Koinesprache

Sprache oder -varietät, die zwischen anderen Sprachen vermittelt, mit denen sie gewisse Ähnlichkeiten und Übereinstimmungen aufweist

Eine Koinesprache, Koiné oder je nach Zusammenhang auch Ausgleichssprache bezeichnet in der Linguistik eine Sprachvarietät, welche sich aus zwei oder mehreren Dialekten entwickelt. Es ist eine stabilisierte Kontaktvarietät, die charakterisiert ist durch Vermischung und anschließender Nivellierung von regionalen und sozialen Dialekten. Koinesprachen sind das Ergebnis eines Kontaktes zwischen Sprechenden von Varietäten einer Sprache, die sich gegenseitig verstehen.[1]

Unter Koineisierung versteht man die Entwicklung einer Koine. Sie tritt typischerweise in Siedlungen auf, in denen Menschen aus verschiedenen Teilen eines einzigen Sprachgebietes eingewandert sind. Im Unterschied zur Pidginsprache und Kreolsprache verstehen sich die Sprechenden bereits vor der Koineisierung.[2]

Die Koinesprache ist nicht zu verwechseln mit Koine, eine als lingua franca fungierende Varietät des Altgriechischen.

BeispieleBearbeiten

Das Standarddeutsche ist aus dem Neuhochdeutschen entstanden, einem Ausgleichsdialekt zwischen einer ostmitteldeutschen Kanzlei- oder Schriftsprache, die unter starker Beteiligung von Meißener Druckern und Handelshäusern ebenfalls als Ausgleichssprache entstanden war, und (in der Theorie) allen hochdeutschen und niederdeutschen Varietäten. Es wird immer noch mit einer dem Niederdeutschen sehr nahe stehenden Lautung gesprochen, nämlich ungefähr der, mit der im niederdeutschen Herzogtum Hannover damals das Hochdeutsche, fast eine Fremdsprache, gesprochen wurde.

Das Hindustani, das heute in großen Teilen Indiens, Pakistans, Bangladeschs und als Amtssprache in Fidschi gesprochen wird, ist in Nordindien aus den Sprachen Hindi und Urdu entstanden, die in ihrer geschriebenen Form aufgrund unterschiedlicher Schriftsysteme gegenseitig unverständlich sind, sich aber gesprochen in ihrer standardisierten Form wie fast identische Dialekte zueinander verhalten. Hindustani hat sich weit über sein ursprüngliches Entstehungsgebiet hinaus als informelle und bisher nicht standardisierte Umgangssprache ausgebreitet. Es ist eine Ausgleichssprache zwischen den lokalen Varietäten im Dialektkontinuum aus Hindi und Urdu und anderen eng verwandten Sprachen des nordwestindischen Raumes. Die Sprache wird wegen ihrer vergleichsweisen Einfachheit auch anderswo benutzt und hat den Vorteil der religiösen, kulturellen und ethnischen Neutralität.

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Paul Kerswill: Koineization. In: The Handbook of Language Variation and Change. John Wiley & Sons, Inc, Oxford, UK 2013, ISBN 978-1-118-33559-8, S. 519–536, doi:10.1002/9781118335598.ch24.
  2. Jeff Siegel: 7. Koine formation and creole genesis. In: Creolization and Contact. John Benjamins Publishing Company, Amsterdam 2001, ISBN 978-90-272-9771-6, S. 175, doi:10.1075/cll.23.08sie.