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Kloster Ursberg

Franziskanerinnenkloster in Bayern

GeschichteBearbeiten

 
Klosterkirche Ursberg
 
Mahnmal für die Weltkriegs- und Euthanasieopfer 1940–45
 
Linker Seitenaltar

Das St. Petrus und St. Johannes Evangelist geweihte Kloster wurde 1125 durch den Edlen Wernher von Schwabegg-Balzhausen gegründet. Es war die erste Niederlassung des Prämonstratenserordens in Süddeutschland. Das Kloster wurde im Jahr 1143 Reichsstift. Kloster Ursberg gründete bereits 1126 das noch bestehende Kloster Roggenburg. Im 18. Jahrhundert kam es in der Grund- und Gerichtsherrschaft zu rationalen Reformen, die allerdings erst 1777 zum Erlass einer eigenen Policey-Ordnung führten. Sie regelte die innere Ordnung des schwäbischen Reichsstifts, von der Sonn- und Feiertagsordnung über Vorschriften zum Wirtshausbesuch bis hin zum Verbot des Glücksspiels für die Stiftsuntertanen.

1803 wurde das Kloster im Zuge der Säkularisation aufgelöst. Die Kirche wurde Pfarrkirche. Im Kloster wurden der Pfarrhof und das Landgericht Ursberg untergebracht. 1884 erwarb der Priester Dominikus Ringeisen die Gebäude und rief dort eine Schwesternkongregation zur Pflege von körperlich und geistig Behinderten ins Leben, das heutige Dominikus-Ringeisen-Werk. Träger dieser Einrichtung war die Sankt-Josefskongregation Ursberg, eine franziskanische Ordensgemeinschaft mit rund 180 Schwestern. Während des Nationalsozialismus wurden ab 1936 über 200 Patienten zwangssterilisiert. Ab Herbst 1940 bis zum August 1941 brachte man fast 200 Personen zur Vergasung in die NS-Tötungsanstalt Hartheim bei Linz. Weitere annähernd 200 Patienten starben bis 1945 an Hunger und Vernachlässigung.[1] Ein Mahnmal des 1947 geborenen Bildhauers Alfred Görig im Klosterhof erinnert seit 2004 an dieses Kapitel sowie an die Toten beider Weltkriege. Eine Gedenktafel im Schloss Hartheim in Oberösterreich nimmt das zentrale Motiv des Mahnmals im Ursberger Klosterhof auf und erinnert an die Ermordeten während des 3. Reichs in Einrichtungen der St. Josephskongregation[2].

1996 wurde das Werk in eine kirchliche Stiftung des öffentlichen Rechts umgewandelt. Die Stiftung begleitet Menschen mit Behinderungen an zahlreichen Orten in Bayern.

Ehemaliges TerritoriumBearbeiten

Die Herrschaft Ursberg umfasste zu Beginn des 19. Jahrhunderts 3300 Untertanen. Trotz seines reichsunmittelbaren Standes zählte Ursberg zu einem der ärmsten Prälatenklöster Schwabens. Nach der Säkularisation fiel die Herrschaft an des Kurfürstentum Bayern, an dessen Stelle man 1804 das Landgericht Ursberg errichtete. Die Herrschaft setzte sich einstmals aus folgenden Ortschaften zusammen: Ursberg, Mindelzell, Billenhausen, Haslach, Bayersried, Oberrohr, Edenhausen, Attenhausen, ferner drei Weiler und Streubesitz.[3]

