfahrtschiffen verschwundener Passagiere gegründete Initiative, die International Cruise Victims Organisation (ICV), setzt sich für die Aufklärung und Vermeidung dieser Vorfälle ein. Der Organisation nach seien Reedereien daran interessiert, Todesfälle „totzuschweigen“. Entsprechend würde auf Vermisstenanzeigen verzichtet und die Aufklärung aus Angst vor negativen Presseberichten nicht priorisiert.

„In der Kreuzfahrtindustrie besteht ein Verantwortlichkeitsproblem. Sobald du an Bord gehst, befindest du dich auf ausländischem Boden und bist der Polizei des Dritte-Welt-Landes ausgeliefert, in dem das Schiff registriert ist.“

Kendall Carver, International Cruise Victims Association (ICV)[47]

Im Jahr 2010 wurde von Barack Obama der „Cruise Vessel Security and Safety Act“ unterzeichnet. Nach diesem US-Gesetz sind Kreuzfahrtunternehmen zur schnellen Meldung von Vermissten-Fällen verpflichtet; die US-amerikanischen Behörden FBI und US Coast Guard sind zudem zu Ermittlungen befugt, unabhängig der Beflaggung eines Schiffes.[47]

PopulärkulturBearbeiten

Seit Jahrzehnten gibt es erfolgreiche Kreuzfahrt-Fernsehserien; diese gelten als ein maßgeblicher Faktor, der diese Urlaubsform populär gemacht hat. Das ZDF strahlt seit 1981 die Serie Das Traumschiff aus, inspiriert unter anderem durch die Serie Love Boat. Die ARD begann am 11. Januar 2010 im Nachmittagsprogramm mit der Serie Verrückt nach Meer, am 10. Januar 2017 wurde die 200. Episode gesendet.

LiteraturBearbeiten

In den einzelnen Rubriken nach der Reihenfolge des Erscheinens

KreuzfahrtmarktBearbeiten

  • Otto Schüßler: Passagier-Schifffahrt. Ein Handbuch für Reiseverkehrskaufleute in Ausbildung und Praxis. Ausführliche Informationen über Kreuzfahrten, Flusskreuzfahrten, Fährschiffe, Frachtschiffe, Boots- und Yachtreisen. DRV, Frankfurt am Main, 2. Aufl. 2005, ISBN 3-929835-29-0.
  • Bob Dickinson, Andy Vladimir: Selling the sea. An Inside Look at the Cruise Industry. Wiley, Hoboken, NJ 2008, ISBN 978-0-471-74918-9.
  • Axel Schulz: Verkehrsträger im Tourismus. Luftverkehr – Bahnverkehr – Straßenverkehr – Schiffsverkehr. München 2009, ISBN 978-3-486-58876-7.
  • Peter Tönishoff: Trends in der Kreuzschifffahrt. In: Schiff & Hafen, Heft 9/2011, Seehafen-Verlag, Hamburg 2011, ISSN 0938-1643, S. 32 ff.
  • Christian Eckardt: Aktuelle Trends auf Kreuzfahrtschiffen. In: Hansa, Heft 9/2013, ISSN 0017-7504, S. 22–25.
  • Wolfgang Gregor: Der Kreuzfahrtkomplex. Traumschiff oder Alptraum. Hamburg 2016, ISBN 978-3-7345-5373-8.

