Hauptmenü öffnen

Kloster Schöntal

ehemalige Zisterzienserabtei im Hohenlohe

Das Kloster Schöntal (lat. Abbatia Speciosae Vallis) an der Jagst ist eine ehemalige Zisterzienserabtei mit einer kunstvollen Barockkirche. Die Klosteranlage bildet mit den umliegenden Wohnhäusern den Ortsteil Kloster Schöntal der Gemeinde Schöntal.

Kloster Schöntal
Die Hauptgebäude des Klosters
Die Hauptgebäude des Klosters
Lage DeutschlandDeutschland Deutschland
Baden-Württemberg
Liegt im Bistum einst Würzburg; heute Rottenburg-Stuttgart
Koordinaten: 49° 19′ 41,2″ N, 9° 30′ 16,9″ OKoordinaten: 49° 19′ 41,2″ N, 9° 30′ 16,9″ O
Ordnungsnummer
nach Janauschek
358
Gründungsjahr 1153
Jahr der Auflösung/
Aufhebung
1802
Mutterkloster Kloster Maulbronn
Primarabtei Kloster Morimond

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

 
Kloster Schöntal (1856, Zeichnung von Max Eyth)
 
die barocke Klosterkirche von außen

Das Kloster wurde 1153 als Filialkloster des Klosters Maulbronn von Wolfram von Bebenburg in Neusaß gegründet. 1157 bis 1163 erfolgte unter dem ersten Abt Herwig bereits der Umzug ins wenige hundert Meter entfernte „schöne Tal“ der Jagst, da das ursprüngliche Gelände in Neusaß sich als ungünstig erwiesen hatte. Das Gelände in Schöntal stellten die Herren von Berlichingen zur Verfügung, die im Gegenzug das Recht der Grablege im Kreuzgang des Klosters erhielten. Im Ostflügel des Kreuzgangs ist auch Götz von Berlichingen begraben. Das Kloster stand unter dem Schutz des Bischofs von Würzburg.

Zunächst entwickelte sich die Zisterze gut, so war sie bereits seit 1177 in Heilbronn begütert. Das Kloster kam aber bereits zu Beginn des 13. Jahrhunderts in Finanznöte. Die Mutterabtei Maulbronn, die sich selber in Schwierigkeiten befand, übergab Schöntal daher 1282 an das Kloster Kaisheim, dessen Abt Trutwin 1283 alle Schulden Schöntals tilgte. In der Folge ging es mit Kloster Schöntal wieder aufwärts.

Auf dem Konstanzer Konzil erhielt die Abtei Schöntal im Jahr 1418 die Reichsunmittelbarkeit verliehen, die sie bis 1495 behielt. Es war nun in allen weltlichen Angelegenheiten allein dem Kaiser verantwortlich. Während des Bauernkrieges 1525 wurde Schöntal mehrfach ausgeraubt und erlitt starke Zerstörungen. Im Laufe der Reformation konnte man sich zwar gegen die Aufhebung wehren, die Klostergebäude waren aber inzwischen unbewohnbar geworden. In den Jahren 1617/1618 wurde deshalb unter Abt Theobald Fuchs die Alte Abtei errichtet, in der die Mönche sowie der Abtstrakt untergebracht waren. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde das Kloster belagert, schließlich mussten die Mönche 1631 fliehen und das Kloster der mehrfachen Plünderung überlassen. 1648 wurden mehrmals Soldaten in den Abteigebäuden einquartiert.

Unter Abt Benedikt Knittel (Abt von 1683 bis 1732) erlebte das Kloster schon bald eine neue Blüte. Unter ihm wurde die von Leonhard Dientzenhofer geplante barocke Abteikirche erbaut, außerdem das palastartige Konventsgebäude mit dem Rokoko-Treppenhaus. Im Kloster lebten etwa 40 Mönche, dazu kamen etwa 30 Konversen (Laien), die außerhalb des Klosters nach mönchischem Vorbild lebten.

