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Territorialabtei Wettingen-Mehrerau

Kloster in Bregenz (9984)
(Weitergeleitet von Kloster Wettingen-Mehrerau)

Die Territorialabtei Wettingen-Mehrerau (lateinisch Abbatia territorialis Beatae Mariae Virginis de Maris Stella et de Augia Majore) ist ein Zisterzienserkloster mit Sitz bei Bregenz (Vorarlberg). Aufgrund der Sonderstellung von Wettingen-Mehrerau als Territorialabtei ist ihr Abt Mitglied der Österreichischen Bischofskonferenz.

Territorialabtei Wettingen-Mehrerau
Abtei Mehrerau – Blick vom Gebhardsberg
Abtei Mehrerau – Blick vom Gebhardsberg
Lage OsterreichÖsterreich Österreich
Liegt im Bistum exemte Abtei
Koordinaten: 47° 30′ 13,3″ N, 9° 43′ 14,1″ OKoordinaten: 47° 30′ 13,3″ N, 9° 43′ 14,1″ O
Ordnungsnummer
nach Janauschek
598
zisterziensisch seit 1227 (Wettingen); 1854 (Mehrerau)
Jahr der Auflösung/
Aufhebung
1806 (Mehrerau OSB); 1841 (Wettingen OCist)
Jahr der Wiederbesiedlung 1854
Kongregation Mehrerauer Kongregation
Territorialabtei Wettingen-Mehrerau
Basisdaten
Staat Österreich
Kirchenprovinz Immediat
Abt Vinzenz Wohlwend OCist
Emeritierter Abt Kassian Lauterer OCist, Anselm van der Linde OCist
Fläche 1 km²
Einwohner 254 (31.12.2015 / AP 2017)
Katholiken 205 (31.12.2015 / AP 2017)
Anteil 80,7 %
Ordenspriester 20 (31.12.2015 / AP 2017)
Katholiken je Priester 10
Ordensbrüder 34 (31.12.2015 / AP 2017)
Ordensschwestern 32 (31.12.2015 / AP 2017)
Ritus Zisterzienserritus und Römischer Ritus
Liturgiesprache Lateinisch und Deutsch
Kathedrale Abteikirche Mehrerau
Website www.mehrerau.at

Der Abt trägt den Titel Abt von Wettingen und Prior von Mehrerau; er steht der Zisterzienserkongregation von Mehrerau als Praeses natus vor.

GeschichteBearbeiten

 
Wappen

Ursprünglich wurde das Kloster von Graf Ulrich X. von Bregenz in Andelsbuch im Bregenzerwald an Stelle einer Einsiedelei gegründet. 1083 wurden Benediktiner aus dem Kloster Petershausen (Konstanz) dort angesiedelt. 1090 erfolgte der Umzug ans Bodenseeufer bei Bregenz und am 27. Oktober 1097 erfolgte durch Bischof Gebhard III. von Konstanz die Grundsteinlegung der neuen St. Petrus und St. Paulus geweihten Kirche. 1125 war der Kirchenbau im Kloster „St. Peter in der Au“ abgeschlossen und die Kirche wurde geweiht.

Im Zuge des Investiturstreites in Schwaben bzw. im Bodenseegebiet wurde die Mehrerau 1245 in den Kämpfen zwischen Papsttum und Kaisertum von den Anhängern Kaiser Friedrichs II. ausgeplündert und niedergebrannt. Bei der Auflösung der Abtei wurden viele Gebäude vollständig abgerissen und die Bibliothek in alle Winde zerstreut.

Während der Appenzellerkriege (1401–1429) wurde die Mehrerau nicht in große Mitleidenschaft gezogen und auch während des Schwedenkrieges, der die Stadt Bregenz 1647 aufs schwerste heimsuchte, wurden die Konventgebäude zwar geplündert, aber nicht beschädigt.[1]

Unter Abt Gebhard Raminger (1582–1616) wurde das ganze Klostergebäude renoviert und der prächtige Bibliothekssaal erbaut. 1682 verfasste der Mehrerauer Benediktinerpater Placidus Helbock eine kurzgefasste Gründungsgeschichte des Klosters unter dem Titel Monasterii Brigantini prima origo.[2] Bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts konnte das Kloster durch Schenkungen der Montforter Grafen (Nachfolger der Grafen von Bregenz) seinen Besitz vergrößern und anstelle der früheren romanischen Basilika von 1740 bis 1743 unter Abt Franciscus Pappus von Tratzberg durch den Vorarlberger Barockbaumeister Franz Anton Beer einen Neubau der Klosterkirche errichten lassen.