Pröpste und Äbte des KlostersBearbeiten

Kirche St. Johannes EvangelistBearbeiten

Die im Kern romanische dreischiffige Pfeilerbasilika entstand um 1225/30 und wurde Mitte des 15. Jahrhunderts umgebaut. Der Turmunterbau ist ebenfalls romanisch, der Oktogonaufsatz von 1414 und die Zwiebelhaube von 1654. Nach einem Brand im Dreißigjährigen Krieg war die Kirche und das Kloster völlig zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte von 1666 bis 1674.[4] Als Baumeister beauftragte der Abt Matthäus Hochenrieder den Oberrohrer Maurermeister Christoph Weigel. Nach Fertigstellung der Kirche ging es an den Wiederaufbau des Klosters, der ebenfalls von Christoph Weigel ausgeführt wurde.[5] Erst 1776 ließ man Kirche und Kloster durch den Wettenhauser Stiftsbaumeister Joseph Dossenberger den Jüngeren im Stil des späten Rokoko umgestalten. In dieser Zeit entstanden auch die Deckenfresken von Jakob Fröschle und Konrad Huber. Nach der Säkularisation blieb die Stiftskirche als Pfarrkirche erhalten. Erwähnenswert ist das romanische Kreuz mit den Assistenzfiguren der heiligen Gottesmutter und des Evangelisten Johannes. Der Hochaltar stammt von J. Pflaum.

 
Orgel der Klosterkirche Ursberg

HauptorgelBearbeiten

Die Hauptorgel wurde 1776 von dem Orgelbauer Johann Nepomuk Holzhey gebaut. Das rein mechanische Instrument hat 26 Register auf zwei Manualen und Pedal.[6]

I Hauptwerk C–f3
1. Principal 8′
2. Gamba 8′
3. Quintadena 8′
4. Onda maris 8′
5. Coppel 8′
6. Flautravers 8′
7. Octav 4′
8. Flöten 4′
9. Sexquialtera 3′
10. Naßart 3′
11. Superoctav 2′
12. Mixtur V 2′
13. Fagott / Huboe 8′
II Positiv C–f3
14. Waldflauten 8′
15. Gedect 8′
16. Principal 4′
17. Flöten 4′
18. Cornet III 223
19. Schalmey 8′
Pedal C–a0
20. Prästant 16′
21. Subbass 16′
22. Octav Bass 8′
23. Violoncell 8′
24. Mixtur Bass V 4′
25. Bompard 16′
26. Trompeta 8′
 
Chororgel

ChororgelBearbeiten

Die Kirche besitzt eine kleinere Chororgel, die ebenfalls von Holzhey erbaut wurde.[7] Das Instrument teilt sich, wie üblich in Süddeutschland, in zwei Teile auf, die links und rechts im Chor stehen. Das mechanische Schleifladeninstrument besitzt 11 Register, verteilt auf einem Manual und Pedal.[8][9]

I Hauptwerk C–f3
1. Coppel 8′
2. Flöte 8′
3. Gamba 8′
4. Principal 4′
5. Flöte 4′
6. Octav 2′
7. Sesquialter
8. Mixtur 1′
Pedal C–a0
9. Subbaß 16′
10. Octavbass 8′
11. Violonbaß 8′

LiteraturauswahlBearbeiten

  • Wolfgang Wüst (Hg.): Die „gute“ Policey im Reichskreis. Zur frühmodernen Normensetzung in den Kernregionen des Alten Reiches, Band 1: Der Schwäbische Reichskreis, unter besonderer Berücksichtigung Bayerisch-Schwabens, Berlin 2001, S. 359–382 (Ursberger Policeyordnung), ISBN 3-05-003415-7
  • Jacques Gélis: Lebenszeichen – Todeszeichen. Die Wundertaufe totgeborener Kinder im Deutschland der Aufklärung. In: Jürgen Schlumbohm et al. (Hg.): Rituale der Geburt. Eine Kulturgeschichte. München 1998, S. 269–288.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Kloster Ursberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. [1]Haus der Bayerischen Geschichte: Kloster Ursberg
  2. Mahntafel im Schloß Hartheim
  3. Haus der Bayerischen Geschichte - Klöster in Bayern. Abgerufen am 2. Januar 2019.
  4. Ursberg - Reiseführer der Prämonstratenser. Abgerufen am 3. Januar 2019.
  5. Dekan Ludwig: Ehre sei Gott in der Höhe. Abgerufen am 3. Januar 2019.
  6. Informationen zur Hauptorgel
  7. Johann Nepomuk Holzhey (1741–1809) (Memento des Originals vom 29. Oktober 2013 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.orgel-information.de
  8. Die Holzhey-Orgel in der Pfarrkirche St. Johannes Ev. Ursberg
  9. Unsere Ortsteile. Abgerufen am 23. Dezember 2012.

Koordinaten: 48° 15′ 58″ N, 10° 26′ 47,1″ O