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Kolitzheim

Gemeinde im Landkreis Schweinfurt in Deutschland

GeografieBearbeiten

Kolitzheim liegt zwischen Schweinfurt und Volkach, am südlichen Rand des Schweinfurter Beckens, am Fuße des Gaibacher Bergs. Schweinfurt, Gerolzhofen und der Steigerwald liegen auf Sichtweite vom südlichen Gemeindegebiet.

GemeindegliederungBearbeiten

Kolitzheim gliedert sich in elf Ortsteile[2]:

Es gibt die Gemarkungen Gernach, Herlheim, Kolitzheim, Lindach, Oberspiesheim, Stammheim, Unterspiesheim und Zeilitzheim.

NachbargemeindenBearbeiten

Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Schwebheim, Grettstadt, Sulzheim, Frankenwinheim, Volkach, Eisenheim, Wipfeld und Röthlein.

GeschichteBearbeiten

Bis zur GemeindegründungBearbeiten

Der Ortsname tauchte schon 791 als „Coldleibesheim“ auf, als der Grundherr Hiltrich und seine Gemahlin Hruandun dem Kloster Fulda Güter schenkten.[3] Der Autor Friedrich Abel nimmt an, dass der Ort als fränkische Siedlung um 600 von einem Merowinger namens Coldleib gegründet wurde. Aus Coldleibesheim wurde „Coldosheim“ und „Collosheim“, später „Coldsheim“ und „Collshem“. Als die deutsche Sprache im 14. Jahrhundert in den Urkunden vorherrschend wurde, wurde es „Kolotsheim“, „Koleczheim“ und „Koliczheim“ genannt.[4]

Im Jahre 1796 besetzte die französische Revolutionsarmee das Frankenland. In der Nacht des 24. Juli wurde Kolitzheim von Dragonern überfallen und gebrandschatzt. Tagelang dauerte der Durchmarsch französischer Bataillone. Die Bevölkerung lebte in furchtbarer Angst. In dieser Not legten die Kolitzheimer ein Gelübde ab: Um weitere Kriegsnot abzuwenden, versprachen sie, alljährlich ein 33-stündiges Gebet vom Karfreitagmorgen bis zum Karsamstagabend abzuhalten. Dieses Gelübde wird bis heute eingehalten.[5]

Als Teil des Hochstiftes Würzburg wurde Kolitzheim 1803 zugunsten Bayerns säkularisiert, dann im Frieden von Pressburg 1805 Erzherzog Ferdinand von Toskana zur Bildung des Großherzogtums Würzburg überlassen, mit welchem es 1814 endgültig an Bayern fiel. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die Gemeinde Kolitzheim. Sie wurde Teil des ehemaligen Landkreises Gerolzhofen.

KreiszugehörigkeitBearbeiten

Der Landkreis Gerolzhofen wurde 1972 aufgelöst und die Gemeinde Kolitzheim wurde Teil des Landkreises Schweinfurt.

EingemeindungenBearbeiten

Am 1. Mai 1978 wurde der Ort Kolitzheim Sitz der im Zuge der bayerischen Gemeindereform neu konstituierten Gemeinde Kolitzheim mit den ehemals acht eigenständigen Gemeinden Kolitzheim, Gernach, Unterspiesheim, Oberspiesheim, Lindach, Stammheim, Herlheim und Zeilitzheim.[6]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Einwohnerentwicklung seit 1840[7]:

Jahr Einwohner
1840 3415
1871 3583
1900 3587
1925 3914
1939 4205
1950 5433
1961 4779
1970 4987
1987 4990
1991 5173
Jahr Einwohner
1995 5462
2000 5748
2003 5662
2004 5615
2005 5519
2006 5495
2007 5509
2008 5484
2009 5449
2010 5379
Jahr Einwohner
2011 5427
2012 5393
2013 5414
2014 5429
2015 5463

Die Einwohner der Gemeinde Kolitzheim verteilen sich auf die Ortsteile wie folgt (Stand: 30. Juni 2019)[8]:

Gemeindeteil Hauptwohnung Nebenwohnung Insgesamt
Gernach 511 34 545
Herlheim 477 23 500
Kolitzheim 732 38 770
Lindach 516 23 539
Oberspiesheim 611 27 638
Stammheim 852 51 903
Unterspiesheim 1240 58 1298
Zeilitzheim 662 36 698
Insgesamt 5601 290 5891

PolitikBearbeiten

Wappen und FlaggeBearbeiten

Das Wappen wurde am 18. Januar 1982 durch die Regierung von Unterfranken genehmigt.