1805 kam Bregenz zum Königreich Bayern und das Kloster wurde aufgehoben.[3] Das Kloster wurde geplündert, die barocke Kirche zerstört und die Konventgebäude als Fabrik und Kaserne adaptiert.

Nach 1850 wurde das Kloster wieder besiedelt und mit Genehmigung von Kaiser Franz Joseph wurde es zur Zuflucht der Zisterzienser des Klosters Wettingen im Kanton Aargau in der Schweiz, das 1841 geschlossen worden war. Am 18. Oktober 1854 wurde die Abtei unter dem Namen „Wettingen-Mehrerau“ eröffnet.

 
Sanatorium erbaut 1923 von Clemens Holzmeister

Im 19. Jahrhundert fiel Mehrerau eine Schlüsselrolle beim Wiedererstarken des Zisterzienserordens zu. Wettingen war zunächst Mitglied der Schweizerischen, dann der Österreichischen Kongregation. 1888 lösten sich Wettingen und die Abtei Marienstatt von der Österreichischen Kongregation und bildeten gemeinsam mit den Schweizer Frauenklöstern, die Wettingen-Mehrerau unterstellt waren, die Mehrerauer Kongregation. Von ihr gingen Neugründungen in Sittich (Slowenien) und Mogila (Polen) aus.

1919 kaufte das Kloster die Wallfahrtskirche Birnau und das nahe gelegene Schloss Maurach; es betreibt sie bis heute als Priorat. In Mehrerau betreibt das Kloster ein Sanatorium, das als Belegspital geführt wird, und das Collegium Bernardi, ein Gymnasium mit Internat. Das Kloster ist auch im Bereich der Holz- und Landwirtschaft tätig, so durch einen Klostergutshof, eine Klostergärtnerei, eine Zimmerei sowie eine Tischlerei. Rund um das Kloster Mehrerau ist seit 2009 dem Streuobst ein Obstlehrpfad gewidmet. Auf dem Rundweg werden an 20 Stationen die Streuobstsorten des Unteren Rheintals vorgestellt.[4]

Im Zuge der Diskussion über sexuellen Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche kamen auch Berichte über Missbrauchsfälle aus den 1950er bis in die 1990er Jahre in der Abtei auf. So berichtete der Spiegel Anfang 2010 über häufige Kindesmisshandlungen und Kindesmissbrauch in der Klosterschule Mehrerau.[5]

BaubeschreibungBearbeiten

KlosterkircheBearbeiten

Die Kirche ist dem Fest Mariä Himmelfahrt geweiht und liegt im Norden der Klosteranlage.[6]

Kirchenäußeres

Die Kirche ist ein einfacher Langhausbau mit gerade abschließendem Querhaus. Das gesamte Bauwerk liegt unter einem Satteldach. Der rechteckige Chor ist eingezogen und niedriger als das Langhaus. Der Kirchturm schließt direkt an den Chor an. Der Kirchturm ist zweigeschoßig und wird durch Eckpilaster gegliedert. Im Obergeschoß weist der Turm Rundbogenöffnungen als Schallfenster auf. Der Kirchturm wird durch einen Giebelspitzhelm von 1872 bekrönt. An der Giebelfassade ist ein Risalit mit großem Kreisfenster und Betongussskulpturwand mit dem Thema der „Apokalypse“ Es wurde in den Jahren 1961/1962 von Herbert Albrecht geschaffen.[6]

Kircheninneres

Die Kirche bildet einen hohen langen Saalraum mit offenem Holzdachstuhl. Die Wände sind durch hohe Pilasterlisenen gegliedert. Unter dem Dachansatz befinden sich Lichtschlitze. Die Querschiffwand wird von großen Kreisfenstern durchbrochen. An der rechten Langhauswand führen drei rechteckige Öffnungen zu den rechteckigen, niedrigen und flachgedeckten Seitenkapellen. Das Presbyterium mit halbkreiförmigem Abschluss liegt etwas erhöht. Über dem Chorraum ist eine Holzsatteldecke. Am Westende des Kirchenschiffes ist eine Empore.[6]

