Kolkowo

Dorf in Polen

Kolkowo (deutsch Kolkau, kaschubisch Kolkòwò) ist ein erloschener Ort in der polnischen Woiwodschaft Pommern im Gebiet der Landgemeinde Gniewino (Gnewin) im Powiat Wejherowski (Kreis Neustadt in Westpreußen).

Kolkowo
(untergegangener Ort)
Kolkowo (untergegangener Ort) führt kein Wappen
Kolkowo (untergegangener Ort) (Polen)
Kolkowo (untergegangener Ort)
Kolkowo
(untergegangener Ort)
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Pommern
Powiat: Wejherowo
Gmina: Gniewino
Geographische Lage: 54° 43′ N, 18° 3′ OKoordinaten: 54° 42′ 50″ N, 18° 3′ 13″ O
Einwohner: 0
Wirtschaft und Verkehr
Straße: GniewinoCzymanowo
Schienenweg: keine Bahnanbindung
Nächster int. Flughafen: Danzig



Geographische LageBearbeiten

Die Ortsstelle des Dorfs liegen an der Grenze zwischen Hinterpommern und der historischen Region Westpreußen; bis zur Ostsee sind es 14 Kilometer in nördlicher Richtung, die Kreisstadt Wejherowo (Neustadt in Westpreußen) liegt 16 Kilometer in südöstlicher Richtung.

In südöstlicher Nachbarschaft befindet sich das seit 1986 bestehenden Wasserrückhaltebecken Zbiornik Czymanowo (Czimmanauer Stausee) für das Pumpspeicherkraftwerk Zarnowitz (polnisch Elektrownia Wodna Żarnowiec), südwestlich des Zarnowitzer Sees (Jezioro Żarnowieckie).

 
Stausee bei Czymanowo (Czimmanau)

GeschichteBearbeiten

Das bis 1945 Kolkau (1400 Colkow, später auch Kolukowo, Kolkow) genannte Dorf in Pommerellen war zur Zeit des Deutschordensstaats Preußen um 1400 als polnisches Zinsdorf bekannt, in dem Kuh-, Ziegen- und Schweinezins also nach altem polnischen Recht entrichtet wurden.[1][2] Kolkau gehörte seinerzeit zum Burgbezirk Putzig und war gegenüber der Ordensburg Putzig dienstpflichtig.[3] 1433 verleiht der Danziger Ordenskomtur Walter Kirskorb dem Matthis Floder von Kolkow die Fischerei mit einem Garn am Strande der Czarnowitzer Beke.[2]

Um 1780 grenzte die Gemarkung des Dorfs Kolkow an die Dörfer Ribienke, Lissow, Enzow und Gnewin.[4]

Um 1840 war in Kolkow eine neue Kalkbrennerei in Betrieb genommen worden.[5]

Im 19. Jahrhundert war Kolkau ein Rittergut.[6]

Am 21. März 1874 wurde es Amtsdorf und namensgebend für einen Amtsbezirk,[7] der zum Kreis Neustadt in Westpreußen im Regierungsbezirk Danzig der preußischen Provinz Westpreußen gehörte. Ihm waren anfangs acht Dörfer zugeordnet.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde am 2. August 1919 ein Teil des Amtsbezirks in den Kreis Lauenburg in Pommern im Regierungsbezirk Köslin der Provinz Pommern umgegliedert,[8] der Rest blieb weiterhin unter dem Namen „Amtsbezirk Kolkau“ zum Kreis Neustadt zugehörig, musste jedoch aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags am 10. Januar 1920 zum Zweck der Einrichtung des Polnischen Korridors an Polen abgetreten werden.

Die Gemeinde hatte 1930 eine Fläche von 9,7 km². Das Dorf war Sitz eines Standesamtes und gehörte zum Amtsgericht Lauenburg in Pommern (polnisch: Lębork). Dort war auch das zuständige Arbeitsgericht, während die Landwirtschaftskammer sowie die Handwerkskammer in Stettin (Szczecin), die Industrie- und Handelskammer in Stolp (Słupsk) ansässig waren. Stolp war auch Sitz des Gewerbeaufsichtsamtes.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Region im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. Bald darauf wurde Kolkau zusammen mit Hinterpommern und Westpreußen unter polnische Verwaltung gestellt. Anschließend begann die Zuwanderung polnischer Zivilisten. Für Kolkau wurde die polnische Namensform Kolkowo eingeführt. In der darauf folgenden Zeit wurden die deutschen Einheimischen größtenteils vertrieben.

