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MRT-Bild, T2-Gewichtung, der Fußwurzel. Knochenmarködem (hell) in Sprungbein, Kahnbein und Keilbein.

Knochenmarködem ist ein Begriff aus der medizinischen Bildgebung mittels Magnetresonanztomografie (MRT). Er steht für Ödem-äquivalente Signaländerungen d. h. erhöhte Signalintensität (hell) in T2-gewichteten Sequenzen und erniedrigte Signalintensität (dunkel) in T1-gewichteten Sequenzen in spongiösen Knochenstrukturen. Die Signal-Intensität kann in Graustufen gemessen werden (notwendigerweise als Proportion einer mit abgebildeten Referenzstruktur, z. B. Muskel). „Knochenmarködem“ kann nicht durch Röntgenstrahlen (Röntgenbild, Computertomografie) dargestellt werden.

Inhaltsverzeichnis

Zuordnung der Signaländerungen zu Veränderungen im KnochenBearbeiten

Die Helligkeitsänderungen in der MRT beruhen auf lokal vermehrter intravasaler oder extravasaler Flüssigkeit (Blutserum, Gewebewasser, Lymphe, Hypervaskularisierung), bei unterschiedlichen krankhaften Veränderungen: verletzungsbedingt, tumorbedingt, infektionsbedingt, rheumatisch (Entzündungsvorgänge mit lokal vermehrter Neubildung von besonders durchlässigen Kapillaren, entzündliches Ödem), aber auch bei Reparationsvorgängen mit der Neubildung von Granulationsgewebe/Kallus (zum provisorischen Verschluss eines verletzungsbedingten Knochendefekts, Bindegewebsneoplasie). Stellen mit „Knochenmarködem“ weisen Radionuklid-Anreicherung in der Knochenszintigrafie auf. „Knochenmarködem“ durch auf die Spongiosa beschränkte Mikrofrakturen- ohne begleitende Kortikalisverletzung- kann schmerzlos sein. Im Akutzustand einer Knochenverletzung sind – neben den Ödem-äquivalenten Signaländerungen im Knochen – solche immer auch in den umgebenden Weichteilen zu beobachten. Der Übergang vom akut verletzungsbedingten entzündlichen schmerzhaften „Knochenmarködem“ zum heilungsbedingten schmerzlosen „Knochenmarködem“ lässt sich bildmorphologisch nicht abgrenzen; die Rückbildung der Ödem-äquivalenten Signaländerungen in den Weichteilen und die Abnahme der Schmerzsymptomatik können entsprechende Hinweise liefern. Die Rückbildung eines traumatischen „Knochenmarködems“ unter Therapie entspricht dem Verlauf der Frakturheilung. Normales blutbildendes Knochenmark, z. B. in den Wirbelkörpern junger Menschen, erscheint relativ hell in T2-gewichteten Sequenzen (und relativ dunkel in T1-gewichteten Sequenzen), verglichen mit dem normalen fetthaltigen Knochenmark in den Wirbelkörpern älterer Menschen.[1]

HistorischesBearbeiten

Den Begriff „Knochenmarködem“ (bone marrow edema) prägten 1988 AJ Wilson und Mitarbeiter. Sie fanden lokale Hyperämie, erhöhten Knochenstoffwechsel und Radionuklid-Anreicherung (im Knochenszintigramm) in Bereichen mit erniedrigter Signalintensität in T1-gewichteten Sequenzen und erhöhter Signalintensität in T2-gewichteten Sequenzen. Sie vermuteten eine lokale Wasseransammlung im Knochenmark als Ursache.

LiteraturBearbeiten

  • A J Wilson, W A Murphy, D C Hardy, W G Totty: Transient osteoporosis: transient bone marrow edema? In: Radiology. Nr. 167, 1988, S. 757–760, doi:10.1148/radiology.167.3.3363136.
  • Johan L Bloem, Monique Reijnierse, Tom W J Huizinga, Annette H M van der Helm-van Mil: MR signal intensity: staying on the bright side in MR image interpretation. In: RMD Open. 4, 2018, S. e000728, doi:10.1136/rmdopen-2018-000728.
  • R.Wunsch: Was sollte der Kinderarzt über die Magnetresonanztomographie wissen ? In: Monatsschrift Kinderheilkunde. Band 150, Nr. 12, 2002, S. 1523–1533, doi:10.1007/s00112-002-0626-5.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Suzanne S. Long, Corrie M. Yablon, Ronald L. Eisenberg: Bone Marrow Signal Alteration in the Spine and Sacrum. In: American Journal of Roentgenology. 195, 2010, S. W178, doi:10.2214/AJR.09.4134.