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Kloster Prüll

Kirchengebäude in Regensburg
Türme der Klosterkirche
St. Vitus, Prüll
Die Kartause Prüll auf einer Ansicht von 1742

Das Kloster Prüll wurde 997 als Benediktinerkloster gegründet und 1484 in ein Kloster der Kartäuser umgewidmet. Es liegt im Ortsteil Karthaus-Prüll im Stadtgebiet der Stadt Regensburg in Bayern in der Diözese Regensburg. Bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches 1806 lag das Kloster auf bayerischem Gebiet, nur knapp 1 km von den Stadtmauern der Reichsstadt Regensburg entfernt. Die Klostergebäude waren deshalb im Dreißigjährigen Krieg während der Kämpfe um Regensburg ein beliebter Aufenthaltsort für Kommandeure von Belagerungsheeren, die von den Türmen des Klosters einen guten Blick auf die Stadt und das Schlachtfeld hatten.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Herzog Albrecht IV. und der hl. Johannes.
Herzog Wilhelm IV. und der hl. Bartholomäus.


Glasfenster aus dem Chor der Klosterkirche der Kartause Prüll, heute im Bayerischen Nationalmuseum, München

Das dem heiligen Vitus geweihte Kloster wurde 997 durch Bischof Gebhard I. von Regensburg und seinen Bruder Rapoto als Benediktinerkloster gegründet. Der Klostername leitete sich vom Wort Prüll ab, dies bedeutete sumpfiges Gelände. Das Kloster war ein sogenanntes Doppelkloster, die Mönche und Nonnen lebten am selben Ort, die Teilkonvente wurden allerdings streng getrennt. Nachdem das Kloster seit 1130 oft von Pilgern besucht wurde, errichteten die Ordensmitglieder ein Armenhaus und ein Xenodochium. Nachdem das Kloster immer weiter verfiel, beschloss der bayerische Herzog Albrecht IV von Bayern das Kloster an die Kartäuser abzugeben. Der Ordenswechsel wurde 1484 vollzogen. Die Ordensmitglieder trennten ihre Klausen mit bis zu drei Meter hohen Mauern ab, jeder Mönch pflegte seinen eigenen Garten, vermutlich auch zur Pflege von Heilkräutern. Der ab 1506 dort als Prior wirkende Heinrich Moiston verfasste ein auch Paracelsus bekanntes Arzneibuch mit dem Titel Liber medicinalis.[1] Alle Ordensmitglieder waren nur während des Gebets in der Klosterkirche zusammen.

Im November 1633 nach der Eroberung der Reichsstadt Regensburg im Dreißigjährigen Krieg durch die Schweden unter Feldmarschall Bernhard von Sachsen-Weimar mussten die Mönche das Kloster verlassen. Im Verlauf der Rückeroberung von Regensburg durch ein kaiserlich-bayerisches Heer im Sommer 1634 wurde das Kloster vom kaiserlichen Oberbefehlshaber König Ferdinand und dessen Beratern und Offizieren als Quartier benutzt.[2] Nach Beendigung der Kämpfe kehrten die Mönche in das von den Schweden teilweise ausgeraubte Kloster zurück. In der Klosterkirche wurde noch im gleichen Jahr der im bayerischen Dienst stehende General Johann von Aldringen mit einem Epitaph als Denkmal bestattet. Er war Ende Juli 1634 bei Landshut ums Leben gekommen.

Im Jahr 1803 wurde das Kloster im Zuge der Säkularisation aufgelöst. 1809 übernachtete Napoleon Bonaparte im Klostergebäude, da er sich verletzt hatte.[3] Im Jahr 1835 kaufte der bayerische Bezirk Oberpfalz das Kloster. Daraufhin wurde 1852 in den Gebäuden des Klosters die Königliche Kreisirrenanstalt eingerichtet.[4] Heute befindet sich dort das Bezirksklinikum Regensburg mit einem kleinen Museum zu dessen Geschichte.

