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Knoblauchhaus

Bürgerhaus in Berlin-Mitte

Das Museum Knoblauchhaus in der Poststraße 23 Ecke Nikolaikirchplatz im Nikolaiviertel im Berliner Ortsteil Mitte ist eines der wenigen – am ursprünglichen Standort verbliebenen – Berliner Bürgerhäuser des 18. Jahrhunderts. Bauherr des 1761 fertiggestellten Wohn- und Geschäftshauses war der Nadlermeister Johann Christian Knoblauch. Es steht unter Denkmalschutz.[1]

Museum Knoblauchhaus
Museum Knoblauchhaus 2016.jpg

Knoblauchhaus
Daten
Ort Berlin Welt-IconKoordinaten: 52° 30′ 59″ N, 13° 24′ 25″ O
Art Geschichtsmuseum
Architekt Johann Christian Knoblauch
Eröffnung 1761
Leitung Paul Spies
Website www.stadtmuseum.de
ISIL DE-MUS-816117

Inhaltsverzeichnis

InhaberBearbeiten

Im Jahr 1759 erwarb der Heereslieferant Johann Christian Knoblauch das hier befindliche baufällige Haus und ließ an dessen Stelle einen massiven Neubau errichten. Er wohnte mit seiner Frau und den Söhnen darin und betrieb sein Handwerk, das heißt, er fertigte Nähnadeln, Strick- und Schusternadeln, auch Siebe und Fenstergitter gehörten zu seinen Erzeugnissen. Hauptauftraggeber war jedoch das Militär, für das er Haken, Ösen und Ketten fertigte.[2] Seine Nachkommen richteten das Familienunternehmen auf die Herstellung und den Handel mit Seidenbändern aus. Für das 1813 gestiftete Eiserne Kreuz lieferte die Firma die dazu nötigen Seidenbänder[3].

Im Haus der wohlhabenden und mit den Bankiersfamilien Keibel und Franz verschwägerten Familie waren Persönlichkeiten wie Wilhelm von Humboldt, Karl Friedrich Schinkel, Christian Friedrich Tieck, Freiherr vom und zum Stein und viele andere Künstler, Schriftsteller oder Techniker gern gesehene Gäste.

Bekannte Mitglieder der Familie Knoblauch und Enkel von Johann Christian Knoblauch waren der Berliner Stadtrat und Architekt Eduard Knoblauch und dessen Bruder, der Unternehmer und Politiker Carl Friedrich Wilhelm Knoblauch. Der Architekt Gustav Knoblauch, der Physiker Hermann Knoblauch und die Besitzer des Böhmischen Brauhauses, Armand Knoblauch und Bernhard Knoblauch, waren Ur-Enkel des Erbauers des Knoblauchhauses.

Die Familie besaß das Gebäude über 170 Jahre lang und verkaufte es 1929 an die Stadt Berlin.[4] Lediglich ein Teil des Erdgeschosses diente dem Seidenbandhandel der Knoblauchs bis 1946 als Comptoir.

ArchitektonischesBearbeiten

Drei freistehende Fassadenseiten und das Mansarddach verleihen dem von 1759 bis 1761 vollständig neu erbauten Knoblauchhaus eine dominierende Stellung innerhalb des Quartiers. Es besitzt einen unregelmäßig trapezförmigen Grundriss und weist eine geschwungene Fassade mit Mittelrisalit im Stil des Rokoko auf. Im Jahr 1806 erhielt die Fassade einen umlaufenden klassizistischen Rankenfries, der prägnant unterhalb der Fenster des zweiten Obergeschosses platziert wurde.[5] Im ersten Obergeschoss belebt ein Blumenerker die Fassade. Nach Plänen von Eduard Knoblauch wurde 1835 die Innenarchitektur und deren Ausstattung erneuert. Die Treppe wurde überarbeitet und eine neue Wendeltreppe eingezogen. Zudem malte man die Innenräume in spätklassizistischer Manier aus.[6] Auch die dekorative Umrahmung des Eingangsportals, wohl ursprünglich aus Terrakotta, kam in dieser Zeit hinzu.

Im Gegensatz zu den meisten Gebäuden des Nikolaiviertels überstand das Knoblauchhaus den Bombenkrieg 1943–1945 ohne größere Schäden. Das bis dahin als Mietshaus genutzte Gebäude wurde in den 1980er Jahren grundlegend saniert und 1989 als Außenstelle des Märkischen Museums eröffnet.

 
Innenraum des Museums

Seit 1995 gehört das Museum zur Stiftung Stadtmuseum Berlin.

NutzungenBearbeiten

 
Innenraum des Museums
 
Südwestseite, 1979

Zwischen 1950 und 2012 war im Erdgeschoss ein beliebtes Restaurant, die „Historischen Weinstuben“, eingerichtet. Das Erdgeschoss steht derzeit leer und soll perspektivisch wieder gastronomisch genutzt werden.

Nach einer umfassenden Sanierung befindet sich im ersten Stockwerk eine Ausstellung der Stiftung Stadtmuseum Berlin mit dem Schwerpunkt „Berliner Leben im Biedermeier“. Sie zeigt Gebrauchsgegenstände und Möbel, die von den Besitzern zusammengetragen wurden, sowie in weitgehend authentisch ausgestatteten Räumen der ersten Hälfte 19. Jahrhunderts die Geschichte der Familie Knoblauch. Eine Ausstellungsbereich in der zweiten Etage vertieft diese Thematik mit weiteren Objekten. Die zugänglichen Wohnräume zeigen musterhaft und in für Berlin einzigartiger Weise die Wohnkultur des gehobenen Bürgertums der Schinkelzeit. Die gegenwärtige Ausstellung wird von dem Historiker Jan Mende kuratiert. Es gibt ein verstärktes Familienangebot im Museum, mit beispielsweise der Museum Knoblauchhaus - Rallye, was den Ort noch lebendiger erscheinen lässt.[7]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Markus Sebastian Braun (Herausgeber): Berlin - Der Architekturführer. Verlagsgruppe Econ Ullstein List, München 2001, ISBN 3-88679-355-9, S. 26.
  • Baedekers Allianz Reiseführer Berlin. Verlag Karl Baedeker GmbH, Ostfildern-Kemnat 1991, ISBN 3-87504-126-7, S. 192.
  • Jan Mende: Berliner Leben im Biedermeier: Knoblauchhaus. Stiftung Stadtmuseum Berlin, Berlin 2007, ISBN 3-910029-40-X.
  • Jan Mende: Das Knoblauchhaus in Berlin. Alltag im Biedermeier. Berlin 2013, ISBN 978-3-939254-15-7.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Baudenkmal Knoblauchhaus
  2. Zum Erbauer des Hauses siehe Richard Knoblauch: 175 Jahre Knoblauchsches Haus, in: Zeitschrift des Vereins für die Geschichte Berlins, Neue Folge Nr. 52, 1935, Heft 2, S. 33–38.
  3. Zur Firmengeschichte siehe Jan Mende: Berliner Leben im Biedermeier: Knoblauchhaus, Berlin 2007, S. 18–21.
  4. Jan Mende: Berliner Leben im Biedermeier: Knoblauchhaus, Berlin 2007, S. 16.
  5. Zur Baugeschichte siehe Jan Mende: Berliner Leben im Biedermeier: Knoblauchhaus, Berlin 2007, S. 10–16
  6. Azra Charbonnier: Carl Heinrich Eduard Knoblauch 1801–1865. Architekt des Bürgertums, München/Berlin 2007, S. 302
  7. [1] www.stadtmuseum.de / Ralley bei den Knoblauchs, abgerufen am 13. Dezember 2017