Arbeitsbedingungen, soziale und ökologische AuswirkungenBearbeiten

BerichteBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Kreuzfahrten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Duden Herkunftswörterbuch, 3. Auflage 2001, ISBN 3-411-04073-4, S. 453: „kreuzendes (das heißt zu Aufklärungszwecken hin und her fahrendes) Schiff; ...“. Brockhaus Wahrig. Deutsches Wörterbuch, Großwörterbuch. Renate Wahrig-Burfeind, 9. vollständig aktualisierte Ausgabe 2011, ISBN 978-3-577-07595-4, S. 893: „Kriegsschiff, das hin- und herfahrend eine Küste schützt“.
  2. Exklusive DRV-Analyse „Kreuzfahrtenmarkt 2011“: Über 1,8 Mio Urlauber auf See und Flüssen – der Markt wächst weiter. In: drv.de. 8. März 2012, archiviert vom Original am 12. März 2012; abgerufen am 28. April 2019.
  3. Passagierrekord – Kreuzfahrtbranche knackt 20-Millionen-Grenze. In: spiegel.de. 11. September 2012, abgerufen am 11. November 2019.
  4. Alle Zeichen auf Wachstum · Kreuzfahrtbranche sieht sich als wichtigen Wirtschaftsfaktor in Europa. In: Täglicher Hafenbericht vom 13. Juli 2018, S. 13
  5. Klaus Meyer, Burkhard Ilschner: Massenpassagierhaltung – auf ewig krisenfest? In: Waterkant 2-17, 32. Jahrgang, Heft 126 von Juni 2017, ISSN 1611-1583, S. 13–16
  6. Eckhard-Herbert Arndt: Cruise profitiert von Seelust der Europäer · Fast sieben Millionen Passagiere im Jahr 2016 · Mittelmeerregion und Nordeuropa als Destination sehr gefragt. In: Täglicher Hafenbericht vom 17. März 2017, S. 4
  7. Frank Binder: Kreuzfahrtbranche weiter auf Rekordkurs · 11,3 Prozent Wachstum. In: Täglicher Hafenbericht vom 10. März 2017, S. 1
  8. Iven Krämer: Deutsche Häfen und Werften vor neuen Herausforderungen · Kreuzschifffahrt-Boom. In: Schiff & Hafen, Heft 3/2017, S. 64–68
  9. Growth of the Ocean Cruise Line Industry. In: cruisemarketwatch.com. Abgerufen am 19. Februar 2020 (englisch).
  10. Passagierliste der Augusta Victoria 22.1.–22.3.1891 – Anlage zum Reisebericht „Backschisch“ von C.W. Allers. In: cwallers.de. 18. August 2012, abgerufen am 14. August 2019.
  11. C.W. Allers: Backschisch. Die erste deutsche Kreuzfahrt im Jahre 1891. Hrsg. von Gerd Fahrenhorst, Berlin 2008, ISBN 978-3-86805-159-9.
  12. Kreuzfahrtschiff in Kambodscha – Die Odyssee der "Westerdam". In: tagesschau.de. 13. Februar 2020, abgerufen am 9. August 2020.
  13. Ozeanriesen brechen Reisen ab: Es wird eng am Kreuzfahrtterminal. In: buten un binnen. Radio Bremen, 2. April 2020, abgerufen am 7. August 2020.
  14. Lagerkoller auf Luxusdampfer: Crew-Mitglieder mit den Nerven am Ende. In: buten un binnen. Radio Bremen, 8. Mai 2020, abgerufen am 7. August 2020.
  15. Kreuzfahrt: Soll der Staat die Branche retten? In: ardmediathek.de. Panorama-Magazin, 11. Juni 2020, abgerufen am 5. August 2020.
  16. Florence-Anne Kälble: Neustart in der Kreuzfahrt - Corona: Wieder unbesorgt in See stechen? zdf.de, 24. Juli 2020, abgerufen am 9. August 2020.
  17. Interim advice for restarting cruise ship operations after lifting restrictive measures in response to the COVID-19 pandemic. In: healthygatesways.eu. 30. Juni 2020, abgerufen am 7. August 2020 (englisch).
  18. EU Leitlinien zur Wiederaufnahme Kreuzfahrtbetriebes. In: seereisenportal.de. 2. Juli 2020, abgerufen am 7. August 2020.
  19. Leitsätze zur Wiederaufnahme des Kreuzfahrtbetriebes. In: schiffsportal.de. Abgerufen am 7. August 2020.
  20. Pandemie auf hoher See - Das ist die Corona-Lage bei Kreuzfahrten. In: zdf.de. 3. August 2020, abgerufen am 7. August 2020.
  21. Florence-Anne Kälble: Neustart in der Kreuzfahrt - Corona: Wieder unbesorgt in See stechen? zdf.de, 24. Juli 2020, abgerufen am 9. August 2020.