Klosterkirche St. VitusBearbeiten

 
Innenraum mit Blick auf den Chor

Um 1100 entstand anstelle des ottonischen Vorgängerbaus eine romanische Hallenkirche, die erste ihrer Art in Bayern. Die Kirche bestand aus drei gleich großen Schiffen. Die beiden schlanken Türme sind achteckig und wurden später im Jahr 1451 errichtet. Nördlich der Kirche befindet sich ein Kreuzgang.[3]

Der Innenraum ist im Stil der Renaissance gestaltet. Die Gewölbe und Fensterleibungen sind mit reichem Stuck von 1601 bis 1605 versehen, die die Raumarchitektur betonen. Die Wände im Altarraum über dem Chorgestühl sind mit Ölgemälden verziert, die die Lebensgeschichte von Jesus auf Erden darstellt, diese wurden unter anderem von Johann Sepelius und Georg Christoph Einmart (* 1603, † 1658) erschaffen. Auf der durch eine Treppe erreichbaren Empore entstand um 1200 ein romanisches Fresko. Es stellt die Verkündigungsszene dar, wobei in den Heiligenscheinen der Figuren ehemals Edelsteine angebracht waren.

 
Hochaltar
 
Teile des Chorgestühls und des Jesuszyklus

Der 12 m hohe Altar der Kirche nimmt in der Breite eines Chorjoches fast die gesamte Höhe des Kirchenschiffes ein und bestimmt dominant den Chorschluss. Der Altar wurde vom bayerischen Herzog Wilhelm V. gestiftet, vom Münchener Hofbildhauer Hans Krumpper entworfen und 1605 fertig gestellt. Im Blick auf die benachbarte protestantische Reichsstadt Regensburg ist der Altar als Antwort der Gegenreformation zu werten, die von Herzog Wilhelm V., der sich häufig und länger im Kloster aufhielt, betrieben wurde. Der Altar steht noch heute am ursprünglichen Ort, hat aber nicht mehr ganz die ursprüngliche Gestalt. Erste Veränderungen wurden bereits 1641 vorgenommen, um Kriegsschäden zu beseitigen. Dabei entstanden auch die beiden Säulen des Hauptgeschosses und die beiden Figuren in den Nischen. Eine starke Veränderung des Gesamteindrucks ergab sich nach 1700, als mit Einbau von Verbindungswänden der Altar mit den Chormauern zu einer Einheit verbunden wurden.[5]

An der Seite der Kirche befindet sich eine umfangreiche Ausstellung, in der u. a. auf Glasfenstern die Geschichte des Ordens abgebildet ist. Außerdem werden archäologische Funde des Kunsthandwerks und Reste eines Kachelofens gezeigt.[4]

Profanierte ehem. Pfarrkirche St. VitusBearbeiten

Die nördlich der Klosterkirche gelegene Pfarrkirche St. Vitus wurde als Folge der Säkularisation im 19. Jh. profaniert und in ein Wohnhaus umgebaut, das sich als dreigeschossiger Walmdachbau darstellt. Diesem Haus, Ludwig-Thoma-Straße Nr. 16, ist seine Vorgeschichte nur an dem an der Ostseite noch erkennbaren Dreiseitenchor abzulesen. Im Untergeschoss befindet sich die Quellfassung des Vitusbaches.

LiteraturBearbeiten

  • 1000 Jahre Kultur in Karthaus-Prüll. Geschichte und Forschung vor den Toren Regensburgs. Festschrift zum Jubiläum des ehemaligen Klosters. Pustet, Regensburg 1997, ISBN 3-7917-1546-1. (nicht eingesehen)

WeblinksBearbeiten

  Commons: Kloster Prüll – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Wolfgang Wegner: Moiston (Musel), Heinrich (auch genannt Heinrich von Prüll/Brühl). In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1001.
  2. Peter Engerisser: Eine bisher unbekannte Ansicht der Belagerung Regensburgs im Jahre 1634. In: Verhandlungen des Historischen Vereins Regensburg. Band 148. Verlag des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg, 2008, ISSN 0342-2518, S. 64.
  3. a b Geschichte des Klosters (Memento vom 25. August 2007 im Internet Archive) auf donaustrudl.de
  4. a b Beschreibung des Klosters und der Klosterkirche (Memento des Originals vom 29. Januar 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kultur-ostbayern.de auf kultur-ostbayern
  5. Hubert Kernl: Altäre der Renaissance. In: Arbeitskreis Regensburger Herbstsymposium (Hrsg.): „Zwischen Gotik und Barock“ Spuren der Renaissance in Regensburg. Band 26. Dr. Peter Morsbach Verlag, Regensburg 2012, ISBN 978-3-937527-55-0, S. 133–136.

Koordinaten: 49° 0′ 3,1″ N, 12° 5′ 18,3″ O