Hauptmenü öffnen

Kombach (Biedenkopf)

Stadtteil von Biedenkopf

Kombach ist ein Stadtteil von Biedenkopf im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf mit circa 1100 Einwohnern. Der Ort trägt denselben Namen wie der Bach, der etwa 300 Meter oberhalb des Ortes entspringt und in die Lahn mündet.

Kombach
Wappen der ehemaligen Gemeinde Kombach
Koordinaten: 50° 52′ 41″ N, 8° 33′ 35″ O
Höhe: 262 m ü. NHN
Fläche: 4,39 km²[1]
Einwohner: 995
Bevölkerungsdichte: 227 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 35216
Vorwahl: 06461
Ansicht von Südwest über Ortsteil Wolfgruben hinweg
Ansicht von Südwest über Ortsteil Wolfgruben hinweg
Blick vom Ortsausgang Richtung Katzenbach auf Kombach (Vordergrund), Wolfgruben (dahinter) und Dautphe-Wilhelmshütte (links davon); im Hintergrund die Südostausläufer des 561 m hohen Schwarzenberges, nämlich der 378 Meter hohe Roth (Mitte) und der 461 m hohe Beilstein (rechts), an die sich außerhalb des Bildausschnittes noch weiter rechts der 533 Meter hohe Nimerich anschlösse. Links, im ferneren Hintergrund, die Bottenhorner Hochflächen mit der 609 Meter hohen Angelburg (Fernsehturm)

Inhaltsverzeichnis

Geographische LageBearbeiten

Die höchste Erhebung ist mit 391 m über dem Meeresspiegel der „Hirschstein“. Die bebaute Ortslage reicht von etwa 255 m bis 310 m über dem Meeresspiegel. Kombach hat Anteil an zwei Naturräumen. Während der Talbereich noch zum Westerwald gehört (Haupteinheit „Gladenbacher Bergland“), gehören die Hanglagen und sämtliche Erhebungen bereits zum Bergisch-Sauerländischen Gebirge (Haupteinheit „Ostsauerländer Gebirgsrand“ und Teileinheit „Sackpfeifen-Vorhöhen“).

GeschichteBearbeiten

Erstmals urkundlich erwähnt wird der Ort 1268 unter dem Ortsnamen Cambach.[1] Weiter Erwähnung sind aus den Jahren 1356 und 1415 unter den Namen Kynbach und Conbach überliefert. Im Jahr 1502 erfolgte erstmals eine Erwähnung unter dem heutigen Ortsnamen.[1]

Am 31. Dezember 1971 wurde im Zuge der Gebietsreform in Hessen, die bis dahin eigenständige Gemeinde, nach Biedenkopf eingemeindet.[2]

Der Postraub in der SubachBearbeiten

1822 überfielen acht arme Bauern und Tagelöhner aus Kombach, Wolfgruben und Dexbach einen Geldtransport, der an diesem Tage von Gladenbach nach Gießen fuhr. Der Überfall wurde in der Subach, einem Hohlweg in der Nähe von Mornshausen bei Gladenbach, durchgeführt. Der plötzliche Reichtum wurde den Tätern zum Verhängnis. Man überführte sieben der acht Täter und verurteilte fünf zum Tode durch das Schwert.

BebauungBearbeiten

Im Dorfkern befinden sich hessische Haken- und Dreiseithöfe sowie das älteste Haus, Bergstraße 13, erbaut 1698.

In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts und dann seit 1950 kam es besonders in den Randgebieten des Dorfes zu einer regen Neubautätigkeit. Hier siedelten sich Arbeiter mit geringem oder gar keinem Grundbesitz sowie beruflich Selbstständige, Angestellte und Beamte und Neubürger in neuzeitlichen Ein- oder Mehrfamilienhäusern an. Da in den Jahren 1938 bis 1943 finanzielle Mittel fehlten, war man auf den freiwilligen Einsatz der Bürger angewiesen. Sie kanalisierten die Bergstraße, die Steingartenstraße und die Buchenauer Straße, die sie auch ausbauten; sie verbreiterten die Bergstraße und verrohrten den Kombach. Die Buderus’schen Eisenwerke erbauten 1960 bis 1963 vier große Wohnblocks und stellten sie ihren Werksangehörigen zur Verfügung.