Die Zisterzienserabtei wurde 1802 säkularisiert, indem sie vom Königreich Württemberg besetzt wurde. Die Klostereinrichtung wurde nach Stuttgart verbracht und die Gebäude zunächst als Oberamt genutzt. Von 1810 bis 1975 beherbergte Kloster Schöntal das Evangelisch-theologische Seminar, eine evangelische Klosterschule. Heute werden die Gebäude von der katholischen Diözese Rottenburg-Stuttgart als Tagungshaus, als Waldschulheim für Schulen sowie als Rathaus der Gemeinde Schöntal genutzt. Abtei und Klosterkirche können im Rahmen von Führungen besichtigt werden.[1] Über die Geschichte des Klosters informiert eine Dauerausstellung im Informationszentrum. Kloster Schöntal zählt zu den landeseigenen Monumenten und wird von der Einrichtung Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg betreut.

Äbte des KlostersBearbeiten

  • 1157–1172 Herwicus (Herwig)
  • 1172–1186 Heinrich I.
  • 1186–1200 Sibodo
  • 1200–1216 Albert I.
  • 1216–1219 Richalm
  • 1219–1222 Gottfried
  • 1222–1226 Johannes I.
  • 1226–1230 Siegfried
  • 1230–1236 Arnold
  • 1236–1238 Rupert
  • 1238–1240 Albert II.
  • 1240–1248 Heinrich II.
  • 1248–1269 Hildebrand
  • 1270–1284 Thomas
  • 1284–1294 Heinrich III.
  • 1295–1304 Walchimus von Crailsheim
  • 1304–1305 Friedrich von Schöntal
  • 1305–1317 Walther von Öhringen
  • 1317–1319 Konrad von Weiler[2]
  • 1320–1321 Albert III.
  • 1321–1365 Reinold
  • 1365–1371 Conrad II.
  • 1371–1373 Werner
  • 1374–1377 Marquard
  • 1377–1390 Raban
  • 1390–1400 Burckard von Sindringen
  • 1400–1407 Heinrich IV. Hirsch
  • 1407–1425 Heinrich V. Rosenkaym
  • 1425–1445 Heinrich VI. Höfflin
  • 1445–1465 Simon Marbach
  • 1465–1468 Johannes II. Hübner
  • 1468–1486 Bernhard
  • 1486–1492 Johannes III. Hoffmann
  • 1492–1511 Georg Hertlin
  • 1511–1535 Erhard (Eberhard) Oeser
  • 1535–1537 Elias Wurst
  • 1537–1557 Sebastian I. Stattmüller
  • 1557–1583 Sebastian II. Schantzenbach
  • 1584–1607 Johannes IV. Lurtz
  • 1607–1611 Theobald I. Koch
  • 1611–1626 Theobald II. Fuchs
  • 1626–1633 Sigismund Fichtel (Fichtling)
  • 1634–1635 Christoph Haan (erste Amtszeit)
  • 1635–1636 Johannes Leonhard Meinhart
  • 1636–1675 Christoph Haan (zweite Amtszeit)
  • 1675–1683 Franziskus Kraff(t)
  • 1683–1732 Benedikt Knittel
  • 1732–1761 Angelus Münch
  • 1761–1784 Augustin Brunnquell
  • 1784–1802 Maurus Schreiner

SehenswürdigkeitenBearbeiten

KlosteranlageBearbeiten

Zur Anlage gehören neben der Barockkirche mit ihrer reichen Ausstattung und dem ebenso prunkvollen Konventsgebäude zahlreiche Wirtschaftsgebäude, Torhäuser, der „Mohrenbrunnen“, ein großer Klostergarten sowie ein Friedhof mit barocker Friedhofskapelle und Mesnerhaus auf dem neben dem Kloster liegenden Kreuzberg. Im Sommer finden in der Klosterkirche Konzerte im Rahmen des Hohenloher Kultursommers statt. Ebenfalls zum Kloster zählt die wenige hundert Meter entfernte Wallfahrtskapelle Neusaß.