Blasonierung: „Unter rotem Schildhaupt, darin drei gesenkte silberne Spitzen, in Blau schräg gekreuzt ein goldener Kreuzstab und ein goldener Abtstab, darüber eine goldene Weintraube.“

Die Gemeinde Kolitzheim besteht seit 1978 aus den früher selbständigen Gemeinden Gernach, Herlheim, Kolitzheim, Lindach, Oberspiesheim, Stammheim und Zeilitzheim. In allen genannten Gemeindeteilen hatte das Hochstift Würzburg grundherrschaftliche Rechte; so war Herlheim eine der 742 von Karlmann zur Fundation des Bistums Würzburg gestifteten königlichen Eigenkirchen. Neben den großen Würzburger Klöstern, wie St. Stephan, hatten die Klöster Maidbronn und Ebrach, außerdem die Stifte Haug und Heidenfeld Besitz im heutigen Gemeindegebiet. Als Hinweis auf die kirchlichen Grundherrn zeigt das Gemeindewappen Kreuzstab und Abtstab. Das Hochstift Würzburg ist durch sein Wappenbild, den fränkischen Rechen vertreten. Die Weintraube wurde als zusätzliches Wappenbild wegen des besonders im Gemeindeteil Stammheim betriebenen Weinbaus gewählt.

Flagge: Rot-Gelb-Blau.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Katholische Kirche St. Stephanus
  • In Stammheim, dem größten Weinbauort des Landkreises Schweinfurt, findet jedes Jahr am letzten Juli-Wochenende das Straßenweinfest statt.
  • Einmal jährlich finden im Ortsteil Lindach die Weinbergswanderung (1. Mai) und das Straßenweinfest (1. Wochenende im August) statt. Dabei werden der Frankenwein aus Lindach und nach althergebrachten Rezepten hergestellte Lebensmittel präsentiert und verkauft.
  • Museum für Militär- und Zeitgeschichte in Stammheim am Main
  • Das Kulturzentrum Schloss Zeilitzheim mit jährlichem Kulturprogramm. Der Betreiber, die Familie von Halem, erhielt im Jahre 2004 den Deutschen Preis für Denkmalschutz für die Wiederherstellung und Nutzung des Schlosses.
  • Ein Weinfest findet am dritten Augustwochenende am Zeilitzheimer Marktplatz statt.
  • Am zweiten Wochenende im Juli finden die Blasmusiktage in Gernach mit dem Benfiz-Dorflauf am Sonntag (400, 1.000, 4.000, 6.000 und 10.000 Meter) statt.
  • Das jährliche Unterspiesheimer Bierfest
  • Die Fendt-Feldtage auf Gut Wadenbrunn mit jeweils mehr als 50.000 Besuchern aus ganz Europa.

BaudenkmälerBearbeiten

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Die Ortsteile Kolitzheim und Unterspiesheim werden von der Staatsstraße 2271 durchzogen.

Wirtschaft einschließlich Land-, Forstwirtschaft und WeinbauBearbeiten

Es gab 1998 nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft 82, im produzierenden Gewerbe 203 und im Bereich Handel und Verkehr 47 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 114 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 1920. Im verarbeitenden Gewerbe gab es zwei Betriebe, im Bauhauptgewerbe vier Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 306 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 5460 Hektar, davon waren 4958 Hektar Ackerfläche und 235 Hektar Dauergrünfläche. Im Jahr 2017 betrug die Rebfläche 160 ha.[9]

Das Solarenergieunternehmen Belectric hat seinen Sitz in Kolitzheim.

BildungBearbeiten

Es gibt folgende Einrichtungen (2004):

  • sechs Kindergärten
  • eine Grundschule (mit Schulhäusern in Herlheim, Sitz der Schulverwaltung, Zeilitzheim, Stammheim)

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter der GemeindeBearbeiten

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt habenBearbeiten

  • Heinz Miederer (1928–1990), Pfarrer und Rektor der Diakonie Neuendettelsau; er war von 1956 bis 1963 Pfarrer in Zeilitzheim

WeblinksBearbeiten

  Commons: Kolitzheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 10. Juli 2019 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111114/213158&attr=OBJ&val=1762
  3. Karl Treutwein: Von Abtswind bis Zeilitzheim
  4. Friedrich Abel: Aus Leben und Geschichte des würzburgischen Dorfes Kolitzheim bis zum Jahre 1803
  5. Karl Treutwein: Von Abtswind bis Zeilitzheim
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 753.
  7. Statistik kommunal 2013 – Eine Auswahl wichtiger statistischer Daten für die Gemeinde Kolitzheim (Memento des Originals vom 11. September 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kolitzheim.de. Website der Gemeinde Kolitzheim. Abgerufen am 11. September 2014.
  8. Gemeinde Kolitzheim
  9. Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) Veitshöchheim: Liste der Rebflächen der Weinorte, bestockte Rebflächen am Stichtag 31. Juli 2017.