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Der Essener Kommissar Heinz Haferkamp war zwischen 1974 und 1980 der Hauptermittler in 20 Folgen des WDR für die ARD-Krimireihe Tatort. Verkörpert wurde die fiktive Figur von dem 2007 verstorbenen Schauspieler Hansjörg Felmy. Haferkamps Assistent war Willi Kreutzer, den Willy Semmelrogge spielte. In zwei Folgen zum Ende hin wurde Haferkamp vertreten.

Tatort Logo.svg Heinz Haferkamp
Sender WDR
Aktiv 1974–1980
Ort Essen
Assistenten Willi Kreutzer
Fälle 20
Vorgänger Kressin
Nachfolger Schimanski
Team
Ingrid Haferkamp (Ex-Ehefrau)
Karl Scheffner (Vorgesetzter)
(1974–1980)
(1974–1980)
Heinz Haferkamp (Nordrhein-Westfalen)
Heinz Haferkamp

Ermittlungsort Essen (NRW)

Kriminaloberkommissar Heinz Haferkamp wurde 2008, 28 Jahre nach seinem letzten Fall, in einer von Emnid durchgeführten Beliebtheitsumfrage anlässlich der 700. Sendung der Reihe auf den dritten Platz aller Tatort-Kommissare gewählt.[1] Nach WDR-Angaben bekam Felmy 30.000 D-Mark je Tatort-Folge, damit lag seine Gage höher als die der anderen Fernsehkommissare. Nach seinem Ausscheiden beim WDR wurde er von Götz George als Kriminalhauptkommissar Horst Schimanski ersetzt.[2]

RolleBearbeiten

Nach Angaben der privaten Webseite tatort-fundus.de ist die Rolle von Heinz Haferkamp die des ersten Tatort-Kommissars, von dem bekannt sei, dass ein mehrköpfiges Team (Georg Feil, Werner Kließ, Philippe Pilliod, Peter Scheibler, Oliver Storz und Karl Heinz Willschrei) im Oktober 1972 „Überlegungen zur Figur dieses Kommissars“ zu Papier gebracht hatte, noch bevor ein Drehbuch erstellt wurde. In dem entsprechenden Text findet sich „neben der Festlegung einer melancholischen Lebenshaltung und der besonderen Hartnäckigkeit des Ermittlers, z.B. auch die Vorstellung, dass ein ‘etwas schusseliger Typ’ sein Assistent sein könne und ebenfalls wird die ‘Ex-Frau’ als Teil der Biographie angedacht.“ Hansjörg Felmy selbst wies in einem Interview darauf hin, „dass bereits in der Figurenentwicklung versucht worden sei, Haferkamp ein bisschen persönlichen Background (zu) geben, damit der Kommissar für die Zuschauer nicht allein als Ermittler, sondern als Mensch interessant würde.“ Seine Frikadellenleidenschaft jedoch „habe er sich ausgedacht, denn sie mache ‚einfach liebenswerter, lebenswerter […], menschlicher“.[3]

Achim Neubauer beschrieb in tatort-fundus.de die Rollencharakteristik des Kriminalhauptkommissars Haferkamp, der im 1. Kommissariat „Tötungsdelikte“ bei der Essener Kriminalpolizei arbeitet, als mit Anfang der 1930er Jahre geboren „durch die Zeit der Kriegs- und Nachkriegszeit in seinen Wertvorstellungen nachhaltig geprägt“. Mit seiner „unausgeglichenen Mischung aus Distanziertheit und Empathie verbeißt er sich geradezu in die Untersuchungen, denkt komplex und ist bereit für den Ermittlungserfolg auch Wege zu gehen, die außerhalb der gesetzlichen Vorschriften liegen.“ Teamarbeit liege ihm nicht; sondern Haferkamp trifft „oft eigensinnige, einsame Entscheidungen“. Mit seinem Assistenten Willi Kreutzer verbinde ihn ein kumpelhaftes, oft fast freundschaftliches Verhältnis, dem „aber von Haferkamp klar die Grenzen aufgezeigt werden.“ Der Umgang mit seinem Chef Karl Scheffner (Bernd Schäfer) sei „despektierlich“; er versorge ihn „manches Mal nur mit einem Mindestmaß an Informationen“ und scheue sich nicht, „ihn in den Dienstbesprechungen frontal mit kritischen, auch ironischen Bemerkungen anzugehen“. Zudem lebt Haferkamp geschieden; die Ehe mit seiner Jugendliebe Ingrid Haferkamp (Karin Eickelbaum) „scheiterte daran, dass er einfach nicht dazu in der Lage war, Dienstliches und Privates zu trennen. Haferkamp, von dem die Initiative zur Scheidung ausging, denkt voller Sentimentalität an die Ehejahre zurück – eigentlich liebt er Ingrid immer noch – und manchmal versteht er gar nicht mehr, warum es überhaupt zur Trennung kam.“ Dennoch habe er weiterhin ein gutes Verhältnis zu ihr und trifft sie öfters: „Die beiden schlafen offenbar noch miteinander, gehen zusammen ins Museum, fahren gemeinsam in den Urlaub nach Italien [...]“ Dennoch sei Ingrid immer wieder empört, „wenn sie merkt, dass diese gemeinschaftlichen Unternehmungen von ihrem Ex-Mann mit dienstlichen Ermittlungen verbunden werden“ und ein „Zusammenleben nicht klappen“ könne.[4]