KlosterkircheBearbeiten

OrgelBearbeiten

Die Chororgel wurde 1990/1991 von der Orgelbaufirma Rensch (Lauffen/N.) erbaut, wobei vorhandenes Pfeifenmaterial wiederverwendet wurde. Gehäusefront und Prospektpfeifen stammen von einem Instrument aus dem Jahre 1722.[3] Das Schleifladen-Instrument hat 23 Register auf zwei Manualen und Pedal und ist nach Kirnberger II (modifiziert) temperiert. Die Balganlage verfügt zwei Keilbälge und eine Handschöpfanlage.[4] Die Trakturen sind mechanisch.

 
Blick auf die Chororgel
I Hauptwerk C–g3
1. Principal 8′
2. Gambe 8′
3. Großgedeckt 8′
4. Octave 4′
5. Fugara 4′
6. Kleingedeckt 4′
7. Quinte 223
8. Octave 2′
9. Mixur IV 113
II Brustwerk C–g3
10. Flauto 8′
11. Salicional 8′
12. Rohrflöte 8′
13. Quintadena 8′
14. Prestant 4′
15. Flauto trav. 4′
16. Hörnle II 223
17. Waldflöte 2′
18. Pfeifle 1′
19. Cymbal III 23
Tremulant
Pedal C–f1
20. Subbass 16′
21. Octavbass 8′
22. Choralbass 4′
23. Fagott 8′

LiteraturBearbeiten

  • Württembergisches Klosterbuch. Thorbecke, Ostfildern 2003, ISBN 3-7995-0220-3. S. 433 ff.
  • Johannes Brümmer: Kunst und Herrschaftsanspruch. Abt Benedikt Knittel (1650–1732) und sein Wirken im Zisterzienserkloster Schöntal. (Forschungen aus Württembergisch Franken 40.) Thorbecke, Sigmaringen 1994.
  • Heribert Hummel: Kloster Schöntal. Schöntal 1991.
  • Aquilin Leypold: Der Convent Schönthal von der Gründung 1157 bis zur Aufhebung 1803. In: Cistercienser-Chronik, Nr. 35–40, 4. Jg. 1892.
  • Maria Magdalena Rückert: Von der frommen Adelsstiftung zur reichsunmittelbaren Abtei: Kloster Schöntal in den ersten 250 Jahren seines Bestehens. In: Dieter R. Bauer (Hrsg.): Unter Beobachtung der heiligen Regel. Zisterziensische Spiritualität und Kultur im baden-württembergischen Franken. (Forschungen aus Württembergisch Franken 48) Thorbecke, Stuttgart 2002, ISBN 3-7995-7649-5, S. 25–38.
  • Maria Magdalena Rückert: Grundherrschaft und Klosterwirtschaft im mittelalterlichen Zisterzienserkloster Schöntal. In: Georg Mölich, Norbert Nußbaum, Harald Wolter-von dem Knesebeck (Hrsg.): Die Zisterzienser im Mittelalter. Neue Perspektiven auf Formierung, Ausbreitung und Manifestationen eines Ordens. Böhlau Verlag, Köln/Weimar/Wien 2017, ISBN 978-3-412-50718-3.
  • Ottmar Schönhuth: Chronik des Klosters Schönthal aus urkundlichen Quellen. Mergentheim 1850. (E-Kopie)
  • Joachim Werz: Eine konfessionalisierte Zisterzienserbibliothek. Die Buchbestände der Zisterzienserabtei Schöntal in der Königlichen Handbibliothek des Tübinger Wilhelmstift als Quellen konfessionellen Wissens. In: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Joachim Werz (Hrsg.): Die Zisterzienser. Konzeptionen klösterlichen Lebens. Regensburg 2017, S. 63–84.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. www.schloesser-magazin.de (Memento vom 20. Oktober 2007 im Internet Archive)
  2. Bruch, Julia: Auch Nonnen müssen rechnen können. In: Georg Mölich, Norbert Nussbaum, Harald Wolter-von dem Kneseback (Hrsg.): Die Zisterzienser im Mittelalter. 1. Auflage. Böhlau Verlag, Köln/Weimar/Wien: 2017, ISBN 978-3-412-50718-3, S. 310.
  3. Informationen zur Orgel
  4. Informationen zur Disposition

WeblinksBearbeiten