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Das Kraftwerk Weiher ist ein deutsches Steinkohlekraftwerk. Es liegt bei Quierschied im Saarland. Betreiber und Eigentümer des Kraftwerks ist die Steag Power Saar GmbH.

Kraftwerk Weiher
Das Kraftwerk Weiher. (Im Vordergrund der Absinkweiher der Grube Göttelborn mit einer Photovoltaikanlage.)
Das Kraftwerk Weiher. (Im Vordergrund der Absinkweiher der Grube Göttelborn mit einer Photovoltaikanlage.)
Lage
Kraftwerk Weiher (Saarland)
Kraftwerk Weiher
Koordinaten 49° 20′ 7″ N, 7° 1′ 50″ OKoordinaten: 49° 20′ 7″ N, 7° 1′ 50″ O
Land Deutschland
Gewässer Saar
Daten
Typ Dampfkraftwerk
Primärenergie Fossile Energie
Brennstoff Steinkohle
Leistung 697 Megawatt elektrisch
30 Megawatt thermisch
Eigentümer Steag Power Saar GmbH
Betreiber Steag Power Saar GmbH
Betriebsaufnahme 1918
Schornsteinhöhe 232 m
Website www.steag.com

Inhaltsverzeichnis

Leistung und ArchitektonikBearbeiten

Das Kraftwerk hat eine elektrische Leistung von über 697 MW und eine thermische Leistung von 30 MW. Auch wird am Standort Weiher in einer Grubengasanlage Grubengas verstromt, damit können 5000 Haushalte mit Strom versorgt werden. Architektonisch ist das Kraftwerk Weiher eine Besonderheit, der Kessel ist ein Freiluftkessel. Der Kessel ist an vier 120 m hohen Stützen an einem Stahlgerüst frei aufgehängt. Dies hat den Vorteil, dass sich der Kessel bei der Befeuerung nach unten frei ausdehnen kann. Das Kohlelager des Kraftwerks hat eine Kapazität von 150.000 Tonnen. Diese Kohlevorräte reichen bis zu 4 Monate für die Befeuerung des Kraftwerks aus. Die Kohleversorgung erfolgte, solange das Bergwerk Göttelborn noch in Betrieb war, direkt per Förderband von der unmittelbar neben dem Kraftwerk gelegenen Grube. Seit der Stilllegung des Bergwerkes erfolgt die Anlieferung der Kohle per Bahn. Die Kohle wird vom Lagerplatz über eine Förderanlage zu 6 Mühlen transportiert und dort zu Kohlestaub zermahlen, bevor dieser dann im Kessel verbrannt wird. Das Kühlwasser des Kraftwerks wird über eine 16 km lange Leitung von der Saar bezogen und in einer eigenen Wasseraufbereitungsanlage gereinigt. Die bei der Kohleverstromung anfallenden Nebenprodukte Flugasche, Kesselsand und REA-Gips werden von einer Tochterfirma der STEAG GmbH vermarktet.[1]

Der Schornstein des Kraftwerks ist 232 Meter hoch.

Technische DatenBearbeiten

Installierte Leistung Bruttoleistung 724 MW
Fernwärmeleistung max.30 MWth
Feuerung Kohlenstaubfeuerung, Trockenentaschung
Kohleverbrauch ca. 600.000 t / a
Dampferzeuger Zwangsdurchlaufkessel einfache Zwischenüberhitzung
Ein-Zug-Turmkessel trocken entascht
Dampfstrom bei Volllast 2.100 t / h Gleitdruckbetrieb
Dampfdruck 186 bar
Dampftemperatur 525 °C
Turbosatz viergehäusige Kondensationsturbine
HD-Eintritt: 177 bar / 525 °C
MD-Eintritt: 36 bar / 530 °C
ND-Eintritt: 6 bar / 280 °C
Generator Nennleistung: 800 MVA
Generator Nennspannung: 21 kV
Maschinen-Transformator 2 Halblasttransformatoren
Nennleistung: je 385 MVA
Nennspannung: 21 kV / 245 kV
Kühlturm Naturzug
Höhe: 135 m
unterer Durchmesser: 100 m
Wasserdurchfluss: 60.000 m3 / h
Wasserdampfaustritt aus Kühlturm 1.500 m3
Rauchgasentstaubung 2 Elektrofilter
Rauchgasentschwefelung (RAE) Kalkwaschverfahren mit Kalksteinmehl, Gips als Endprodukt
Rauchgasentstickung (DeNOx) SCR-Anlage (Selective Catalytic Reduction)
Nebenprodukte Flugasche: ca. 30.000 t / a
Kesselsand: ca. 3.000 t / a
Gips: ca. 20.000 t / a
Einzelnachweis der Angaben in dieser Tabelle siehe[1]

