Klosterkirche St. Maria (Kloster Zinna)

Kirchengebäude in Deutschland

Die Klosterkirche St. Maria ist Teil der Gesamtanlage des Klosters Zinna, das im Jahr 1170 durch den Erzbischof von Magdeburg Wichmann als Kloster der Zisterzienser gegründet wurde. Sie befindet sich im gleichnamigen Ortsteil der Kleinstadt Jüterbog im Landkreis Teltow-Fläming in Brandenburg.

Osthälfte der Klosterkirche mit Querhaus, Chor, Hauptapsis und vier Nebenapsiden

GeschichteBearbeiten

Der Sakralbau entstand im 12. Jahrhundert in Zusammenhang mit dem Bau der Klosteranlage. Die genaue Baugeschichte ist nicht überliefert. Experten vermuten, dass der Streit zwischen Heinrich dem Löwen und dem Erzbischof, die sogenannte „Pommersche Verwüstung“, zu einer Unterbrechung der Bautätigkeit führte. Bekannt ist jedenfalls, dass der erste Abt, Rizzo, getötet wurde. Der Konvent zog sich daraufhin nach Jüterbog zurück. Unter Albrecht II. von Magdeburg wurde die Arbeit an dem Bau wieder aufgenommen. Die Seitenschiffe aus Hochbrandgips entstanden wohl in der 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts. Die Kirchweihe fand am 15. Mai 1226 statt.[1] Experten vermuten, dass in dieser Zeit der Konvent in das Bauwerk einzog. Dennoch schien sich das Kloster aus Sicht der Zisterzienser nicht in der gewünschten Weise zu entwickeln: 1229 erschien es auf der Tagesordnung des Ordenskapitels. Der Vaterabt aus Altenberg erhielt daraufhin den Auftrag, sich um einen günstigeren Siedlungsort im Rahmen einer Visitation zu bemühen. Zu einer Veränderung kam es jedoch nicht. Auf dem Barnim wurde lediglich ein Feldkloster bei Strausberg errichtet und der Bau in Kloster Zinna weitergeführt. Weitere Ausbauten sind aus dem 13. Jahrhundert überliefert; der Dachstuhl entstand im Jahr 1338. Die Vierung, der Nordquerarm, das Heiligtum sowie das Mittelschiff erhielten in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts ein Gewölbe. In dieser Zeit entstand auch das Kreuzgewölbe des Hauptschiffs.

Nach der Reformation verließen 1553 der letzte Abt mit den verbliebenen Mönchen das Kloster.[2] Im Jahr 1590 ernannte der nunmehr evangelisch-lutherische Bischof die Kirche zur Filialkirche der St.-Nikolai-Kirche in Jüterbog zur seelsorgerlichen Betreuung des Dorfes Zinna. Im 18. Jahrhundert wurde die innere nördliche Chornebenkapelle zur Sakristei umgebaut sowie die äußere Kapelle zu einer Gruft umgestaltet. Aus den Jahren 1768 bis 1771 und dem Jahr 1796 sind Instandhaltungsmaßnahmen überliefert. Im Jahr 1867 wertete der amtierende Bischof die Kirche zur Pfarrkirche der damals noch unabhängigen Stadt Kloster Zinna auf. In den Jahren 1897 und 1898 restaurierten Dittmar und L. v. Tiedemann das Bauwerk, wobei sie teilweise auch in dessen Substanz eingriffen. Die Mittel hierfür stellte unter anderem Kaiserin Auguste Viktoria bereit. In den Jahren 1897 bis 1900 malte Heyl die Kirche im neogotischen Stil neu aus. Eine weitere Sanierung erfolgte in den Jahren 1993 bis 2009. Schließlich ließen das Land Brandenburg und der Bund in den Jahren 2016/2017 eine aufwändige Restaurierung vornehmen, die rund eine Million Euro kostete. Nach Abschluss der Arbeiten wurde das Gotteshaus mit einem Festakt am 25. Juni 2017 durch den Bischof Markus Dröge wieder eingeweiht.[3]

