Konrad Naumann

deutscher Politiker (SED), MdV, Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der SED in der DDR
Konrad Naumann (mit Blumen) 1973 auf LPG-Besuch.

Konrad Naumann (* 25. November 1928 in Leipzig; † 25. Juli 1992 in Guayaquil, Ecuador) war zeitweilig 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung Berlin und Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der SED in der DDR. Er war eines der wenigen Politbüromitglieder, welche vor 1989 ihres Amtes enthoben wurden.

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LebenBearbeiten

Naumann, Sohn eines Angestellten, besuchte bis 1939 die Volksschule in Holzhausen, bis 1941 die Mittelschule in Engelsdorf und bis 1945 die Aufbauschule in Leipzig. 1939 wurde er Mitglied und Jungenschaftsführer des Jungvolkes. 1944 wurde er mit seiner Schulklasse als Flakhelfer eingezogen und Anfang 1945 in Bad Lausick eingesetzt. Kurz vor Einmarsch der amerikanischen Truppen desertierte er.

Naumann wurde im November 1945 Mitglied der KPD und besuchte von Januar bis März 1946 die KPD-Landesparteischule. Danach war er hauptamtlich beim FDJ-Kreisvorstand Leipzig und dem Landesvorstand Sachsen in Dresden tätig. Nach der Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED wurde er Mitglied der SED. Wegen „politischer Fehler“ wurde er seiner Funktion enthoben und arbeitete als Hilfsschlosser im Braunkohlenwerk Hirschfelde. Von August 1948 bis April 1949 war er Instrukteur des Zentralrates der FDJ und von April 1949 bis Oktober 1951 Sekretär für Arbeit und Soziales im Landesvorstand Mecklenburg der FDJ. Im November 1950 wurde er mit dem Mandat der FDJ in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern gewählt. Von Oktober 1951 bis September 1952 studierte Naumann an der Komsomol-Hochschule in Moskau und gab deswegen das Landtagsmandat auf. Am 18. März 1952 stimmte das Politbüro des ZK der SED der Mandatsveränderung zu. Sein Mandatsnachfolger wurde Horst Klemm.[1]

Nach Auflösung der Länder und Bildung der Bezirke in der DDR war er von September 1952 bis 1957 Erster Sekretär der FDJ-Bezirksleitung Frankfurt (Oder), Kandidat des Büros der SED-Bezirksleitung und Bezirkstagsabgeordneter. Außerdem war er 1952 bis 1967 Mitglied und zeitweise Sekretär des Zentralrates der FDJ. 1959 nahm er als Leiter der DDR-Delegation an den VII. Weltfestspielen der Jugend und Studenten in Wien teil.

Er war von 1963 bis 1966 Kandidat und von 1966 bis 1986 Mitglied des Zentralkomitees der SED, 1964 bis 1971 Zweiter Sekretär und 1971 bis 1985 als Nachfolger von Paul Verner Erster Sekretär der SED-Bezirksleitung Berlin sowie 1967 bis 1986 Stadtverordneter von Berlin und Mitglied der Volkskammer.

Naumann wurde 1973 Kandidat und 1976 Mitglied des Politbüros des ZK der SED. 1984 bis 1985 war er Sekretär des ZK der SED und Mitglied des Staatsrates und wohnte wie die Mehrzahl der Politbüromitglieder in der Waldsiedlung bei Wandlitz. Auf der 11. Tagung des ZK der SED am 22. November 1985 wurde er angeblich aufgrund einer Rede, die er am 17. Oktober in der Akademie für Gesellschaftswissenschaften gehalten hatte, seiner Ämter enthoben. Vermutlich spielte aber auch seine Alkoholabhängigkeit eine Rolle. Nach der offiziellen Mitteilung im Neuen Deutschland bat er selbst darum, "aus gesundheitlichen Gründen" von seinen Funktionen entbunden zu werden.[2] 1986–1989 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Staatlichen Archivverwaltung Potsdam.

Naumann war von 1977 bis 1987 mit der Schauspielerin Vera Oelschlegel verheiratet.

EhrungenBearbeiten

Naumann erhielt 1964 den Vaterländischen Verdienstorden in Silber und 1974 in Gold sowie 1978 den Karl-Marx-Orden.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Konrad Naumann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Protokoll Nr. 102 der Sitzung des Politbüros des ZK der SED am 18. März 1952 – Bundesarchiv DY 30/IV 2/2/202.
  2. Kommuniqué der 11. Tagung des Zentralkomitees der SED. In: Neues Deutschland, 23. November 1985, S. 1