GeschichteBearbeiten

1914 wurde von der Königlich-Preußischen Verwaltung beschlossen, neben der Gas-Maschinenzentrale in Heinitz und dem Dampfkraftwerk in Luisenthal ein weiteres Kraftwerk zu errichten. Ab 1915 wurde eine Baustelle eingerichtet, doch der Erste Weltkrieg verzögerte den Bau. Im Januar 1918 nahm das Kraftwerk, das sich in unmittelbarer Nähe zur Grube Göttelborn befand, seinen Betrieb auf. Zu dieser Zeit betrug die Leistung 5 Megawatt, erst 1922 konnte die Leistung auf 22 Megawatt erhöht werden.

In den 1930er Jahren sollte Weiher I errichtet werden, doch auch hier kam es zu Verzögerungen, diesmal durch den Zweiten Weltkrieg. Durch zahlreiche Einberufungen und Lieferstopps konnte erst am 15. August 1944 die Leistung um 25 Megawatt erhöht werden und das alte Kraftwerk musste weiterlaufen. Als das Saarland unter französische Verwaltung fiel, war das Kraftwerk erst zur Hälfte fertiggestellt. Im Januar 1951 wurde Weiher I in Betrieb genommen und lieferte ab März 114 MW.

1963 und 1964 wurde Weiher II in Betrieb genommen. Das Kraftwerk hatte zwei Blockeinheiten (A und B), die je 150 MW lieferten. Es war mit einem Elektrofilter und mit Schmelzkammerkesseln ausgestattet. Das Kraftwerk erreichte einen Entschwefelungsgrad von 95 %.

Weiher III wurde 1976 nach dreijähriger Bauzeit in Betrieb genommen und war das größte Bauvorhaben der Saarbergwerke AG. Die Rauchgasentschwefelungsanlage war bei Inbetriebnahme die damals größte in Europa. Heute ist nur noch Block III erhalten, die älteren Kraftwerke wurden 1973 (I) und 1999/2001 (II) außer Betrieb genommen und abgerissen. 2006 konnte die Leistung durch Retrofittingmaßnahmen von 680 MW auf 697 MW erhöht werden.

2016 beantragte Eigentümer Steag die Stilllegung des Kraftwerkes für das Jahr 2017.[2] Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion erklärte das Kraftwerke jedoch als Systemrelevant und forderte die Steag auf, das Kraftwerk bis mindestens November 2019 betriebsbereit zu halten.[3]

Am 16. November 2016 erfolgte durch den Energiekonzern Steag am Kraftwerk Weiher die Inbetriebnahme von Großbatteriespeichern mit 15 Megawatt Leistung. Die Steag investiert an sechs Standorten in Nordrhein-Westfalen und dem Saarland 100 Millionen Euro.[4][5]

Siehe auchBearbeiten

 
Leitwarte Kraftwerk Weiher

WeblinksBearbeiten

  Commons: Kraftwerk Weiher – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Kraftwerksbroschüre Kraftwerk Weiher der STEAG GmbH (PDF)
  2. Steag schaltet Kohlekraftwerke ab. In: n-tv, 2. November 2016. Abgerufen am 2. November 2016.
  3. Lothar Warscheid: Saar-Kraftwerke bleiben am Netz. Saarbrücker Zeitung, 21. Januar 2017, abgerufen am 13. August 2017.
  4. Hoffnung fürs Kraftwerk Weiher?. In: Saarbrücker Zeitung, 17. November 2016. Abgerufen am 20. November 2016.
  5. http://www.steag-grossbatterie-system.com/