ArchitekturBearbeiten

Das 51 Meter lange Bauwerk ist eine spätromanische, dreischiffige, kreuzförmige Pfeilerbasilika. Sie wurde aus gleichmäßig behauenen und sehr sorgfältig geschichteten Feldsteinen errichtet. In Nordostdeutschland existieren im 21. Jahrhundert nur noch wenig vergleichbare Großbauten dieser Art. Im Vergleich mit anderen Bauten fällt die geringere Längenausdehnung auf, die vermutlich in der Verwendung der Grundmauern aus dem Vorgängerbau vor der „Pommerschen Verwüstung“ ihre Ursache haben. Das Gotteshaus verfügt über einen querrechteckigen Grundriss mit einer polygonalen Hauptapsis am Ostchor, die durch zwei längsrechteckige Nebenkapellen mit Apsis ergänzt wird. Die Giebel des Bauwerks sind ebenfalls mit Feldsteinen getreppt. Am Ostgiebel sind Spuren des Narthex zu erkennen. An der westlichen Seite sind Reste einer Vorhalle erhalten, an der Südseite Anschlussspuren des Kreuzganges. Diese Bauwerke wurden zurückgebaut und nach der Gründung der Stadt Kloster Zinna durch Friedrich den Großen im Jahr 1764 als Baumaterial für die neue Webersiedlung verwendet.

Die Fenster sind im Wesentlichen gedrückt spitzbogig ausgeführt und lediglich in den Nebenkapellen rundbogig. Zwei Mosaikfenster aus dem 15. Jahrhundert zeigen Bernhard von Clairvaux mit Mitra und Krummstab sowie Benedikt von Nursia in Zisterziensertracht. Am Südquerarm befindet sich seit 1897 das Hauptportal des Bauwerks. Links oberhalb ist der ehemalige Zugang zum Dormitorium erkennbar.

Im Innenraum des Langhauses dominieren sieben spitzbogige, unprofilierte Arkaden aus Granit mit Kämpfern aus Platte und Kehle. Die Apsiden sind im Innern gerundet. Der Chorbogen sowie die Apsiskalotte sind gedrückt spitzbogig ausgeführt, während die Durchlässe der Querungsarme in die Seitenschiffe rundbogig ausgestaltet wurden. Im Südquerarm ist ein frühgotisches Kuppelgewölbe erhalten geblieben, das vermutlich um 1250/1260 entstand, während an den übrigen Decken ein Kreuzgewölbe mit teilweise kräftigen Birnstabrippen verbaut wurde. Die Schlusssteine sind zum Teil mit Tier- und Pflanzenmotiven verziert, darunter ein Pelikan sowie Evangelistensymbole und ein Christuskopf – eine Anlehnung an den Vers 2,20 aus dem Brief des Paulus an die Epheser. Im Boden des Hauptsanktuariums befinden sich Fliesen aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Die rot-braunen Tonfliesen sind mit gotischen Majuskeln versehen und ergeben den Englischen Gruß.[4]

AusstattungBearbeiten

 
Hauptaltar

AltäreBearbeiten

Die mittelalterlichen Altarblöcke in der Hauptapsis sowie in der äußeren nördlichen Nebenkapelle sowie am zweiten nordwestlichen Langhauspfeiler stammen aus der Bauzeit der Kirche. Der Altaraufsatz in der Hauptapsis besteht aus Backstein und stammt vermutlich aus dem Jahr 1703. Die Predella zeigt das Abendmahl Jesu, das darüber befindliche Gemälde die Kreuzigung Christi. Es wird von zwei Palmsäulen mit Akanthuswangen umrahmt. Darüber befindet sich ein gesprengter Segmentgiebel mit dem Gottesnamen JHWH in hebräischer Sprache auf einem blauen Kreis, umgeben von einem Strahlenkranz, und zwei Engeln.