Danach war das Dorf eine Ortschaft im Verbund der Landgemeinde Gniewino im Powiat Wejherowski, bis 1998 der Woiwodschaft Gdańsk und seither der Woiwodschaft Pommern zugehörig.

Als die Pläne reiften, im Zusammenhang der Errichtung des Pumpspeicherkraftwerks Żarnowiec den Stausee Czymanowo anzulegen, wurde das Dorf 1974 aufgegeben. Die Ortsstelle versank in dem 1,22 km² großen, mit 13 Millionen Kubikmetern Wasser gefüllten Staubecken.

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Jahr Einwohner Anmerkungen
1864 215 [9]
1871 205 in 15 Wohngebäuden[6]
1910 177 [10]
1925 226 in 20 Häusern, darunter 172 Evangelische und 52 Katholiken[11]
1933 228 [12]
1939 231 [12]

Amtsbezirk Kolkau (1874–1945)Bearbeiten

Der Amtsbezirk Kolkau bestand ursprünglich aus acht Dörfern, zu denen später drei weitere hinzu kamen:[7]

Deutscher Name Polnischer Name Bemerkungen
Fredrichsrode Strzebielinko
Kolkau Kolkowo
Nadolle Nadole
Nadolle, Forst 1928 nach Kolkau eingemeindet
Prüssau Prusewo
Rauschendorf Czymanowo
Reckendorf Brzyno 1928 nach Prüssau eingemeindet
später:
Burgsdorf Toliszczek 1936 nach Bychow eingemeindet
Rieben Rybno
Oppalin Opalino 1928 nach Rauschendorf eingemeindet

Am 1. Januar 1945 gehörten noch drei Gemeinden zum Amtsbezirk Kolkau: Kolkau, Prüssau und Rauschendorf.[8]

KircheBearbeiten

Vor 1945 war die Dorfbevölkerung mehrheitlich evangelischer Konfession. Bis 1945 waren die evangelische Pfarrei Gnewin (polnisch: Gniewino) im Kirchenkreis Lauenburg in Pommern (Lębork) in der Kirchenprovinz Pommern der Kirche der Altpreußischen Union bzw. die katholische Pfarrei Wierschutzin (Wierzchucino) in der Freien Prälatur Schneidemühl (Piła) zuständig.

Aufgrund von Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung kam es in den Nachkriegsjahren aufgrund der Ansiedlung zugezogener Menschen zu Veränderungen in den kirchlichen Strukturen: die katholischen Kirchenglieder waren nach Gniewino orientiert, deren Pfarrei zum Bistum Pelplin der Katholischen Kirche in Polen gehört. Die evangelischen Kirchenglieder waren der Kirchengemeinde in Lębork (Lauenburg) zugeordnet, einer Filialgemeinde der Kreuzkirche in Słupsk (Stolp) in der Diözese Pommern-Großpolen der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

PersönlichkeitenBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Der Zbiornik Czymanowo mit der untergegangenen Ortsstelle Kolkowos liegt an einer wenig befahrenen Nebenstraße, die Gniewino (Gnewin) mit Czymanowo (Rauschendorf) verbindet. Bis 1945 gab es die Bahnstation „Kolkau-Gnewin“, später nur noch „Gniewino“ genannt. Sie lag an der Bahnstrecke Neustadt–Garzigar (polnisch: Wejherowo–Garczegorze) der Lauenburger Bahnen. Sie war nach 1945 noch in Betrieb, hat in zwischen jedoch den Betrieb eingestellt. Auch eine östlich von Kolkau verlaufende neu gebaute Bahnstrecke zum Pumpspeicherkraftwerk Żarnowiec und zum Kernkraftwerk Żarnowiec ist nicht mehr in Betrieb.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 54.
  2. a b Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 196.
  3. Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 57.
  4. Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinter-Pommern. Teil II, Band 1, Stettin 1784, S. IV.
  5. Amtsblatt der Regierung zu Danzig, Oeffentlicher Anzeiger Nr. 18 vom 29. April 1840, S. 106.
  6. a b Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 222, Nr. 94.
  7. a b Rolf Jehke: Amtsbezirk Kolkau/Kreis Neustadt in Westpreußen
  8. a b Rolf Jehke: Amtsbezirk Kolkau/Kreis Lauenburg in Pommern
  9. Preußisches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Danzig. Berlin 1867, 7. Kreis Neustadt, S. 10, Nr. 82.
  10. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Neustadt in Westpreußen
  11. Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft: Die Gemeinde Kolkau im ehemaligen Kreis Lauenburg in Pommern (2011)
  12. a b Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. lauenburg_p.html#ew39laupkolkau. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).