Territorialgeschichte und VerwaltungBearbeiten

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Kombach lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][3]

BevölkerungBearbeiten

EinwohnerentwicklungBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1502: 016 Männer
• 1577: 018 Hausgesesse
• 1630: 020 Hausgesesse. 2 dreispännige, 7 zweispännige, 8 einspännige Ackerleute, 3 Einläuftige.
• 1677: 021 Hausgründe, 3 Witwen, 13 ledige Personen
• 1742: 028 Haushalte
Kombach: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2001
Jahr  Einwohner
1791
  
190
1830
  
142
1834
  
266
1840
  
279
1846
  
278
1852
  
345
1858
  
312
1864
  
304
1871
  
286
1875
  
294
1885
  
345
1895
  
335
1905
  
376
1910
  
413
1925
  
474
1939
  
436
1946
  
631
1950
  
660
1956
  
621
1961
  
620
1967
  
778
1970
  
814
2001
  
1.025
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; 1791:[4]

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1830: 142 evangelische Einwohner
• 1885: 341 evangelische, keine katholischen und keine jüdischen Einwohner. 4 Einwohner anderen Gleichens.
• 1961: 509 evangelische (= 82,10 %), 72 römisch-katholische (= 11,61 %) Einwohner

ErwerbstätigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1961: Erwerbspersonen: 101 Land- und Forstwirtschaft, 183 produzierendes Gewerbe, 25 Handel und Verkehr, 25 Dienstleistungen und Sonstiges.

WappenBearbeiten

Am 23. Dezember 1965 wurde der Gemeinde Kombach im damaligen Landkreis Biedenkopf, Regierungsbezirk Wiesbaden, ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: Schild durch eine geschweifte grüne Spitze mit silbernem Quell von Rot und Silber gespalten, vorne und hinten eine Hirschstange in verwechselten Farben.[7]

Bedeutung: Die Hirschstangen weisen auf den Berg Hirschstein sowie auf den Wildreichtum um Kombach hin. Die Farben Rot und Silber sind die Farben der Landgrafschaft Hessen, der Kombach seit dem 13. Jahrhundert angehört hatte. Der silberne Quell steht für die 1961 entdeckte Mineralquelle. Die geschweifte grüne Spitze bezieht sich auf die grünen Wiesen im nahen Lahntal, den Wald und die Weiden.[8]

MineralquelleBearbeiten

Durch den Zuzug von Flüchtlingen und eine rege Neubautätigkeit hatte die Bevölkerung von Kombach nach dem Zweiten Weltkrieg stark zugenommen und so musste 1961 nach Trinkwasser gebohrt werden. Nach Anweisung der zuständigen Stellen wurde auf der Pfingstweide, etwa im Mittelpunkt des sich vom Musbach bis Mornshausen erstreckenden „Kombacher Beckens“ ein Tiefbrunnen auf 60 Meter Tiefe niedergebracht. Die erste Untersuchung des Wassers war für Kombach eine Sensation und lautete: „Es handelt sich um Mineralwasser im Sinne des Mineralwassergesetzes“. Eine 1963 durch das chemische Laboratorium Fresenius in Wiesbaden erfolgte Untersuchung bestimmte die genaue Analyse, die Schlussfolgerung lautet zusammenfassend:

Das Wasser des Tiefbrunnens auf der Pfingstweide in Kombach ist nach den Begriffsbestimmungen für Kurorte, Erholungsorte und Heilbrunnen des Deutschen Bäderverbandes als ein NATRIUM-CHLORID-HYDROCARBONATWASSER zu kennzeichnen.

Besonders beachtlich ist der hohe Gehalt an Natrium-Ionen und die hohe Temperatur, die nur wenige Grad unter der Begriffsbestimmung „Thermalquelle“ liegt.

Die chemische Zusammensetzung entspricht fast dem Mineralwasser aus dem weltberühmten Bad Nauheim. Was tun? Das fragte man sich 1961 und auch nach dem Zusammenschluss mit Biedenkopf 1971. Man bestellte Gutachten, verzichtete aber auf Investitionen, um aus dem Dorf einen Badeort zu machen. Weil jedoch das Wasser zu viel Mineralien enthielt und die auf die Dauer das Leitungsnetz verkrustet hätten, schaltete man den Brunnen ab.

Die Heilquelle hat man in Kombach noch nicht vergessen, denn das Kombacher Wappen zeigt eine sprudelnde Quelle.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Kombach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f g h Kombach, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 8. Juni 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 350.
  3. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  4. a b Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 185, 263 (online bei HathiTrust’s digital library).
  5. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 7 (bei google books).
  6. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 415 (online bei Google Books).
  7. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Kombach, Landkreis Biedenkopf, Regierungsbezirk Wiesbaden vom 23. Dezember 1965. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1966 Nr. 2, S. 34, Punkt 16 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,4 MB]).
  8. Die Wappen der Stadt Biedenkopf, aus Karl Huth: Biedenkopf, Burg und Stadt im Wandel der Jahrhunderte, Biedenkopf 1977 (Memento vom 12. September 2007 im Internet Archive)