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Knollenkalk aus Sant'Ambrogio (Valpolicella), ca. 18 × 14 cm
Knollenkalk, Blick auf die Sedimentationsebene
Devonischer Knotenkalk

Knollenkalke oder Knotenkalke sind Kalksteine, die meist als farbige Gesteine ins Auge fallen. Ihre Entstehung durch Diagenese (Verpressung und Zementation) von Kalkschlämmen, die in Meeren abgelagert werden und sich zu knotenartigen Konkretionen verformten, ist eine gängige Erklärung. Der im Kalkschlamm befindliche Ton wurde teilweise an die Knollenrandzonen in Schichten angelagert und verpresst. Diese Vorgänge führen in Meerestiefen ab etwa 300 Metern zur Gesteinsbildung. Die Tonminerallagen umschließen in manchen Knollenkalken die Karbonatansammlungen im Gestein vollständig und verstärken dadurch den optischen Eindruck, der für diese Gesteine namensprägend ist. Bei roten Knollenkalksteinen resultiert die Farbe aus Hämatit. Zahlreiche Knollenkalke entstanden im Devon.

Die Bildung mancher Knollenkalke wird jedoch auch mit metamorphen Vorgängen erklärt. Durch tektonische Beanspruchung bildeten sich über Schieferungsprozesse und unter Drucklösungserscheinungen des Kalkes entsprechende planare Texturen von Tonhäutchen um die verbleibenden Kalkansammlungen.[1] Die Bildung der Knollenkalke ist ein Forschungsgebiet, auf dem sich seit Hanns Bruno Geinitz und Carl Wilhelm von Gümbel zahlreiche Geologen betätigt haben und zu unterschiedlichen Deutungen gekommen sind.[2]

Verwendung und VorkommenBearbeiten

Wegen ihres strukturell wechselhaften und farbig lebendigen Erscheinungsbildes sind sie zu dekorativen Zwecken verwendet worden. Je nach Witterungsbeständigkeit können sie außen oder nur innen eingesetzt werden.

In Europa sind Knollenkalke in Bayern, Thüringen, Sachsen, Böhmen, Mähren, Ungarn, Norditalien und Südfrankreich für architektonische, bildhauerische Zwecke und für die Ebenisterie gewonnen worden. Die Sorten aus Italien wurden im Raum Bayern vornehmlich als Säulen und Balustraden verbaut. In Italien insbesondere am Gardasee werden auch Straßenbordsteine und Bodenbeläge auf Fußgängersteigen daraus gefertigt.

Das Bayrische Landesamt für Umwelt hat den Steinbruch am Hasslberg bei Ruhpolding, in dem Knollenkalke als Ruhpoldinger Marmor aufgeschlossen sind, zum Geotop erklärt.[3]

HandelssortenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Albrecht Germann, Ralf Kownatzki, Günter Mehling: Natursteinlexikon. 5. völlig überarb. und akt. Aufl., Callwey, Kempten 2003.
  • Dorrik A.V. Stow: Sedimentgesteine im Gelände. Ein illustrierter Leitfaden. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2008. ISBN 978-3-8274-2015-2
  • Roland Vinx: Gesteinsbestimmung im Gelände. Elsevier, München 2005. ISBN 3-8274-1513-6

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. D. Richter: Verkürzung von Fossilien und Entstehung von Flaser- und Knollenkalken durch Lösungsvorgänge in geschieferten kalkigen Gesteinen. In: Geol. Mitt. (4) 1965, Aachen, S. 235–248
  2. E. Hildebrand: Über die chemisch-physikalischen Bedingungen der Knollenkalkbildung. In: Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft (80) 1928, S. 308–342
  3. Bayerisches Landesamt für Umwelt Steinbruch am Hasslberg bei Ruhpolding. Geotopnr.: 198A21. Abgerufen am 20. Oktober 2014