TV Spielfilm beschrieb die Rolle Felmys als Haferkamp „selbst unter den Durchschnittsbeamten der Bundesrepublik“ noch als „Unscheinbarsten“ und stellte die rhetorische Frage, ob er „ein Langweiler durch und durch“ sei. Als Mann mit „gepflegter Erscheinung, korrekten Umgangsformen“ wirke er „furchtbar selbstbeherrscht“, dennoch sei Haferkamp „ein besonnener Analytiker, nur selten ging sein Temperament mit ihm durch“. Er sei aber lange noch „kein Bürotrottel“; er ging gerne „auch mal ungewöhnliche Wege für die Lösung eines Falles und griff zu zweifelhaften Methoden“ und schien „mit sich, der Welt und vor allem mit seiner Exfrau im Reinen.“ Dass er dennoch grübelte und allein in seiner Wohnung saß, „lag natürlich an seinem Job.“ Kaum gab es einen Fall, „in dem nicht Leidenschaft zu Mord oder enorme Geldnot einstmals Vermögender zu Verzweiflungstaten führte, was wiederum den Weltschmerz in das Essener Kommissarengesicht meißelte.“[5]

Paul Barz bezeichnete im Hamburger Abendblatt die Rolle Haferkamp als zuvor so „noch nicht gesehener Kriminaler-Typ“. Er war kein „besserer älterer Herr wie der NDR-Trimmel“ oder Kommissar Keller im ZDF, „nach deren Polizei-Einsatz in der NS-Zeit man besser nicht zu dringlich“ fragen sollte. Dazu war er zu jung, „illusionslos, mit gescheiterter Ehe hinter sich, von der er dennoch nicht ganz lassen wollte, vom Leben in jeder Hinsicht kräftig angeschrammt.“ Mit ihm kam eine neue „Kommissarsriege“, die „nüchterner, härter“ sowie „weniger selbstverliebt“ sei.[6]

Tatort-Fälle mit Haferkamp als HauptermittlerBearbeiten

Fall Titel Erstausstrahlung Folge Autor Regie Besonderheiten
01 Acht Jahre später 28. Apr. 1974 39 Karl Heinz Willschrei Wolfgang Becker Gastauftritt Finke
02 Zweikampf 23. Jun. 1974 41 Karl Heinz Willschrei Wolfgang Becker Gastauftritt Veigl
03 Der Mann aus Zimmer 22 08. Dez. 1974 46 Oliver Storz Heinz Schirk Gastauftritt Böck
04 Wodka Bitter-Lemon 13. Apr. 1975 50 Henry Kolarz Franz Peter Wirth Gastauftritt Veigl
05 Die Abrechnung 08. Jun. 1975 52 Karl Heinz Willschrei Wolfgang Becker Gastauftritt Veigl
06 Treffpunkt Friedhof 12. Okt. 1975 56 Werner Kließ Wolfgang Becker
07 Zwei Leben 14. Mär. 1976 61 Karl Heinz Willschrei Wolfgang Staudte Gastauftritt Finke
08 Fortuna III 07. Jun. 1976 64 Wolfgang Mühlbauer, Hannes Burger Wolfgang Becker
09 Abendstern 07. Nov. 1976 68 Herbert Lichtenfeld Wolfgang Becker Gastauftritt Veigl
10 Spätlese 22. Mai 1977 75 Herbert Lichtenfeld Wolfgang Staudte
11 Drei Schlingen 28. Aug. 1977 78 Karl Heinz Willschrei Wolfgang Becker Wurde zunächst jahrelang nicht wiederholt, aus Gründen des Jugendschutzes dann minimal gekürzt[7]
12 Das Mädchen von gegenüber 04. Dez. 1977 82 Martin Gies Hajo Gies
13 Rechnung mit einer Unbekannten 23. Apr. 1978 87 Peter Hemmer Wolfgang Becker Gastauftritt Buchmüller
14 Lockruf 02. Jul. 1978 89 Herbert Lichtenfeld Wolfgang Becker
15 Der Feinkosthändler 10. Sep. 1978 91 Martin Gies Hajo Gies
16 Die Kugel im Leib 14. Jan. 1979 95 Georg Feil Wolfgang Staudte
17 Ein Schuß zuviel 14. Jun. 1979 100 Wolfgang Mühlbauer Hartmut Griesmayr
18 Schweigegeld 18. Nov. 1979 106 Herbert Lichtenfeld Hartmut Griesmayr
19 Schußfahrt 01. Jun. 1980 113 Peter Hemmer Wolfgang Staudte
20 Schönes Wochenende 16. Nov. 1980 118 Uwe Erichsen Wolfgang Staudte

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Schimanski bleibt der Beste, Spiegel online vom 18. Mai 2008, abgerufen am 28. Mai 2010.
  2. 31. Januar 1931 - Hansjörg Felmy wird geboren: Kommissar Haferkamp, WDR vom 31. Januar 2011, abgerufen am 23. Juni 2012
  3. Heinz und seine Frikadellen, Achim Neubauer auf tatort-fundus.de, abgerufen am 22. Juni 2012
  4. Achim Neubauer: Kommissar Haferkamp auf tatort-fundus.de, abgerufen am 23. Juni 2012
  5. Heinz Haferkamp, in TV Spielfilm, abgerufen am 23. Juni 2012
  6. Ein Kerl wie Heinz Haferkamp, Paul Barz in Hamburger Abendblatt vom 28. August 2007
  7. TATORTe im Giftschrank – Verbotene Früchte, Tatort-Fundus.de, abgerufen am 23. Juni 2012