Skulpturen und SakramentshausBearbeiten

Neben dem Altar stehen Simon Petrus und Paulus von Tarsus. Das Sakramentshaus stammt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts und besteht aus einer Kielbogenrahmung, die mit Krabben und Maßwerk, an den Pfosten mit Engeln verziert ist. Sie stehen auf einem grimmig schauenden Gesicht, das an einen Löwen erinnert und die Überwindung des Bösen durch das Gute symbolisiert. Weiterhin sind Reste der mittelalterlichen, roten Ausmalung mit goldenen Sternen erkennbar.

Kanzel, Taufstein, BänkeBearbeiten

Die ursprünglich in der Mitte der Vierung freistehende barocke Kanzel wurde auf das Jahr 1664 datiert. Sie ist mit Akanthusblättern und Blumen verziert und wurde im Jahr 1817 von den Mönchen versetzt. Der Schalldeckel ist mit dem Salvator Mundi geschmückt. Der Taufstein mit einer sechseckigen Kuppa entstand um 1700. Das mittelalterliche Chorgestühl ist auf das Jahr 1425 datiert worden. Es wurde um 1897 und 1898 in ein neues Gestühl eingefügt. Die drei reliefgeschmückten Medaillonwangen aus dem 14. Jahrhundert zeigen Evangelisten und Propheten auf der Innenseite sowie den Englischen Gruß auf der Außenseite. Zwei weitere spätgotische Wangen könnten Teil eines Levithenstuhles sein. Sie zeigen Benedikt mit Geißelrute sowie Bernhard mit Abtstab und Bibel.

OrgelBearbeiten

Die frühromantische Orgel von Wilhelm Baer aus den Jahren 1850/1851 hat zwei Manuale bei einem Pedal und 18 Register mit insgesamt 952 Pfeifen. Sie wurde 2017 restauriert. Unterhalb der Orgelempore befindet sich ein Gemälde, das vermutlich aus dem Jahr 1722 stammt. Es zeigt König David beim Harfenspiel.

Weitere AusstattungenBearbeiten

Weiterhin finden sich mehrere Grabdenkmale in der Kirche, unter anderem für einen Amtshauptmann derer von Oppen sowie für den Oberamtmann Johann Jacob von Kratz. Letzteres ist aus Alabaster hergestellt und zeigt den Kammerrat mit der Inschrift „ruhend auf Ewigkeit“. Er wird von Athene sowie Chronos mit dem Stundenglas umrahmt. Im vergrößerten Dachreiter über der Vierung befinden sich drei Glocken aus den Jahren 1485, 1489 und 1491. Sie tragen die Inschrift: „Schütze König Christus, die dieser Schall berührt hat“ sowie „Hilf, Jesus und Maria“.

LiteraturBearbeiten

  • Georg Dehio (Bearb. Gerhard Vinken u. a.): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler – Brandenburg. Deutscher Kunstverlag, München/ Berlin 2012, ISBN 978-3-422-03123-4.
  • Evangelische Kirchengemeinde Kloster Zinna: Willkommen in der Klosterkirche in Kloster Zinna – Kleines Kirchen-ABC, ohne Datumsangabe, S. 4.
  • Evangelisches Pfarramt Kloster Zinna: Kloster Zinna, ohne Datumsangabe, Heimatspiegel-Verlagshaus Meincke GmbH, Norderstedt, S. 16

WeblinksBearbeiten

Commons: Klosterkirche St. Maria – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Evangelische Kirchengemeinde Kloster Zinna: Willkommen in der Klosterkirche in Kloster Zinna – Kleines Kirchen-ABC, ohne Datumsangabe, S. 4.
  2. Kloster Zinna Geschichte
  3. Kirche in Kloster Zinna wird wieder eingeweiht. In: Berliner Zeitung, 13. Juni, S. 14.
  4. Kirchenerkundung, Webseite der Klosterkirche Zinna, abgerufen am 6. Mai 2015.

Koordinaten: 52° 1′ 32,8″ N, 13° 6′ 6,8″ O