  22. Thorsten Brockmann: Experte: Kreuzfahrten-Neustart kommt zu früh. In: nord24.de. 24. Juli 2020, abgerufen am 7. August 2020.
  23. Nach Corona-Ausbruch: Hurtigruten stoppt Kreuzfahrten. In: tagesschau.de. 3. August 2020, abgerufen am 9. August 2020.
  24. Edgar S. Hasse: Am Rosenmontag mit der „Bremen“ zum kältesten Kontinent. In: abendblatt.de. 6. Februar 2018, abgerufen am 26. Januar 2020.
  25. Virginia Maxwell, Mary Fitzpatrick, Siona Jenkins und Anthony Sattin: Ägypten, Plant Publication Pty., Melbourne Oktober 2006, ISBN 978-3-8297-1562-1, S. 492.
  26. Kreuzfahrt. In: reiserecht.ch. LawMedia AG, abgerufen am 7. Februar 2020.
  27. Axel Schulz: Arten von Flusskreuzfahrten. In: tourismus-schulz.de. Abgerufen am 9. Februar 2020.
  28. Niedrigwasser behindert erneut Flusskreuzfahrten. In: worldwidewave.de. 19. Oktober 2018, abgerufen am 5. Februar 2020.
  29. Neuer Trend Flusskreuzfahrten. Das sind die beliebtesten Kreuzfahrtflüsse in Europa. In: focus.de. 26. April 2013, abgerufen am 26. April 2020.
  30. Deutsche Flüsse – Wenn die Kreuzfahrt wegen Niedrigwasser abgebrochen wird. In: spiegel.de. 3. August 2018, abgerufen am 23. Mai 2020.
  31. Flussreisen bei Hochwasser oder Niedrigwasser. Probleme und Lösungen. In: leinen-los-kreuzfahrten.de. 6. Juni 2013, abgerufen am 16. März 2020.
  32. Deutsche Flüsse: Niedrigwasser führt zu Änderungen bei Flusskreuzfahrten (dpa-Meldung). fvw.de, 22. Oktober 2018
  33. Erfolgreiche Bilanz des Geschäftsjahres 2018. Pressemitteilung der A-ROSA Flussschiff GmbH. In: news.cision.com. 8. Februar 2019, abgerufen am 31. März 2020.
  34. Billigflaggen. (Nicht mehr online verfügbar.) In: itfglobal.org. Archiviert vom Original am 10. Juli 2018; abgerufen am 5. Juni 2020.
  35. Wolfgang Meyer-Hentrich: Wahnsinn Kreuzfahrt. Gefahr für Natur und Mensch. Ch. Links Verlag, Berlin 2019, S. 65–74.
  36. Protect Our Oceans: Stop Cruise Ship Pollution. (PDF; 32,5 KB) In: oceana.org. Archiviert vom Original am 12. Februar 2020; abgerufen am 12. Februar 2020.
  37. ZDF makro: Ökologisch verreisen – Experte: Kreuzfahrten belasten Umwelt stark, zdf.de, 25, Mai 2018. Abgerufen am 13. August 2019.
  38. Till Barterls: Umweltsünder Kreuzfahrtschiffe: Das sind die dreckigsten Hafenstädte und Reedereien, Stern-Website, 6. Juni 2019. Abgerufen am 13. August 2019.
  39. Antje Blinda: Neues TUI-Cruises-Schiff – „Ich bin das Thema Rußpartikelfilter leid“. Interview mit Lucienne Damm, Umweltmanagerin bei TUI Cruises. In: spiegel.de. 11. Mai 2018, abgerufen am 5. August 2020.
  40. a b Reinhard Wolff: Neuer Treibstoff für Schiffe – Pipi fürs Klima. In: taz.de. 7. Februar 2020, abgerufen am 6. April 2020.
  41. Cruise Industry Policies, das "European Cruise Council" wurde umbenannt in 'CLIA Europe': [1]/
  42. Axel Schulz, Josef Auer: Kreuzfahrten und Schiffsverkehr im Tourismus. Oldenbourg, 2010, ISBN 978-3-486-70998-8, S. 155 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  43. Klage gegen den Sommerstau der Ems. 16. Mai 2009, abgerufen am 16. Mai 2020.
  44. Berlitz: Cruising & Cruise Ships 2017
  45. Rechte von Schiffsreisenden. In: europa.eu. 24. Januar 2019, abgerufen am 5. Juni 2019.
  46. Fall Daniel Küblböck – So oft verschwinden Passagiere auf Kreuzfahrten. In: berliner-zeitung.de. 10. September 2018, abgerufen am 21. August 2019 (Anmeldung erforderlich).
  47. a b c Peter Michalski: Kreuzfahrt: Die verschwundenen Passagiere. In: Website des Hamburger Abendblatts. 29. September 2011. abgerufen am 27. März 2020.