Ausstattung

Über dem Altar sind Jesus und die zwölf Apostel dargestellt. Im linken Querhaus steht die Orgel. Im rechten Querschiff steht der Tabernakel aus Marmor. Dieser wurde 1963 von Hans Arp geschaffen. In der vorderen Seitenkapelle steht ein „Passion Christi“-Altar von Aelbert Bouts vom Ende des 15. Jahrhunderts. Am Mittelflügel des Altares ist die Kreuzerhöhung dargestellt, am linken Seitenflügel die Kreuztragung und am rechten Flügel der Kreuzfall dargestellt. In der mittleren Kapelle, der Gnadenkapelle, steht ein Altar mit zwei Flügeln auf denen die Verkündigung Mariens dargestellt ist. Sie wurde in Schwaben um 1480 geschaffen. In der hintersten Seitenkapelle hängt ein Tafelbild, das die heilige Anna selbdritt und den heiligen Paulus. Das Tafelbild stammt aus der Werkstatt Bernhard Strigels aus der Zeit um 1515. Unter der Empore ist eine Marienkapelle. In dieser befindet sicheine Marienstatue mit Kind. Sie stammat aus Schwaben und wurde um 1510 geschaffen. Eine weitere Kapelle befindet sich beim Abgang zur Unterkirche. In dieser befindet sich eine Figurengruppe, die das Kruzifix mit Maria und Johannes darstellt. Die Figurengruppe stammt vom Anfang des 16. Jahrhunderts. Die Apostelkreuze schuf Herbert Albrecht.[6]

KongregationskapelleBearbeiten

Die Kongregationskapelle ist dem heiligen Bernhard von Clairvaux geweiht und bildet den Nordabschluss des Kollegtraktes im zweiten Obergeschoß. Die Kapelle wurde nach einem Konzept von Abt Laurentius Wocher und Plänen von Jakob Hütle zwischen 1868 und 1888 erbaut und anschließend geweiht. Die Kapelle ist ein gerade abschließender Bau mit einem gegenüber dem Kollegetrakt höheren Satteldach mit nordseitigem Glockentürmchen. Dieser hat über einem quadratischen Untergeschoß ein achteckiges Turmgeschoß mit Haube.[6]

Heilbad MehrerauBearbeiten

Die Wurzeln des späteren Sanatoriums sind in einem Heilbad in der Mehrerau zu finden (sogenanntes „Oberes Bad“). Es handelte sich bei der Heilquelle um eine schwache Schwefelquelle. Mit dem Verkauf des Heilbades an das Stift wurde das Sanatorium errichtet (1922–1923, Gestaltung Clemens Holzmeister[7]) welches 1923 eröffnet wurde und die Heilquelle noch weiter nutzte, bis diese nach 1935 versiegte, weil der Grundwasserspiegel absank.[8]

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Karl Heinz Burmeister: Zur Ausstattung der romanischen Kirche des Klosters Mehrerau. In: Vierteljahresschrift für Geschichte und Gegenwart Vorarlbergs. 60. Jahrgang 2008, Heft 3
  2. Alois Niederstätter: Zur Konstruktion von Geschichte(n): die „seligen Geschwister“ Diedo, Merbod und Ilga. In: Vierteljahresschrift für Geschichte und Gegenwart Vorarlbergs. 60. Jahrgang 2008, Heft 3
  3. "Die bewegte Geschichte der Mehrerau", OTS-Presseaussendung, 18. Februar 2009
  4. Urlaubsideen rund um den Apfel. Lehrpfad, Museen und Feste. In: Bodensee Ferienzeitung. Ausgabe 2/2009. Südkurier Medienhaus, Konstanz 2009, S. 6.
  5. Kindheit in der Klosterschule: Hölle, lebenslang. In: Der Spiegel, 3. März 2010.
  6. a b c d e DEHIO-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs: Vorarlberg. Bregenz. Kloster Mehrerau. Bundesdenkmalamt (Hrsg.), Verlag Anton Schroll & Co, Wien 1983, ISBN 3-7031-0585-2
  7. denkmalgeschütztes Heilbad Mehrerau.
  8. Christoph Vallaster: Kleines Vorarlberger Heilbäderbuch. Buch Spezial Verlag, Dornbirn 1984, ISBN 3-900496-03-3

LiteraturBearbeiten

  • Kassian Lauterer, Ulrike Liebl: Abtei Mehrerau. Fink, Lindenberg 2007, ISBN 978-3-89870-387-1. (Kunstführer)
  • Kassian Lauterer: Was tut ein Abt in der Bischofskonferenz? Die Territorialabtei Wettingen-Mehrerau. In: Sekretariat der Österreichischen Bischofskonferenz (Hrsg.): 150 Jahre Österreichische Bischofskonferenz 1849–1999. Wien 1999, S. 185–188.
  • Annemarie Bösch-Niederer: Mehrerau. In: Oesterreichisches Musiklexikon. Online-Ausgabe, Wien 2002 ff., ISBN 3-7001-3077-5; Druckausgabe: Band 3, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2004, ISBN 3-7001-3045-7.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Territorialabtei Wettingen-Mehrerau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien